

Der VfB Stuttgart ist zurück auf der großen Bühne – zumindest auf dem Weg dorthin. Während die Europa League zuletzt für Ernüchterung sorgte, präsentiert sich der Traditionsclub in der Bundesliga als ernstzunehmender Anwärter auf die Champions League. Vor dem Duell mit dem FC Bayern am Sonntag (17:30 Uhr) steht fest: Auf Manuel Neuer und Co. kommt ein Gegner zu, der aktuell so stabil, variabel und selbstbewusst auftritt wie kaum andere deutsche Teams. Worauf sich der deutsche Rekordmeister einstellen muss, erfahrt Ihr in unserem Gegnercheck.

Auf Kurs Königsklasse – trotz Rückschlag in Europa
Auf Kurs Königsklasse – trotz Rückschlag in Europa

Bis auf die enttäuschenden Achtelfinalduelle in der Europa League gegen den FC Porto (1:2, 0:2) muss sich der VfB Stuttgart in den vergangenen Wochen wenig vorwerfen lassen. Zwar kassierten die Schwaben im Topspiel gegen Borussia Dortmund durch zwei Gegentreffer in der Nachspielzeit eine bittere 0:2-Niederlage, wodurch der direkte Konkurrent in der Tabelle etwas davonzog. Doch mit 56 Punkten aus 29 Partien liegt das Team von Coach Sebastian Hoeneß weiterhin voll auf Champions League-Kurs.
In den verbleibenden fünf Begegnungen zählt für den Traditionsverein aus Bad Cannstatt jeder Zähler, zumal RB Leipzig (ebenfalls 56 Punkte) dicht im Nacken sitzt und Bayer 04 Leverkusen (52) im Rennen um die Königsklasse weiterhin Außenseiterchancen wittert. Drei Siege aus den zurückliegenden vier Bundesliga-Spielen unterstreichen den Positivtrend – die Formkurve zeigt klar nach oben.

Flexibel und schwer auszurechnen: Das Hoeneß-System
Flexibel und schwer auszurechnen: Das Hoeneß-System

Taktisch zeigt sich der VfB Stuttgart unter Sebastian Hoeneß äußerst flexibel. Mal setzt der Coach auf eine Dreierkette, mal auf eine Viererreihe, am liebsten aber auf ein 4-2-3-1-System. Vor FC Bayern-Leihgabe Alexander Nübel agiert in der Regel Abwehrchef Jeff Chabot, daneben verteidigen je nach Ausrichtung Ramon Hendriks oder Finn Jeltsch. Sollte der VfB mit drei Innenverteidigern antreten, ist auch Luca Jaquez eine Option.
Auf den Außenverteidigerpositionen sind Maximilian Mittelstädt (links) und Lorenz Assignon (rechts) gesetzt. Auf der Doppelsechs führt aktuell kein Weg an Sommerneuzugang von Real Madrid, Chema, und dem Ex-Münchner Angelo Stiller vorbei. In München könnte dennoch der zweikampfstarke Kapitän Atakan Karazor den Vorzug erhalten – besonders, wenn es darum geht, die spielstarke Bayern-Offensive früh zu stören und Übergänge ins Mittelfeld konsequent zu verteidigen.

Ohne Undav: Wie besetzt Hoeneß seine Offensive?
Ohne Undav: Wie besetzt Hoeneß seine Offensive?

Im Angriff verfügt Hoeneß sowohl qualitativ als auch quantitativ über hochkarätige Optionen. Topscorer Deniz Undav kommt in 40 Einsätzen der laufenden Saison auf 23 Tore und 13 Assists – er ist zweifelsfrei der Fixpunkt und Schlüsselspieler der VfB-Offensive. Allerdings wird der Nationalstürmer in der Begegnung gelbgesperrt fehlen. Auf der linken Seite gehört Chris Führung (fünf Tore, sieben Vorlagen) zum Stammpersonal, rechts dürfte Jamie Leweling beginnen.
Die Zehnerposition wird voraussichtlich Nikolas Nartey bekleiden. Weil Undav fehlt, dürfte Ermedin Demirović das Sturmzentrum übernehmen. Der physisch robuste Neuner wäre im Duell mit den Bayern prädestiniert dafür, als Ballbehaupter zu fungieren, der gemeinsam mit den pfeilschnellen Flügelspielern die gefährlichen Umschaltmomente der Stuttgarter initiiert.

Joker mit Wirkung: Stuttgarts Bank als Waffe
Joker mit Wirkung: Stuttgarts Bank als Waffe

Das Team von Vincent Kompany ist gut beraten, den Blick über die potenzielle VfB-Startelf hinaus zu weiten und sich auch auf die Joker des kommenden Gegners genau einzustellen. Die Stuttgarter kommen in dieser Saison bereits auf 23 Torbeteiligungen durch Einwechselspieler (13 Tore, zehn Assists) – ligaweit übertrifft diesen Wert nur der FC Bayern (28). Das unterstreicht, wie groß die Breite und Qualität im Kader der Schwaben ist.
Wenig überraschend ist der VfB auch von der Bank aus hervorragend besetzt: Profis wie Tiago Tomas, Bilal El Khannouss oder Josha Vagnoman können jederzeit für frische Impulse sorgen und Spielverläufe verändern. Gerade in der Schlussphase könnte Stuttgart so noch einmal an Tempo und Durchschlagskraft gewinnen.

Stabil im Rücken: Die beste Defensive der Rückrunde
Stabil im Rücken: Die beste Defensive der Rückrunde

Trotz gelegentlicher Rotation sowohl in der Formation als auch im Personal präsentiert sich der VfB bislang konstant defensivstark. Beim klaren Heimerfolg gegen den Hamburger SV (4:0) sicherte sich Stuttgart bereits die elfte Weiße Weste in dieser Bundesliga-Spielzeit – nur Borussia Dortmund blieb bislang häufiger ohne Gegentor (13). Für die Formstärke der Schwaben spricht auch ein Blick auf die Rückrundenstatistik: Mit nur 13 Gegentreffern stellt der VfB aktuell die beste Defensive der zweiten Saisonhälfte. Die Abstimmung in der letzten Linie und das kollektive Verteidigen machen es jedem Gegner schwer, zu klaren Chancen zu kommen.
Ein Prüfstein mit Ansage
All das macht deutlich: Auf Harry Kane und Co. wartet am Sonntag in der Allianz Arena ein echter Prüfstein – und ein Gegner, der mit breiter Brust in dieses Spitzenspiel geht. Der VfB Stuttgart will seine Ambitionen auf die Königsklasse untermauern. Für den FC Bayern wird das Duell zum echten Gradmesser gegen eines der Teams der Stunde in der Bundesliga – und könnte im Fernduell mit dem BVB zudem die Meisterschaft im eigenen Wohnzimmer perfekt machen.
Die Fakten zur Partie gegen Stuttgart:

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