

Die Top-Talente Sophie Proost und Kassandra Potsi sollen bei den FC Bayern Frauen für frische Impulse sorgen. Bei einer Stadttour fanden wir heraus, wie gut sie ihre neue Heimat schon kennen – und ob das Sieger-Gen in ihnen steckt.
„Das ist eigentlich perfekt für mich“, sagt Sophie Proost, kurz nachdem wir am Stachus in den Doppeldecker-Bus gestiegen sind, der Touristen täglich durch die Stadt fährt. „So sehe ich endlich mal was von meiner neuen Heimat.“ Sophie und Kassandra Potsi leben erst seit knapp zwei Monaten in München. Im Bus setzen sie sich in eine der hinteren Sitzreihen. Fast sehen sie aus wie Schwestern: Haare in tiefen Knoten, weite Hosen, Sneaker. Und doch könnten sie im Auftreten kaum unterschiedlicher sein. Sophie, blond und quirlig, redet frei drauf los; Kassandra, mit dunklem Haar, wirkt zunächst zurückhaltender und lächelt viel. Kaum haben sie die Kopfhörer für die Bustour in der Hand, verknoten sich die Kabel. Beide beugen sich über das Knäuel, ziehen an verschiedenen Enden und kichern. Sie kennen sich selbst erst seit ein paar Wochen – anmerken tut man es ihnen nicht. Die Teamchemie stimmt.

Seit dem Wechsel zum FC Bayern verbringen die beiden Top-Talente die meiste Zeit am FC Bayern Campus im Norden Münchens. Der Rest der Stadt ist für sie noch eine Ansammlung von Wegen: Marienplatz, Training, Wohnung, Supermarkt. „Wenn man neu in einer Stadt ist und nicht weiß, wo man hingehen soll, ist es manchmal schwierig“, sagt Sophie, als der Bus ruckelnd losfährt. Sportlich ging das Ankommen schneller. Sophie ist 19 und kam vom FC Twente Enschede aus den Niederlanden, Kassandra ist ein Jahr jünger und spielte fast ihre gesamte Jugend bei der SGS Essen. „Der Unterschied ist riesig“, sagt Sophie über Bayern.
Eigentlich ist hier in München alles anders.
Kassandra Potsi über den Wechsel zum FC Bayern
Angekommen in der Bayern-Familie
Viel beeindruckender als die Größe des Clubs scheint für beide allerdings zu sein, wie klein sich die Mannschaft im besten Sinne anfühlt. Sophie hatte sich vor dem Wechsel gefragt, wie es wohl sein würde, plötzlich mit den Bayern-Spielerinnen in einer Kabine zu sitzen, „die schon alles gewonnen haben“. Aber dann kamen erfahrene Spielerinnen wie Pernille Harder oder Magdalena Eriksson sofort auf sie zu, erklärten Dinge im Training und machten Komplimente. Kassandra spricht von einer „kleinen Familie“. Gerade für sie, die in neuen Situationen erst einmal beobachtet, sei das wichtig. Beide sagen, dass sie sich wohlfühlen müssen, um ihre beste Leistung bringen zu können – und genau dieses Gefühl habe sich in München erstaunlich schnell eingestellt. Manchmal rufen Kassandras Cousins und Cousinen an und sagen, wie krass es sei, dass sie jetzt beim FC Bayern spielt. „Ich denke mir dann einfach: Ja, es ist halt so.“ Für selbstverständlich nimmt sie ihren neuen Verein aber nicht: „Manchmal muss ich mir das noch selbst vor Augen führen und einfach wertschätzen, dass ich jetzt hier bin.“ Und trotzdem ist der große Schritt nach München schnell zur Normalität geworden.

Wie alles begann
Kassandra spielte zunächst mit ihrem Bruder, Freunden und Nachbarskindern – oft einfach im Hausflur. „Die Nachbarn haben bei uns geklopft oder wir bei ihnen“, erzählt sie. Dann wurde gespielt, später auch draußen: Tricks, Zweikämpfe, Dribbling. „Wenn ich den Ball habe, denke ich nicht so viel nach“, sagt Kassandra. „Dann mache ich einfach mein Ding.“ Vielleicht hat sie auch deshalb bis heute das Image der „Straßenfußballerin“ – kreativ, intuitiv, mutig.
In Menschengruppen sind Sophie und Kassandra recht unterschiedlich. Auf dem Platz ähneln sie sich sehr. Beide kommen über Tempo und suchen das Eins-gegen-Eins. Kassandra sagt, wenn etwas nicht klappe, versuche sie es eben wieder und wieder. Sophie nennt vor allem ihre Schnelligkeit und den Zug nach vorn als Stärken. Beide wollen beim FC Bayern lernen, aus ihren Dribblings und Vorstößen noch mehr zu machen.

Nächster Halt: Champions League
Sophie erzählt, bei Teamkolleginnen denke sie nach einem schlechten Spiel: Kann passieren. „Aber wenn ich selbst schlecht spiele, finde ich das schrecklich.“ Kassandra nennt sich einen „Kopfmenschen“. Wenn etwas nicht klappt, obwohl sie weiß, dass sie es kann, „fühlt sich der ganze Tag schlecht an“. Gerade bei Bayern wolle sie zeigen, „warum ich hier bin“.
Diese Gelegenheit werden die beiden bekommen. Mit dem FC Barcelona und Real Madrid haben die Bayern nach dem Auftakt gegen Manchester City zwei weitere Hammerlose für ihre Heimspiele in der Champions League vor der Brust. Auch auswärts geht es mit Paris Saint-Germain und Austria Wien noch gegen starke Gegner. Eingeschüchtert wirken beide trotzdem nicht – im Gegenteil: Wenn sie über die kommenden Champions-League-Abende sprechen, hört man vor allem Vorfreude.
Wenn ich ein bisschen nervös bin, weiß ich: Das ist etwas Besonderes. Das Flutlicht, die Atmosphäre, die Hymne – das ist die größte Bühne, auf der man spielen kann.
Sophie Proost über die Champions League
Und Kassandra? Gegen Paris oder Madrid zu spielen, sei natürlich eine riesige Erfahrung. Aber nur dabei zu sein, reicht ihr nicht: „Natürlich will ich auch gewinnen.“ Vielleicht ist das tatsächlich schon ein bisschen FC Bayern-Gen: staunen können, dass man hier ist – und trotzdem sofort gewinnen wollen.
Der Text erscheint hier in Auszügen. In voller Länge ist er in der Oktober-Ausgabe des FC Bayern-Magazins „51“ nachzulesen.
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