Jan Einar Aas im FC Bayern Trikot
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Vor CL-Spiel gegen Bodø/Glimt

Norwegen im Fußball-Fieber: Ex-Bayer Jan Einar Aas erklärt den Aufschwung

Ein herzliches Lachen ist am anderen Ende der Leitung zu hören. Eines, das sofort ansteckt. Jan Einar Aas hat an diesem Tag bereits eine Runde Golf gespielt, gerade noch schnitt er die Hecke im Garten. Viel besser könne es ihm eigentlich nicht gehen, erzählt der 70-Jährige aus Moss, rund 60 Kilometer südlich von Oslo in Norwegen, im Gespräch mit fcbayern.com. „Ich habe so viele gute Erinnerungen an München, da bin ich natürlich freundlich!“ Es ist die Woche vor dem Auftakt des FCB in der Champions League am Donnerstag (21:00 Uhr) gegen FK Bodø/Glimt in der Allianz Arena.

Aas über den FC Bayern: „Ein bisschen wie zu Hause“

47 Jahre ist es her, dass Aas zum FC Bayern wechselte. Und doch merkt man schnell, dass München für ihn nicht einfach eine längst vergessene Station seiner Karriere ist. Er verfolgt die Spiele weiterhin am TV. „Wenn ich Bayern heute sehe, sage ich manchmal zu mir selbst: Ich war tatsächlich einmal dort“, sagt Aas. „Es ist fast unglaublich, dass ich für diesen großartigen Verein gespielt habe.“

Vor allem Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß wecken Erinnerungen. Mit Rummenigge stand er auf dem Platz, Hoeneß holte ihn nach München. „Dann fühlt es sich für mich ein bisschen wie zu Hause an“, sagt Aas.

Jan Einar Aas und Pal Csernai
Jan Einar Aas mit FCB-Coach Pal Csernai im Winter 1980. | © Imago

Dabei war ein Norweger in der Bundesliga damals alles andere als selbstverständlich. Aas kam aus der Jugend seines Heimatvereins Moss FK und wechselte Ende 1979 nach München. Er war der erste Norweger in der Bundesliga, später zog er weiter zu Nottingham Forest. Für den FC Bayern bestritt er 17 Pflichtspiele und wurde zweimal Deutscher Meister.

Wie groß die neue Welt für ihn damals war, zeigt eine Erinnerung besonders gut. Uli Hoeneß und der damalige Präsident Willi O. Hoffmann kamen persönlich nach Norwegen, um Aas nach München zu holen. Mit einem Privatjet. „Das war wirklich etwas ganz Besonderes“, weiß Aas.

Wechsel in eine neue Welt

Auch jene Geschichte, die Hoeneß später immer wieder über den Transfer erzählte, stimmt in ihren Grundzügen. Aas wollte die Entscheidung nicht überstürzen, brauchte noch einen Tag Bedenkzeit und wollte mit einem Berater sprechen. Also musste Hoeneß umplanen und länger in Norwegen bleiben. Die Episode von eisiger Kälte und wenig wintertauglichem Schuhwerk ist seither eine von Hoeneß‘ bekanntesten Transfer-Anekdoten.

Jan Einar Aas im FC Bayern Trikot
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Ich glaube, das ist die beste Zeit, die der norwegische Fußball jemals erlebt hat.

Jan Einar Aas

Was zu Aas' Zeiten noch die Ausnahme war, ist längst selbstverständlich geworden. Heute spielen viele Norweger bei europäischen Spitzenclubs. Erling Haaland und Martin Ødegaard gehören zu den bekanntesten Fußballern der Welt. Und mit Bodø/Glimt sowie Viking Stavanger treffen gleich zwei norwegische Vereine in der Champions League auf den deutschen Rekordmeister.

„Ohne Zweifel. Ich glaube, das ist die beste Zeit, die der norwegische Fußball jemals erlebt hat“, sagt Aas. Vor allem die Breite sei eine andere geworden. „Das Niveau direkt hinter Erling Haaland und Martin Ødegaard wird immer besser. Wenn einer gut ist, wird der Zweite auch besser, dann der Dritte, Vierte und Fünfte.“

Norwegen spielt auf brasilianische Art

Dazu komme etwas, das Aas wichtig ist: die Mannschaft. „Einer für alle und alle für einen“, sagt er über das norwegische Nationalteam und meint damit auch die norwegischen Spitzenteams. Spielerisch erkennt er einen Wandel. Beim WM-Spiel gegen Brasilien habe man in seiner Heimat sogar gescherzt: „Norwegen hat auf brasilianische Art gespielt.“

Sieht er sich dabei selbst als Pionier, zumindest ein bisschen? Wieder dieses herzliche Lachen. „Ich ein Pionier? Nein“, sagt er. „Diese Spieler haben sich die Tür selbst geöffnet, indem sie guten Fußball gespielt haben.“

Einen Akteur beobachtet Aas besonders gerne: Haaland. „Manchmal ist er eigentlich überhaupt nicht richtig im Spiel, hat während der gesamten Partie vielleicht nur fünf oder zehn Mal den Ball und trotzdem erzielt er ein, zwei oder drei Tore.“ Diese Geduld beeindrucke ihn enorm.

Patrick Berg im WM-Spiel gegen England im Zweikampf mit Harry Kane
Patrick Berg, Mittelfeldspieler von FK Bodø/Glimt, traf bei der WM im Sommer mit der norwegischen Nationalmannschaft im Viertelfinale auf England um Harry Kane - mit 2:1 setzten sich die Briten nach Verlängerung durch. | © Imago

Schon landet das Gespräch wieder in München. Harry Kane sei ebenso gut wie Haaland, findet Aas, nur eben ein anderer Spielertyp. „Er ist stärker ins Spiel mit dem Ball eingebunden. Auch von ihm bin ich sehr beeindruckt.“

Vieles führt bei Aas zurück zum FC Bayern. Als er nach München kam, war sein Deutsch noch ausbaufähig. Dieter Hoeneß fragte ihn gleich zu Beginn, ob er Englisch spreche. Wenig später kam der Schwede Norbert Janzon auf ihn zu und fragte auf Schwedisch nach. Deutsch hatte Aas zwar schon in der Schule gelernt. Nur auf das Bayerische an der Säbener Straße war er nicht vorbereitet. Hängen geblieben sind trotzdem „Mannschaft“ - und etwas, das er von Klaus Augenthaler und den anderen aufschnappte: „glaub i net“. Aas spricht es beinahe ohne norwegischen Einschlag aus und weiß noch: „Sie haben unglaublich schnell miteinander gesprochen.“ Es sei trotzdem gegangen. „Es war eine sehr, sehr schöne Zeit.“

Aas über Bodø/Glimt: „Unglaublich, was dieser Verein geschafft hat“

Nun kommt mit Bodø/Glimt am Donnerstag ein Stück norwegischer Fußball in die Allianz Arena. „Für mich ist es unglaublich, was dieser Verein geschafft hat“, sagt Aas.

Er spricht über das gewachsene Selbstvertrauen, die internationale Erfahrung und die Arbeit von Trainer Kjetil Knutsen. Bodø/Glimt habe nicht die berühmtesten Namen, funktioniere aber als Mannschaft. Patrick Berg hebt Aas dabei heraus: „Er ist ein sehr intelligenter Fußballspieler.“ Vor allem gefällt ihm, wie selbstverständlich die Mannschaft auftritt. „Sie fühlen sich mit dem Ball wohl. Sie schlagen ihn nicht nur lang nach vorne und laufen hinterher.“

Teamfoto FK Bodo/Glimt
FK Bodø/Glimt qualifizierte sich zum zweiten Mal in Folge für die Champions League - im Vorjahr erreichte das Team das Achtelfinale. | © Imago

Was in München möglich ist? Da wird Aas vorsichtig. „Wenn man dort gegen Bayern München antritt, dann ist das eines der schwierigsten Spiele, die man überhaupt haben kann.“ Er wäre „ein bisschen überrascht und gleichzeitig sehr, sehr stolz“, wenn der Club aus Nordnorwegen dem FC Bayern ein wirklich schwieriges Spiel liefern könnte.

Bleibt nur noch eine Frage: Wem hält Jan Einar Aas eigentlich die Daumen? „Bitte fragen Sie mich das nicht!“ Wieder lacht er. Sein Herz sei natürlich norwegisch, sagt Aas, aber schließlich habe er für Bayern gespielt. Also am besten zwei Unentschieden gegen Bodø/Glimt und Viking - und am Ende kommen alle weiter. „Ich glaube“, sagt Jan Einar Aas, „das nennt man eine diplomatische Antwort.“

In Moss wartet inzwischen wieder der Garten. Und bald ein Fußballabend, bei dem es für Aas schwer werden dürfte, ganz diplomatisch zu bleiben.

Im Gegnercheck haben wir den FK Bodø/Glimt genauer unter die Lupe genommen:

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