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Vollblutstürmerin im Interview

Jovana Damnjanović: „Keine Lust mehr 2. zu werden“

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Seit 2017 geht Jovana Damnjanović für den FC Bayern auf Torjagd. In der laufenden Flyeralarm-Frauen-Bundesliga-Saison gelangen der heißblütigen Stürmerin sechs Treffer. Damit ist die Serbin zusammen mit Vize-Weltmeisterin Lineth Beerensteyn die Toptorjägerin der Münchnerinnen. fcbayern.com sprach im Trainingslager in Doha mit der gebürtigen Belgraderin über ihre sportliche Vergangenheit beim Dauerkonkurrenten aus Wolfsburg und ihre Ziele beim dreimaligen deutschen Meister FC Bayern.

Das Interview mit Jovana Damnjanović

fcbayern.com: Jovana, du bist bereits zum dritten Mal in Doha. Wie taugt dir das Trainingslager in der Wüste?
Jovana: „Es ist immer wieder schön hier zu sein, weil wir echt super Bedingungen geboten bekommen, die ich in einem Wintertrainingslager so woanders noch nie vorgefunden habe. Außerdem tut es gut, dem winterlichen Wetter in München zu entfliehen – da macht das Taktiktraining gleich viel mehr Spaß. Ich wünsche mir immer, dass wir länger hierbleiben.“

Ihr habt ja mittlerweile bereits ein paar Trainingseinheiten absolviert. Wie waren die ersten Tage für dich?
Jovana: „Bis jetzt war es noch ganz locker, aber die nächsten Tage, auch mit dem internen Spiel, werden noch viel anstrengender. Besonders da jetzt alle Spielerinnen fit sind und der Konkurrenzkampf in der Mannschaft sehr groß ist. Jeder wird alles geben, um sich dem Trainer zu zeigen und im ersten Spiel nach der Winterpause in der Startelf zu stehen.“

Seit 2013 lebst du bereits in Deutschland. War die Eingewöhnung für dich schwierig und was ist der größte Unterschied zu Serbien?
Jovana: „Ich bin mit 18 Jahren alleine nach Deutschland gekommen und ich muss ehrlich sagen, die erste Zeit war nicht leicht für mich. Ich konnte kaum Deutsch, mein Englisch war okay aber ich war ein wenig schüchtern. Außerdem musste ich mich von heute auf morgen um alles kümmern, wie zum Beispiel kochen, putzen und meine Rechnungen bezahlen. Deswegen waren meine ersten beiden Jahre in Deutschland beim VfL Wolfsburg schon eine schwierige Zeit.“

„Da hatte ich richtig Angst“

Was waren typische neue Herausforderungen?
Jovana: „In meiner ersten Zeit in Deutschland habe ich zum Beispiel ständig Briefe bekommen und ich habe gar nicht verstanden, warum. Dann habe ich einfach aufgehört, sie zu öffnen – ich dachte, dass es nicht wichtig ist. Aber irgendwann stand ein Arbeiter vom Stromversorger vor meiner Tür und wollte mir die Leitung kappen, weil ich die Rechnung für fast ein Jahr nicht bezahlt habe. Da hatte ich richtig Angst und bin sofort zur Bank gelaufen, um die Rechnung zu bezahlen. Das würde mir heute nicht mehr passieren.“

Hast du nach mehr als sechs Jahren in Deutschland etwas typisch „Deutsches“ adaptiert?
Jovana: „In Serbien ist alles viel chaotischer. Das sieht man direkt auf der Straße, die Menschen fahren und parken wie sie wollen. In Deutschland gibt es viel mehr Regeln, wie, wo, wann und was man machen darf oder auch nicht. Auch ich bin viel ordentlicher geworden und plane frühzeitiger. Vor 6,5 Jahren habe ich zwei Tage vor dem Urlaub nicht gewusst, wo es hingeht und jetzt plane ich bereits im Januar meinen Sommerurlaub. Das habe ich definitiv von den Deutschen übernommen! Ich glaube, mittlerweile bin ich 50:50, halb deutsch, halb serbisch.“

Wie findest du es, dass du von vielen Mitspielerinnen als sehr heißblütig beschrieben wirst?
Jovana: „Damit haben sie schon Recht, weil ich sehr temperamentvoll bin – ich bin eben sehr ehrgeizig. Aber das bin ich nur auf dem Platz, außerhalb bin ich sehr chillig und lustig. Ich will einfach immer gewinnen und alles dafür geben, einen Sieg einzufahren. Das geht schon im Training los: Ich könnte durchdrehen und brauche drei Stunden um runterzukommen, wenn ich im Vier-Gegen-Vier verliere. Aber oft sagen meine Mitspieler auch, dass sie das pusht. Deswegen will ich das auch gar nicht ändern und finde es gut so wie ich bin.“

Anders als die meisten aus dem Team hast du bereits die Champions League gewonnen. Im vergangenen Jahr seid ihr knapp im Halbfinale an Barcelona gescheitert. Wo siehst du euch im internationalen Vergleich?
Jovana: „Im vergangenen Jahr haben uns viele Menschen bereits im Finale gesehen, aber das hat immer Vor- und Nachteile. In diesem Jahr ist es hingegen ganz anders: 99 Prozent sagen, gegen Lyon habt ihr eh keine Chance. Somit gehen wir als absoluter Underdog ins Spiel und haben gar nichts zu verlieren. Und aus meiner Erfahrung heraus sind solche Spiele die besten Spiele.“

Du hast mittlerweile mit deinem Heimatverein Roter Stern Belgrad, dem VfL Wolfsburg, dem SC Sand und nun dem FC Bayern München vier Vereine gesehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Warum ist Wolfsburg so stark, was konntest du aus Sand mitnehmen und wie kommt Bayern näher an Wolfsburg ran?
Jovana: „Wolfsburg hat eine gute Struktur und Kontinuität. Die Spielerinnen spielen teilweise schon seit mehr als zehn Jahren zusammen. Wir hingegen hatten in den letzten Jahren immer wieder Umbrüche. Das macht es natürlich schwierig. Ich glaube nämlich, dass Wolfsburg spielerisch nicht besser ist als wir. Aber wir brauchen einfach mehr Kontinuität.“

Einen Schritt zurück, um Anlauf zu nehmen

Und warum bist du damals zum SC Sand gewechselt?
Jovana: „Viele haben meinen Wechsel nach Sand als Rückschritt gesehen, aber ich war in Wolfsburg nicht glücklich und wollte einfach öfter spielen. Deswegen war die Entscheidung, einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu machen, richtig. Genauso war es danach richtig, nach München zu kommen – und ja, here we are.“

Ihr habt aktuell sechs Punkte Rückstand in der Bundesliga und seid im Pokal gegen den Tabellenführer VfL Wolfsburg ausgeschieden. Was sind die Ziele für die restliche Saison?
Jovana: „Ich bin immer optimistisch. Deshalb denke ich, dass auch in der Liga noch alles möglich ist. Wenn wir jedes Spiel bis zum Saisonende gewinnen, dann können wir Meister werden. Das wichtigste ist aber, dass wir uns wieder für die Champions League qualifizieren.“

Du hast beim FCB noch einen Vertrag bis 2022. Was willst du mit Bayern erreichen?
Jovana: „Ich will mit diesem Verein Meister werden! Langsam habe ich keine Lust mehr, Zweiter zu werden und immer hinter Wolfsburg zu landen. Das nervt mich einfach. Und deshalb werde ich weiterhin voll auf Angriff gehen.“

Damnjanović ist bekannt für ihre emotionalen Torjubel - und somit ein Zuschauerliebling der FC Bayern Fans. 

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