Jerome Reisacher lächelnd während einer Einheit der FC Bayern Frauen II.
© FC Bayern

Cheftrainer der FC Bayern Frauen II im Interview

Reisacher: „Die Entwicklung als Fußballerin & Mensch gehört zusammen“

Mit klaren Ambitionen startet die zweite Mannschaft des FC Bayern Frauen in die neue Saison. Trainer Jérôme Reisacher spricht im Interview über den Pflichtspielauftakt, die besondere Dynamik einer jungen Mannschaft und die Bedeutung von Erfahrung, Verantwortung und Vertrauen. Im Mittelpunkt steht dabei mehr als die Jagd nach Punkten: Es geht um mutigen Fußball, die konsequente Entwicklung individueller Fähigkeiten und Spielerinnen, die lernen, auch in schwierigen Momenten an sich und ihre Mannschaft zu glauben. Reisacher erklärt, warum gemeinsame Erlebnisse abseits des Platzes ebenso wichtig sind wie intensive Zweikämpfe auf dem Platz – und weshalb viele kleine Schritte am Ende den Weg in den Profifußball ebnen können.

Das Interview mit Jérôme Reisacher

Servus Jérôme, der Saisonstart in der Regionalliga steht unmittelbar bevor. Was wird dort anders sein als in der 2. Bundesliga?
Jérôme Reisacher: 
„Ich glaube, dass sich gar nicht so viel ändern wird. Die Regionalliga Süd ist eine attraktive und körperlich intensive Liga mit vielen erwachsenen Spielerinnen. Mit dem Karlsruher SC, der SpVgg Greuther Fürth, Kickers Offenbach, dem SV 67 Weinberg und Freiburg II gibt es zudem mehrere Mannschaften, die offensiven Fußball spielen und vermutlich auch in der 2. Bundesliga bestehen könnten. Darauf gilt es eingestellt zu sein.“

Die FC Bayern Frauen II während einer Trainingseinheit.
Die FC Bayern Frauen II um Lisa Karl freuen sich auf den Start in die neue Spielzeit. | © FC Bayern

Am Sonntag wartet auswärts der Aufsteiger aus Ruderting auf euch. Wie groß ist die Vorfreude auf den Pflichtspielauftakt – und was nehmt ihr euch für die Partie vor?
„Die Vorfreude ist sehr groß, zumal die Vorbereitung lange gedauert hat. Diese Zeit war wichtig, um die Trainingsintensität Schritt für Schritt zu steigern und die Mannschaft bestmöglich auf die Saison vorzubereiten. Gegen den FC Bayern möchte jede Mannschaft besonders engagiert auftreten, daher erwarten wir eine schwierige Aufgabe. Als Aufsteiger wird Ruderting sicherlich mit großer Motivation in die Partie gehen. Wir müssen daher von der ersten Minute an konzentriert sein, die Zweikämpfe annehmen und unsere spielerischen Qualitäten auf den Platz bringen.“

Wie fällt dein Fazit zur Vorbereitung aus?
„Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Nach fünf intensiven Trainingswochen haben wir eine kurze Pause eingelegt, bevor wir wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen sind. Diese Unterbrechung war gerade für die jungen Spielerinnen wichtig, die gleichzeitig ihren Schulabschluss gemacht haben. Zu Beginn stand vor allem das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt, insbesondere mit den Spielerinnen aus der U17. Durch einige Abgänge mussten zudem erfahrenere Spielerinnen mehr Verantwortung übernehmen. Diese Aufgabe haben sie sehr gut angenommen.“

Zu Beginn stand vor allem das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt – insbesondere mit den Spielerinnen aus der U17. Durch einige Abgänge mussten zudem erfahrenere Spielerinnen mehr Verantwortung übernehmen. Diese Aufgabe haben sie sehr gut angenommen.

Reisacher über die Vorbereitung auf die neue Saison

Ihr habt außerdem ein Trainingslager in Neuhaus am Rennweg in Thüringen beim SC Lauscha/Neuhaus absolviert. Welche Bedeutung haben solche Maßnahmen für die Mannschaft?
„Es ist ein weiterer Baustein dafür, noch enger zusammenzuwachsen. Wir haben verschiedene Teamevents organisiert, sind gemeinsam Fahrrad gefahren und haben die Abende mit Tanzen und Singen ausklingen lassen. Besonders schön war, dass wir als Team und Staff viel Spaß hatten. Gerade die jungen Spielerinnen haben viel Energie eingebracht und die gesamte Gruppe mitgerissen. Wenn man sich auch abseits des Platzes besser kennenlernt, entwickelt man ein größeres Verständnis füreinander. Diese gemeinsame Zeit war deshalb äußerst wertvoll.“

Blicken wir auf die sportlichen Schwerpunkte: Woran habt ihr gearbeitet, und wie hat sich die Mannschaft seit dem Trainingsauftakt entwickelt?
„Wir haben wöchentlich unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Besonders wichtig war für uns, die Spielerinnen individuell zu fördern und Eins-gegen-eins-Situationen in der Offensive und Defensive zu trainieren. Die Spielerinnen sollen in diesen Momenten mutig handeln und darauf vertrauen, eigenständig Lösungen zu finden. Gleichzeitig haben wir unsere grundlegenden Prinzipien geschärft: Wie wollen wir Fußball spielen? Wie verteidigen wir uns? Und für welche Werte soll der Fußball der FC Bayern Frauen stehen?“

Das Trainerteam der FC Bayern Frauen II.
Jérôme Reisacher gemeinsam mit Torwarttrainer Luis Urbig und Co-Trainer Michael Schubert.  | © FC Bayern

Mehrere Spielerinnen aus der U17 wurden in die Mannschaft integriert. Wie haben sie sich eingefügt, und welche Rolle spielt die Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit?
„Die Spielerinnen aus der U17 bringen viel Energie, frischen Wind und eine bemerkenswerte Unbekümmertheit mit. Sie haben sich gut integriert. Die Mischung aus erfahrenen Akteurinnen und jungen Talenten ist für unsere Entwicklung wichtig. Entscheidend sind jedoch vor allem das tägliche Engagement und die Bereitschaft, dazuzulernen. Auch erfahrene Spielerinnen müssen den Anspruch haben, sich kontinuierlich zu verbessern.“

Wie möchtest du die Mannschaft im Verlauf der Saison charakterlich und spielerisch weiterentwickeln?
„Ich wünsche mir von jeder Spielerin hundertprozentigen Einsatz und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und für die Mannschaft. Das gilt besonders in schwierigen Momenten. Wenn etwas nicht gelingt, müssen wir weitermachen und dürfen den Glauben an unsere Fähigkeiten nicht verlieren. Spielerisch wollen wir mutiger auftreten, vor allem in den Zweikämpfen. Dafür braucht es Vertrauen in die eigenen technischen Fähigkeiten. An diesem Anspruch arbeiten wir täglich im Training.“

Die FC Bayern Frauen II während einer Trainingseinheit am Campus.
Bereit für den Saisonauftakt: Die Münchnerinnen gastieren am Wochenende beim FC Ruderting. | © FC Bayern

Du gehst in deine dritte Saison als Cheftrainer der FC Bayern Frauen II. Was ist dein grundsätzlicher Anspruch an diese Aufgabe?
„Eine enge Zusammenarbeit mit der ersten Mannschaft ist für mich von großer Bedeutung. Wir wollen die Prinzipien und Werte des Vereins vorleben und an die Spielerinnen weitergeben. Unser Anspruch ist es, möglichst viele Talente an die erste Mannschaft und an den Profifußball heranzuführen. Gleichzeitig möchten wir eng mit der U17 und den anderen Teams zusammenarbeiten.

Unsere Spielerinnen befinden sich in einer wichtigen Übergangsphase. Viele machen ihren Führerschein, beenden ihr Abitur oder ziehen von zu Hause aus. Deshalb tragen wir Verantwortung für ihre sportliche und persönliche Entwicklung. Wenn sich die Spielerinnen wohlfühlen und auch persönliche Themen ansprechen können, wirkt sich das positiv auf ihre Leistungen aus. Die Entwicklung als Fußballerin und als Mensch gehört für mich untrennbar zusammen.“

Welche individuellen Ziele sollten sich die Spielerinnen setzen, und wie könnt ihr sie auf ihrem Weg in den Profifußball unterstützen?
„Jede Spielerin sollte sich ein persönliches Ziel setzen, das zu ihrem aktuellen Entwicklungsstand passt. Dafür ist es wichtig, die eigenen Stärken und Defizite ehrlich einzuschätzen und realistische Schritte zu formulieren. Wir versuchen, die Spielerinnen dabei bestmöglich zu begleiten. Letztlich liegt es jedoch auch in der Verantwortung jeder Einzelnen, ihre Möglichkeiten konsequent auszuschöpfen. Für den Sprung in den Profifußball spielen viele Faktoren eine Rolle – etwa die Gesundheit, die Position und die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten. Ich würde mich freuen, wenn auch in dieser Saison ein paar Spielerinnen den Schritt in die 1. oder 2. Bundesliga schaffen.“

Jérôme Reisacher während einer Trainingseinheit der FC Bayern Frauen II.
Geht in seine dritte Saison als Cheftrainer der Münchnerinnen: Jérôme Reisacher. | © FC Bayern

Wie blickst du auf deine ersten beiden Spielzeiten als Cheftrainer zurück?
„Die vergangenen beiden Saisons waren äußerst lehrreich. Ich bin stolz auf die Zusammenarbeit mit der Mannschaft und darauf, wie viele Spielerinnen wir auf ihrem Weg begleiten konnten, bevor sie den nächsten Schritt gemacht haben. Auch wir als Trainerteam entwickeln uns durch die tägliche Arbeit kontinuierlich weiter. Für mich ist es ein großer Antrieb, ständig dazuzulernen, mich weiterzuentwickeln und gemeinsam mit meinem Staff und der Mannschaft Spaß zu haben. Ich bin dem Verein sehr dankbar, diese Aufgabe in einem derart professionellen Umfeld ausüben zu dürfen.“

Woran würdest du am Saisonende festmachen, dass die Spielzeit erfolgreich war?
„Wenn sich die Spielerinnen bei der Verfolgung ihrer individuellen Ziele weiterentwickelt haben und ich sehe, dass aus jungen Talenten selbstbewusste Persönlichkeiten werden, die Verantwortung übernehmen. Außerdem wünsche ich mir eine verletzungsfreie Spielzeit für alle. Als Mannschaft wollen wir attraktiven und offensiven Fußball zeigen und zugleich defensiv stabil auftreten. Der Tabellenplatz ist dabei nicht unser alleiniger Maßstab. Entscheidend ist für mich, dass die Spielerinnen lernbereit bleiben, sich jeden Tag verbessern wollen und ihr Maximum herausholen. Viele kleine Schritte führen am Ende zum großen Ziel. Wenn sich jede Einzelne weiterentwickelt, wird auch die gesamte Mannschaft stärker.“

Die FC Bayern Frauen besuchten die KZ-Gedenkstätte in Dachau: 

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