
Am Sonntag empfängt der FC Bayern den VfL Wolfsburg in der Allianz Arena zum ersten Pflichtspiel des Jahres 2026 (Anstoß 17:30 Uhr). Die „Wölfe“ aus der Autostadt befinden sich aktuell in einer Phase der Neuorientierung und hoffen unter ihrem neuen Trainer Daniel Bauer auf eine Trendwende. Ein genauer Blick auf den Gegner zeigt, dass Wolfsburg trotz vielversprechender Ansätze und namhafter Spieler noch nicht die erhoffte Konstanz gefunden hat. Wird sich das nun nachhaltig ändern?
Aktuelle Situation und Trainerwechsel

Wolfsburg hat in den letzten Jahren eine Achterbahnfahrt erlebt: Seit der Champions League-Qualifikation 2021 unter Oliver Glasner konnten die Niedersachsen nur einmal in der oberen Tabellenhälfte abschließen. Vier Trainer in vier Jahren verhinderten Konstanz. Mit Daniel Bauer, der seit November 2025 Cheftrainer ist und viele Jahre in der Jugendakademie des VfL tätig war, soll nun wieder die nötige Stabilität und mittelfristig auch eine erfolgreichere Zeit in Wolfsburg einkehren. Bauer, zuvor Interimstrainer und A-Jugend-Coach, hat in kurzer Zeit bereits ein Fundament bei den Profis gelegt, das auf Kampfgeist, Teamwork und Mentalität setzt. Bauer betont: „Man sieht eine Entwicklung, man sieht einen Prozess.“
Die Mannschaft, die mit 15 Punkten aus 15 Spielen ihre zweitschwächste Bundesliga-Saison spielt, arbeitet intensiv an den Grundlagen: „Zweikämpfe, Grätschen, gemeinsames Pushen – ohne Basics funktioniert Fußball nicht“, findet der Cheftrainer. „Das Fundament muss stimmen, das haben wir in sehr kurzer Zeit geschaffen. Unsere Offensivspieler haben unglaublich gearbeitet. Da fehlt dann manchmal die Kraft für Offensivaktionen, aber das ist normal.“ Trotzdem hofft der VfL gerade auswärts auf Punkte: Sieben Zähler aus den vergangenen vier Spielen, insgesamt zehn der 15 Punkte bislang holte Wolfsburg in fremden Stadien – bei keinem Team der Bundesliga ist der Anteil der Auswärtspunkte so hoch (67 Prozent).
Form und Ergebnisse

Die Bilanz der letzten Monate zeigt Licht und Schatten: Nach einem langen Durchhänger mit nur einem Sieg aus 14 Bundesligaspielen gelang unter Bauer ein Remis in Frankfurt (1:1), ein Heimsieg gegen Union Berlin (3:1) und ein Auswärtssieg bei Borussia Mönchengladbach (3:1). Allerdings wurde der Aufwärtstrend kurz vor der Winterpause durch eine schmerzhafte 3:4-Heimniederlage gegen Freiburg gebremst. Wolfsburg steht aktuell auf dem 14. Tabellenplatz – ein Rang, der nicht den höheren Ansprüchen des Clubs entspricht.
Taktische Spielweise
Unter dem Vorgänger Paul Simonis zeigte Wolfsburg eine sehr organisierte Defensive, der aber im Umschaltspiel in die Offensive häufig das Tempo fehlte. Das Team stand sehr tief und scheute das Risiko. Das hat auch Gründe: Zu oft ging es nach hinten los, 15 Punkte verspielte Wolfsburg nach Führungen in dieser Saison, das ist Ligahöchstwert. Und: Wolfsburg verschuldete die meisten Elfmeter (sechs). Die Offensivaktionen waren limitiert, Überraschungsmomente fehlten, individuelle Dribblings waren selten, Gegenpressing fast nicht vorhanden. Wolfsburg kontrollierte zwar häufig den Ball, aber selten den Gegner.

Der neue Trainer Bauer steht vor der Herausforderung, das Spiel nun mutiger und aktiver zu gestalten. Dafür flog der VfL bis zum 8. Januar nach Lissabon ins Wintertrainingslager – allerdings ohne Mohammed Amoura, der mit Algerien im Achtelfinale des Afrikacups steht. Der ehemalige Spieler von Royale Union Saint-Gilloise ist mit sechs Treffern erfolgreichster Torschütze des VfL. Gegen den FC Bayern wird die Stürmerrolle daher wohl dem deutschen U20-Nationalspieler Dzenan Pejcinovic zufallen – der 20-Jährige, gebürtige Münchner, traf drei Tage vor Weihnachten gegen Freiburg dreifach. Bei nur vier Startelfeinsätzen und ohne Saisontor hatte sich das Talent, das aus Düsseldorf zurückkehrte, im Angriff erstmal hinten anstellen müssen. Dann platzte in Freiburg der Knoten. Ob Winterneuzugang Cleiton von Flamengo Rio de Janeiro schon eine Rolle spielt, ist fraglich. Der Innenverteidiger stand beim Achtelfinalspiel gegen den FC Bayern bei der Klub-WM nicht im Kader seines Ex-Clubs.
Ein Schlüsselspieler für mehr Offensivwind könnte daher Vinicius Souza sein, der mit seiner physischen und aggressiven Spielweise das Mittelfeld beleben kann. Der Brasilianer agierte unter Simonis vor allem defensiv, was die Mannschaft insgesamt weiter nach hinten drückte. Bauer könnte Souza offensiver einsetzen, um das Spiel schneller und vertikaler zu machen. Kreativspieler wie Lovro Majer und Christian Eriksen würden davon profitieren und könnten die Flügelspieler besser in Szene setzen.
Kader und Hoffnungsträger

Der Kader wurde in den letzten Transferperioden mit Weitsicht zusammengestellt, jedoch bekam der VfL seine PS hier bislang noch nicht auf das Fußballfeld. Spieler wie Torhüter Kamil Grabara, Innenverteidiger Kostas Koulierakis, Mittelfeldmann Vinicius Souza und Stürmer Mohammed Amoura bilden eine belastbare Achse. Mit der neuen Mentalität und dem zuletzt gewonnenen Selbstbewusstsein durch Erfolge unter Daniel Bauer wächst die Hoffnung in der Autostadt, dass die „Wölfe“ bald wieder mehr Biss zeigen und sich aus der Mittelmäßigkeit befreien können – gern jedoch nicht bereits am Sonntag in München.
Der VfL Wolfsburg ist für den FC Bayern ein Gegner, der defensiv gut organisiert ist, aber offensiv Luft nach oben hat. Die Mannschaft steht unter einem neuen Trainer, der auf Kampf und Mentalität setzt und versucht, das Spiel mutiger zu gestalten. Für den FC Bayern heißt das: Geduld und Konzentration sind gefragt, um die Wolfsburger Defensive zu knacken und die Heimstärke in der Allianz Arena einmal mehr zu unterstreichen.

Themen dieses Artikels


