

Niederländische Neuzugänge im Gespräch
Do., 23.07.26, 13:00
Vom Rückspiegel in die Zukunft: Die besondere Geschichte von Regina van Eijk & Sophie Proost
Manchmal beginnt eine gemeinsame Geschichte nicht mit dem ersten Training, nicht mit einem gemeinsamen Foto im neuen Trikot. Manchmal beginnt sie ganz beiläufig. Zum Beispiel im Auto, an der Ausfahrt des FC Bayern Campus. Regina van Eijk ist erst wenige Tage in München: neue Straßen, neue Abläufe, ein neues Zuhause. Als sie im Münchner Norden losfährt, fällt ihr Blick wie sonst auch in den Rückspiegel. Hinter ihr wartet ein weiteres Fahrzeug. Ein vertrautes Gesicht. „Moment … ist das Sophie?“, denkt sie, ein breites Grinsen im Gesicht. Sie hebt die Hand zum Gruß. Sophie Proost erkennt sie sofort und winkt zurück. Heute müssen beide lachen, wenn sie an diesen Moment vor wenigen Tagen zurückdenken.
Im Ticker verpasst ihr keinen Moment der Allianz Women‘s Tour in Tokio:
Eigentlich hätten sie sich schon Jahre zuvor besser kennenlernen können, bedenkt man, dass beide aus den Niederlanden stammen. Stattdessen ereignet sich ihre erste echte Begegnung ausgerechnet in ihrer neuen Heimat München. Noch bevor sie gemeinsam auf dem Trainingsplatz stehen, noch bevor sie sich die Kabine teilen. „Das war tatsächlich das erste Mal, dass wir uns hier gesehen haben“, erzählt Regina. Sophie nickt, ehe die beiden gleichzeitig zu lachen beginnen. Ein kurzer Moment, der viel über die Geschichte der beiden Niederländerinnen verrät, die seit Saisonbeginn zum Kader der FCB-Frauen gehören. Denn ihre Wege haben sich über Jahre hinweg immer wieder gestreift – ohne sich wirklich zu kreuzen. Bis jetzt.
Vertraute Unbekannte
Obwohl Regina van Eijk und Sophie Proost dieselbe Sprache sprechen, beide in den Niederlanden ausgebildet wurden und nun gemeinsam das Trikot des FCB tragen, waren sie lange nur vertraute Gesichter füreinander. „Wir kannten unsere Namen“, erinnert sich Proost. „Vielleicht haben wir mal Hallo gesagt. Aber ein richtiges Gespräch hatten wir nie.“ Und das, obwohl beide über viele Jahre hinweg in der Jugend von Ajax Amsterdam ausgebildet wurden. Sophie spielte damals noch in den Nachwuchsteams, während Regina bereits zur ersten Mannschaft zählte. „Wir wussten, wer die andere ist, mehr aber eigentlich nicht“, so Regina rückblickend.

Für Sophie war Regina dennoch keine Unbekannte. Während sie selbst in der Akademie des niederländischen Topclubs reifte, stand van Eijk schon im Profikader. Die junge Offensivspielerin verfolgte die Spiele der ersten Mannschaft bereits damals aufmerksam. „Ich habe Regina oft spielen sehen, auch als sie damals noch in der Champions League gegen Bayern gespielt hat“, erzählt sie. Dass sie ein paar Jahre später gemeinsam für die Münchnerinnen auflaufen würden, hätten sich beide damals wohl kaum vorstellen können.
Die Ajax-Schule
Ajax Amsterdam hat beide geprägt. Fußballerisch ebenso wie in ihrer Haltung zum Spiel. Viele Jahre ihrer Jugend verbrachten sie bei de Godenzonen, und obwohl sie unterschiedlichen Generationen angehören, sprechen sie mit der gleichen Wertschätzung über diese Zeit. Ajax steht für mutigen Fußball, Lösungen mit dem Ball, Verantwortung für junge Spielerinnen. Regina erkennt darin Parallelen zum FC Bayern. „Beide Vereine wollen dominant auftreten, Talente entwickeln und Spielerinnen die Möglichkeit geben, sich auf höchstem Niveau zu entfalten.“ Der Schritt nach München fühlte sich für beide auch deshalb vom ersten Moment an stimmig an.

Ihre Wege kreuzten sich später erneut. Diesmal aber auf dem Platz. In der vergangenen Saison traf der FC Twente mit Proost auf Ajax Amsterdam um Regina van Eijk. Für 90 Minuten standen sie sich als Gegnerinnen gegenüber. 1:1-Remis hieß es am Ende. Sophie traf nicht gegen Regina, auch weil sie zur Halbzeit verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Was damals nicht gelang, kann die Flügelstürmerin nun aber im Training nachholen. Wenngleich Regina alles dafür tut, so selten wie möglich hinter sich greifen zu müssen.
Ankommen in München
Apropos Training. Im neuen Alltag genießen beide das Umfeld, das Team, die Mia san mia-Mentalität spürbar. „Die erste Woche war richtig schön, genauso wie das Kennenlernen der neuen Mitspieler, der neuen Stadt und allem, was dazu gehört“, sagt Regina. „Das Niveau und die Intensität sind sehr hoch, und es ist beeindruckend, in so einem Umfeld mit so viel Qualität zu sein.“ Gleichzeitig fühlten sich beide vom ersten Tag an willkommen. „Alle waren unglaublich nett und offen. Es ist wirklich ein tolles Team. Wir haben hier die Möglichkeit, mit Weltklasse-Spielerinnen zu trainieren und von ihnen zu lernen“, erzählt Sophie.

Sie berichtet, wie Pernille Harder gleich in den ersten Tagen das Gespräch mit ihr suchte und sie herzlich willkommen hieß. „Obwohl es ein so großer Club mit solch beeindruckenden Spielerinnen ist, sind alle unheimlich warm und nahbar. Da wusste ich sofort, dass ich hier unglaublich viel lernen kann.“ Regina erlebte es ähnlich, und war dennoch überrascht: „Alle im Verein sind unglaublich herzlich und offen. Ich hatte ehrlich gesagt gedacht, Deutschland wäre viel strenger.“ Stattdessen traf die 24-Jährige auf eine Mannschaft, die hohe Ansprüche mit Leichtigkeit verbindet. „Das hat mich wirklich positiv überrascht.“
Zwei Brüder, zwei Karrieren
Auch die Fußballgeschichten der beiden Neuzugänge beginnen bemerkenswert ähnlich. Beide kamen über ihre älteren Brüder zum Fußball. Reginas Bruder war wie sie Torhüter. „Ich habe einfach gedacht: Genau das möchte ich auch machen.“ Bis heute liebt sie die besondere Verantwortung ihrer Position. „Man sagt immer, Torhüter seien verrückt“, sagt sie lachend. „Ich würde eher sagen: einzigartig.“ Die Rolle werde oft missverstanden, zugleich gebe es kaum eine Position, mit der man einer Mannschaft so unmittelbar helfen könne.
📸🇯🇵 Die erste Einheit der FCB-Frauen in Japan in Bildern:
Sophie nahm zunächst einen kleinen Umweg. Sie wollte unbedingt Fußball spielen, probierte es anfangs aber auch mit Tanzen und Gymnastik. Lange hielt sie es dort nicht aus. „Ich wollte einfach wieder Fußball spielen.“ Vor allem mit ihrem älteren Bruder stand sie unzählige Stunden auf dem Platz, der eigentliche Startpunkt ihrer Laufbahn.
Charaktere, die zusammenpassen
Auch menschlich ähneln sich Proost und van Eijk. Beide lachen viel, beide strahlen eine natürliche Offenheit aus, beide kommen mühelos miteinander ins Gespräch. Dass sie im Rahmen der Allianz Women’s Tour in Tokio (hier im Ticker mitverfolgen!) nun Zimmernachbarinnen sind, wirkt wie eine fast zwangsläufige Fortsetzung ihrer Geschichte: Aus zwei Spielerinnen, die sich jahrelang nur vom Sehen kannten, werden Schritt für Schritt Vertraute.

Auf die Frage, wie sie die jeweils andere beschreiben würden, müssen beide kurz nachdenken. „Offen“, sagt Regina schließlich. Sophie nickt. Sie beschreibt Regina als lustig, herzlich und unkompliziert. „Es ist einfach angenehm, mit ihr zu sprechen.“ Zwischendurch wird viel gelacht. Als das Gespräch auf das Klischee kommt, Torhüterinnen seien etwas verrückt, grinst Sophie: „Vielleicht ein bisschen.“ Regina widerspricht sofort: „Nein – einzigartig.“ Diese leichten, spontanen Wortwechsel ziehen sich durch das ganze Gespräch und machen spürbar, wie schnell eine natürliche Verbindung zwischen beiden entstanden ist.
Japan entdecken
Abseits des Platzes wollen beide bei der Allianz Women’s Tour Japan einiges erleben. Sophie und Regina nennen unter anderem die kulinarische Seite: gutes Sushi, Gyoza, die japanische Esskultur. Zudem möchten sie die Stadt entdecken. Wenn es der eng getaktete Tourplan zulässt, möchte sie durch Tokio schlendern und das Lebensgefühl der Stadt aufsaugen. Schon jetzt sind beide von der Höflichkeit und Wärme der Menschen beeindruckt. Mit einem Lächeln erzählen sie von den ersten Begegnungen und davon, wie aufmerksam ihnen überall begegnet wird.
So verlief der Auftakt in die Allianz Women‘s Tour 2026:
Vorfreude auf die neue Saison
Zwischen intensiven Einheiten, gemeinsamen Mahlzeiten und neuen Eindrücken wächst nicht nur die Vorfreude auf die Saison, sondern auch das gegenseitige Verständnis. Regina van Eijk und Sophie Proost verbindet heute weit mehr als ihre niederländische Herkunft: Beide wurden durch Ajax geprägt, beide fanden über ihre älteren Brüder zum Fußball, beide wollen sich jeden Tag weiterentwickeln und Titel gewinnen. Und doch begann ihre gemeinsame Geschichte nicht bei Ajax, nicht in der Eredivisie und nicht einmal in jenem Spiel, in dem sie sich als Gegnerinnen gegenüberstanden. Sie begann an der Ausfahrt des FC Bayern Campus. Mit einem Blick in den Rückspiegel, einem Lächeln und einem Winken, das den Auftakt eines neuen gemeinsamen Kapitels markierte.
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