präsentiert von
Suchen Fill-1
Menü
Auszug aus dem aktuellen „51“

120 Jahre FCB: Das große Interview mit Rummenigge & Hoeneß

Increase font size Schriftgröße

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben die vergangenen fünf Jahrzehnte des FC Bayern geprägt wie niemand sonst. Zunächst auf dem Spielfeld, dann im Vorstand und Präsidium. Für das neue Buch „Danke für 120 Jahre voller Leidenschaft“ sprechen sie anlässlich des Vereinsjubiläums am 27. Februar in einem Doppelinterview über die Geschichte und die Werte unseres Klubs. Das komplette Gespräch gibt's in unserem Mitglieder-Magazin „51“.

Das Interview mit Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß

Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß, wie stellt man sicher, dass Bayern München weiterhin Bayern München bleibt?
KHR:
„Natürlich ist unsere wirtschaftliche Entwicklung dramatisch gewesen, speziell in den letzten zehn Jahren. Aber ich glaube trotzdem, dass ein Fußballverein primär ein Fußballverein bleiben muss. Und wenn er zur Fußball spielenden Marke wird oder gar zu einem Fußball spielenden Konzern – das würden unsere Fans nicht hinnehmen.“

UH: „Wir können und wollen uns gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschließen. Aber wir dürfen niemals vergessen, wo wir herkommen.“

Kann man sagen, dass Ex-Profis die DNA eines Vereins besser weitergeben?
UH: „Die Ex-Profis sprechen halt die Sprache der Spieler. Wenn Sie einem Franck Ribéry erklären wollen, was er jetzt heute falsch gemacht hat, dann ist es schwierig, wenn Sie zugeben müssen: Ja gut, ich selbst habe nur beim TSV Böblingen gespielt.“

KHR: „Franz Beckenbauer ist da ein gutes Beispiel. Er hat auch nach seiner Karriere nie klein gedacht. 1994 sind wir Deutscher Meister geworden – und Franz war zu dem Zeitpunkt gleichzeitig Präsident und Trainer, das hätte es woanders vermutlich nie gegeben. Und dann hat er gesagt: „Jetzt brauchen wir aber auch wieder internationale Erfolge.“ Wir haben also in die Mannschaft investiert, haben etwa Oliver Kahn geholt und Mehmet Scholl. Zwei Jahre später, 1996, haben wir den UEFA-Cup gewonnen gegen Bordeaux. Es geht nie sofort von null auf hundert. Es geht aber auch nie sofort von hundert auf null.“

Der FC Bayern München wird ja immer mit dieser unbedingten Gier nach Erfolg in Verbindung gebracht.
KHR: „Wir hatten immer die Getriebenen hier im Verein: Uli natürlich, Franz, mich wahrscheinlich auch. Wir wollten Erfolg haben.“

Hoeneß und Rummenigge standen von 1974 bis 1979 schon als Spieler gemeinsam für den FC Bayern auf dem Platz. In dieser Zeit gewannen sie zwei Mal den Europapokal der Landesmeister. 

Dieser unbedingte Siegeswille gehört zum FC Bayern dazu: Wie nehmen neue Spieler diese Eigenschaft auf?
KHR: „Das wird dir binnen vier Wochen hier eingebläut.“

UH: „Wir haben ja früher oft Spieler aus Karlsruhe, Berlin oder Frankfurt geholt, aus Vereinen, die sich im Mittelfeld oder sogar im Abstiegskampf befanden. Da hat man sich dann gewundert, dass die Neuen auswärts schon mit einem Unentschieden zufrieden waren.“

Eine Familie, die zusammensteht in der Niederlage und die Siege zusammen feiert: Ist es das, was den FC Bayern ausmacht?
KHR: „Wobei man da eben auch sagen muss, vieles davon trägt die Handschrift von Uli. Er hat diesen familiären Wert hier überhaupt erst eingeführt. Die Weihnachtsbesuche bei den Fans oder der Oktoberfestbesuch waren Neuerungen von Uli. Zu unserer aktiven Zeit gab es das nicht. Dieses Mia san mia ist erst in den vergangenen Jahrzehnten so richtig entwickelt worden.“

UH: „Das Bewusstsein war vorher noch nicht da. Der Fußball hatte auch einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft. Die Leute sind zu wichtigen Spielen gekommen und haben sich gefreut. Aber es war nicht so, dass das Fußballspiel das Leben der Spieler, Funktionäre und Fans beherrscht hat. Das war ganz einfach nicht so intensiv wie heute.“

KHR: „Dazu nur eine kleine Bemerkung, weil wir ja über die großen, prägenden Figuren des FC Bayern geredet haben: Ich habe als Spieler zehn Jahre bei Bayern München verbracht. Aber den Namen Kurt Landauer, den habe ich in dieser Zeit kein einziges Mal gehört.“

Unsere größten Helden, schönsten Tore und wichtigsten Entscheidungen – das Buch „Danke für 120 Jahre Leidenschaft“ erscheint pünktlich zum Klubjubiläum im Verlag Die Werkstatt. Zu kaufen gibt es das Buch unter anderem im FC Bayern Online Store

Einer der großen Präsidenten des FC Bayern München, der vor und nach dem Ersten Weltkrieg den Verein aufbaute. Weil er Jude war, musste er 1933 das Amt niederlegen und schließlich in die Schweiz emigrieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er erneut Präsident.
UH: „Die Geschichte des Vereins haben wir alle erst vor gar nicht so langer Zeit kennengelernt. Ich muss hier auch den jungen Leuten Dank sagen, vor allem der Südkurve, dass sie sich so intensiv mit Landauer auseinandergesetzt haben. Dass sie sagen: „Wir sind ein großer Verein, also beschäftigen wir uns auch mit unserer Vergangenheit.“

Gehört dieser Stolz auf die Geschichte zum „Mia san mia“?
UH: „Ja. Und die soziale Verpflichtung. „Mia san mia“ heißt, wenn du oben bist, musst du auch nach unten schauen und helfen. Und das haben wir gemeinsam in den letzten zehn, fünfzehn Jahren gemacht. „Mia san mia“ ist eine Philosophie, die über den Fußballplatz hinausgeht. Selbstbewusstsein gehört dazu, Zufriedenheit, Dankbarkeit. Bei vielen Vereinen steht oben auf dem Trikot der Name des Spielers, und unter der Rückennummer dann der Name des Vereins, der halb in der Hose verschwindet. Bei uns steht Bayern München oben, zwei starke Begriffe, die auch eine Verpflichtung darstellen, der man gerecht werden muss. Ministerpräsident Markus Söder hat kürzlich bei einem Empfang in der Staatskanzlei gesagt: Wenn es dem FC Bayern gut geht, dann geht es auch Bayern gut. Mehr Lob geht eigentlich nicht.“

Als Doppelspitze arbeiteten Hoeneß und Rummenigge viele Jahre Seite an Seite und führten den FC Bayern an die internationale Spitze. Im November 2019 zog sich Hoeneß von seinen Ämtern zurück und ist seitdem Ehrenpräsident.

Wie stellen Sie sich den FC Bayern am 150. Geburtstag vor?
KHR: „Tja, da ist natürlich die Frage, ob wir da noch unter den Lebenden sind.“

UH: „Wir müssen ja nicht unbedingt dabei sein. Sogar wenn einmal eine Krise entstehen sollte, haben wir sofort Personen, die das auffangen können, die ihren Job machen würden. Und deswegen können wir auf absehbare Zeit sehr zuversichtlich sein.“

KHR: „Ich habe großes Vertrauen zu den handelnden Personen. Die sind nun einmal das Entscheidende, das habe ich hier gelernt. Wir haben gute Leute, denen man das Vertrauen schenken darf. Die werden das gut machen. Die Qualität der Führungskraft verbunden mit der Qualität des Menschen wird dazu führen, dass der FC Bayern auch in Zukunft erfolgreich sein wird.“

Außerdem in der aktuellen Ausgabe von 51: Manuel Neuer über sein Amt als Kapitän des Rekordmeisters 👇

Weitere Inhalte