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2012: Manuel Neuer schwang den Taktstock bei den „Bayernfreunden“ in Thannhausen.
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Alle Jahre wieder: 40 Jahre Fanclubbesuche des FC Bayern

Diese Saison ist es am 4. Januar so weit. Dann machen sich Spieler und Verantwortliche wieder auf und besuchen Fanclubs landauf, landab. Doch seit wann gibt es diese Tradition eigentlich beim FC Bayern? Wie hat alles angefangen? Eine kleine Zeitreise durch 40 Jahre Fanclubbesuche.

Dieses 1:0 gegen den VfB Stuttgart im Dezember 2003 war eigentlich ein Spiel, dessen Geschichte schnell erzählt ist. Später Siegtreffer durch Roy Makaay, drei Punkte mehr auf dem Bundesliga-Konto, weiter geht’s. Und trotzdem gibt es einen Grund dafür, dass es heute, 22 Jahre später, immer noch vielen Bayern-Fans im Gedächtnis ist. Der lag nicht auf dem Feld, sondern saß daneben, genauer gesagt: auf der Ersatzbank. Und er trug – der Jahreszeit entsprechend, dem eigenen Stil eher nicht – eine rot-weiß gestreifte Mütze mit Bommel, bekannt unter dem Namen: „Pomperlhaube“.

Für einen kurzen Moment war Uli Hoeneß skeptisch gewesen, als er beim Fanclub-Besuch in Bad Griesbach jene Wette einging, die zu den legendären Bildern aus dem Münchner Olympiastadion führte. Aber bei dieser wunderbar geselligen und gemütlichen Stimmung war der Handschlag schnell geschehen. Das Geschäft sah aus wie folgt: Sollten die Bayern – angefeuert von 300 mit Freitickets ausgestatteten „Pomperlbuam“ – gegen den RSC Anderlecht gewinnen und ins Achtelfi nale der Königsklasse einziehen, würde Hoeneß im darauffolgenden Bundesliga-Spiel mit seiner neuen Kopfbedeckung aufl aufen. Genau so kam es, und dass Hoeneß nicht ganz vorteilhaft aussah, war ihm herzlich egal. Sein Wort zählt, und die Mütze war ein Zeichen für die Werte, die der damalige Manager und heutige Ehrenpräsident stets verkörpert: Respekt, Verlässlichkeit – und Liebe zum zwölften Mann.

Aumann: „Lustig war es immer“

1988: Raimond Aumann als Helfer des Nikolaus beim Fanclub „Donau-Ries“. Bis heute bringen die Fanclubbesuche Kinderaugen zum Strahlen.
1988: Raimond Aumann als Helfer des Nikolaus beim Fanclub „Donau-Ries“. Bis heute bringen die Fanclubbesuche Kinderaugen zum Strahlen. | © Imago

Geschichten wie diese hat Raimond Aumann viele im Kopf. Und es ist kein Zufall, dass er sie nun noch mal erzählt. Ja, tatsächlich: Es is scho wieder Weihnachten, und dieses Jahr sogar ein Fest mit Jubiläum. Bereits zum 40. Mal nämlich schwärmen die Profi s und der Staff des FC Bayern in der laufenden Saison aus, um ein paar unbeschwerte Stunden in den heiligen Hallen der ausgelosten Fanclubs zu verbringen. Vor Ort geht es ums Miteinander, in den Turn- und Gemeindehallen, Vereinsheimen und Bierzelten von Bayern, Deutschland und selbst darüber hinaus. Aumanns Lieblingsanekdote aus bisher 39 Fanclub-Besuchen rund um die Weihnachtszeit? „Ich würde da ungern jemanden herausheben“, sagt der Mann, der zunächst ab 1985 als Spieler und dann knapp drei Jahrzehnte als Verantwortlicher der Direktion Fan- und Fanclubbetreuung dabei gewesen ist. Aber er versichert: „Es war immer lustig!“

Heuer ist es am Sonntag, den 4. Januar 2026, so weit – der Spielplan hat nach einem Neujahrsempfang gerufen. Aber auch ohne Weihnachtsbaum, Glühwein und Plätzchen bleibt der Geist dieser besonderen Institution derselbe. „Die Tradition steht seit vier Jahrzehnten für Verbundenheit, Gemeinschaft und Fannähe“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen. Präsident Herbert Hainer nennt es: „Gelebtes ‚Mia san mia‘.“ Und Hoeneß fasste schon vor mehr als 30 Jahren zusammen: „Die Fans kommen jedes Jahr mehrmals von weit her nach München. Da ist es doch selbstverständlich, dass wir auch einmal den Weg auf uns nehmen.“

Glückliche Fans, glückliche Spieler

2002: Bescherung für Ottmar Hitzfeld beim Fanclub „Babenhausen“ im Allgäu.
2002: Bescherung für Ottmar Hitzfeld beim Fanclub „Babenhausen“ im Allgäu. | © Imago

Es verwundert also nicht, was Aumann über die Anfangsjahre dieser einzigartigen Aktion sagt: „Uli hat das in die Wege geleitet. Er hat gesagt: Ihr müsst raus zu den Fans!“ Im Jahr 1985 schickte der Jung-Manager die Bayern das erste Mal durch die Republik, am Anfang „sehr sporadisch“, dann wurde es laut Aumann „aber schnell zu einer festen Einrichtung rund um die Weihnachtszeit“. Der erste organisierte Fanclub-Besuch fand 1988 statt, der Aufruf im Bayern-Magazin erfolgte Ende Oktober unter der Überschrift: „Egal, wo Sie feiern: Ein Bayer wird Ihr Gast sein.“

Unter anderem die Trainer Jupp Heynckes und Egon Coordes, 19 Spieler und Hoeneß wurden als Gäste unter den damals rund 260 Fanclubs verlost. Mitmachen durften alle, die mehr als 50 Mitglieder hatten, und die Aktion fand sofort Anklang: So versuchten gleich 150 Fanclubs ihr Glück. Wie die große Premiere verlaufen war, konnte man zwei Monate später nachlesen. Die Fotos noch schwarz-weiß, die besondere Stimmung aber kommt bestens rüber. Dazu die Worte, die nicht mal übertrieben waren: „Das gab’s noch nie! In einem in der Bundesliga wohl einzigartigen Akt gingen die Stars des FC Bayern auf Reisen.“

Karl Hopfner war beim ältesten Fanclub in Steinsberg zu Gast, Stefan Reuter hatte seine Freundin Birgit zu den „Kronach Friesen“ mitgebracht, Wiggerl Kögl fuhr bis nach Südtirol, Olaf Thon schnitt in Pilsting die Torte an, Norbert Nachtweih drehte sogar am Leierkasten. Das Fazit: „Die Fans waren happy, die Spieler fast noch mehr. Und unser Versprechen steht: Wir kommen wieder!“ Es steht bis heute, und selbst Aumann sagt: „Eine 40 Jahre lange Tradition – das ist nicht nur unglaublich, sondern europaweit einmalig!“ Natürlich war die Welt 1985 noch eine andere: „Aber geblieben ist, was uns wichtig ist.“

Ja, es gab hier und da Anpassungen, ab und an musste ein Besuch verschoben werden, während der Corona-Pandemie fi elen die Treffen aus. Und trotzdem „muss man nicht neu erfi nden, was Tradition hat“. Der Kern der Besuche ist zeitlos: Der Tag gehört dem Fanclub, der das Programm rund um seinen Star eigenständig gestaltet. So gab es in den vergangenen 40 Jahren viele wiederkehrende Elemente – aber auch diverse einmalige Aktionen.

Bereits 1993 hieß es: „Alle Jahre wieder“

Ein regelrechter Hype entstand in den Anfangsjahren. 1991 zählte der FC Bayern bereits 575 offi ziell angemeldete Fanclubs, die sich für die Weihnachtsbesuche gern zusammentaten. Und 1993, nach der sechsten Ausgabe der besonderen Aktion, stand bereits im Bayern-Magazin: „Alle Jahre wieder!“ Die Spieler wussten, was es hieß, wenn der damalige Pressesprecher Markus Hörwick mit allen relevanten Informationen für die Fanclub-Besuche um die Ecke kam. Aumann: „Die Routen wurden uns auf der Landkarte gezeigt. Dazu Ausweichund Übernachtungsmöglichkeiten. Man wusste ja nie, was passiert.“

Wette verloren, „Pomperlhaube“ gewonnen: Im Dezember 2003 verpassten die Fans Uli Hoeneß einen neuen Look.
Wette verloren, „Pomperlhaube“ gewonnen: Im Dezember 2003 verpassten die Fans Uli Hoeneß einen neuen Look. | © Imago

Von Schnee, Eis, Stau bis Autobahnchaos war alles dabei. Meist aber kamen die Stars dort an, wo sie sich sichtlich wohlfühlten: unter den gastfreundlichen Fans. Die Geschenktüten waren stets voll – mit Autogrammkarten, unterschriebenen Bällen, Wimpeln, Trikots, Postern und Freikarten. Im Gegenzug gab es gern Spezialitäten der Region. Michael Sternkopf bekam 1992 eine originale Schwarzwälder Kuckucksuhr, Oliver Kreuzer einen leckeren Honigschnaps, Manni Schwabl einen mit seinem Porträt bedruckten Bierkrug. Und Oliver Kahn kehrte einst aus Greding mit einem Sack Kaugummis zurück. Warum? „Der kaut doch immer. Jetzt braucht er sich für längere Zeit keine mehr kaufen.“

Als die Besuche 1998 wegen eines verlegten Spiels abgesagt werden mussten, wurden alle 350 Fanclubs, die sich beworben hatten, mit einem Weihnachtspaket belohnt – dazu gab es die Aussicht auf ein gemeinsames Sommerfest. Eine Ausnahme allerdings, denn Aumann sagt: „Wir hätten den gemütlichen Weg gehen und immer alle zu uns einladen können. Aber genau das wollten wir nicht.“ In die Fanwelt einzutauchen, drückt Dankbarkeit aus. Und bringt noch dazu Erlebnisse, die der eine oder andere Spieler bis heute nicht vergessen hat.

Salihamidžic melkt, Lahm dirigiert

2009: Bei den „RedStars Attenhausen“ nehmen zwei Krampusse Philipp Lahm in die Zange. Er hat trotzdem gut lachen.
Bei den „RedStars Attenhausen“ nehmen zwei Krampusse Philipp Lahm in die Zange. Er hat trotzdem gut lachen. | © Imago

Kein Weg war bisher zu weit, auch nicht der, den Christian Ziege 1997 auf sich nahm. In Thessaloniki empfi ng der Fanclub „Macedonia Greece“ den Europameister, die ganze Stadt war mit seinen Postern plakatiert. Weit über die deutschen Grenzen – vor allem nach Österreich und nach Italien – gingen die Trips oft. „Im Laufe der Jahre“, sagt Aumann, „haben wir das immer besser aufgeteilt. Wie kommen wir in die Regionen? Wer passt wohin am besten?“

So waren unter anderem Hermann Gerland und später Leon Goretzka schon in ihrer Heimatstadt Bochum. Dort kannte man sich – aber auch der Reiz des Neuen hat vielen Spielern gefallen. Oder hätte Zé Roberto bei seinem Wechsel 2002 geahnt, dass er in den kommenden Jahren sowohl Alphorn als auch Posaune spielen würde? Michael Ballack, dass er vom Krampus für ein frühes Champions League-Aus bestraft wird? Hasan Salihamidžic, dass er eine Kuh melkt? Lukas Podolski, dass er Tombola-Glücksfee wird? Philipp Lahm, dass er eine Jugendblaskapelle dirigiert? Oder Jamal Musiala, dass er im Schuhplatteln gar nicht so unbegabt ist? Aumann sagt: „Man sollte den Fanclub nicht in ein Schema F pressen. Vielmehr kann er sich so präsentieren, wie er sein möchte.“

Die Fans kitzeln so einiges aus den Stars heraus, auch verbal. Denn die Fragerunden in den meist übervollen Hallen unterliegen keinem Tabu. Mögen Sie Schweinsbraten? Haben Sie einen Wohnwagen? Wie sind Sie eigentlich zum besten Linksfuß der Welt geworden? Für Groß und Klein, Eltern wie Kinder, Pfarrer, Bürgermeister gilt: einfach raus damit. Dazu Blasmusik oder auch mal ein Gospelchor, der „Stern des Südens“ zum Besten gibt. Meist ein kühles Bier – gern auch beim Maßkrugstemmen: Grad sche ist’s! Und am Ende ist der Besucher meist Ehrenmitglied im Fanclub oder Ehrenbürger der Stadt. Oder halt beides.

„Es soll noch Jahrzehnte so bleiben“

2009: Bei den „RedStars Attenhausen“ nehmen zwei Krampusse Philipp Lahm in die Zange. Er hat trotzdem gut lachen.
2009: Bei den „RedStars Attenhausen“ nehmen zwei Krampusse Philipp Lahm in die Zange. Er hat trotzdem gut lachen. | © Imago

Ob man als Dauerbrenner noch einen Überblick über die Ehrenmitgliedschaften hat? „Darum geht’s nicht“, sagt Aumann, viel wichtiger sind „die wunderschönen Momente mit den Fans“. Nicht ohne Grund spricht er lieber noch mal aus, was zum 40. Jubiläum jeder hören sollte: „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das dem FC Bayern gut zu Gesicht steht. Und ich wünsche mir, dass es das in den nächsten Jahrzehnten auch bleibt.“ Sagen wir mal so: Eine stinknormale Mütze tragen kann jeder Manager. Aber eine Pomperlhaube hat nur einer.

Der Text erschien in der Dezember-Ausgabe des FC Bayern-Mitgliedermagazins „51“:

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