



Leipzig im Gegnercheck
Mi | 14.10.2026 | 13:00
Blitzstart, Tempo und Torhunger: Das macht RB Leipzig gefährlich
Bayern-Legende und RB-Neucoach Martin Demichelis ist in Leipzig nicht reibungslos in die Saison gestartet: 1:4 zum Champions League-Auftakt in Como, Auswärtspleiten in Bremen (1:3) und in Leverkusen (0:2) – bis zur Länderspielpause lief es nicht so recht zusammen beim Vorjahresdritten. Dann aber folgten drei Wochen Bundesliga-Pause und anschließend ein Tor-Feuerwerk gegen Eintracht Frankfurt sowie ein 1:0-Sieg im Europapokal am Dienstagabend gegen Eindhoven, so dass RB Leipzig nun mit viel Selbstvertrauen zum Topspiel beim FC Bayern reist. Dort haben die Sachsen in der Bundesliga vergangene Saison allerdings nicht gut ausgesehen. Sowohl beim 0:6 zum Auftakt wie auch im Pokal-Viertelfinale (0:2) musste RB mit leeren Händen wieder die Heimreise antreten.
Neues Selbstbewusstsein in Sachsen

Bayern muss trotzdem gewarnt sein. Am vergangenen Bundesliga-Spieltag überrollten die Sachsen die Eintracht beim 6:0 und feierten damit den achten Heimsieg in Folge – Vereinsrekord. Vor allem die Anfangsphase hatte es in sich: Bereits nach fünf Minuten führte Leipzig mit 2:0, zur Pause stand es 4:0. „Ein ganz wichtiger Sieg für uns nach drei Wochen ohne Spiel. Wir haben eine gute Reaktion in einem richtigen Moment gezeigt“, sagte Martin Demichelis nach dem Kantersieg. Nun geht es am Samstag um 18:30 Uhr in der Allianz Arena für den Tabellenfünften gegen den FC Bayern. Es ist der Auftakt für die Wochen der Wahrheit in Sachsen, die Leipzig offensichtlich für eine Kehrtwende nutzt: Auch in der Champions League gab es gegen PSV Eindhoven einen 1:0-Erfolg. Im Europapokal warten auf das Demichelis-Team nun zwei Kracher bei Real Madrid und gegen Manchester City.
Leipziger Blitzstart als klare Warnung
RB fackelte gegen Frankfurt vergangene Woche nicht lang und legte munter los: Die Mannschaft benötigte nur wenige Sekunden, um die Weichen zu stellen. Ezechiel Banzuzi traf bereits in der ersten Minute, kurz darauf erhöhte Christopher Nkunku auf 2:0. Der frühe Doppelschlag war historisch: Erstmals traf Leipzig in einem Heimspiel der Bundesliga innerhalb der ersten fünf Minuten zweimal. Schnelle Tore waren zuletzt das Manko in der Defensive des FC Bayern sowohl in Augsburg wie auch in Stavanger. Und auch kurz vor der Pause blieb Leipzig gegen die Eintracht hellwach, schaltete keinen Gang zurück und setzte den nächsten Doppelschlag zum 4:0. 20 Torschüsse unterstrichen eine neue, offensive Wucht der Sachsen. Gleichzeitig zeigte die Begegnung aber auch das RB-Manko auf: Trotz des klaren Ergebnisses gelang es Leipzig nicht, über 90 Minuten das Spiel komplett zu kontrollieren.

Nkunku gibt der Offensive Struktur
Nkunku gibt der Offensive Struktur

Im Mittelpunkt steht in der Offensive wenig überraschend Christopher Nkunku. Der französische Angreifer erzielte gegen Frankfurt drei Treffer und ist in Topform. Dabei bewegt sich die Leihgabe von der AC Mailand nicht ausschließlich auf der letzten Linie, sondern lässt sich immer wieder in die Zwischenräume fallen, kombiniert mit den nachrückenden Mittelfeldspielern und sucht dann konsequent den Weg in den Strafraum.
Unterstützt wird Nkunku von Romulo, Antonio Nusa und Brajan Gruda. Romulo bietet sich häufig als Wandspieler an, um Zuspiele prallen zu lassen und seinen Mitspielern so Raum für Tiefenläufe zu öffnen. Nusa wiederum bringt vor allem seine Dynamik und sein Tempo in direkten Duellen ein. Gruda erzielte nach einem Eckball den Goldenen Treffer gegen Eindhoven.

Flexible Grundordnung und viel Bewegung
Flexible Grundordnung und viel Bewegung

Aus einer 4-3-3-Grundordnung entstehen bei Ballbesitz bei RB immer wieder variable Aufbauformen, die die Zuordnung für die gegnerische Defensive erschweren. Besonders über die Außenbahnen sucht RB gern den Weg ins letzte Drittel. Nach Zuspielen auf die Flügel folgen häufig direkte Tiefenläufe. Während Nusa häufiger aus dem Halbraum oder aus tieferen Positionen im Eins-gegen-eins in Richtung Tor aufdreht, suchen Nkunku und Gruda das Kombinationsspiel. Leipzig kann dadurch nach Seitenwechseln schnell Dynamik entwickeln und die gegnerische Defensive vor immer neue Aufgaben stellen.
Umschalten mit hoher Geschwindigkeit
Eine weitere Stärke der Sachsen liegt im Umschaltspiel. Nach Ballgewinnen versucht Leipzig, schnell den freien Raum neben oder hinter der gegnerischen Abwehr zu attackieren. Doch das Pressing aus dem Mittelfeld birgt auch Gefahr bei Ballverlusten: Räume in der sächsischen Defensive gehen auf und laden wiederum die Gegner zum Konter ein. Bayern kann hier also auch mit Konterattacken Nadelstiche setzen.
Leipzig ist nicht unverwundbar
Auch schieben die Leipziger Außenverteidiger weit nach vorn, was hinter ihnen Räume öffnet. Werden diese Zonen schnell bespielt, kann RB in der Rückwärtsbewegung unter Druck geraten. Für den FC Bayern wird es daher darauf ankommen, nach Ballgewinnen sofort die Tiefe zu attackieren und Leipzig nicht in seine bevorzugten Umschaltmomente kommen zu lassen. Gleichzeitig darf der Rekordmeister die Leipziger Offensive nicht durch einfache Ballverluste einladen. Nkunku, Nusa und Romulo benötigen nur wenige Kontakte, um aus einem scheinbar ruhigen Moment eine gefährliche Szene zu entwickeln.
Ein Gegner mit neuem Selbstvertrauen

Nach dem holprigen Saisonstart ist gegen Frankfurt und Eindhoven mehr als nur ein Befreiungsschlag gelungen. RB-Keeper Maarten Vandevoort konnte gegen Ex-Bayer Ivan Perisic gegen PSV sogar einen Handelfmeter parieren. Der FC Bayern ist gewarnt: Leipzig besitzt Tempo auf den Außenbahnen, Qualität in den Zwischenräumen und mit Nkunku einen Angreifer, der Chancen eiskalt nutzt. Wer gegen RB bestehen will, braucht von Beginn an Ruhe im Aufbau, Klarheit gegen den Ball und höchste Aufmerksamkeit bei jedem Umschaltmoment. Denn Leipzig hat zuletzt gezeigt, wie schnell aus einem guten Start eine Leipziger Torflut werden kann.
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