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Pavard: „Selbstreflexion macht dich stärker“

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Zuhause sitzen und nicht auf den Platz dürfen – Benjamin Pavard geht die Situation wie seinen Kollegen auf die Nerven. Der Franzose wurde zum Ehrgeiz erzogen, er neigt zu Perfektionismus. Im Interview spricht er über Isolation und seine bisher so starke Einstandssaison – die volle Länge des Gesprächs gibt es im Mitgliedermagazin „51“.

Das Interview mit Benjamin Pavard

Benjamin, die wichtigste Frage in diesen Tagen: Wie geht es dir?
„Meine Situation ist solala. Ich bin hier in München allein zuhause. Eigentlich sollten Ende März meine Eltern zu Besuch kommen, zum Spiel gegen Eintracht Frankfurt und wegen meines Geburtstags später. Zum Glück gibt es die Möglichkeit, sich zumindest bei Videoanrufen sehen zu können. Meiner Familie geht es den Umständen entsprechend gut. Ich habe keine Geschwister, und in dieser komplexen Situation so weit voneinander entfernt zu sein ist natürlich unschön.“

Das Cyber-Training ist nicht nur wichtig, um fit zu bleiben. Es hilft den Spielern auch, um sich leicht unetreinander auszutauschen und über die aktuelle Situation zu sprechen.

Hat diese Krise deinen Blick auf die Welt verändert?
„Ich denke schon, dass die Menschen nachdenklicher werden. Ich merke gerade, wie lang die Tage sind, wenn man sie dauerhaft komplett alleine verbringt. Während des Videotrainings mit der Mannschaft reden wir auch über solche Empfindungen. Man merkt, was einem im Leben wichtig ist: Gesundheit natürlich – und mir als Leistungssportler fehlt das Kräftemessen auf dem Spielfeld. Das spornt uns alle an. Mir fehlt das tägliche Training, mir fehlt das Stadion, mir fehlen vor allem die Fans.“

Mit welchem Motto sollten die Menschen diese spezielle Herausforderung angehen?
„Man sollte die Regeln beachten, die die Regierungen den Menschen auf Empfehlungen der Gesundheitsbehörden aufgeben. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir aus dieser Situation bald glimpflich wieder rauskommen.“

Während der Isolationsphase – wie hältst du dich fit?
„Wir haben exakte Pläne. Nach dem Frühstück ist in der Regel um 11 Uhr Training mit der Mannschaft via Videoschaltung, eineinhalb Stunden lang. Ich habe einen eigenen Fitnessraum zuhause und einen Pool, da kann ich Zusatzeinheiten für mich alleine absolvieren. Und ich bin auch oft im Garten, um was mit dem Ball zu machen. Die ganze Situation ist ohne die vertraute Anleitung unserer Physios aber schwerer – und nicht so schön, weil die Ansprache in einem Team fehlt. Auch wird einem in so einer Phase bewusst, wie perfekt wir beim FC Bayern betreut werden. Darum einmal hier auch ein Dankeschön an unser medizinisches Personal – auch für sie gilt: Ihr seid enorm wichtig.“

Werden wir mal sportlich: Auf deinen Schienbeinschonern stand bei der WM 2018 ein Zitat von Nelson Mandela: „Je ne perds jamais. Je gagne ou j‘apprends.“ Zu deutsch: „Ich verliere niemals. Ich gewinne oder ich lerne.“ Was bedeutet dir dieser Spruch?
„Dieses Zitat treibt mich an. In jedem Spiel, in jedem Training und auch in vielen Situationen des Lebens ganz generell sage ich mir immer: Du lernst am Ende mehr aus deinen Niederlagen als aus deinen Siegen. Oder besser: Du musst aus deinen Niederlagen immer die richtigen Schlüsse ziehen.“

Du hast nach Manuel Neuer und Joshua Kimmich die meisten Einsatzminuten in dieser Saison. Hättest du damit gerechnet?
„Wenn mir das jemand im Sommer gesagt hätte, hätte ich sicher den Kopf geschüttelt. Aber ich hatte mich auf diesen Schritt zum FC Bayern vorbereitet und habe dann vom ersten Tag an gespürt, dass ich mich hier tatsächlich noch einmal grundlegend weiterentwickeln kann. Ich bin noch lange nicht am Ende meines Weges. Ich möchte mich immer verbessern. Das ist keine Floskel. Egal, wie ein Spiel ausgeht, frage ich mich nach dem Abpfiff: Was habe ich falsch gemacht? Was kann ich das nächste Mal noch besser machen? Das ist mein Ansporn. Ich analysiere mich nach jedem Spiel konsequent.“

Vor wenigen Tagen feierte Benjamin Pavard seinen 24. Geburtstag. Wir haben das zum Anlass genommen, seine besten Szenen im FCB-Trikot zu beleuchten:

Wie bist du aufgewachsen, wie war der Fußball in dein Leben integriert?
„Ich habe mit vier, fünf Jahren mit Fußball im Verein angefangen. Mein Vater war unser Trainer – ein harter Trainer, der uns viel laufen ließ. Immer sagte er mir, was ich besser machen kann. Ich denke, von ihm habe ich meine Einstellung, mich nie zufrieden zu geben. Papa hast du nach einer Niederlage zwei Stunden lang besser nicht angesprochen – und ich ticke da genauso. Er hat mir immer Defizite aufgezeigt. Ich wurde so erzogen: Selbstreflexion macht dich stärker.!

Der Weg führte bereits als Anfang 20-Jähriger zur WM nach Russland. Dein Tor gegen Argentinien war spektakulär.
„Es lief alles wie im Traum. Ich bin auch zu Bayern gegangen, um für die Nationalmannschaft interessant zu bleiben. Für mich ist das der beste Klub der Welt, mit den besten Spielern der Welt. Bayern wird bald wieder die Champions League gewinnen, da bin ich sicher.“

Was wünscht du dir für die Zukunft?
„Dass die Menschen in dieser speziellen Zeit auf sich aufpassen und beherzigen, was die Gesundheitsexperten raten. Nur, wenn wir alle zusammenhalten, bekommen wir alles in Griff. Ich hoffe, dass wir uns alle bald wieder gesund im Stadion sehen. Und für uns als Team wünsche ich mir, dass wir, sobald es wieder weitergeht, ganz einfach gewinnen, gewinnen, gewinnen. Es gibt keine Alternative beim FC Bayern.“

Die Corona-Krise ist natürlich ein großes Thema in der aktuellen Ausgabe des 51. Unter anderem erklärt Vorstandsmitglied Oliver Kahn die Maßnahmen des FC Bayern. Außerdem beschäftigen wir uns zum Jubiläum ausführlich mit dem Frauenfußball beim FC Bayern: 

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