



Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden
Mo. | 04.05.26 | 16:57
Jan-Christian Dreesen vor dem Rückspiel: „Wir brauchen 100 Prozent Mia san Mia"
Jan-Christian Dreesen gehört seit 2013 dem Vorstand des FC Bayern an, seit Mai 2023 ist er Vorstandsvorsitzender. Er spricht vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen Paris über Vorfreude, Nervosität und den Glauben an die Stärke des FC Bayern – auf dem Platz wie auch als globaler Club. Er betont die besondere Rolle des Vereins, die wachsende weltweite Strahlkraft und die enorme Bedeutung der Fans, um in der Allianz Arena am Mittwoch einen großen europäischen Abend zu schaffen.
Das Interview mit Jan-Christian Dreesen
Herr Dreesen, wie geht der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern so eine Begegnung wie das Halbfinal-Rückspiel gegen Paris an – wie nervös sind Sie, wie zuversichtlich?
Jan-Christian Dreesen: „An so einem Tag ist man zuerst einmal Fußballfan, da geht es mir wie Millionen anderen: Vorfreude, Nervosität, alle Emotionen inklusive. Ich freue mich auch für Vincent Kompany, dass er seinem Job wieder an der Seitenlinie nachgehen kann. Er hat da oben auf der Pressetribüne in Paris ja etwas gelitten. Es war von vornherein klar, dass uns diese beiden Spiele gegen Paris alles abverlangen werden. Zur „Halbzeit“ liegen wir mit einem Tor zurück – und genau so müssen wir es auch angehen: demütig, weil Paris eine herausragende Mannschaft hat, aber gleichzeitig selbstbewusst. Ich kann mich an kein Bankett erinnern, bei dem nach einem Champions League-Spiel eine vergleichbare Stimmung geherrscht hat wie letzte Woche in Paris. Ich habe die Mannschaft dort gelobt, das hatte sie sich verdient –aber auch gemahnt: Wir müssen ein Tor aufholen. Keine Sekunde werden wir nachlassen dürfen. Was mich zuversichtlich stimmt: Wir haben in der Allianz Arena in dieser Saison schon 85 Tore erzielt, allein 20 in der Champions League.“
Wie bewerten Sie die internationalen Lobeshymnen nach dem Hinspiel?
„Es gab wirklich viele Superlative. Trainer, Experten und Legenden aus der ganzen Welt von Pep Guardiola bis Thierry Henry haben das Spiel gefeiert. Peter Schmeichel sagte bei CBS, er habe nie ein besseres gesehen. Es war ein historischer Abend, weil nie zuvor in einem Halbfinale der Champions League mehr Tore gefallen sind. Und wir hatten das Privileg, im Stadion dabei zu sein. Aber: Lobeshymnen bringen uns nicht nach Budapest. Wir wollen ins Finale – und dafür müssen wir die Fußballwelt gegen dieses immens starke Paris noch einmal begeistern.“
Solche Champions League-Abende werden weltweit übertragen. Was bedeutet das für den FC Bayern?
„Das Rückspiel im Viertelfinale gegen Real Madrid haben angeblich fast eine Milliarde Menschen weltweit verfolgt. Das Hinspiel gegen Paris hat alle Streaming-Rekorde gebrochen. Durch die Spiele gegen Real und Paris haben wir über fünf Millionen neue Follower auf Social Media gewonnen. Wenn dann sogar auch in den USA und in großen internationalen Medien so intensiv über den FC Bayern gesprochen wird, zeigt das: Das globale Interesse am FC Bayern hat eine neue Dimension erreicht. Das ist wichtig für unsere Fans, aber natürlich auch für unsere Partner und Sponsoren.“

Ist es gerade in der heutigen Zeit vielleicht wichtiger denn je, dass der FC Bayern zeigt, dass er im sich verändernden Fußball weiter in der absoluten Spitze mithalten kann?
„Ja, natürlich. Wir sind unabhängig, bei uns gibt kein Investor die Richtung vor. Das macht den FC Bayern besonders, und darauf können unsere Fans stolz sein. Wir sind dabei aber nicht naiv: Es wird immer schwerer, sich vor allem gegenüber der Premier League und ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten zu behaupten. Gleichzeitig zeigt diese Saison, dass Geld allein nicht alles entscheidet. Es haben viele über die sechs englischen Mannschaften im Achtelfinale gesprochen – aktuell ist noch ein englisches Team dabei. Ich finde es schön, dass vier Mannschaften aus vier verschiedenen Top-Ligen im Halbfinale stehen: England, Spanien, Frankreich und Deutschland. Das spricht für die Qualität des europäischen Fußballs. Und wir haben gerade erst Real Madrid in der Zehnjahreswertung der UEFA auf Platz eins abgelöst. Wir wirtschaften anders – aber nicht minder erfolgreich.“
Vincent Kompany wünscht sich, dass jeder Fan an diesem Abend alles geben soll…
„Wenn ich alleine an die Choreo gegen Real Madrid denke, das war wieder einmal Gänsehaut. Vincent Kompany hat absolut recht: Wir brauchen am Mittwoch jede Stimme. Wir brauchen 100 Prozent Mia san Mia, den vollen Zusammenhalt unserer Bayern-Familie und möglichst alle in Rot. Die Mannschaft hat in Paris gezeigt, dass sie Rückschläge wegstecken kann und immer weitermacht. Die Allianz Arena ist schwer zu stürmen – und genau das soll Paris vom Anpfiff an zu spüren bekommen. Es ist erst Halbzeit. Jetzt brauchen wir gemeinsam einen großen europäischen Abend in München.“

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