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Vier Keeper im FC Bayern-Tor? Ein seltenes Kapitel könnte sich wiederholen

Beim FC Bayern ist das Tor normalerweise ein Ort der Kontinuität. Es gibt eine klare Nummer eins und dahinter eine feste Hierarchie. In diesen Tagen aber wurden Kapitän Manuel Neuer (kleiner Muskelfaserriss), Jonas Urbig (Gehirnerschütterung) und Sven Ulreich (Muskelbündelriss) von Verletzungen ausgebremst, und auf einmal steht der deutsche Rekordmeister vor einem Szenario, das es in der Bundesliga-Historie der Münchner erst zwei Mal gegeben hat: Es könnte ein weiterer Torhüter gebraucht werden.

Bisher haben die Bayern nur in den Bundesliga-Spielzeiten 1991/92 und 2024/25  vier verschiedene Schlussmänner eingesetzt. Dahinter stehen zwei völlig unterschiedliche Geschichten: hier eine schwierige Übergangssaison, dort eine Meistersaison, in der die Breite im Tor zur Stärke wurde. Der Blick auf diese beiden Ausnahmejahre zeigt, wie selten das Vier-Keeper-Szenario ist – und dass es diesmal wieder eine eigene Geschichte wäre, sollte es erneut Realität werden.

1991/92: Unruhe im Tor, Umbruch im Club

Raimond Aumann steht im Tor des FC Bayern.
Von 1982 bis 1994 hütete Raimond Aumann das Tor des deutschen Rekordmeisters. | © Imago

In jenem Herbst 1991 wechselten dort, wo über Jahre eine klare Nummer eins stand, die Gesichter – die Saison  ist bis heute eines der turbulentesten Kapitel der Clubgeschichte.

Schon der Start stand unter besonderen Vorzeichen. Der langjährige Kapitän Klaus Augenthaler hatte seine Karriere beendet, mit Jürgen Kohler und Stefan Reuter waren zwei Weltmeister nach Italien gewechselt. Uli Hoeneß sprach von einem Übergangsjahr, und im Olympiastadion, sonst Bühne für Titelrennen, erlebten die Fans ungewohnte Bilder: ein 1:2 gegen Aufsteiger Hansa Rostock, ein 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers, dazu das Pokal-Aus gegen Zweitligist Homburg. In der Liga rutschte der Rekordmeister ins Mittelfeld ab, am Ende stand Platz zehn zu Buche. Nur fünf Punkte trennten den FC Bayern vom Abstiegsbereich.

Verletzungspech und ein prominenter Neuzugang

Gerald Hillringhaus und Harald Schumacher auf dem Trainingsplatz des FC Bayern
Nach Stationen in Köln, auf Schalke und bei Fenerbahçe Istanbul wechselte Toni Schumacher (rechts, mit Gerald Hillringhaus) 1991 nach München. | © Imago

Mitten in dieser Saison voller Herausforderungen stand eine Torwartsituation, wie es sie in München nur ganz selten gegeben hat. Die meisten Spiele machte Gerald Hillringhaus, der aus der Rolle des Ersatzmannes in den Vordergrund rückte und am Ende 17 Einsätze verbuchte. Raimond Aumann, die klare Nummer eins, fehlte lange verletzt und kam lediglich in 13 Partien zum Zug. Um die Lücke zu schließen, holte der FC Bayern zusätzlich Harald „Toni“ Schumacher – der frühere Nationalkeeper stand in dieser Spielzeit in acht Bundesliga-Spielen im Bayern-Tor. Komplettiert wurde das Quartett durch Uwe Gospodarek, der einen Einsatz in der Liga sammelte.

Trainer- und Torwartwechsel im Gleichklang

Jupp Heynckes als Trainer des FC Bayern im Jahr 1991
Die erste Amtszeit von Jupp Heynckes als Cheftrainer des FC Bayern dauerte von 1987 bis 1991. | © Imago

Parallel dazu herrschte auch auf der Trainerbank Hochbetrieb. Jupp Heynckes musste im Oktober seinen Platz räumen – eine Entscheidung, die Uli Hoeneß später als größten Fehler seiner Managerzeit bezeichnete. Mit Sören Lerby übernahm ein ehemaliger Bayern-Profi ohne Trainererfahrung, doch der erhoffte Befreiungseffekt blieb aus.

Im März zogen die Verantwortlichen erneut die Reißleine. Lerby wich Erich Ribbeck, dazu kehrten Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge als Vizepräsidenten in zentralen Rollen zurück. Ribbeck stabilisierte die Mannschaft, verhinderte Schlimmeres, doch mehr als Platz zehn war nicht mehr möglich. So bleibt die Saison 1991/92 als Ausnahmejahr in Erinnerung. Gleichzeitig markierte sie den Beginn eines Neuaufbaus, aus dem der Club in den folgenden Jahren gestärkt hervorging.

2024/25: Breite statt Bruch – das Bayern-Tor als Stärke

Manuel Neuer lächelt nach dem Spiel gegen Werder Bremen auf dem Rasen der Allianz Arena
Für den FC Bayern bestritt Manuel Neuer bislang insgesamt 590 Pflichtspiele. | © FC Bayern

Die Saison 2024/25 erzählte eine ganz andere Torwart-Geschichte als 1991/92. Wieder kamen mehrere Keeper zum Einsatz – diesmal jedoch in einer Mannschaft, die sportlich voll auf Kurs war und am Ende die Deutsche Meisterschaft feierte. Die Wechsel im Tor standen nicht für Unruhe, sondern für Verlässlichkeit in der Breite.

An erster Stelle stand weiterhin Manuel Neuer. Der Kapitän bestritt in der Bundesliga 22 Spiele und prägte mit seiner Präsenz, seiner Spieleröffnung und seiner Erfahrung einmal mehr das Bild des FC Bayern. Doch ein Muskelfaserriss bremste ihn aus, er fehlte unter anderem den kompletten März und April. In dieser Phase rückte ein Winterneuzugang in den Mittelpunkt: Jonas Urbig.

Jonas Urbig: Wintertransfer mit Wirkung

Jonas Urbig im Champions League-Spiel des FC Bayern gegen Bayer 04 Leverkusen
Im Frühjahr 2025 sprang Jonas Urbig für den verletzten Manuel Neuer ein. Der Winterneuzugang war gleich auf Anhieb ein verlässlicher Rückhalt. | © Imago

Der junge Torhüter, im Winter vom 1. FC Köln gekommen, übernahm in einer entscheidenden Saisonphase Verantwortung und kam insgesamt auf acht Bundesliga-Einsätze. Urbig nutzte die Chance, strahlte Ruhe aus und fügte sich erstaunlich schnell in die Mannschaft ein. „Ich hatte sehr wenig Zeit zum Nachdenken, habe mich aber von Anfang an sehr wohl hier gefühlt, weil die Mannschaft mich wirklich sehr, sehr gut aufgenommen hat“, sagte er rückblickend. „Von Anfang an konnte ich mich so mit dem Training auf die Leistung konzentrieren.“ Für einen Keeper in diesem Alter, neu im Club und direkt in Pflichtspielen gefordert, waren seine Auftritte ein starkes Signal dafür, wie breit der FC Bayern auf dieser Position aufgestellt war.

Bereits im Dezember war ein anderer Torhüter eingesprungen. Als Neuer wegen eines Rippenbruchs fehlte und auch Sven Ulreich nicht zur Verfügung stand, rückte Daniel Peretz in den Fokus. Der israelische Nationalkeeper absolvierte in dieser Phase drei Spiele – gegen Heidenheim, Mainz und Leipzig – und trug dazu bei, dass der Rekordmeister auch ohne seine etatmäßige Nummer eins souverän durch den Winter kam.

Daniel Peretz beim Aufwärmen vor einem Spiel des FC Bayern in der Champions League.
Aktuell ist Daniel Peretz vom FC Bayern den den FC Southampton verliehen. | © FC Bayern

Sven Ulreich und sein ruhiger Nachmittag in Bremen

Seinen einzigen Bundesliga-Einsatz der Saison hatte Sven Ulreich früh im Jahr – und der blieb aus Torwart-Sicht ruhig. Beim 5:0-Auswärtssieg in Bremen im September vertrat er Neuer, der aufgrund von Oberschenkelproblemen pausieren musste. Brenzlig wurde es für Ulreich kein einziges Mal: Die Defensive stand derart stabil, dass sich Werder über die gesamte Spielzeit keinen einzigen Schuss auf das Bayern-Tor erarbeiten konnte. Im Gespräch mit fcbayern.com erklärte Ulreich anschließend: „Wenn man gebraucht wird, muss man da sein und eine Topleistung abrufen. Das ist mein Job.“

So kamen in der Meistersaison 2024/25 mit Neuer, Urbig, Peretz und Ulreich erneut vier Torhüter zum Einsatz – doch anders als 1991/92 erzählte diese Konstellation keine Geschichte der Instabilität. Sie zeigte, wie der FC Bayern sich im Tor breiter aufgestellt hat denn je: mit einer dominanten Nummer eins, starken Vertretern und Talenten, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn sie gebraucht werden.

Aktuelle Spielzeit: Stabilität in der Breite

In dieser Spielzeit knüpft die Torwart-Geschichte des FC Bayern nahtlos an die Vorsaison an – und wirkt doch wie der nächste Entwicklungsschritt. An der Spitze steht erneut Manuel Neuer, der bisher 19 Bundesliga-Spiele absolvierte, fünfmal ohne Gegentor blieb undunterstrich, dass er weiterhin ein äußerst verlässlicher Rückhalt ist – gerade in Phasen, in denen der FC Bayern hoch verteidigt und der Torhüter oft in den entscheidenden Momenten zur Stelle sein muss.

Dahinter hat Jonas Urbig seine Rolle als Vertreter eindrucksvoll ausgefüllt. Bei acht Bundesliga-Einsätzen, davon sechs in der Startelf, ist besonders auffällig, dass er bereits drei Mal ohne Gegentor blieb – ein deutlicher Hinweis darauf, wie stabil die Mannschaft auch mit ihm im Kasten auftritt. Seine Zahlen zeigen, dass er nicht nur „auffüllt“, wenn Neuer fehlt, sondern eigene Akzente setzt.

Manuel Neuer im Champions League-Spiel des FC Bayern gegen den FC Chelsea
Seit 2011 läuft Manuel Neuer im Trikot des FC Bayern auf. | © Imago

Und wenn Sven Ulreich gebraucht wurde, war auch er auf den Punkt da. In seinem bisherigen Einsatz über 90 Minuten zeigte er, wie konzentriert und bereit er ist, obwohl seine Einsätze selten sind. Zusammengenommen entsteht ein klares Bild: Vom Kapitän über den jungen Herausforderer bis zum erfahrenen Backup ist das Bayern-Tor in dieser Saison in jeder Besetzung bestens abgesichert.

Im Falle von Ausfällen der drei etatmäßigen Keeper sowie der Nummer vier, Leon Klanac (Oberschenkelverletzung), stehen dem FC Bayern zwei Nachwuchskeeper zur Verfügung, die bereits erste Erfahrungen in Dunstkreis der Profis sammeln durften. Der 16-jährige Leonard Prescott, der normalerweise für die U19 des deutschen Rekordmeisters aufläuft, war bereits am Samstag in Leverkusen (1:1) sowie am vergangenen Dienstag in Bergamo (6:1) im Aufgebot. Janis Bärtl (19) hütet eigentlich den Kasten der FCB-Amateure und stand in Augsburg (2:3) und in Dortmund (2:3) schon im Kader der Lizenzmannschaft. 

Ob einer von ihnen die seltene Vier-Keeper-Saison in der Bundesliga-Historie des FC Bayern vollendet, wird sich zeigen – vorbereitet wäre der Rekordmeister auch auf dieses außergewöhnliche Kapitel.

So bereiten sich die Bayern auf das Achtelfinal-Rückspiel gegen Bergamo vor:

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