

Beim Heimsieg über Mainz
Di | 01.09.2026 | 09:50
Zwei Rückkehrerinnen, viele große Gefühle: So erlebten Lena Oberdorf & Giulia Gwinn ihre Comebacks
Nach dem Abpfiff standen Giulia Gwinn und Lena Oberdorf nebeneinander. Für einen Moment schien der Fußball den Atem anzuhalten. Der 2:0-Sieg gegen Mainz war eingetütet, die 2500 Zuschauerinnen und Zuschauer stömten nach Hause. Gwinn und Oberdorf lachten, sie freuten sich über den Abend und vor allem über die Rückkehr der jeweils anderen. Zwei Spielerinnen, zwei Verletzungspausen, zwei Wege zurück. Nun standen sie wieder gemeinsam auf dem Rasen. Als hätten sie sich dort verabredet, nur dass der Weg zu diesem Treffen ein paar Monate gedauert hatte.
Eine Rückkehr mit Zugabe

Die Geschichte dieses Abends beginnt mit Giulia Gwinn. Trainer José Barcala stellte die 27-Jährige nach ihrer Schulterverletzung direkt wieder in die Startelf. Mitte April hatte sie sich bei der Nationalmannschaft verletzt, im Mai wurde sie operiert. Seitdem war Gwinn zum Zuschauen gezwungen gewesen, während ihre Mannschaft den Supercup gewann und in die neue Bundesliga-Saison startete. Nun war sie wieder mittendrin. Und als hätte sie ihrem Comeback noch eine kleine Unterschrift geben wollen, traf sie auch noch. In der 38. Minute flankte Klara Bühl vom rechten Strafraumeck an den langen Pfosten. Linda Dallmann rutschte in die Hereingabe, legte den Ball quer und Gwinn kam herangestürmt. Ein Fuß, ein Kontakt, Tor.

Gwinn tauchte wieder dort auf, wo sie so lange nicht hatte auftauchen können. „Es ist einfach schön, mit den Mädels wieder auf dem Platz zu stehen“, sagte sie später. Nach 64 Minuten war ihr Abend beendet. Barcala nahm sie vom Feld. Und sieben Minuten später wurde es am FC Bayern Campus noch einmal laut.
Der Moment, auf den alle gewartet hatten

Lena Oberdorf betrat den Rasen. Nach 316 Tagen. Der Applaus galt nicht nur einer Spielerin, sondern einem Weg. Im Oktober vergangenen Jahres hatte sich die 24-Jährige zum zweiten Mal innerhalb von nur 15 Monaten das Kreuzband gerissen. Wieder musste sie von vorn beginnen: Reha, Krafttraining, Geduld. Ein Dreiklang, der im Profifußball selten Schlagzeilen macht, aber jede Rückkehr trägt. Nun war sie zurück. Bei ihrer Einwechslung habe sie Tränen in den Augen gehabt und sich kurz sammeln müssen. „Es ist unheimlich schön, wieder bei der Mannschaft zu sein und ein Spiel zu haben, in dem es um etwas geht. Ich habe es echt vermisst.“ Für die meisten beginnt ein Fußballspiel mit dem Anpfiff. Für Oberdorf hatte es Monate zuvor begonnen. Im Kraftraum, auf dem Reha-Rad, in den Zeiten, in denen kein Publikum applaudiert.
Die Stimmen zum Mainz-Heimsieg:
Die ersten Bälle, die ersten Schritte
Als Oberdorf den Platz betrat, ging es nicht darum, sofort wieder die alte Lena zu sein. Es ging um Sicherheit. Um das Gefühl, dass der Körper wieder mitspielt und nicht ständig als innerer Schiedsrichter dazwischenpfeift. „Ich wollte erst einmal ein paar Bälle ohne großen Druck spielen“, erzählte sie. Ein Pass. Noch einer. Ein Zweikampf. „Mit der Dauer des Spiels wurde ich dann auch immer ein bisschen mutiger.“ Später grätschte sie erstmals, versuchte es aus der Distanz. Kleine Szenen, gewiss. Aber nach einer solchen Pause können diese Momente von beträchtlicher Größe sein.
Die andere Seite der Bank
Gwinn beobachtete all das von außen. Sie hatte ihr eigenes Comeback bereits hinter sich, ihr Tor erzielt. Nun saß sie auf der Bank und sah ihrer Mitspielerin beim nächsten Schritt zu. Gwinn weiß, wie lang eine Verletzungspause werden kann. Sie kennt die Reha, die Ungeduld. Und diese Tage, an denen Fortschritt vor allem darin besteht, nicht zurückzufallen. Deshalb erzählt sie nach dem Spiel auch nicht zuerst von ihrem eigenen Tor, sondern von Oberdorf. Von der Arbeit, die niemand gesehen hat. „Ich habe sie Tag für Tag erlebt, wie akribisch sie war“, sagt die 27-Jährige. „Ich ziehe wirklich meinen Hut. Allergrößten Respekt.“ Es klingt nicht nach einem Kompliment unter Kolleginnen. Eher nach dem Zeugnis einer, die denselben langen Tunnel kennt und weiß, wie wenig Licht dort manchmal einfällt.

Nach zwei Spieltagen stehen sechs Punkte zu Buche. Vielleicht noch wichtiger als die makellose Bilanz ist jedoch, dass José Barcala in den kommenden Wochen wieder mit Gwinn und Oberdorf planen kann. Ihre Rückkehr erzählt nicht nur von überwundenen Verletzungen und persönlichen Kämpfen. Sie verändert auch den Blick auf das, was vor den Münchnerinnen liegt. Die Saison hat gerade erst begonnen, die Champions League wartet, und der Kampf um die Meisterschaft wird lang und fordernd. Für diese Aufgaben stehen dem Trainer nun zwei Spielerinnen zur Verfügung, deren Rückkehr weit über einen bloßen Zuwachs an Qualität hinausweist. Sie bringt Erfahrung, Energie und das gute Gefühl zurück, dass selbst lange Abwesenheiten irgendwann ein Ende haben.
Der Spielbericht zum Duell gegen Mainz:
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