

In Bodø, knapp 80 Kilometer nördlich des Polarkreises, wo die Winter rau und dunkel sind, man das Wetter nie so richtig vorhersehen kann, haben sich die Leute einen Grundsatz geschaffen: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Vor zwei Wochen sorgte ihr Verein mal wieder dafür, dass Weihnachten und Ostern auf einen Tag fielen. Zum zweiten Mal in der Clubhistorie gelang dem FK Bodø/Glimt die Qualifikation für die Champions League. Zum Auftakt in die neue Spielzeit gastieren die Nordnorweger am Donnerstag in der Allianz Arena beim FC Bayern – und reisen mit ordentlich Selbstvertrauen nach München.
Starke Ungeschlagen-Serie
Bei der Generalprobe für die Partie gegen den deutschen Rekordmeister setzte sich Bodø/Glimt bei Fredrikstad FK mit 2:1 durch und verteidigte die Tabellenführung in der norwegischen Eliteserien. Seit nunmehr 18 Pflichtspielen ist das Team ungeschlagen, in der Champions League-Qualifikation schaltete man zunächst Royale Union Saint-Gilloise und dann NEC Nijmegen aus.

In der vergangenen Saison war Bodø/Glimt die Überraschungsmannschaft der Königsklasse. Das Team spielte sich durch mitreißenden Fußball in die Herzen der europäischen Fans und schaffte es bis ins Achtelfinale. Doch hinter der Sensation steckt harte Arbeit und eine klare Philosophie, die auf den Grundsätzen der Region aufbaut.
Ein Symbol für die Menschen der Region
„Wenn man viele Jahre zurückschaut, war es sehr hart. Die Leute mussten rausfahren zum Fischen, um zu überleben. Die Menschen, die diese Stadt aufgebaut haben, haben nie aufgegeben. Sie haben immer weitergemacht und sich weiterentwickelt. Heute kann man die Ergebnisse davon sehen“, sagt der in Bodø geborene Jens Petter Hauge, mit sechs Treffern bester Stürmer des Clubs in der vergangenen Königsklassen-Saison, in der Sportschau-Doku „Bodø Glimt – Das Fußballmärchen vom Polarkreis“. Nicht nur die Stadt, inzwischen sehr beliebt bei Touristen und europäische Kulturhauptstadt 2024, entwickelt sich. Der Verein wird für die Einwohner mehr und mehr ein Identifikationssymbol.

Als der Club 2010 vor der Insolvenz steht, tun sich die Bewohner, Fischer und Unternehmen der Stadt zusammen und so gelingt die Rettung des Vereins. In der Folge entwickelt sich Bodø/Glimt sukzessive. Der Erfolg hat System: Der Club erlegte sich nach der drohenden Insolvenz selbst klare Regeln auf – unter anderem, dass die Spieler größtenteils aus der Region kommen sollen. Im gesamten Verein, von der Jugend bis zu den Profis, wird nach dem gleichen System gespielt. Einer, der diese Idee prägt, ist Kjetil Knutsen, seit 2018 Cheftrainer von Bodø/Glimt.
Erfolgreich auf der ganz großen Bühne
So etabliert sich der Club in den vergangenen Jahren als erfolgreichster Club Norwegens, gewinnt 2020 erstmals die Meisterschaft und bejubelt auch 2021, 2023 und 2024 den Titel. Auf internationaler Bühne sorgt Bodø/Glimt insbesondere in den vergangenen beiden Spielzeiten für Furore. 2024/25 schaffen es die Norweger in der Europa League bis ins Halbfinale. Ein Jahr später gelingt in der Champions League nach sensationellen Siegen gegen Manchester City und Atlético Madrid der Einzug ins Sechzehntelfinale. Dort schaltet Bodø/Glimt Inter Mailand, das im Vorjahr das Endspiel erreicht hatte, aus. Im Achtelfinale gegen Sporting Lissabon ist dann jedoch trotz eines 3:0-Hinspielsieges Schluss (0:5 n. V. in Lissabon).

„Bodø/Glimt trägt einen großen Teil dazu bei, dass der norwegische Fußball aktuell so gut ist“, sagt Jens Petter Hauge, der auch schon für AC Mailand und Eintracht Frankfurt gespielt hat. Die Entwicklung sieht man nicht nur an den Erfolgen der Nationalmannschaft, die es bei der WM im Sommer bis ins Viertelfinale geschafft hat. Erstmals seit 27 Jahren sind in Bodø/Glimt und Viking Stavanger, Gegner des FC Bayern im zweiten Spiel der Ligaphase, zwei norwegische Clubs in der Champions League vertreten. „Die Liga wird immer besser. Es gibt sehr viele gute Spieler, die aus dem Nachwuchs kommen und sehen können, dass es möglich ist, ein sehr guter Fußballer zu werden, wenn man aus Norwegen kommt“, so Jens Petter Hauge.
Schon einmal startete der FCB gegen ein norwegisches Team
Für die Bayern ist es das erste Spiel gegen ein norwegisches Team seit 2000. Zweimal trafen die Münchner in der Gruppenphase auf Rosenborg Trondheim. Das Heimspiel gegen die Norweger war damals die Auftaktpartie der Champions League-Saison 2000/01 – am Ende stand der Titelgewinn des FC Bayern in der Königsklasse.
Wir haben mit dem ersten Norweger beim FC Bayern, Jan Einar Aas, über den fußballerischen Aufschwung seines Heimatlandes gesprochen:
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