
Es riecht nach Kaffee, selbst gebackenem Kuchen und ein bisschen nach Vereinsheim. Draußen ist Altomünster so still wie an jedem anderen Sonntag, nur ein paar parkende Autos, leises Stimmengewirr hinter einer Tür, irgendwo klirrt eine Tasse. Drinnen aber liegt etwas Besonderes in der Luft: Gespräche werden leiser, Blicke schweifen zur Tür, jemand schaut auf die Uhr. Man wartet.
Und zwar auf den Moment, der diesem Nachmittag seine besondere Bedeutung verleiht. Auf den Besuch eines Spielers, den die meisten hier sonst nur aus dem Stadion oder vom Bildschirm kennen. Für viele ist es das erste Mal, einem Profi des FC Bayern so nah zu kommen – ohne Absperrung, ohne Tribüne, ohne Distanz. Ein Erlebnis, das den rund 200 Fans, die heute im Kapplersaal zusammengekommen sind, noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Dann öffnet sich die Tür. Stühle rücken, Applaus bricht los und die Blaskapelle setzt ein. Joshua Kimmich betritt den Saal, schüttelt Hände, lacht, bleibt hier einen Moment stehen, hört dort zu, tauscht kurze Worte aus. Die Nähe, die er schafft, geht weit über ein bloßes Hallo hinaus. Für einen Augenblick scheint der Unterschied zwischen Weltfußball und Vereinsheim kleiner.

Ich komme selbst aus einem kleinen Dorf. Ich weiß, wie viel Manpower und Freiwillige es braucht, um so etwas zu organisieren. Man merkt, dass das hier mit Herz und Liebe vorbereitet wurde. Natürlich wissen wir alle, wie wichtig es ist, diese Fanbase zu haben.
Joshua Kimmich
Unser Mittelfeldspieler ist an diesem Sonntag beim FC Bayern-Fanclub Alto-Bavaria im oberbayerischen Landkreis Dachau zu Gast. Solche Besuche haben beim Verein Tradition: Seit 40 Jahren fahren die Profis des deutschen Rekordmeisters einmal im Jahr zu den Fanclubs, um mit den Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Sie beantworten Fragen, schreiben Autogramme und erfüllen Fotowünsche. Für den FC Bayern sind diese Termine weit mehr als Pflichtprogramm – sie sind Ausdruck echter Fannähe und Wertschätzung für all die Menschen, die den Verein Woche für Woche begleiten, auf den Tribünen, vor dem Fernseher oder bei regelmäßigen Treffen der Fanclubs.
Fanclubbesuche 2026: Ein unvergesslicher Tag!

Die Vorbereitungen auf einen solchen Besuch sind aufwändig – das weiß Kimmich aus eigener Erfahrung. „Ich komme selbst aus einem kleinen Dorf“, sagt der gebürtige Rottweiler, der im beschaulichen Ort Bösingen aufgewachsen ist. „Ich weiß, wie viel Manpower und Freiwillige es braucht, um so etwas zu organisieren. Man merkt, dass das hier mit Herz und Liebe vorbereitet wurde.“ Stundenlang hatten die Mitglieder den Saal im Ortszentrum hergerichtet, Banner arrangiert, Abläufe geplant – für viele ist es ein Höhepunkt des Vereinslebens, wenn Spieler wie Kimmich persönlich vorbeikommen. „Wir haben gemeinsam viele Spiele erlebt, große Erfolge gefeiert und auch schwierige Phasen miteinander durchgestanden“, sagt Martin Schaffer, Vorsitzender der Alto-Bavarians. „Aber so ein Besuch wie heute ist alles andere als selbstverständnlich. Ein Tag, der für uns durchaus als geschichtsträchtig bezeichnet werden darf.“ So entsteht eine Verbindung, die weit über das Spielfeld hinausgeht und den FC Bayern in der Fanlandschaft besonders macht.

Sein schönster FC Bayern-Moment
Und tatsächlich werden die Fans für ihren Einsatz reich belohnt. Kimmich nimmt sich viel Zeit, beantwortet neugierige Fragen und gewährt seltene Einblicke in seine Karriere. Auf die Frage nach den besten Mitspielern nennt er Franck Ribéry, Thiago und David Alaba – jeder aus einem anderen Blickwinkel: Ribéry für seinen spektakulären Spielstil gepaart mit Mentalität, Thiago für seine fußballerische Vollkommenheit, Alaba für sein Gesamtpaket aus Können, Teamgeist und Beständigkeit. Ein anderer Fan will wissen, welcher sein schönster Moment im FC Bayern-Trikot gewesen sei. „Normalerweise macht man das immer von Erfolgen abhängig“, entgegnet Kimmich und erinnert an den Gewinn der Meisterschaft 2023 in Köln. „Als Jamal in der 88. Minute das Tor gemacht hat. Das war ein krasses Jahr, das eigentlich nicht so positiv war.“ Auch der Champions League-Triumph 2020 bleibt natürlich unvergessen. „Das Problem war, dass keine Fans dabei waren. Es war für mich natürlich trotzdem emotional, weil ein sehr großer Traum in Erfüllung gegangen ist.“

Auch für die Alto-Bavarians, die in Kimmich ein neues Ehrenmitglied in ihrem Fanclub begrüßen dürfen, wird an diesem Sonntag ein Wunsch zur Realität. Vorsitzender Martin Schaffer findet nur lobende Worte für den Mittelfeldstrategen. „Du bist keiner, der sich wegduckt, keiner, der nur vorangeht wenn alles leicht läuft. Du gehst auch dann voran, wenn es schwierig wird und wenn es unbequem ist. Und genau das schätzen wir Fans an dir.“ Kimmich stehe für Einsatz, Ehrgeiz, Siegeswillen und klare Worte, betonte der Vereinschef. Unsere Nummer sechs gibt den Dank zurück: „Natürlich wissen wir alle, wie wichtig es ist, diese Fanbase zu haben“, sagt Kimmich. Auch das sei besonders beim FC Bayern – zu sehen, wie viele Menschen hinter dem Club stehen, dass das Stadion bei jedem Heimspiel ausverkauft ist.

Diesen Trainern verdankt Kimmich am meisten
Dass er heute vor 75.000 Fans in der Allianz Arena aufläuft, kommt nicht von ungefähr. Auf die Frage eines Anhängers, welche Eigenschaften ihn so weit gebracht hätten, erklärt Kimmich reflektiert, dass Talent allein nicht reiche. „Ich habe viele Jugendspieler gesehen, die deutlich begabter waren als ich, ihr Potenzial aber nicht alle drei Tage abrufen konnten.“ Entscheidend sei neben dem Können vor allem die mentale Stärke – und Menschen, die an einen glauben. Kimmich hatte Glück, dass Trainer wie Alex Zorniger in der 3. Liga und später Pep Guardiola beim FC Bayern ihm Vertrauen schenkten und ihm die Chance gaben, auf großer Bühne zu zeigen, wozu er fähig ist.
Neben der Karriere gibt Kimmich auch Einblicke in seinen Alltag als Profifußballer – und als Familienvater. „Normalerweise stehe ich um 6:30 Uhr auf“, erzählt er. Dann begleite er seinen ältesten Sohn zum Schulbus, bringe seine Tochter in den Kindergarten und fahre anschließend ins Training. Dort wechseln Behandlung, Besprechungen und Kraftraum aufeinander, bevor die Mannschaftseinheit folgt. Anschließend geht es zurück nach Hause, gelegentlich stehen noch Marketing- oder PR-Termine an – unregelmäßig, je nach Spielplan und Reisen.

Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Altomünster wird Kimmich reich beschenkt: einen Brotzeitkorb aus seiner Heimat Bösingen, selbst gebackenen Kuchen, den er später selbst anschnitt, und unzählige Erinnungsfotos mit den Fans nimmt er mit nach Hause. Begeistert zeigen sich auch Stefan Loibl und Dennis Schneider aus Altomünster. „Ich finde die Idee vom FC Bayern überragend, dass sie die Spieler zu den Fanclubs schicken. Das zeigt Fannähe“, so Stefan. Dennis schließt sich an: „Ich würde sagen, dass Bayern schon immer sehr fannah war. Es ist ein Dankeschön an uns Fans vor Ort.“
Am Ende bleibt der Eindruck: Joshua Kimmich ist nicht nur ein Weltklassespieler, sondern auch ein nahbarer, authentischer Mensch. Für die Mitglieder der Alto-Bavarians wird dieser Sonntag noch lange nachhallen. Wer an diesem Nachmittag durch den Kapplersaal geht, spürt, dass hier mehr als ein Fantreffen stattfindet: Es wird ein Stück FC Bayern erlebbar, ganz nah, greifbar und unvergesslich.
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