
Obwohl Köln am Mittwoch (20:30 Uhr) den FC Bayern zum ersten Mal nach dem Aufstieg wieder in der Bundesliga empfangen wird, wird es nicht das erste Aufeinandertreffen der beiden Traditionsclubs in dieser Saison sein. Ende Oktober setzte sich der deutsche Rekordmeister in der 2. Runde des DFB-Pokals mit 4:1 beim Effzeh durch.
Nach dem 1:0-Führungstreffer von Ragnar Ache (31. Minute) verwandelte sich das Stadion in der Karnevalshochburg in ein Tollhaus - doch die Münchner spielten die Partycracher. Luis Díaz (36.) und Harry Kane (38.) drehten die Partie noch vor der Pause, erneut Kane (64.) und Michael Olise (72.) sorgten für den Endstand. Mit dem Wissen von heute war die Niederlage der Kölner gegen den Rekordpokalsieger der Startschuss für die Wochen der Wahrheit - und die Wochen des Wandels. Was es damit auf sich hat und wie Köln aktuell drauf ist, erfahrt Ihr im Gegnercheck vor dem Hinrundenfinale in der Englischen Woche.
Seit dem Derby geht es bergab

Am Sonntag nach der Pokalniederlage gegen den FC Bayern zeigten die Kölner eine bärenstarke Reaktion in der Liga. Ache, Manuel Kainz, Said El Mala und Jakub Kaminski schossen einen 4:1-Heimsieg im Aufsteigerduell mit dem Hamburger SV heraus. Im Müngersdorfer Stadion wurden die rot-weißen Schals geschwenkt, die Fans lagen sich kurz vor dem Karnevalsstartschuss am 11.11. bereits in den Armen. Mit 14 Punkten nach neun Spieltagen stand der Aufsteiger auf Platz sieben der Bundesliga, und das vor Teams wie Frankfurt, Bremen oder Wolfsburg. Viva Colonia!
Auf diese „Superjeilezick“ ab dem Saisonstart folgte im Kölner Lager dann aber Katerstimmung. Nach dem spektakulären Heimsieg gegen den HSV setzte es eine bittere 1:3-Auswärtsniederlage im Derby bei Borussia Mönchengladbach, die der Anfang einer bis heute anhaltenden Abwärtsspirale war. Inklusive des Lokalderbys hat Köln die vergangenen sieben Pflichtspiele nicht mehr gewonnen. Seit Anfang November stehen vier Niederlagen und drei Remis zu Buche. Damit rangiert der Effzeh einen Spieltag vor Ende der Hinrunde mit 17 Punkten auf Platz elf. Das liest sich für einen Aufsteiger immer noch mehr als beachtlich, dennoch rückt die Abstiegszone langsam näher. Fünf Zähler trennen Köln von St. Pauli auf dem Relegationsplatz, doch die Hamburger haben noch ein Nachholspiel in der Hinterhand.
Am vergangenen Spieltag holte Köln ein 2:2-Remis beim Tabellenvorletzten 1. FC Heidenheim. Eric Martel und Said El Mala brachten die Gäste nach zweimaligem Rückstand mit ihren Toren wieder zurück in die Partie. FC-Trainer Lukas Kwasniok überraschte mit einer mutigen Startelf, da er den 18-jährigen Fynn Schenten und den 20-jährigen Winterneuzugang Jahmai Simpson-Pusey in die Startelf beorderte. Shootingstar und Torschütze El Mala wurde zur Halbzeit eingewechselt, in Isak Johannesson blieb der Königstransfer des Sommers und einer der Garanten für den starken Saisonstart auf der Bank. „Das sind harte Entscheidungen. Aber ich bin angetreten, nicht nur den FC in der Liga zu halten, sondern den Club auch zu entwickeln“, erklärte Kwasniok. „Das geht nur mit harten Entscheidungen.“
Viele Verletzte in der Verteidigung

Dagegen stellt sich die Verteidigung der Rheinländer derzeit fast von selbst auf. Leistungsträger Martel fehlt gegen die Münchner gelbgesperrt, Rav van den Berg wegen einer Rotsperre. „Eric ist – in egal welchem Spiel – ein Faktor. Deshalb tut sein Ausscheiden natürlich weh. Aber wir werden versuchen, das aufzufangen – genauso, wie wir auch Rav aufgefangen haben“, sagte Köln-Kapitän Marvin Schwäbe nach dem Heidenheim-Spiel. Luca Kilian und Timo Hubers fallen mit Knieverletzungen monatelang aus, außerdem sind auch die beiden Innenverteidiger Joel Schmied (Oberschenkel) und Dominique Heintz (Adduktoren) derzeit nicht einsatzfähig. Gegen Heidenheim verteidigte neben Martel und Simpson-Pusey der Norweger Sebastian Sebulonsen, gegen die Münchner muss Kwasniok improvisieren. Am wahrscheinlichsten ist, dass Sommerneuzugang Cenk Özkacar in die Anfangself rücken wird.
Die Kölner müssen gegen die Bayern insbesondere bei Standards aufpassen, sind die Münchner in dieser Spielzeit nach Eckbällen und Freistößen doch äußerst gefährlich. Der Effzeh kassierte in der laufenden Bundesliga-Saison bereits 15 Tore nach ruhenden Bällen, der FCB war 15-mal nach solchen erfolgreich - beides sind Ligahöchstwerte! Außerdem laufen nur die Münchner (124 Kilometer) in der Bundesliga im Schnitt pro Partie mehr als der 1. FC Köln (121). Es dürfte am Mittwoch also hoch und runter gehen.
So funktioniert Kölns 3-4-3-System
Unter Kwasniok setzt der 1. FC Köln auf eine bewegliche und aktive Spielweise, bei der die Akteure stets geistig und körperlich gefordert sind. In der Spieleröffnung locken die Kölner ihre Gegner häufig gezielt in bestimmte Zonen, um dann mit präzisen Pässen oder langen Bällen anzugreifen. Kwasniok legt Wert auf Flexibilität statt starre Systeme und gibt seinen Spielern Freiheiten in der Entscheidungsfindung. Besonders auffällig sind die Angriffe über die Flügel und die dynamischen, inversen Dribblings – vor allem durch Akteure wie Kaminski oder El Mala. Der FC Köln variiert sein Pressing je nach Situation, wechselt zwischen offensivem Anlaufen und kompakter Defensive und möchte so die Räume für schnelle Konter nutzen. Das Ziel der Domstädter am Mittwochabend dürfte klar sein: Die Negativserie soll ausgerechnet gegen den Rekordmeister enden.
Alle Fakten zur Partie 1. FC Köln vs. FC Bayern:

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