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Leupolz, Wörle, Köhl

Einst verboten, längst etabliert: Gespräch über 3 Generationen Frauenfußball

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Einst verboten, längst etabliert – in unserem Mitglieder-Magazin „51“ diskutieren drei FCB-Spielerinnen aus drei Generationen anlässlich des 120-jährigen FC Bayern-Jubiläums über die Entwicklung des Frauenfußballs: Lydia Köhl wurde mit den Bayern-Frauen 1976 Meister, Tanja Wörle feierte 2012 den DFB-Pokalsieg, Melanie Leupolz holte 2015 und 2016 zwei Mal die Schale. (Fotos © by Fritz Beck)

Das Interview mit Melanie Leupolz, Tanja Wörle und Lydia Köhl

Melanie, du kommst direkt vom Training, am Nachmittag ist noch eine Einheit. Klassische Frage an dich: Bist du fit? Und eine weniger klassische Frage an euch, Lydia und Tanja – wie nehmt ihr diese Entwicklung wahr: Zwei Mal am Tag auf dem Platz, an einem Wochentag.
Melanie Leupolz: „Ich muss erst mal kurz klarstellen, dass sich unser Plan geändert hat. Statt Training haben wir heute Nachmittag ein Teamevent: Kino, „Le Mans 66“, mit Popcorn sogar (lächelt). Aber normalerweise haben wir schon zwei Einheiten am Tag. Und es geht mir gut, Danke. Ich bin fit und voller Tatendrang.“
Lydia Köhl: „Für mich ist zwei Mal Training an einem Wochentag ein Quantensprung. Wir hatten zwei Mal Training - pro Woche! Nur vor den Spielen um die Deutsche Meisterschaft drei Mal. Wir haben uns aber oft privat zum Kicken getroffen. Weil wir dem Fußball total verfallen waren.“
Leupolz: „Und so einen Campus hattet ihr auch nicht.“
Köhl: „Nein, von sowas hätten wir nicht mal geträumt. Wir haben noch auf roter Erde trainiert. An der Säbener Straße gab es nur drei Plätze, und ganz hinten mussten wir uns ein Eckerl mit anderen teilen. Ich war als Torfrau immer gut gepolstert, sonst wäre ich nach jeder Einheit grün und blau gewesen. Vermutlich weiß deine Generation nicht mal, was rote Erde bedeutet, oder (lächelt)?“
Leupolz: „Oh, doch. Bei meinem Heimatverein habe ich früher auch noch auf Asche gespielt. Nicht optimal für die Gelenke. Aber da liegt inzwischen auch überall Kunstrasen.“
Köhl: „Kunstrasen kam bei uns dann auch auf. Aber von dem waren wir auch nicht so begeistert. Der war damals noch brettlhart. Heute ist das ja Teppich.“
Tanja Wörle: „Zu meiner Zeit haben wir an der Säbener Straße immer auf Kunstrasen trainiert. Meistens ab 19:30 Uhr, wenn alle anderen die Plätze geräumt hatten. Das war vor allem in der kalten Jahreszeit nicht so schön. Damals haben sich alle Bayern-Teams auf dem Gelände getummelt. Rasen war für uns so gut wie nie eine Option, oft mussten wir uns einen Platz mit einem anderen Team teilen. Es gab auch zunächst keine Doppeleinheiten, sondern einfach drei, vier Mal die Woche Training.“

Frauenfußball war in Deutschland bis 1970 verboten. Der DFB begründete dies so: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
Leupolz: „Das hört sich nach ganz, ganz weiter Ferne an und ist nicht zu glauben, weil Frauenfußball ja inzwischen in der Gesellschaft längst etabliert ist. Ich verstehe nicht, warum Frauenfußball verboten war. Sport sollte für alle Menschen auf die gleiche Art zugänglich sein.“
Wörle: „Die Begründung ist ja total haltlos. Da haben irgendwelche Funktionäre, die gar nicht selber betroffen sind, entschieden, dass Frauen nicht Fußballspielen dürfen – das ist absurd.“

Kannst du heute über diese Formulierung des DFB lachen, Lydia?
Köhl:
„Ja, kann ich. Es gab ja auch schon in den 50ern Frauenfußball. Warum es zwischendurch verboten war, kann ich nicht erklären. Ich persönlich kann sagen, dass ich, wenn ich Fußball spielen wollte, gespielt habe. Und als ich 1974 zum FC Bayern gekommen bin, war es ja auch offiziell gestattet.“

Im Frauenfußball sollen anfangs keine Stollenschuhe erlaubt gewesen sein; gespielt wurde zwei Mal 30 Minuten – und nur bei schönem Wetter. War das wirklich so? Melanie lacht schon wieder recht ungläubig…
Leupolz: „Ja, weil es so absurd klingt.“
Köhl: „Aber leider stimmt das schon. Ab 1974 wurde es dann besser. Das sind natürlich unsinnige Vorschriften gewesen.“
Wörle: „Es ist einfach Wahnsinn, wenn man das alles hört. Ich wusste überhaupt nicht, dass das mal so war. Stollenschuhe verboten? Ich habe immer mit Stollenschuhen gespielt! Und Fußball nur bei schönem Wetter? Fußball ist ein Sport im Freien – da weiß ich doch, es kann mal regnen oder sogar schneien. Und wenn ich damit ein Problem habe, lasse ich es halt. Aber nur weil ich eine Frau bin, soll mir das Spielen bei schlechtem Wetter nicht erlaubt sein? Das ist doch unsäglich.“
Leupolz: „Von wann bis wann war denn Frauenfußball genau verboten?“

Von 1955 bis 1970. Es gab beim FC Bayern aber schon 1967 eine Gruppe von Frauen, die inoffiziell spielte.
Köhl:
„Ja, das stimmt. Aus diesem Kreis wurde dann das offizielle Team zusammengestellt. Ich weiß noch, wie mir damals eine Arbeitskollegin erzählt hat, sie sei bei einem Spiel im Dantestadion gewesen, und es würden Frauen für eine Fußballmannschaft gesucht. Und weil ich vorher schon immer mit meinen Brüdern gespielt habe, bin ich da dann einfach mal hingegangen.“
Wörle: „Lustig – ich habe auch mit meinem Bruder angefangen.“
Leupolz: „Und bei mir war es ganz anders: Vor mir hat keiner in der Familie Fußball gespielt. Meine Mama hatte dann anfangs Sorge, dass ich mich verletzen könnte. Sie hat mich immer mit Knie- und Ellbogenschonern eingepackt, damit mir nur ja nix passiert.“
Wörle: „Bei uns war Fußball schon immer Familienthema. Mein Papa hat unseren Heimatverein trainiert, und irgendwann fragte er mich, ob ich mal bei den F-Junioren mitmachen will. Da wurde sofort das Feuer in mir entfacht. Ich habe dann lange mit den Jungs gespielt, auch mit meinem Bruder Tom, der neun Jahre die FCB-Frauen trainiert hat, in der gleichen Mannschaft. Er war sehr schnell, ich eher so der Spielmachertyp. Schöne Erinnerungen.“

Lydia, wurden Frauen zu deiner Zeit belächelt – oder sogar angefeindet, weil sie Fußball spielen wollten?
Köhl: „Angefeindet nicht. In meinem Umfeld waren alle sogar begeistert, weil wir uns mit viel Ehrgeiz und Elan der Sache verschrieben hatten. Belächelt? Vielleicht von manchen, ab und zu. Man muss ja ehrlich sagen, dass der Frauenfußball eine enorme Entwicklung hinter sich hat. Zu unserer Zeit war alles wesentlich langsamer und unausgereifter. Und wenn ich mir die Melly und ihre Kolleginnen jetzt so anschaue – wir waren damals athletisch noch nicht so ausgebildet.“

Muss man Frauen wie Lydia Köhl dankbar sein, für ihre Pionierarbeit?
Köhl:
„Naja, übertreiben wir nicht!“
Leupolz: „Doch, ich finde auf jeden Fall, dass man diesen Frauen dankbar sein muss. Wir haben gerade darüber gesprochen, dass Frauenfußball verboten war – es brauchte also offensichtlich Menschen, die leidenschaftlich für etwas einstehen. Hättet ihr das nicht alles auf den Weg gebracht, könnten wir heute nicht das machen, was uns so erfüllt. Und ihr musstet ja auch noch nebenbei Vollzeit arbeiten – Tanja, du genauso, oder?“
Wörle: „Ja, ich habe 40 Stunden die Woche gearbeitet und bin abends ins Training. Irgendwann wurden dann zwei Vormittagseinheiten pro Woche eingeführt, da musstest du dann überlegen: Kann ich auf Dauer mithalten, wenn ich die Einheiten nicht wahrnehme? Der Verein überließ die Entscheidung jedem selbst.“
Köhl: „Bei uns war es ganz normal, dass du tagsüber im Büro saßst. Die Kollegen haben mich immer unterstützt, das war auch wichtig, um Arbeit und Fußball unter einen Hut zu bekommen. Nach Feierabend bin ich oft sofort zum Training. Als wir Meister wurden, hat sich mein Büro total für mich gefreut und sogar extra eine Urkunde für mich angefertigt.“

Heute spricht man über „Me too“ und „Equal Pay“. Wie groß waren solche Themen zu deiner aktiven Zeit, Lydia?
Köhl: „Das war bei uns überhaupt kein Thema. Bei uns drehte sich alles nur um Fußball.“
Leupolz: „Habt ihr damals überhaupt Geld bekommen?“
Köhl: „Nur Spielerinnen, die weiter weg gewohnt haben: Einen Zuschuss zu den Spritkosten.“
Leupolz: „Und zu den Spielen seid ihr im Privat-Pkw gefahren?“
Köhl: „Ja, in Fahrgemeinschaften. Und wer fuhr, bekam auch Spritgeld.“

Gab es wenigstens für die Meisterschaft eine Geldprämie?
Köhl: „Nein, nein. Vom Verein gab es ein Essen und eine Medaille. Vom DFB ein goldenes Armband, das aber ehrlich gesagt nicht so schön ist (lächelt).“

Als Melanie 2015 und 2016 Meister wurde, war sie mit dem Männerteam am Rathausbalkon. Wie lief eure Party 1976?
Köhl: „Erst haben wir an der Säbener Straße gefeiert. Dann wollten wir unsere Meisternacht durchmachen und sind zu einer Freundin. In der Früh hat eine für die andere in der Arbeit angerufen, dass wir einen Tag Urlaub brauchen. Den Tag frei haben wir auch bekommen. Später wurden wir noch von der Stadt München geehrt.“
Wörle: „Das wurden wir auch nach dem DFB-Pokalsieg 2012. Die Feier in Köln, wo das Finale stattfand, war gigantisch. Wir hatten eine Location für eine Grillparty am Rheinufer gemietet. Danach ging es in eine Disco. Irgendwann waren meine Zimmerkollegin Carina Wenninger und ich so platt, dass wir ins Hotel wollten. Als das ein paar Freunde mitbekommen haben, sagten sie: „Das ist jetzt nicht euer Ernst! Ihr seid als Außenseiter Pokalsieger geworden – und geht um 3 Uhr heim?!“ Also haben wir in ein paar Kölner Kneipen weitergefeiert.“

Und was passierte nach dem Bundesliga-Aufstieg 2000?
Wörle: „Das war cool. Da hat uns der Verein eine Woche Gran Canaria spendiert. Wir waren total überrascht.“

Wenn es ums Finanzielle geht, wird heute lauter denn je über Gleichberechtigung mit dem Männerfußball gesprochen. Wie steht ihr dazu?
Leupolz: „Ich finde das utopisch. Man muss einfach sehen, dass die Männer das Geld hereinbringen. Sie haben viel mehr Zuschauer, sorgen für Merchandising-Umsatz und Sponsoren. Da kann man nicht die gleiche Bezahlung verlangen. Man muss eher den Vergleich mit anderen Frauensportarten suchen – und da geht es uns gut. Ich finde sowieso, dass das Thema Geld viel zu groß gemacht wird. Viel wichtiger ist es, dass man aus Leidenschaft Fußball spielt.“
Wörle: „Wenn ich an meine Anfänge hier bei Bayern zurückdenke, da habe ich für ein paar hundert Mark gespielt. In keiner Verhandlung ging es darum, Geld zu machen. Mein Fokus lag voll auf Fußball – und das war schön. Es gab viel weniger Nebenschauplätze als heute. Ich bin zum Beispiel froh, dass ich mir nie überlegen musste, wie ich mich auf Social Media präsentiere.“
Leupolz: „Trotzdem sollte sich unsere Branche weiterentwickeln. In der Bundesliga gibt es nur zwei, drei Mannschaften, in denen hauptsächlich Profis spielen. Alle anderen Spielerinnen müssen nebenbei arbeiten. Das schadet dem sportlichen Niveau der Liga. Wenn man die Frauen-Bundesliga voranbringen möchte, muss man es schaffen, dass alle Spielerinnen den Sport professionell ausüben können. Dafür braucht es aber natürlich zusätzliche Einnahmen.“

Wie findet ihr es, wenn Leute sagen, man müsste für die Frauen die Spielzeit verkürzen sowie die Tor- und Spielfeldgrößen verändern?
Leupolz: „Man muss das in meinen Augen differenziert sehen: Über eine kürzere Spieldauer könnte man schon diskutieren, weil der Körper der Frau rein anatomisch anders ist. Auch bei den Torgrößen wären kleinere Varianten vorstellbar, weil unsere Torleute im Schnitt kleiner sind. Rein wissenschaftlich würde eine Anpassung von Spielfeldgröße oder Spieldauer an den weiblichen Körper Sinn ergeben. Vielleicht würden ein paar Reformen den Frauenfußball für den Zuschauer interessanter machen, weil dann mehr Freiräume für Technik und Dynamik aufkämen. Aber zum einen ist so etwas schwer umsetzbar: Man müsste ganz andere Plätze bauen, andere Voraussetzungen schaffen, das ist allein ein logistischer Aufwand. Und zum anderen wollen wir ja als gleichberechtigt wahrgenommen werden. Generell ist der Frauenfußball so erfolgreich, wie er ist – und er entwickelt sich stetig weiter.“
Köhl: „Heute ist viel mehr Tempo und Technik drin.“
Leupolz: „Ja, und bei einem 100-Meter-Lauf würde auch niemand verlangen, dass eine Frau so schnell wie ein Mann läuft. Dennoch hat der Wettbewerb in beiden Fällen seine Berechtigung, seine Faszination und seine Athleten, die Enormes leisten.“

Bist du froh, dass du heute deiner Leidenschaft nachgehen kannst und nicht in der Zeit von Lydia, wo es viele Schwierigkeiten gab, sich auf dem Fußballplatz zu verwirklichen?
Leupolz: „Das ist schwer zu vergleichen. Ich glaube nicht, dass Lydia eine schlechte Zeit hatte. Ich denke, sie hatten viel Spaß. Sie haben das aus Leidenschaft gemacht, hatten einen tollen Zusammenhalt. Es sind bestimmt viele Freundschaften entstanden. Heute ist Frauenfußball auch ein Stück weit Arbeit, der Druck ist größer. Aber natürlich haben wir es heute einfacher und viel mehr Möglichkeiten, im Klub wie in der Nationalmannschaft.“
Köhl: „Eine Nationalmannschaft gab es bei uns noch gar nicht. Das erste offizielle deutsche Länderspiel fand erst 1982 statt.“

Würdest du mit den Spielerinnen von heute tauschen, Lydia?
Köhl:
„Ich denke manchmal schon, es wäre schön, in der heutigen Zeit zu spielen. Weil man sich auf Fußball konzentrieren kann und viel reist. Aber ich möchte die Zeit von früher nicht missen.“

Was war in eurer Zeit das Schönste und das Schwerste?
Köhl:
„Am schwierigsten war, dass wir nicht die Unterstützung hatten wie die Spielerinnen heute. Aber das war einfach so. Der Verein hätte es sich leisten können, dass wir beständig vorne mitspielen, doch es wurde darauf verzichtet, Spielerinnen von weiter weg zu holen. Wir fühlten uns dennoch nicht als fünftes Rad am Wagen. Wenn es um die Meisterschaft ging, wurden wir in sehr guten Hotels untergebracht. Und von den Offiziellen war bei den Endspielen immer jemand vor Ort. Das Schönste waren die Erfolge. Jedes Endspiel war ein Erlebnis.“
Leupolz: „Das sehe ich wie Lydia: Am schönsten sind die Titel. Was am schwierigsten ist? Vielleicht, dass Wolfsburg seit Jahren uneinholbar scheint.“
Wörle: „Ich habe eine ziemlich große Entwicklung mitmachen dürfen. 1999 sind wir aufgestiegen, dann haben wir viele Jahre in der Bundesliga um Platz vier bis sechs gespielt, wurden dann 2009 Vizemeister – wegen nur eines nicht geschossenen Tores verpassten wir den Titel! Auch die ersten Champions League-Spiele habe ich miterlebt. Das schönste Erlebnis war der Pokalsieg 2012. In dem Finale waren wir Außenseiter – das zeigt auch das Schwerste zu meiner Zeit: Wir mussten uns alles erst erkämpfen, erarbeiten.“

Man kann sich ja gar nicht vorstellen, dass Bayern mal zweitklassig war…
Wörle: „Zweitklassig klingt gut – das hieß damals Bayernliga. Was anderes gab es unter der Bundesliga nicht. Damals sagte der Verein: Wir wollen jetzt auch mit den Frauen in die oberste Liga! Dann wurde investiert. Wenn man heute sieht, wie die Frauen mit den Männern auf dem Rathausbalkon feiern, kann man sagen, dass der Frauenfußball im Verein voll etabliert ist.“

Herrschte damals erstmals Goldgräberstimmung in der Frauenfußballabteilung?
Wörle: „Für uns war der Aufstieg ein Riesending: Wir durften mit dem Weltverein FC Bayern Erste Liga spielen! Es ging gegen Birgit Prinz, Doris Fitschen, Sandra Smisek, Weltmeisterinnen, Europameisterinnen – und der FC Bayern war plötzlich mit dabei. Ich hatte damals oft Sonderaufträge, sowas macht man heute ja gar nicht mehr: „Schau, dass Kerstin Garefrekes keinen Stich macht!“ Es war schön, wie wir miterlebt haben, wie der FC Bayern auch im Frauenfußball in die Spitze hineinwächst.“

Hat die Öffentlichkeit das registriert?
Wörle: „Das Medieninteresse wuchs punktuell, nicht im großen Maße. Einmal waren wir bei Blickpunkt Sport eingeladen. Sowas war schon ein Highlight.“

Der Geburtshelfer war eigentlich damals Franz Beckenbauer, der als Präsident den Etat der Frauenabteilung von 50.000 auf 300.000 Mark angehoben hat, weil er von der WM 1999 in den USA so angetan gewesen ist.
Köhl: „Stimmt, und dann haben die anderen im Verein mitgezogen. Mei, der Franz, der hatte schon immer ein Händchen (lächelt).“
Wörle: „Dadurch hatten wir dann auch große Namen im Team: Nadine Angerer, Petra Wimbersky, Roswitha Bindl, Bärbel Weimar… Simone Laudehr flitzte als Jungspund die Linie rauf und runter. Es wuchs etwas, das sich bis heute entwickelt hat.“

Lydia, du hast zu Beckenbauers Zeiten beim FCB gespielt – wie war der Kontakt?
Köhl: „Es gab wenig Berührungspunkte. Aber wir waren immer selig, wenn wir mal in die Nähe der Männermannschaft gekommen sind. Vor allem wegen dem Franz… ganz ehrlich, ohne Schmarrn: Da hatten’s ja bei uns alle… wie soll ich sagen? Einen Hau!“

Alle waren ein bisserl verknallt in den Franz?
Köhl:
„Ja schon. Genau. Ganz ehrlich. Aber begegnet ist man sich leider nur zufällig. Lustig war es mit Gerd Müller, den haben wir oft beim Squash in der Zielstattstraße getroffen. Danach saß man mit ihm mal zusammen auf ein Getränk und hat geratscht. Er hat sich immer nach unseren Ergebnissen erkundigt. Vorbeigeschaut bei einem Spiel hat aber nie einer. Die haben samstags gespielt, wir sonntags – und da wollten die ihre Ruh‘ haben (grinst).“
Leupolz: „Bei uns ist der Kontakt auch überschaubar, was ja normal ist – jeder hat seine Trainingszeiten und Termine. Außerdem sind wir am Campus. Ab und zu gibt es das eine oder andere Doppelinterview. Wir müssen einfach Titel holen – dann treffen wir uns zu gemeinsamen Feiern (grinst).“
Wörle: „Früher lief man sich beim Essen in der Kantine an der Säbener mal über den Weg. Nach dem Pokalsieg lud uns Uli Hoeneß an den Tegernsee ein, das war schön. Und einmal hat Basti Schweinsteiger sein Autofenster runtergekurbelt und mir zugerufen: „Hey, bei euch läuft es ja total gut!“ Das war sehr witzig.“

Lydia, fieberst du bis heute mit?
Köhl: „Natürlich. Ich war nach der Karriere noch einige Zeit Abteilungsleiterin, und ich sitze bis heute regelmäßig im Stadion.“

Eine Frage bleibt jetzt noch zum Schluss, Lydia: Warst du auch ein bisserl in den Franz verknallt?
Köhl:
„Oh mei, da werd‘ ich ja fast rot (lacht). Gute Frage!“
Wörle: „Jetzt wird’s interessant…“
Köhl: „Also ganz ehrlich: Bei seinem letzten Training beim FC Bayern, da hatte er damals sein Buch rausgebracht, da wollt‘ ich schon noch ein Autogramm. Aber dann war ich zu feig, zu ihm hinzugehen. Ich hab‘ eine Freundin hingeschickt.“
Leupolz: „Aber das Autogramm hast du gekriegt?“
Köhl: „Ja, das habe ich gekriegt. Das war mir wichtig.“

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