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Simone Boye über CL-Gegner Rosengård: „Sie kämpfen immer bis zum Schluss“

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Am Mittwochabend empfangen die FC Bayern Frauen im Viertelfianle der UEFA Women's Champions League den FC Rosengård. FCB-Verteidigerin Simone Boye Sørensen kennt den Gegner aus Malmö bestens. Bis zu ihrem Wechsel nach München hat die dänische Nationalspielerin für den schwedischen Rekordmeister gespielt. Im Interview verrät sie, welche Spielerinnen von Rosengård besonders gefährlich sind, welche Ziele sie für diese Saison hat und worauf es in den kommenden Wochen ankommen wird.

Simone Boye im Interview

Simone, vergangenen Freitag seid ihr ins DFB-Pokal-Halbfinale eingezogen und du selbst hast ein sehr starkes Spiel abgeliefert. Wie groß war die Hürde Hoffenheim?
„Es war wirklich ein schweres Spiel. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. In der zweiten Hälfte sind wir aber etwas müde geworden und Hoffenheim hat es dann gut gemacht, viel Druck aufgebaut. Aber wir haben standgehalten und uns selbst weiter gute Torchancen erspielt. Wir haben verdient gewonnen."

War die Partie ein gutes Warm-up für die anstehenden Champions-League-Spiele?
„Ja, Hoffenheim war definitiv die stärkste Mannschaft, auf die wir in diesem Jahr bisher getroffen sind. Und das Spiel kam tatsächlich zu einem guten Zeitpunkt. Wir haben nochmal gesehen, wo wir uns trotz unserer aktuellen Siegesserie noch verbessern können. Oder viel besser gesagt: Wo wir uns verbessern müssen - um in den kommenden Wochen auch gegen absolute Top-Mannschaften erfolgreich zu sein. Denn uns stehen richtig schwere Kaliber bevor."

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Kräftemessen: Gegen Hoffenheim waren Boye und die FCB-Defensive ordentlich gefordert.

Apropos schwere Kaliber: Ihr seid mit eurer Mannschaft erneut unter den top Acht in Europa. Wie hört sich das an?
„Natürlich sind wir glücklich darüber. Jetzt kommt jedoch das große ABER! Wir als FC Bayern – als einzelne Spielerinnen und als Klub insgesamt – haben höhere Ansprüche und geben uns damit nicht zufrieden. Unser Weg darf im Viertelfinale noch nicht zu Ende sein. Dazu sind wir alle fest entschlossen!"

Dafür müsst ihr jetzt den FC Rosengård schlagen. Du hast vor deinem Wechsel zum FC Bayern dort gespielt. Kennst du die Mannschaft noch gut und wie stark ist sie?
„Ich kenne die meisten, ja. Sie haben auch mehrere Spielerinnen aus Dänemark. Sie sind wirklich stark einzuschätzen. Viele in der Mannschaft spielen zudem schon sehr lange zusammen und sind sehr eingespielt. Man kann sie vielleicht nicht mit anderen deutschen Bundesliga-Mannschaften vergleichen, aber wenn, dann wären sie oben dabei."

Auf welche Spielerinnen sollten die Bayern-Fans am Mittwoch besonders achten – und warum?
„Oh, da gäbe es viele. Aber allem voran ist da natürlich Caroline Seger. Sie hat Erfahrung wie kaum eine andere Spielerin. Sie ist stark am Ball, kann während dem Spiel enorm viel vorausahnen und lenkt das Spiel entsprechend. Sie ist Kopfballstark und einfach eine geniale Führungsspielerin. Eine weitere Spielerin ist Jelena Čanković, die Cousine von unserer Jovana Damnjanović. Sie ist technisch richtig stark, im Dribbling oft unaufhaltsam, offensiv sehr gefährlich und leitet viele Aktionen oder Torabschlüsse ein. Auf sie müssen wir sehr aufpassen. Eine Dritte ist Mimi Larsson, eine Stürmerin. Sie ist blitzschnell und oft unberechenbar. Sie geht sehr schnell drauf, lässt ihren Gegnerinnen keine Sekunde, um sich zu orientieren und attackiert dich sofort. Aber auch Sanne Troelsgaard, eine dänische Nationalmannschaftskollegin von mir, hat einen starken Abschluss, macht richtig viele Tore und kommt oft aus dem Nichts zum Abschluss - und trifft dann aber auch. Die Offensive hat es also in sich. Aber wir können uns auf unsere eigenen Stärken konzentrieren, die sprechen auch für sich."

Gibt es Unterschiede zwischen der schwedischen, oder generell skandinavischen Ligen und der Frauen-Bundesliga, die am Mittwoch vielleicht zu Geltung kommen werden?
„Das ist eine schwierige Frage. Aber doch, es gibt Unterschiede. Die deutschen Top-Klubs sind wahrscheinlich schon stärker einzuschätzen als die schwedischen oder skandinavischen Titelaspiranten. Jedoch sind die Ligen dort ausgeglichener und auch die Top-Mannschaften daher dauerhaft mehr gefordert. So entwickeln sie sich gut – als Mannschaft und als individuelle Spielerin. Sie kämpfen immer bis zum Schluss."

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Jubel in der Königsklasse: Simone Boye traf im Achtelfinal-Rückspiel zum zwischenzeitlichen 2:0 für den FC Bayern.

In Schweden fängt die neue Saison erst an, Rosengård ist gerade in der Saisonvorbereitung. Ist das ein Vor- oder Nachteil für sie?
„Das kann man schwierig einschätzen. Rosengård trainiert seit Januar, hat seither viele Test- oder Pokalspiele absolviert und ist frisch im Kopf. Wir sind hingegen nach mehreren Monaten Spielbetrieb gut eingespielt, hatten zuletzt aber eine hohe Belastung. Das wird sich ausgleichen."

Ihr seid tatsächlich gut eingespielt: 23 Siege in 23 Pflichtspielen. Was macht euch dieses Jahr so stark?
„Wir erspielen uns in jedem Spiel sehr viele Chancen – auf unterschiedlichen Wegen. Und meistens machen wir daraus auch richtig viele Tore. Zudem verteidigen wir sehr stark und lassen nicht viel zu. Diese beiden Aspekte ragen vielleicht heraus, aber erst möglich macht dies, dass wir ein richtig gutes Team sind. Was die spielerische Qualität angeht, aber auch in Sachen Einstellung und Zusammenhalt. Wir können uns trotzdem immer noch weiterentwickeln."

Worauf wird es ankommen, damit ihr auch die restliche Saison so dominant gestalten könnt?
„Wir sind bisher sehr gut damit gefahren, dass wir immer Schritt für Schritt und von Spiel zu Spiel gedacht haben. Besonders jetzt gilt das umso mehr: Wir haben so viele Spiele in so kurzer Zeit. Wir müssen den Fokus immer hochhalten und die ganze Konzentration dem nächsten Spiel widmen. Natürlich müssen wir mental und physisch möglichst fit und frisch bleiben. Sonst wird es schwierig. Jede muss in jedem Spiel ihr Bestes geben und als Team müssen wir auf und neben dem Platz fest zusammenhalten. Wir werden nicht jedes Spiel absolut dominieren, wie letzte Woche gegen Hoffenheim bereits geschehen. Umso wichtiger ist es, dass wir den Sieg trotzdem gemeinsam erkämpfen."

Und was sind deine Ziele bis zum Ende der Saison?
„Natürlich wollen wir Titel gewinnen. Aber um wieder mehr Schritt für Schritt zu denken: Wir wollen einfach jedes Spiel gewinnen, mit diesem Motto gehen wir jedes Mal auf den Platz. Spiel für Spiel. Als FC Bayern haben wir hohe Ansprüche an uns selbst. Und mit dem starken Team, das wir haben, ist viel möglich."

Hier gibt es das CL-Viertelfinale im Livestream zu sehen!