

Besondere Premiere: Erstmals hatte Real Madrid in Herbert Hainer den Präsidenten eines anderes Vereins eingeladen, die Laudatio vor den 1.300 Absolventinnen und Absolventen eines Studiengangs der Königlichen an der Universität der spanischen Hauptstadt zu halten. Bisher sprachen beim Festakt auf dem Rasen des Bernabéus Vertreterinnen und Vertreter aus Politik oder Wirtschaft, und das respektvolle Verhältnis zwischen den beiden Clubs und ihren Verantwortlichen führte dazu, dass die Zeremonie ein weiteres Zeichen der Wertschätzung zwischen dem FC Bayern und Real Madrid wurde. In den Mittelpunkt seiner Rede stellte Hainer die Begriffe Identität und Haltung. „Erfolg öffnet Türen – aber Identität und Haltung entscheiden, welche Spuren Sie hinterlassen“, appellierte er an die Studierenden: „Denn am Ende erinnert man sich nie nur daran, was Sie erreicht haben. Sondern vor allem daran, wofür Sie standen.“

Die wahre Stärke von Bayern und Real liegt nicht in Titeln und Trophäen. Sie liegt in ihrer Identität und der Haltung der Persönlichkeiten, die sie mit Leben füllen.Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern
Hainer zog in Anwesenheit von Real-Präsident Florentino Pérez und Legenden wie Emilio Butragueño Parallelen zwischen den beiden Weltclubs: „Mia san Mia“ bedeute beim FC Bayern nicht: Wir sind besser als alle anderen, sagte er. „Es bedeutet: Wir wissen, wofür wir stehen.“ Und „Hala Madrid“ sei für Real Madrid mehr als ein Ruf von den Rängen: „Es ist die Überzeugung, nie aufzuhören, an die nächste Möglichkeit zu glauben.“ Auf den ersten Blick seien das jeweils nur zwei kurze Sätze, „aber sie beantworten eine viel grundlegendere Frage als nach Sieg oder Niederlage: Wer sind wir?“ Die wahre Stärke von Bayern und Real liege nicht in Titeln und Trophäen: „Sie liegt in ihrer Identität und der Haltung der Persönlichkeiten, die sie mit Leben füllen.“
Hainer verwies auf Santiago Bernabéu („er hat Real Madrid eine Vision gegeben“), Cristiano Ronaldo („mehr als Tore – die Bereitschaft, jeden Tag mehr aus sich herauszuholen“), auf Franz Beckenbauer („hat geprägt, geführt und weit über den Sport hinaus Wirkung entfaltet“) sowie Thomas Müller („versucht nicht, jemand anderes zu sein, seine Stärke liegt darin, authentisch zu bleiben“) und schlussfolgerte: „Keiner von ihnen wollte je die Kopie eines anderen sein. Sie wissen, wer sie sind. Und genau darin liegt vielleicht die wichtigste Botschaft: Die Welt braucht keine zweite Ausgabe eines erfolgreichen Menschen. Sie braucht das beste Original Ihrer selbst.“

Beim Thema Haltung nahm Hainer das Auditorium, das aus Studierenden aus 108 verschiedenen Nationen bestand, über den Sport hinaus mit: „Wir leben in einer Zeit, in der spaltende Kräfte versuchen, unsere Demokratien zu schwächen und Europa auseinanderzutreiben. Gerade deshalb brauchen wir ein Europa des Zusammenhalts – von Madrid bis München.“ Wenn ein Spieler wie Vinícius Júnior angefeindet werde, sei „das nicht nur ein Problem des Fußballs: Es ist ein Problem unserer Gesellschaft. Unser Trainer Vincent Kompany hat in diesem Zusammenhang gesagt, es müsse viel mehr Raum für Austausch geben als für Ausgrenzung.“ Das sei eine zentrale Botschaft – „gerade in unserer Zeit, für Ihre Generation: Wer Menschen gegeneinander ausspielt und spaltet, stellt sich gegen alles, wofür große Gemeinschaften stehen. Und deshalb sage ich es hier mit Nachdruck im Namen des FC Bayern: Über Grenzen hinweg, in Spanien wie in Deutschland, gilt: Wer ausgrenzt, verliert – im Sport wie im Leben.“ Die Anwesenden mit ihren Familien aus aller Welt quittierten die Rede mit anhaltendem Applaus.
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