
Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.
Eines Eurer Lieblingsthemen sind dabei die Rückennummern der Bayern-Stars. Von der 5 des Kaisers über die 9 von Bomber Gerd Müller bis zur 10, mit der Arjen Robben zur Wembley-Legende wurde: Das Bayern-Algebra ist kultig, magisch und spannend.
Im Mittelpunkt der jüngsten Säbener Story stand die 8, die sich Tom Bischof für die neue Saison geschnappt hat. Nun steht fest, dass Frankfurt-Neuzugang und Nationalspieler Nathaniel „Nene“ Brown mit der 11 zur großen Nummer beim FC Bayern werden will.
Die klassische Linksaußen-Nummer für einen Linksverteidiger – das lässt auf Offensivdrang hoffen. Denn die doppelte Eins auf dem Rücken ist an der Säbener Straße keine bloße Zahl, sondern eine Ansage: Doppeltes Tempo, doppeltes Risiko, doppeltes Spektakel.
Frühe Helden: Als die 11 noch dem Linksaußen gehörte
Der erste große Außenbahn-Flitzer des FC Bayern mit der Nummer 11 war ab 1962 Dieter „Mucki“ Brenninger. Sepp Maier frotzelte, dass Mucki gar nicht wusste, wie man da links draußen bremst – bis er in der Bande landet. Seinen Spitznamen verdankte der Erdinger unserem Aufstiegstrainer Tschik Čajkovski, der den urbayerischen „Wucki“ mit seinem kreativen Deutsch in den „Mucki“ verwandelte.

Als Gerd Müller mit dem Toreschießen loslegte, machte Mucki Platz im Zentrum und wich auf die linke Seite aus – wo er mit dem Bomber ein Rekord-Duo bildete (55 Tore allein 1969/70). Über Brenninger sangen die Bayern-Fans: „Der Maier macht den Abschlag, der Franz bringt ihn vor, der Mucki schlägt die Flanke und der Müller schießt das Tor.“
Zu den frühen Bayern-11ern zählte auch Klaus „Cäsar“ Wunder, der die 100 Meter in 10,8 Sekunden rannte und der 1975 beim Europapokal-Triumph in Paris gegen Leeds United für den verletzten Uli Hoeneß eingewechselt wurde. Der Kaiser und der Cäsar – das klang nach einer royalen Kombination. Allerdings hatte Wunders Spitzname familiäre Hintergründe.

Exzellent war auch der pfeilschnelle Berliner Norbert Janzon, der mit dem FC Bayern 1980 und 1981 Meister wurde. Das waren die legendären Zeiten mit „Breitnigge“, mit dem Magirus-Deutz-Trikot – und mit Janzon mittendrin.
Knipser auf Abwegen: Torgaranten mit der 11
Tormaschinen beim FC Bayern mussten nicht unbedingt die Nummer 9 tragen. Das „Bombern“ funktionierte auch mit der 11 – zum Beispiel bei Karl-Heinz Rummenigge. Er kam 1974 als 10er aus Lippstadt, stieg dann auf die 7 um. Zur Legende und zu Europas Fußballer des Jahres wurde er von 1978 bis 1984 aber als Bayern-11er neben Paul Breitner – und mit Toren am Fließband. Paule mit der 8, Kalle mit der 11: Das Kult-Duo „Breitnigge“ sorgte für die ersten Bayern-Meisterschaften nach Franz Beckenbauer und Gerd Müller.

Roland Wohlfarth war am gerdmüllerigsten, seit sich der Bomber 1979 nach Florida verabschiedete. 156 Tore in 332 Spielen für den FC Bayern zwischen 1984 und 1993 – das war eine echte Ära für „Rolando Furioso“, der auch mit der 11 immer wieder sehr gute Startelf-Argumente hatte: „Zu Beginn jeder Saison hatten die Neuen einen Bonus. Aber spätestens nach drei Wochen wurde die Fankurve unruhig und hat nach mir gerufen. Dann habe ich meine Tore gemacht – und spätestens nach vier Wochen hatte ich meinen Stammplatz wieder.“

Den Stammplatz hatte ab 1989 mit der 11 zunächst auch Alan McInally sicher, der bayerischste Schotte der Welt: „I love Munich, the beer and the goals.“ In seiner Heimat trägt er bis heute den Spitznamen „München“. Und zwar auf Deutsch: Munschen! Nach einem irren Zwei-Tore-Debüt als 50 Prozent von „Mic and Mac“ mit Radmilo Mihajlović stoppte ihn später eine schwere Knieverletzung. Mac bedauert bis heute: „Wenn ich mich nicht verletzt hätte, wäre ich fünf Jahre geblieben, mindestens!“

Ebenfalls unter den Strafraum-11ern: Bruno Labbadia und Jürgen Klinsmann. Klinsi hatte mit 48 Toren in 84 Bayern-Spielen eine Top-Quote und half mit, 1996 den Uefa-Cup nach München zu holen. Das war der erste FCB-Europapokal nach endlosen 20 Jahren Warten. Danke Klinsi, Danke Franz! Und wenn man heute den japanischen Elektronikkonzern Sanyo noch kennt – dann hat Jürgen Klinsmann mit seinem legendären Tritt in die Werbetonne dafür gesorgt.
Dribbelkünstler und Turbos: Magie auf der Außenbahn
Die Flügelflitzer mit der 11 brachten die Ränge in München immer wieder zum Kochen. Ludwig „Wiggerl“ Kögl köpfte 1987 im Landesmeister-Finale gegen Porto mit seinen übersichtlichen 1,71 Metern das 1:0: „Wahnsinn: Ein Kopfballtor – ich!“ Sein Leib- und Magen-Spruch: „Entweder i geh links vorbei – oder i geh rechts vorbei.“ Im verlorenen Endspiel ging Rabah Madjer weder links noch rechts vorbei. Er traf mit der Hacke, Porto stürzte die Bayern ins Tal der Tränen – und verhinderte, dass der Wiggerl zum Arjen Robben von Wien wurde.

Der dänische „Prince“ Brian Laudrup kam 1990 zu einer unglücklichen Zeit nach München, als der FC Bayern zwischen dem jungen Jupp Heynckes und Sören Lerby in die Krise taumelte. Das Supertalent hatte seine große Stunde erst bei der EM 1992. Brians Flug in den USA-Urlaub war schon gebucht – er „musste“ aber länger bleiben, um mit „Danish Dynamite“ Europameister zu werden.
Der ewig junge Brasilianer Zé Roberto begeisterte von 2002 bis 2009 auf der linken Seite. Deutsch lernte er nur, weil Landsmann Giovane Élber sich schlauerweise weigerte, Portugiesisch mit ihm zu reden. Obrigado, Giovane!

Kingsley Coman, der den Spitznamen „Rakete“ lieber mochte als „Mofa“, trug lange die 29 (2+9=11) – bevor er auf seine Lieblingsnummer 11 umsteigen konnte. Sein Köpfer in Lissabon zum Champions-League-Sieg 2020 gegen Paris machte den „King“ unsterblich – obwohl er zugibt, dass er Angst vor Kopfbällen hat und am Tag davor im Training keinen einzigen verwandelt hat.
Anführer und Weltmeister: Chefs in falscher Verkleidung
Manchen Bayern-Lenkern und Denkern war völlig egal, dass die 11 eigentlich dem Linksaußen zustand. Der beneidenswert beidfüßige Weltmeister Andi Brehme zählte genauso dazu wie Stefan Effenberg, der als Kapitän in der „Effe-11“ 2001 den Henkelpott in Mailand hochstemmte.

Fußball- und Surfer-Legende Bixente Lizarazu musste 1997 in München als 11er loslegen, bevor er ein Jahr später mit seiner Lieblingsnummer 3 zum besten Linksverteidiger der Welt wurde. Lizas Wahlspruch schaffte es zum Albumtitel der Sportfreunde Stiller: „You have to win Zweikampf.“
Kult-Rackerer und Publikumslieblinge: Herz, Lunge, Laktat
Hier kommen die 11er, die sich nicht über Übersteiger definierten, sondern über unermüdlichen Einsatz und über ihre Pferdelungen. Legendär ist Ivica Olić, das kroatische Duracell-Häschen. Er brachte 2010 im Viertelfinale gegen Manchester United mit seinem Last-Minute-Siegtor die Allianz Arena zum Explodieren. 66.000 wurden zu „People from Ivica“. Der Torschütze erinnert sich: „Das war mein schönster Moment in München. Noch heute sprechen mich die Leute darauf an.“

Unvergessen auch Lukas „Poldi“ Podolski, der mit Bastian Schweinsteiger 2006 die Sommermärchen-Boyband bildete – und Xherdan „Shaq Attack“ Shaqiri. Der Schweizer „Kraftwürfel“ mit Gerd-Müller-Oberschenkeln feierte 2013 mit dem FC Bayern das Triple.
Glamour und Wundertüten: Die schillernden Importe
Emil Kostadinov, der Bayern-11er aus Bulgarien, wurde 1995 von Uli Hoeneß nachts um halb eins in Spanien verpflichtet. Franzosen-Weltstar Jean-Pierre Papin, den der polyglotte Kaiser „Schapapapa“ taufte, war zwar bei seinem Wechsel 1994 nach München schon etwas über dem Zenit. Aber er schoss 1995 per Traum-Fallrückzieher gegen Uerdingen das Tor des Jahres. Für so viel Strafraum-Pracht haben die Franzosen ein eigenes Wort erfunden, die „Papinade“.

Und dann waren da gleich zwei Kolumbien-11er, mit denen es in München nie langweilig wurde. Adolfo „El Tren“ Valencia debütierte 1993 mit zwei Toren, widmete sich laut Mehmet Scholl aber zu stark der Baumpflege an der Säbener Straße. Weltstar James Rodríguez – „Chames“, nicht „Tschaims“ – versprühte von 2017 bis 2019 als Leihgabe von Real Madrid Eleganz, wurde zweimal Meister und einmal Pokalsieger.
„Chames“ ist damit unser bisher erfolgreichster Kolumbianer. Ein gewisser Luis „Lucho“ Díaz will ihn möglichst bald übertreffen. Der hat aber die Rückennummer 14 – die 11 trägt in dieser Saison, wie beim Trainingslager am Tegernsee verkündet, Nathaniel „Nene“ Brown.
Ab sofort ist das Trikot von Brown mit der Nummer 11 auch bei uns im Online Store erhältlich. Hier entlang!
Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“
Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.
In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!
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