

Da stand er, wie ein Fels vor der bedrohlichen weißen Welle. Mit ausgebreiteten Armen jubelte Manuel Neuer der Real-Fankurve entgegen und wirkte für einen Moment so viel größer als 1,93 m. Gerade war Vinicius Junior, der brasilianische Superstar der Königlichen, alleine auf das Tor zugesprintet. Im Normalfall ein nahezu sicherer Treffer – doch was ist bei Manuel Neuer schon Normalfall?! Der FCB-Keeper verkürzte geschickt, drängte Vini Jr. ab und der Brasilianer schoss den Ball nur ans Außennetz. Ob Neuer das Leder sogar noch mit der Fußspitze abgelenkt, oder sein cleveres Rauslaufen und seine einmalige Aura ausgereicht hatten, um auch diese Real-Chance zu vereiteln, war im Endeffekt egal.

Fußspitze? Aura? Egal!
Fußspitze? Aura? Egal!

Es war nur eine von zahlreichen überragenden Aktionen von Manuel Neuer an diesem Abend im Estadio Santiago Bernabéu. Der Mann, der vor knapp zwei Wochen seinen 40. Geburtstag gefeiert hatte, ließ die Offensive der Königlichen ein ums andere Mal verzweifeln. Manch einer fühlte sich bei dieser Leistung sogar an eines der ersten Champions League-Spiele des Torhüters erinnert, als Neuer im März 2008 mit unfassbaren Paraden gegen den FC Porto, damals noch im Trikot des FC Schalke 04, sein erstes, ganz dickes Ausrufezeichen auf internationalem Parkett setzte. 18 Jahre später machte Neuer auf der ganz großen Bühne, im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse bei Real Madrd genau das, wofür ihn mittlerweile die ganze Welt kennt – und wahlweise fürchtet oder liebt.
Neuer macht Neuer-Sachen
Der GOAT-Keeper parierte mit sensationellen Reflexen, unter anderem auch mehrfach gegen Kylian Mbappé (16. Minute, 29., 65.), den Führenden der Champions League-Torschützenliste. Insgesamt neun abgewehrte Schüsse verzeichnete Neuer am Dienstagabend. Selbst beim einzigen Tor der Madrilenen hatte der Keeper den Schuss von Mbappé aus kurzer Distanz mit einem Wahnsinnsreflex noch irgendwie an die Latte gelenkt, konnte den Einschlag letztlich aber nicht mehr verhindern. Am Ende gewann der FCB mit 2:1 und Neuer, der in diesem rasanten und hochklassigen europäischen Kracher-Duell aus dem starken Bayern-Kollektiv noch einmal herausragte, wurde hochverdient als Man of the Match ausgezeichnet.

Neuer - Man of the Match
Neuer - Man of the Match

Auf die Frage nach der Leistung seines Teamkollegen entgegnete Jonathan Tah nach Spielschluss nur: „Überrascht euch das?“ und lachte. „Er strahlt etwas Besonderes aus, auch mit den Safes, die er immer wieder macht. Man darf es nicht als selbstverständlich betrachten, aber bei ihm ist es Alltag“, so der FCB-Innenverteidiger. „Ich bin nicht überrascht. Es war nicht nur Erfahrung, es war Qualität. Er war sehr beweglich, das schafft er nur, weil er unter der Woche so viel macht für seinen Körper“, erklärte Bayern-Coach Vincent Kompany und führte aus. „Er lässt es so einfach aussehen. Man sieht diese Safes, das sieht alles so sicher aus, aber das sind schwierige Momente für einen Torwart. Das haben wir gebraucht. Wir werden diese Momente auch in der nächsten Woche brauchen.“
Auch Sportvorstand Max Eberl betonte: „Ehrlicherweise bin ich nicht erstaunt. Manu spielt eine sehr gute Saison. Er hat heute mit Bravour geleistet und hat uns in der einen oder anderen Situation gerettet.“ Der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen hob die herausragende Leistung Neuers in seiner Rede auf dem Bankett nach dem Spiel hervor und brachte es auf den Punkt: „Wir hatten heute etwas in unserem Spiel, was Real nicht hatte: unseren X-Faktor, unseren Torhüter von Weltklasseformat. Manuel, du warst heute außerordentlich.“
Neuer selbst blickte gewohnt bescheiden auf seine Leistung zurück: „Natürlich lässt man gegen so eine starke Offensive auch Chancen zu. Dafür bin ich aber da.“ Zugleich richtete der Bayern-Kapitän den Blick bereits auf das Rückspiel. „Es ist der erste Schritt gewesen. Wir wissen, dass es in München dennoch ein hartes Stück Arbeit werden wird. Wir müssen wieder ein gutes Spiel machen und unseren Heimvorteil nutzen.“ Auch am kommenden Mittwoch in der heimischen Allianz Arena werden wieder einige bedrohliche Real-Angriffswellen auf das Bayern-Tor zurollen. Doch auf den Felsen Manuel Neuer kann sich der FC Bayern auch im Jahr 2026 verlassen.
Unsere Analyse zum Sieg im Bernabéu:

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