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Leon Goretzka schiebt Sven Ulreich vor die Fankurve der Bayern-Fans in Leverkusen, um ihn zu feiern
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FC Bayern trotzt Rückschlägen – die Schlüssel zum Punktgewinn in Leverkusen

Am Ende wusste man gar nicht mehr, wo man anfangen und wo man aufhören sollte mit dem Diskutieren: Zwei Platzverweise gegen den FC Bayern, zwei Treffer des Tabellenführers, die per Videoassistent wieder zurückgenommen wurden – und am Ende ein 1:1-Unentschieden bei Bayer Leverkusen, das sich durch seine Dramatik, den enormen Kampfgeist und die beeindruckende Moral der Gäste tatsächlich für alle Münchner wie ein Bundesligasieg anfühlte. Das auch, weil ausgerechnet Sven Ulreich in seinem ersten Einsatz zwischen den Pfosten seit über einem Jahr mit einer Glanztat in der siebten Minute der dramatischen Nachspielzeit die Punkteteilung festhielt. „Die Jungs kennen mich schon lange und wissen: Wenn ich gebraucht werde, bin ich da“, sagte der 37-Jährige.

Blitzstart und frühe Führung für Leverkusen

Zeit zum Durchschnaufen hatte ab dem Moment des Anpfiffs in der ausverkauften Leverkusener Arena niemand: Gleich mit dem ersten Torschuss kam Bayer zur Führung, Ulreich war bei dem von Jonathan Tah unglücklich abgefälschten Schuss machtlos. Bayer 04 nutzte die Führung, um sich sogleich kompakt zurückzuziehen und immer wieder vor allem über die rechte Seite schnell umzuschalten. Auffällig dabei der 18 Jahre junge Deutsch-Amerikaner Montrell Culbreath, dem auch der Ballgewinn vor der Führung gelang.

Zwar hatte die Bayern-Defensive Leverkusens einzige nominelle Spitze, Patrik Schick, in Richtung Bayerntor im Griff, jedoch gelang es nicht immer, die Zuspiele des tschechischen Nationalspielers auf seine Nebenleute zu verhindern. Dadurch besaßen die Bayern zwar ein deutliches Übergewicht, die Statistiker zählten 69:31 Prozent Ballbesitz und auch 83 Prozent der Zweikämpfe gingen an den FC Bayern – die Führung aber hatte Leverkusen im Rücken. Es war bereits der neunte Treffer in der laufenden Saison der Werkself in der Startviertelstunde, keine Mannschaft traf hier häufiger.

Spieler des FC Bayern feiern nach dem 1:1 in Leverkusen vor der Fankurve
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Die Bayern taten sich zunächst etwas schwer, auch offensiv wieder ähnliche Kreativität und Zug zum Tor zu entwickeln wie noch unter der Woche beim begeisternden 6:1-Auswärtserfolg in der Champions League bei Atalanta Bergamo. Und doch trafen die Gäste: Nach einer Kimmich-Freistoßflanke landete der Ball über Ex-Leverkusener Jonathan Tah zum Ausgleich im Heimtor. Schiedsrichter Christian Dingert erkannte den Treffer aber nach Sichtung der Bilder wieder ab, weil Tah der Ball erst an den angelegten Oberarm und von da über das Bein ins Bayer-Gehäuse gesprungen war. Eine wohl vertretbare, wenn auch harte Entscheidung (26. Minute).

Intensität, Platzverweise und Rückschläge

Leverkusen versteckte sich keineswegs, wirkte auch nicht getroffen vom vermeintlichen Ausgleich. Im Gegenteil, die Bayer-Elf blieb gefährlich lauernd und generierte immer wieder Chancen. Die Begegnung wurde zunehmend intensiver, nach einem Einsteigen sah Tah Gelb – es war seine fünfte im laufenden Wettbewerb, der Verteidiger wird gegen Union Berlin damit fehlen. Und auch Nicolas Jackson, der erneut Harry Kane mit viel Einsatz und Lauffreude zunächst ersetzte, bei seinen Abschlüssen aber glücklos blieb, wird im nächsten Heimspiel nicht dabei sein: Nach einem Foulspiel im Mittelfeld sah der Senegalese Rot (42.). „Darüber gibt es keine Diskussionen. Über andere Sachen danach schon“, sagte sein Coach später. Es war erst Bayerns zweiter Platzverweis in der Bundesliga unter Vincent Kompany und der erste seit dem 8. März 2025 – damals hatte es João Palhinha zu Hause gegen Bochum (2:3) getroffen. Noch einmal rettete Ulreich zwischen den Pfosten stark gegen den Ex-Bayern Malik Tillman, dann ging es in Rückstand in die Pause – bereits das zweite Mal in den letzten drei Bundesliga-Spielen. Genauso oft wie in den 43 Partien zuvor zusammen.

Davon, dass der FC Bayern nur noch zu zehnt auf dem Feld stand, spürte man im zweiten Durchgang nichts: Die Münchner rannten und rannten, grätschten und kombinierten, passten und drückten, als wäre nichts geschehen. Im Sturmzentrum wechselten sich nun Olise, Díaz und Karl ab.

Nach der schönsten Kombination der Partie, als sich Dayot Upamecano und Lennart Karl am eigenen Strafraum aus dem Leverkusener Pressing per Passspiel befreiten und Olise in der Folge Díaz mustergültig in Szene setzte, sprang nur deshalb kein Treffer heraus, weil der Kolumbianer beim Abschluss leicht wegrutschte. Nach einer Stunde dann brachte Kompany Toptorjäger Kane – und Sekunden nach dessen Einwechslung bejubelte der Engländer auch gleich das Ausgleichstor. Doch wieder stand Schiedsrichter Christian Dingert im Mittelpunkt. Wieder nahm er nach Sichtung der Fernsehbilder den Treffer zurück – er wertete den mit angelegtem Arm abgeblockten Ball von Kane, nachdem ihn Bayer-Keeper Janis Blaswich bei einem Befreiungsschlag aus nächster Nähe angeschossen hatte, offenbar als Handspiel (63.). So stand es weder 1:1 und auch nicht 2:1 aus Bayernsicht – sondern weiterhin in Unterzahl 0:1.

Díaz trifft und fliegt – Bayern zeigt Moral

Weil Bayern aber auch zu zehnt weiter presste wie mit elf Mann, gar nicht daran dachte, einen Gang herunterzuschalten oder nicht mehr auf Sieg zu spielen, klingelte es wenige Minuten später erneut – und diesmal zählte das Tor auch: Nach einem Fehlpass im Aufbauspiel Leverkusens schaltete Michael Olise am schnellsten, schickte mit seinem 17. Assist in dieser Saison (Rekord seit Datenerfassung 2004 an einem 26. Spieltag) Luis Díaz auf die Reise, der den hochverdienten Ausgleich markierte. Es war das 15. Saisontor des Kolumbianers, der nun mit dem Stuttgarter Deniz Undav gleichzog. Nur Harry Kane (30) hat noch mehr Ligatreffer erzielt.

Leverkusen beteiligte sich in der Folge wieder aktiver am Offensivspiel, warf sich in die Zweikämpfe und so durfte man eine leidenschaftliche, aggressive Partie der beiden letzten deutschen Clubs in der Champions League beobachten – das der FC Bayern unbedingt gewinnen wollte. Als Díaz den Ball am herauseilenden Blaswich vorbeigelegt und von diesem auch leicht touchiert worden war, überraschte Schiedsrichter Dingert mit dem zweiten Platzverweis. Der Unparteiische hatte den Zweikampf wohl als Versuch von Díaz gewertet, einen Elfmeterpfiff zu erreichen (84.). Doch alle Beteuerungen halfen nichts: Der FC Bayern musste die Schlussphase in Leverkusen in doppelter Unterzahl begehen. Luis Díaz war der erste Bayern-Spieler seit 24 Jahren, der erst traf und dann vom Platz flog – am 8. Februar 2004 war das Michael Ballack gegen Hannover zuletzt passiert. Letztmals zwei Platzverweise hatte Bayern im Dortmunder Westfalenstadion im April 2001 hinnehmen müssen. „Heute mussten wir mit vielen schwierigen Situationen und Entscheidungen umgehen“, resümierte Jonathan Tah daher nach Abpfiff abgekämpft aber nicht unglücklich: „Entscheidend ist, wie du als Mannschaft damit umgehst. Und ich finde, das haben wir heute überragend gemacht.“

Luis Diaz jubelt mit den Teamkollegen nach dem 1:1 im Bundesliga-Spiel des FC Bayern bei Bayer 04 Leverkusen
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Ulreich rettet – Bayern sammelt wichtige Punkte

Zwar zitterte nicht mehr etwa Bayer Leverkusen vor den unaufhörlich mit einer schier übermenschlichen Energie dauerhaft anrennenden Sturm-Bayern – trotz Unterzahl hatten die Gäste bis Spielschluss mit 58:42 deutlich mehr Ballbesitz –, sondern durfte seinerseits noch einmal am Siegtor schnuppern: Zwar traf der eingewechselte Hofmann in einer brutalen Drangphase gegen das nun aufgestellte Bayern-Bollwerk noch einmal, doch der Treffer war hauchzart aus Abseitsposition gefallen.

„Ich bin unglaublich stolz auf die mentale Leistung der Jungs“, sagte Vincent Kompany: „Heute war unglaublich viel los, viele wichtige Phasen, wo wir viele unterschiedliche Meinungen haben.“ In der Schlussphase rettete Sven Ulreich herausragend – und zahlte damit all das Vertrauen in ihn mehr als zurück: „Wir haben ein tolles Torwart-Team“, verriet der Ersatzmann: „Beide Jungs (Manuel Neuer und Jonas Urbig, d. Red.) haben mir vor dem Spiel geschrieben, mir viel Glück gewünscht und sich gefreut, dass ich heute spielen darf.“ Zurecht, wie sich zeigte: Mit einer enormen Energieleistung und großer mannschaftlicher Geschlossenheit hat der FC Bayern so bereits 19 Punkte nach Rückständen in dieser Bundesligasaison gesammelt. „Wir wollten nicht akzeptieren, dass uns schwierige Situationen runterziehen“, so Verteidiger Jonathan Tah: „Das zeigt die Stärke dieser Mannschaft. Genau das müssen wir auch in die nächsten Spiele mitnehmen.“ Kommenden Mittwoch kommt Atalanta Bergamo zum Rückspiel in die Allianz Arena. 

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