

Deutschlands Fußballerin des Jahres 2026
So., 23.08.2026, 12:28
Die Sieben, die lenkt und leitet: Was Giulia Gwinn so wertvoll für die FCB-Frauen macht
Wer an einem Bundesligasamstag an den FC Bayern Campus kommt, erkennt schnell ein Muster: Ein bestimmtes Trikot ist allgegenwärtig. Sei es in Kinderhänden, auf den Schultern der Erwachsenen, quer durch alle Altersgruppen. Rot, mit einer weißen Sieben und dem Namen Gwinn. Längst steht diese Rückennummer für weit mehr als eine herausragende Fußballerin. Giulia Gwinn verkörpert seit vielen Jahren den Erfolg der FC Bayern Frauen, den stetig wachsenden Stellenwert des deutschen Frauenfußballs ebenso wie eine außergewöhnliche Karriere, die sie trotz zweier Kreuzbandrisse immer weiter vorangetrieben hat. Doch die 27-Jährige ist längst nicht nur eine herausragende Spielerin, sondern auch eine echte Führungspersönlichkeit ihrer Mannschaft und ein großer Fanliebling. Nunmehr wurde die Außenverteidigerin zum zweiten Mal in Folge vom Fachmagazin kicker als Deutschlands Fußballerin des Jahres ausgezeichnet.
Erinnerungen, die bleiben: Eine unvergessliche Spielzeit

Es gibt Spielzeiten, die eine besondere Bedeutung haben. Sie bringen nicht nur Titel, sondern zeigen auch, dass eine Mannschaft den nächsten Schritt gemacht hat. Für die FC Bayern Frauen und Giulia Gwinn war die vergangene Saison genau eine solche Spielzeit: die erfolgreichste ihrer gemeinsamen Zeit in München, und zugleich die erfolgreichste in der Vereinsgeschichte. Zum fünften Mal gewann Gwinn mit den Bayern die deutsche Meisterschaft. Außerdem verteidigten die Münchnerinnen den DFB-Pokal und holten den deutschen Supercup. Das nationale Titeltrio unterstrich die Dominanz des FC Bayern.
Der größte Meilenstein gelang auf internationaler Bühne. Erstmals seit 2021 erreichte der FCB wieder das Halbfinale der Königinnenklasse. Mitunter Titelverteidiger Arsenal, Manchester United und Paris Saint-Germain wurden bezwungen. Erst der FC Barcelona, seit Jahren das Maß aller Dinge in Europa, stoppte die Münchnerinnen denkbar knapp in der Vorschlussrunde. Trotz des Ausscheidens verließ Bayern die Champions League erhobenen Hauptes. Die Niederlage zeigte mehr über die eigene Entwicklung als mancher Sieg. Und mittendrin, natürlich: Giulia Gwinn, jene Spielerin, die mithilft, dieser Mannschaft seit sieben Jahren Halt, Tempo und Richtung zu verschaffen.
Eine, die vorangeht

Gwinns persönliche Titelsammlung ist seit ihrem Wechsel aus Freiburg nach München im Jahr 2019 gewachsen und spiegelt ihre herausragende Entwicklung wider. Fünfmal wurde sie Deutsche Meisterin - 2021 sowie von 2023 bis 2026. Den DFB-Pokal gewann sie 2025 und 2026, den deutschen Supercup 2024, 2025 und 2026. Auch im Trikot der Nationalmannschaft feierte sie große Erfolge: Bei den Olympischen Spielen in Paris gewann sie 2024 die Bronzemedaille und erreichte 2022 das EM-Finale.
All diese Titel sind keineswegs zufällig entstanden. Sie kamen Schritt für Schritt zustande und zeugen von einer bemerkenswerten persönlichen Entwicklung. Doch Pokale und Medaillen erzählen meist nur die halbe Geschichte. Sie dokumentieren, was gewonnen wurde, nicht aber, was man tun musste, um dorthin zu gelangen.
Ehrgeiz & Haltung
Gwinn verbindet Talent mit Haltung. Sie besitzt den Ehrgeiz und das Selbstbewusstsein einer Führungspersönlichkeit. Dabei bleibt ihr Blick stets auf die Mannschaft und ihre gemeinsamen Ziele gerichtet. Zu ihren bemerkenswertesten Eigenschaften gehört mit Sicherheit ihre mentale Stärke. „Wer sich wegduckt, kann nichts bewirken“, ist ihr Credo. Dieser Satz beschreibt nicht nur ihre Spielweise, sondern steht für ihre gesamte Haltung. Gwinn wartet nicht darauf, dass andere Verantwortung übernehmen. Sie ist da, wo Entscheidungen fallen und ein Spiel manchmal an einem einzigen Schuss hängt. Ihre Führungsqualität ist aus schwierigen Erfahrungen gewachsen. Zwei Kreuzbandrisse, monatelange Reha und die Zeit, in der sie ihrer Mannschaft nur von außen zusehen konnte, haben ihre Karriere und auch den Menschen Giulia Gwinn geprägt.

Aus einem jungen Talent wurde eine Persönlichkeit, die weiß, wie viel Geduld, Vertrauen und Unterstützung nötig sind, um nach einem Rückschlag zurückzukehren. Gwinn kennt Zweifel, Rückschläge und lange Tage, an denen Fortschritt kaum sichtbar ist. Deshalb weiß sie auch, wie wichtig ein funktionierendes Team ist.
Ein Gesicht des FC Bayern
Für den FC Bayern ist sie längst mehr als eine Leistungsträgerin. Sie ist eine Konstante in einer Mannschaft, die sich in den vergangenen Jahren sportlich kontinuierlich weiterentwickelt hat. Und zugleich ein Gesicht des Clubs. Diese Verantwortung trägt die 27-Jährige vom Bodensee bodenständig und authentisch. Auch ihre Nähe zu den Mitspielerinnen ist spürbar. Gwinn motiviert, tröstet und ist ansprechbar, wenn Unterstützung gebraucht wird. Ihre Führung besteht nicht darin, immer die Lauteste im Raum zu sein. Die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft weiß, wann Worte notwendig sind – und wann es genügt, einfach da zu sein.
Ein Vorbild – auf und neben dem Platz

Giulia Gwinn verbindet Eigenschaften, die im Spitzensport nur selten gemeinsam zu finden sind: Sie ist entschlossen, erfolgreich und nahbar. Fans begegnet sie auf Augenhöhe, besonders für junge Anhängerinnen und Anhänger bleibt sie greifbar. Auch ihre Familie – allen voran ihre Eltern Gabi und Florian, die bei nahezu jedem Spiel ihrer Tochter dabei sind, ihre Freundschaften und ihr vertrautes Umfeld geben ihr Halt. Diese Verwurzelung hilft der 27-Jährigen, trotz aller Professionalität den Blick für das Wesentliche zu bewahren. Sie spielt vor ausverkauftem Haus und übernimmt in den entscheidenden Momenten große Verantwortung, ohne ihre natürliche Art abzulegen. Für den FC Bayern ist sie deshalb Orientierungspunkt, Identifikationsfigur und Botschafterin zugleich. Sie trägt die Sieben auf dem Rücken und steht dabei für Einsatz, Persönlichkeit und Bodenständigkeit. Gerade darin liegt ihre besondere Stärke.
Für die FC Bayern Frauen führt der Auftakt in die neue Pokalsaison an den Niederrhein:
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