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Jamal Musiala schießt während des Gastspiels des FC Bayern in der Bundesliga beim Hamburger SV
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FC Bayern setzt auf die Frische und die Energie des Februars

Die Stadt stand schon Tage vorher Kopf bei allen, die es mit dem HSV halten. Acht Jahre, drei Monate und zehn Tage war es am Samstagabend her, dass der deutsche Rekordmeister das letzte Mal zu einem Bundesliga-Pflichtspiel ins Volksparkstadion gekommen war. Der HSV hatte danach harte Zeiten und den Absturz in die zweite Liga erlebt. Der stolze Club ist gerade erst wieder dabei, im Oberhaus Fuß zu fassen und die verloren gegangene Selbstverständlichkeit wiederzufinden. Und jetzt also: die ganz große Chance, in 90 Minuten gegen den FC Bayern seinen Anhängern etwas Besonderes zurückzugeben.

„Spiele, in denen es viel um Millimeter geht“

„Das sind so Spiele, wo es viel um Millimeter geht“, meinte Manuel Neuer, der Bayern-Kapitän, „wo es um Kampf geht. Wir haben auf jeden Fall einen harten Kampf abgeliefert. Deshalb können wir uns nichts vorwerfen.“ Diese Leidenschaft, dieser Kampf bis zum Umfallen – die ersten Rothosen hatten schon nach 60 Minuten Wadenkrämpfe – und eine enorme Energie von den Rängen half dem HSV genauso wie häufiger als nur einmal eine ordentliche Portion Glück, dass am Ende zumindest nicht die allseits erwartete Niederlage gegen den FC Bayern stand. Nein, nach einem 0:5 im Hinspiel feierte der HSV am Ende bei eiskalten Temperaturen im Norden einen Punktgewinn beim 2:2 (1:1) wie den 20. Sieg im 107. Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine – letztmals hat der HSV im September 2009 tatsächlich gewonnen.

Ein Remis wie eine Niederlage

„Für uns fühlt sich dieses Unentschieden natürlich mehr wie eine Niederlage an“, meinte Manuel Neuer, der Kapitän des FC Bayern: „Aber das ist ja auch ein gutes Zeichen, dass wir damit nicht zufrieden sind. Wir haben uns mehr vorgenommen. Wenn ich in die Gesichter der Kollegen schaue, dann ist das ein gutes Zeichen, dass wir nächste Woche wieder angreifen wollen.“

Jonathan Tah köpft an die Latte während des Gastspiels des FC Bayern in der Bundesliga beim Hamburger SV
© Getty Images

Dass nicht der 67. Bayern-Sieg über den HSV heraussprang, lag zum einen am Kampf der Hamburger, zum anderen am Aluminium: Gleich zweimal verhinderte die Latte bei einem wuchtigen Kimmich-Schuss – der Bayern-Abräumer überholte mit seinem 311. Pflichtspiel Vereinslegende Karl-Heinz Rummenigge (310) in Einsätzen – in Hälfte eins sowie einem Tah-Kopfball im zweiten Durchgang ein Bayern-Tor. Obendrein hatte der HSV bei der ein oder anderen Entscheidung des Unparteiischen zumindest kein Pech – etwa bei Kimmichs Versuch nach einem Abpraller, den ein HSV-Verteidiger mit seinem Körper blockte. Doch selbst die TV-Zeitlupen spuckten aus zig Perspektiven am Ende kein eindeutiges Bild aus, ein Elfmeterpfiff blieb aus.

Erstes Elfmetergegentor der Saison

Den erhielt dafür der Hamburger SV. Fábio Vieira ließ vom Punkt die 1:0-Führung folgen (34.) – es war das erste Elfmetergegentor dieser Saison für den FC Bayern. Es bedeutete mehr als nur einen Treffer gegen den Favoriten, es drehte den Dezibel-Regler im Volksparkstadion in trommelfellgefährliche Höhen. Die Wucht, die Energie dieses Stadions, sie drückte nun von den Rängen hinab aufs Feld und impfte den Aufsteiger mit Mut und Selbstvertrauen.

Daran hinderte auch der verdiente Ausgleich durch Harry Kane aus der Drehung erst noch wenig. Josip Stanišić, den Vincent Kompany nach Verletzungspause direkt in die Startelf geschickt hatte, hatte Serge Gnabry zuvor sehenswert eingesetzt. Überhaupt waren vom Champions League-Auftritt in Eindhoven nur Upamecano, Kimmich, Pavlović und Karl in der Startelf übrig geblieben.

72 Prozent Kontrolle über das Spielgeschehen

Bayern kontrollierte zwar das Spielgeschehen mit 72 Prozent Spielanteilen, der HSV aber konterte derart frech und unbekümmert blitzschnell über die Außenbahnen, dass er das ganze Spiel über unberechenbar und gefährlich blieb. 9:8 Torschüsse in Hälfte eins waren das Zeugnis dafür, dass die Gastgeber sich ganz und gar nicht aufs Toreverhindern beschränkten, sondern die Defensivarbeit mit schnellem Umschaltspiel erweiterten. „Es macht mich sehr froh, dass wir die Magie vom Volkspark aufnehmen konnten“, freute sich daher Heimcoach Merlin Polzin: „Wir haben auch in der Halbzeit noch einmal gesagt, dass wir lieber einen Fehler riskieren, als zu wenig Mut mit dem Ball zu haben. Wir haben es immer wieder geschafft, Situationen zu kreieren. Zusätzlich musst du auch das Glück haben, dass die eine oder andere Chance mal nicht reingeht, und das hatten wir heute.“

Trotzdem kam der FC Bayern gegen unbequeme Aufsteiger mit dem Anpfiff des zweiten Durchgangs postwendend zur Führung: Der eingewechselte Luis Díaz, der kurz zuvor erst für sein „Tor des Jahres 2025“ in der „Sportschau“ geehrt worden war, verwandelte einen Steilpass von Michael Olise zur 2:1-Führung. Der Stimmung im Volkspark war damit kurzzeitig der Stecker gezogen. Doch anstatt das Kabel irgendwo zu verstecken, die Steckdose zu vernageln und den allseits erwarteten Sieg nun herauszuschießen, fand es der erst 19-jährige Kane-Bewacher Luka Vuskovic auf der Gegenseite wieder und steckte es mit seinem Kopfball zum 2:2-Ausgleich wieder hinein in die Starkstromleitung. Eben noch in völliger Stille, bebte Hamburg nun regelrecht.

Wie die Wellen der Elbe

Wie die Wellen der Elbe hinaus Richtung See schob das Publikum nun seine Mannschaft unaufhörlich in Zweikampf für Zweikampf gegen die Bayern, auch wenn die Kräfte merklich schwanden. Und der freche Mut, er blieb: Bei jedem Münchner Eckball, eigentlich ja eine absolute Verteidigungssituation, warteten die zwei schnellsten HSV-Spieler an der Mittellinie auf Abpraller und lang geschlagene Bälle ihrer Kollegen. Einen davon, Manuel Neuer war bereits geschlagen, rettete Alphonso Davies dank seines besonderen Turboladers im Vollsprint gerade noch vor der Torlinie. „Ich bin stolz auf die Mannschaft und auf den Kampf. Wir müssen weitermachen. Es war ein extrem intensiver Monat mit vielen Spielen, da dürfen wir jetzt nicht jammern“, forderte Harry Kane.

Harry Kane, Luis Díaz und Josip Stanišić jubeln während des Gastspiels des FC Bayern in der Bundesliga beim Hamburger SV
© FC Bayern

Bayern rannte an, Bayern kombinierte, Bayern besaß Chancen – aber kaum mehr wirklich Zwingendes. So war die Punkteteilung am Ende, wenn man so will, nicht ungerecht. „Wir haben nur einen Punkt geholt und wollten gewinnen. Darüber ärgere ich mich“, meinte Sportvorstand Max Eberl. Anstrengende Wochen mit enormer Intensität hatten ihre Spuren bei den Spielern hinterlassen, sagte Neuer: „Die einen oder anderen freien Tage werden uns gut tun und helfen. Und dass wir nicht so viele Englische Wochen haben, das tut uns einfach gut.“

Sieben Spiele in 20 Tagen

Vincent Kompany fand: „Es war kein gutes Spiel für uns, aber ein gutes Spiel für die Bundesliga, weil die Intensität von beiden Teams da war. Meine Jungs haben gekämpft und das lasse ich mir nicht wegnehmen. Wir hatten jetzt sieben Spiele in 20 Tagen. Am Ende ist es ein Remis und keine Niederlage. Jetzt werden wir genau das machen, was wir immer machen: Wir werden auf dem Platz reagieren“, so der Bayern-Coach.

Seit 19 Auswärtsspielen unbesiegt

Auswärts bleiben die Münchner mit dem 2:2 seit 19 BL-Spielen unbesiegt (14 Siege / vier Unentschieden) – nur von 1985 bis 1987 (26 Spiele) und von 2012 bis 2014 (33) hatten die Bayern im Oberhaus längere Serien auswärts. Hoffnung macht die Zukunft, fand Harry Kane: „Der Februar ist vom Pensum her deutlich entspannter, gibt uns die Möglichkeit, uns in den meisten Wochen gezielt auf die Spiele vorzubereiten, und hoffentlich können wir das zu unserem Vorteil nutzen.“ Am morgigen Sonntag schon beginnt die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Hoffenheim am Sonntag – es soll der Startschuss zu einer neuen Siegesserie werden. Hamburg dürfte hingegen noch ein paar Tage länger Kopf stehen.

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