

2013 feierte Dante als Abwehrchef das Triple mit seinem Kulthit „Und Pokal auch“. Jetzt ist er zurück an der Säbener Straße: als Coach der Bayern-Amateure. Im Interview mit dem FC Bayern-Mitgliedermagazin „51“ spricht er über seinen Rollenwechsel, prägende Vorbilder und darüber, wofür der Trainer Dante stehen will.
Das Interview mit Dante
Dante, im Herbst 2024 hast du uns in Nizza gesagt, dass du davon träumst, irgendwann als Trainer zum FC Bayern zurückzukehren. Ging das schneller, als du gedacht hast?
Dante: „Damals habe ich das eher im Spaß gesagt. Dass ich jetzt, zwei Jahre später, wirklich als Trainer zurück bin, hätte ich nie gedacht. Aber ich bin überglücklich, voller Energie und sehr dankbar für diese Chance. Ich will meine Spieler entwickeln, dafür werde ich alles tun.“
Wie kam es zu deiner Rückkehr?
„Ich kenne Max Eberl noch aus Gladbach. Vor einiger Zeit haben wir uns wiedergesehen und sind ins Gespräch gekommen. Ich habe erzählt, dass ich Trainer werden möchte und gerade meine Trainerlizenzen mache. Max fand das alles interessant – und dann hat er sich gemeldet und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Trainer der Bayern-Amateure zu werden. Ich habe sofort Ja gesagt.“
Jetzt bist du zurück an der Säbener Straße. Wie fühlt sich das für dich an?
„Es ist emotional. Viele Erinnerungen kommen hoch – an das, was wir damals zusammen geschafft haben. Da wird mir ganz warm ums Herz.“

Deine Rolle ist jetzt eine andere: Du bist nicht mehr Spieler, sondern Trainer. Was verändert das für dich?
„Als Spieler bist du in erster Linie mit dir selbst beschäftigt, als Trainer musst du alles im Blick haben: die einzelnen Spieler, das Team, den Staff, die Organisation, das Umfeld. Du machst dir ständig Gedanken: Wer macht was? Was will ich den Jungs vermitteln? Was bezwecke ich mit welcher Übung? Passt sie zu meiner Fußballidee? Es gibt so viele Themen. Deshalb ist es wichtig, im Kopf klar zu bleiben. Ich achte sehr auf Werte, auf Einstellung und Mentalität. Das hilft uns, gemeinsam in eine Richtung zu gehen.“
Vor ein paar Wochen hast du in Nizza noch selbst gespielt. Wie schwer fällt es dir, jetzt im Training nicht mehr einfach mitzukicken?
„Es ist immer noch ein Glücksgefühl, den Ball am Fuß zu haben und den Jungs auch mal etwas zu zeigen. Das gehört dazu. Aber ich spüre, dass es der richtige Moment war, meine Spielerkarriere zu beenden. Ich bin 42 und habe den Fußball lange auf dem Platz genossen. Jetzt ist für mich die richtige Zeit gekommen, den Fußball von außen zu begleiten.“
Wir kennen den Spieler Dante: immer mit einem Lachen, immer mit Musik. Wie ist der Trainer Dante?
„Dante bleibt Dante. Ich finde es wichtig, authentisch zu sein. Ich bin ein positiver Mensch, selbst unter Druck oder wenn etwas nicht so läuft wie geplant, bleibe ich positiv. Aber natürlich ist es eine Umstellung für mich. Als Spieler gehst du nach einem Spiel vielleicht etwas essen, hörst Musik und hast Spaß. Als Trainer geht es sofort in die Analyse: Was haben wir gut gemacht? Was nicht? Woran wollen wir in den nächsten Tagen arbeiten? Es gibt immer etwas zu planen, zu organisieren, zu tun.“
Ein Trainer muss korrigieren, Grenzen setzen, manchmal harte Entscheidungen treffen. Wie kommst du damit zurecht?
„Ich bin ein Trainer, der seine Spieler motivieren will – in jeder Übung, in jeder Einheit, in jedem Spiel. Aber im Zentrum steht: Ehrlichkeit. Ich möchte den Jungs und den Menschen um mich herum immer die Wahrheit sagen. Wenn zum Beispiel einer mal nicht mit der nötigen Intensität trainiert, dann sage ich ihm das. Ich lege großen Wert auf Ernsthaftigkeit und Professionalität.“

Warum ist Ehrlichkeit so ein zentraler Punkt für dich?
„Weil du als Trainer nur ein Gesicht haben solltest, nur eine klare Linie. Du kannst nicht heute das eine sagen, morgen etwas anderes und übermorgen wieder etwas anderes. So verlierst du deine Spieler.“
Hast du das als Spieler erlebt?
„Ich habe gesehen, was passiert, wenn Spieler merken, dass ein Trainer nicht die Wahrheit sagt. Oder wenn er dich nur motiviert, weil er dich gerade braucht. Für mich sind alle Spieler wichtig – nicht nur die elf, die spielen, oder die 18, die am Spieltag im Kader stehen. Natürlich coache ich nicht
jeden gleich. Die Jungs sind unterschiedlich: Der eine ist ruhiger, der andere lauter. Und je nach Persönlichkeit gibt es Unterschiede, wie ich meine Botschaft rüberbringe.“
Was war das Erste, das du deiner Mannschaft gesagt hast?
„Ich habe über die Mentalität von Bayern gesprochen, darüber, was es bedeutet, für Bayern zu spielen. Ich möchte Spieler haben, die sich etwas zutrauen, die fokussiert und diszipliniert sind, die bereit sind, alles zu geben. Dafür müssen sie bereit sein, jeden Tag hart zu arbeiten. Mein Ziel ist es, jeden Einzelnen weiterzubringen – als Mensch und als Spieler. Ich bin ein offener Typ, meine Spieler können immer zu mir kommen. Ich bin immer für sie da.“
Wie sieht der Fußball von Dante aus?
„Bei ein paar Dingen lasse ich nicht mit mir verhandeln: Intensität, Aggressivität, Mentalität, Konzentration, Respekt. Ich will eine Mannschaft, die mutig am Ball ist, die nach vorne spielen will, die organisiert ist und das Spiel kontrolliert.“

Eine Frage an den früheren Abwehrchef: lieber viele Tore schießen oder wenige bekommen?
„Wir brauchen eine Balance. Am besten viele Tore schießen und gleichzeitig defensiv gut organisiert sein. Ganz einfach, oder (lacht)?“
Du hast bis 42 gespielt, eine lange und erfolgreiche Karriere gehabt. Was hat dich in der Trainerausbildung noch überrascht?
„Ich hätte wirklich nicht gedacht, wie viele Entscheidungen ein Trainer treffen muss. Es geht ja nicht nur um die Startelf, sondern um viele, viele andere Dinge – auf und neben dem Platz. Als Trainer ist man bestimmt mehr als doppelt so lang auf dem Trainingsgelände wie die Spieler. Das war mir nie so bewusst.“
Die Idee, Trainer zu werden, begann bei dir in Gladbach – mit Lucien Favre. Was hat er ausgelöst?
„Er hat sehr viel mit mir gesprochen. Wir standen oft in seinem Büro an der Taktiktafel, und er hat mir erklärt, was er vorhat. Er wollte wissen, was ich davon halte. Wir haben Spielermagnete verschoben und uns ausgetauscht. Das hat mir sehr gut gefallen. Er hat mir auch erzählt, was er sich im Training bei einer Übung denkt, warum wir sie machen. Später hat er mir ein Video gezeigt, und ich konnte sehen, dass wir im Spiel genau so gespielt haben, wie wir es im Training eingeübt hatten. Ich dachte nur: wow. Diesen ganzen Prozess – etwas vorzubereiten, es an die Mannschaft zu kommunizieren, es einzuüben und dann im Spiel umgesetzt zu sehen – finde ich super spannend.“
Da hast du gemerkt, wie alles ineinandergreift.
„Genau. Lucien war ein großer Taktiker. Manchmal haben wir 4-4-2 gespielt, manchmal 4-3-3 oder 4-2-3-1 – er hat immer wieder gewechselt, aber immer mit einer klaren Idee. Ich konnte ihn immer fragen, warum wir etwas so oder so machen. Diese Einblicke haben mir total Lust darauf gemacht, selbst Trainer zu werden.“
Man darf nie vergessen: Ein Spieler ist zuerst und vor allem ein Mensch.
Dante
Pep Guardiola hat dir als Widmung in seine Biografie geschrieben, du könntest ein großer Trainer werden. Was war für dich das Besondere an Pep?
„Es gibt niemanden, der das Spiel so klar sieht wie er. Er ist allen anderen immer einen Schritt voraus. Es ist beeindruckend, wie er jedes Spiel vorbereitet. Er liefert seinen Spielern so viele Details – und gibt ihnen dadurch ein riesiges Selbstvertrauen. Als Spieler von Pep hast du das Gefühl, alles im Griff zu haben.“
Und was hat Jupp Heynckes ausgezeichnet?
„Jupp war ein herausragender Trainer, er versteht den Fußball total. Aber vor allem ist Jupp ein herausragender Mensch. Er hat dir immer die Wahrheit gesagt und konnte auch 25 Superspieler bei Laune halten. Er hat jedem Einzelnen das Gefühl gegeben, wichtig zu sein. Seine Art zu kommunizieren – ehrlich, wertschätzend, menschlich – war wirklich einzigartig.“
Du warst auch einmal ein junger Spieler, so wie deine Spieler jetzt. Gab es einen Trainer, der damals besonders wichtig für dich war?
„Als Erstes denke ich da an Michel Preud’homme. Bei Standard Lüttich sind wir zusammen Meister geworden, die erste Meisterschaft für Standard nach 25 Jahren. Michel hat sehr viel mit mir gesprochen. Er wollte wissen, aus welchen Verhältnissen ich komme, er hat mir viele Tipps und Erklärungen gegeben. Er hat mich verstanden, er war wie ein Papa für mich.“
Was bedeutet sein Beispiel für dich, jetzt, wo du selbst für junge Spieler verantwortlich bist?
„Es ist auch mir wichtig, den Hintergrund meiner Spieler zu kennen, den ganzen Menschen zu sehen, im Austausch zu sein auch über Dinge, die nicht direkt etwas mit Fußball zu tun haben. Das kann helfen, zu verstehen, warum ein Spieler gerade in einem Tief ist. Vielleicht hat er seine Familie lange nicht gesehen. Vielleicht hat er jemanden verloren. Man darf nie vergessen: Ein Spieler ist zuerst und vor allem ein Mensch.“

Preud’homme, Favre, Heynckes, Guardiola – das sind sehr unterschiedliche Trainer. Was für ein Trainer ist Dante?
„Wenn du als Spieler so herausragende Trainer erlebt hast, nimmst du natürlich von jedem etwas mit. Mir ist dabei aber wichtig, bei mir zu bleiben und meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich habe hohe Ansprüche, an mich selbst und an mein Team. Ich möchte Spieler haben, die mit Enthusiasmus, Energie und Positivität arbeiten. Ich möchte spüren, dass sie wissen, was für eine Ehre es ist, das Bayern-Trikot zu tragen.“
Als Spieler hast du in den größten Stadien gespielt. Jetzt geht es in den ersten Auswärtsspielen der Saison nach Burghausen, Illertissen und Buchbach. Wie fühlt sich das an?
„Geil! Die meisten Orte in der Liga kenne ich noch nicht, ich bin sehr gespannt auf alles, was mich dort erwartet. Vor allem freue ich mich aber darauf, mit meiner Mannschaft zusammen zu sein, gemeinsam zu spielen, gemeinsam besser zu werden und gemeinsam Erfolg zu haben.“
Wie denkst du, werden die Zuschauer auf dich reagieren?
„Meine Zeit als Spieler bei Bayern ist ja inzwischen einige Jahre her. Ich hoffe, dass mich die Leute positiv in Erinnerung haben. Nicht so sehr wegen der Titel, die wir damals gewonnen haben, sondern als Mensch. Das wäre das Schönste für mich.“
Wenn wir nach der Saison noch einmal sprechen: Wann war es eine gute Saison für dich?
„Wenn viele der Jungs sich gut entwickelt haben. Wenn ein paar bereit für den Profifußball sind – im Idealfall sogar bei Bayern. Aber wir müssen Geduld haben. Die Mannschaft ist sehr jung, viele meiner Spieler werden auch noch in der U19 Youth League spielen. In der Regionalliga machen sie ihre erste Erfahrung mit Männerfußball. Der Prozess steht daher im Mittelpunkt. Aber klar, wir sind beim FC Bayern – und wir hassen es, zu verlieren.“
Das ganze Interview mit Dante und weitere interessante Artikel lest Ihr in der August-Ausgabe des FC Bayern-Mitgliedermagazins:
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