

FC Bayern-Fans reisen von überall an, um ihre Mannschaft bei Auswärtsspielen zu unterstützen – selbst wenn es sie Hunderte Kilometer über Autobahn oder Schienen, über Ozeane und Wüsten führt. Um diejenigen kennenzulernen, die keinerlei Aufwand und Kosten scheuen, um ihren FC Bayern auch außerhalb der Allianz Arena zu erleben, wollen wir sie noch besser kennenlernen: unsere Auswärtsfans mit ihren besonderen Geschichten, ihrer Liebe und ihrer Leidenschaft für den FC Bayern.
Die Porta San Giacomo verbindet Ober- und Unterstadt in Bergamo. Eine steinerne Brücke führt aus dem modernen Stadtkern, wo auch die New Balance Arena steht, hinauf zur Città Alta, der Altstadt, die von Stadtmauern aus dem 16. Jahrhundert umgeben ist. Malerisch liegen am Spieltag des Champions League-Achtelfinals die sandfarbenen Häuserfassaden mit verschlafenen, engen Gassen, jahrhundertealten Cafés, kleinen Boutiquen, Feinkostläden und Weinbars auf dem Berg über Bergamo.
Einmal quer über die Alpen
Auf der Piazza Vecchia in Richtung Basilica di Santa Maria Maggiore sitzen und schlendern Touristen durch die Gassen, fotografieren und genießen den Vormittag in Norditalien – manche von ihnen in Anspannung vor dem Hinspiel des FC Bayern bei Atalanta Bergamo. Viele von ihnen tragen Rot: Trikots, Pullover vom FC Bayern und von FCB-Fanclubs. Unter ihnen sind auch sieben Freunde aus Tramin in Südtirol, rot-weiße Schals um den Hals, das Vereinswappen auf der Brust. Für sie ist dieser Tag mehr als ein Auswärtsspiel in der Champions League bei Atalanta Bergamo – es ist fast ein Heimspiel.

Ein Europapokalabend, den niemand so schnell vergessen wird
Ein Europapokalabend, den niemand so schnell vergessen wird

„Für uns kommt die Champions League selten näher als heute“, sagt Stefan, Vize-Vorsitzender des Fanclubs Rote Traminer. Zwei Stunden Autofahrt, einmal quer über die Alpen, und schon sind sie mittendrin im europäischen Fußballherzschlag mit ihrem FC Bayern. „Wir haben richtig die Daumen gedrückt, dass es bei der Auslosung Bergamo werden kann. Aus doppelter Hinsicht: aus Antipathie gegen Dortmund – und weil wir natürlich spekuliert haben, dass wir nicht weit fahren müssen.“
Die Liebe zum FC Bayern ist vererbt
Die Roten Traminer sind dabei mehr als eine Gruppe, die nur den FC Bayern im Herzen trägt. 215 Mitglieder, gegründet 2010, ein eigenes Vereinsheim, viele Feste, Dartturniere, Heim- und Auswärtsfahrten – Fußball ist hier Familiensache. „Wir schauen jedes Spiel gemeinsam, egal ob in der Arena oder im Vereinsheim. Und wenn’s geht, sind wir auch auswärts dabei. Wembley, Madrid, Dortmund – wir haben schon einiges gesehen“, erzählt Patrick. Selten aber war es so nah von zuhause, dass man mit seinem Herzensverein mitfiebern konnte. „Der FC Bayern ist ein Weltverein, aber dabei immer familiär geblieben und nah an seinen Fans. Für uns gibt’s nichts anderes als Bayern. Das ist schon als Kind so gewesen, damals im Olympiastadion. Und das bleibt.“
Die Liebe zum Verein ist in Tramin vererbt, weitergegeben von Generation zu Generation. „Südtirol ist Bayern-Land“, sagt Hannes: „Fast 40 Fanclubs gibt’s hier. Die meisten schauen nach Norden, zur Bundesliga. Italienische Vereine sind für uns kein Thema.“ Daher fahren sie nahezu zu jedem Heimspiel in die Allianz Arena und so oft sie können zu den Auswärtspartien: „Jeder, der auswärts fährt, weiß, das ist etwas Besonderes. Die Stimmung, die Nähe zur Mannschaft – das ist nochmal etwas anderes als in der Arena“, sagt Stefanie. „Champions League, K.o.-Phase – das ist nochmal ein bisschen mehr besonders als sonst.“
Jeder, der auswärts fährt, weiß, das ist etwas Besonderes. Die Stimmung, die Nähe zur Mannschaft – das ist nochmal etwas anderes als in der Arena
Stefanie vom Fanclub Rote Traminer
Bergamo ist auch für die Südtiroler Neuland. „Niemand von uns war je hier, außer vielleicht mal am Flughafen.“ Von dort starten Billigflieger in die Sonnendomizile Europas. „Die Stadt fliegt ein bisschen unter dem Radar, aber heute gehört sie uns“, sagt Christof. Am Morgen sind sie mit dem Auto nach Bergamo gefahren, nach dem Abpfiff am Abend geht es wieder zurück an den Kaltersee. Und bis zum Anpfiff ist der Plan auch klar: „Biergarten suchen, ein bisschen die Stadt anschauen, ein paar Bierchen trinken – und dann alles geben für Bayern“, sagt Stefan. Was sie noch nicht wissen: Es wird sich auszahlen. Am Ende steht ein begeisternder Europapokalabend, ein Kantersieg für ihren FC Bayern.
Auch die Roten Traminer stehen für das, was den FC Bayern zum FC Bayern macht: Zusammenhalt, Leidenschaft, Heimatgefühl – und die Gewissheit, dass der Weg zum Stadion manchmal genauso wichtig ist wie das Spiel selbst.

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