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Der Präsident im Interview - Teil 1

Herbert Hainer: „Oliver Kahn bringt alles mit“

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Herbert Hainer spricht in unserem großen Interview über die Staffelübergabe von Karl-Heinz Rummenigge an Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender. Der Präsident erklärt die Gründe für den Wechsel zum 1. Juli und sagt, wie der Deutsche Meister die Zukunft angeht. Unter Julian Nagelsmann müsse „das Ziel sein, eine neue Ära voller Erfolge zu prägen“, so der Aufsichtsratschef.

Das Interview mit Herbert Hainer

Herr Hainer, wie bewerten Sie den Übergang von Karl-Heinz Rummenigge zu Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern?
„Es war ein Übergang, der von uns allen von langer Hand geplant gewesen ist. Oliver Kahn wurde vor eineinhalb Jahren frühzeitig in den Vorstand integriert, um sich auf seine neue Rolle als Vorstandsvorsitzender vorzubereiten. In den vergangenen Monaten hat Karl-Heinz seine Aufgabenbereiche mehr und mehr auf ihn übertragen, und nun kam es zur finalen Staffelübergabe.“

Wie und wann reifte der Entschluss, den Wechsel ein halbes Jahr vorzuziehen?
„Wir waren uns alle einig, dass mit dem Ende der Saison der ideale Zeitpunkt für die Übergabe gekommen ist. Mit Julian Nagelsmann beginnt ein neuer Abschnitt, insgesamt war dieser Wechsel nun logisch. Bereits alle Entscheidungen, die zuletzt getroffen wurden und auch jetzt anstehen, wirken sich ja auf die neue Saison und darüber hinaus aus. Insofern machte es Sinn, dass Oliver Kahn schon jetzt die Verantwortung übernimmt. Ich habe das übrigens bei adidas genauso gehalten und fünf Monate früher aufgehört, nachdem mein Nachfolger eingearbeitet war.“

Was bedeutet dieses Ende der Ära Uli Hoeneß/Rummenigge für den FC Bayern und die neue Klubführung?
„Es ist ein gewaltiger Einschnitt, wenn zwei solche Persönlichkeiten nicht mehr in der Verantwortung stehen, die den Verein über Jahrzehnte großgemacht haben. Aber sie haben diesen Übergang ja selbst vor langer Zeit mit Weitblick eingeleitet, und wir alle sind fest überzeugt, dass wir für die Zukunft bestens aufgestellt sind. Oliver Kahn ist der Richtige, um die Nachfolge von Karl-Heinz anzutreten. Er hat das absolute FC Bayern-Gen in sich, hat den Verein als Spieler geprägt, sich nach seiner Karriere als Persönlichkeit entwickelt, auch im wirtschaftlichen Bereich seine Erfahrungen gesammelt und wird die FC Bayern München AG so leiten, wie es die neuen Zeiten erfordern. Der Klub steht vor neuen Herausforderungen, das bringt die Zeit mit sich – und Kahn hat darauf neue Antworten.“

Wird es einen Stilwechsel beim FC Bayern geben – verliert der Verein sein familiäres Flair?
„Nein, auf keinen Fall. Ich habe schon bei meiner Antrittsrede als Präsident gesagt, dass der FC Bayern niemals ein kickender Konzern wird. Daran lassen wir uns alle messen.“

Herbert Hainer
„Das Ziel ist, den Kader in der Breite zu verstärken. Allerdings ist die Qualität so hoch, dass wir dafür keine weiteren Top-Transfers benötigen.“

Wie haben Sie Kahn und seine Entwicklung in den vergangenen 18 Monaten erlebt?
„Ich kann aus meiner Zusammenarbeit mit ihm sagen, dass er den FC Bayern in allen Facetten aufgenommen und sich sehr intensiv auf diese große Aufgabe vorbereitet hat. Es war klug und richtig, nicht von Beginn an alles übernehmen zu wollen, sondern den Übergang gemeinsam mit Karl-Heinz Schritt für Schritt umzusetzen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass er in die erste Reihe vorrückt. Und wer ihn in den vergangenen Monaten bei Verhandlungen wie beispielsweise mit Julian Nagelsmann erlebt hat, weiß, dass er einer ist, der klipp und klar seinen Standpunkt vertritt und stets eine klare Linie hat. Kahn bringt alles mit.“

Welche Rollen werden Hoeneß und Rummenigge in Zukunft spielen?
„Uli ist als Mitglied des Aufsichtsrats weiterhin eingebunden und ein wichtiger Ansprechpartner für uns alle. Er wird seinem FC Bayern immer verbunden bleiben. Karl-Heinz möchte kein offizielles Amt mehr bekleiden, aber wir alle würden uns sehr freuen, wenn wir in ihm stets einen Ratgeber haben, mit dem wir uns jederzeit austauschen können. Seine Meinung ist uns wie bei Uli wichtig.“

Transfers abzuwickeln, ist in dieser Zeit schwierig. Wie bewerten Sie die Arbeit von Hasan Salihamidžić?
„Grundsätzlich treffen wir alle Entscheidungen gemeinsam. Daher finde ich es unfair, wenn sich Kritik auf eine einzelne Person konzentriert. Zudem muss man sagen, dass dieser Kader in den vergangenen 18 Monaten sieben Titel gewonnen hat, so viele wie nie – und das mit begeisterndem Fußball. Das spricht ganz klar für die Transferpolitik und die sportliche Leitung.“

Sind noch weitere Transfers machbar – und wenn ja, welche Größenordnung?
„Die Leute sollen die Auswirkungen von Corona bloß nicht unterschätzen, auch wenn wir vergleichsweise bisher wirtschaftlich gut über die Runden gekommen sind, wird es bei uns erhebliche Schleifspuren geben. Bis auf Dayot Upamecano sind bei uns in diesem Sommer keine großen Transfers mehr möglich. Wir haben noch Omar Richards verpflichtet, dazu kehren sieben Spieler zurück, die ausgeliehen waren. Das Ziel ist, den Kader in der Breite zu verstärken. Allerdings ist die Qualität so hoch, dass wir dafür keine weiteren Top-Transfers benötigen. Die Mischung stimmt.“

Wie lange werden die Schleifspuren der Pandemie nachwirken?
„Noch sehr lange, und zwar im gesamten Fußball. Bisher sehen wir nur die Spitze des Eisbergs, und das wird nicht in zwölf Monaten aufgeholt sein. Wenn ich aktuell schon wieder manche Transfergerüchte und -summen höre, frage ich mich ernsthaft, wie die Vereine das finanzieren wollen, noch dazu, da ja viele von hohen Schuldenbergen belastet sind. Es muss dringend mehr Vernunft einkehren. Es kann nicht so weitergehen, dass viele ständig über ihre Verhältnisse leben.“

Wie sehen Sie die Gerüchte um Robert Lewandowski, die immer wieder aufkommen?
„Robert ist der beste Stürmer der Welt. Er hat hier noch zwei Jahre Vertrag, und ich kann mir gut vorstellen, dass wir ihn noch länger behalten.“

Rummenigge hält sogar Gerd Müllers 365-Tore-Marke für möglich…
„Momentan steht er bei 277 Toren… Wenn er gesund bleibt und bei uns noch einmal verlängert, ist das möglich. Ich traue ihm alles zu. Robert ist ein absoluter Glücksfall für uns.“

Welche Erwartungen hat der FC Bayern an Julian Nagelsmann?
„Julian Nagelsmann ist einer der begehrtesten Trainer im internationalen Spitzenfußball. Er hat mit seinen gerade mal 33 Jahren bewiesen, dass er Mannschaften auf Top-Niveau entwickeln kann und steht für einen Fußball, der die Fans begeistert. Wir hatten ihn schon länger auf unserem Radar und sind jetzt sehr glücklich, dass er zu uns kommt.“

Was können Sie den Fans bereits über ihn sagen?
„Er ist ein absoluter Fußball-Fachmann, der innovative Wege geht und die Dinge extrem offen anpackt. Zudem finde ich ihn als Persönlichkeit cool. Mir gefällt, wie er mit Druck umgeht, wie er mit seinen Spielern spricht und dass er auch mal über sich selber lachen kann. Unser erster Kontakt war eine Textnachricht von ihm an einem späten Abend. Er schrieb, da an dem Tag ja noch Champions League lief, gehe er davon aus, ich sei noch wach und er könne sich melden. Das fand ich erfrischend.“

Wie schwer wird es für ihn, einen so erfolgreichen Trainer wie Hansi Flick zu beerben?
„Julian hat enorme Qualitäten und kann auch nach unseren großen Erfolgen völlig optimistisch nach vorne schauen – und so schätze ich ihn auch als Typen ein: Er freut sich hier auf die spannende Aufgabe, mit großartigen Spielern höchste Ziele anzuvisieren. Da muss man nicht in den Rückspiegel schauen. Beim FC Bayern gibt es immer nur eine Richtung: nach vorne. Es muss einfach jetzt das Ziel sein, eine neue Ära voller Erfolge zu prägen. Die Voraussetzungen dafür sind sehr gut. Im Übrigen lässt auch er einen Fußball spielen, wie ihn die Fans des FC Bayern sehen wollen. Nach seiner Verpflichtung habe ich ausschließlich positives Feedback bekommen.“

Er ist unter anderem jünger als Manuel Neuer – wird er sich als Autorität durchsetzen? München ist ein schweres Pflaster für Trainer, bei all diesen Spielerpersönlichkeiten…
„Da sehe ich gar kein Problem. Was man so hört, zeichnet ihn unter anderem ja auch genau das aus, dass er zu routinierten wie jungen Spielern einen optimalen Zugang findet. Wir sind von seiner Persönlichkeit überzeugt.“

Bisher hat er noch keine Titel gewonnen…
„… das bedeutet, dass er noch hungrig auf Titel ist. Und dass er schon so nah dran war, spricht ja auch für ihn. Mit uns hat er jetzt die große Chance, auch noch den letzten Meter rauf zum Siegerpodest zu gehen.“

Herbert Hainer
„Wir werden den Transferwahnsinn im internationalen Fußball nicht mitmachen und brauchen daher eine starke Jugendarbeit.“

Muss Nagelsmann mehr denn je auf Talente aus dem Campus setzen?
„Es ist unsere Philosophie, internationale Stars punktuell zu holen – und gleichzeitig unsere Ausbildung noch stärker zu forcieren. Seit ein, zwei Jahren trägt der Campus erste Früchte, und das wollen wir weiter ausbauen. Wir werden den Transferwahnsinn im internationalen Fußball nicht mitmachen und brauchen daher eine starke Jugendarbeit. Natürlich hoffen wir in der Frage auch auf Julian Nagelsmann, der in Hoffenheim und Leipzig gezeigt hat, dass er junge Spieler fördert und auf Top-Niveau bringt.“

Wie wichtig ist es, identitätsstiftende Spieler in der ersten Mannschaft zu haben?
„Spieler wie Thomas Müller, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger mit ihren bayerischen beziehungsweise sogar Münchner Wurzeln sind für den FC Bayern das Höchste der Gefühle. Aber auch so ein Typ wie Jamal Musiala hat am Campus schon früh vermittelt bekommen, was es heißt, für den FC Bayern aufzulaufen. Wir müssen diesen Weg weitergehen, und wir haben einige vielversprechende Talente, auf die wir hoffen können. Musiala hat es vorgemacht, zudem sehen wir die Entwicklung von Chris Richards optimistisch, den wir nach Hoffenheim verliehen haben und der dort mit 19 Jahren gleich Stammspieler wurde.“

Ist das erklärte Ziel, dass die Amateure sofort wieder aufsteigen?
„Ja. Der Abstieg nach der Meisterschaft im Jahr zuvor war eine Enttäuschung. Wir wollen, dass sich unsere Talente auf Drittliga-Niveau messen. Daher streben wir den unmittelbaren Wiederaufstieg an.“

Sie sagten mal, Ihr Traum sei das Triple aus Männer- und Frauenfußball plus Basketball. Das könnte in dieser Saison passieren. Was sagen Sie dazu?
(lächelt) Dass beim FC Bayern Träume wahr werden. Und dass wir niemals aufhören werden, unsere Träume Realität werden zu lassen.“

Am Samstag lesen Sie auf fcbayern.com:
FCB-Präsident Herbert Hainer über die Rückkehr der Fans in die Stadien, die sozialen Aufgaben des FC Bayern und die Einschätzungen zur Fußball-EM mit insgesamt 13 Spielern des deutschen Rekordmeisters.

Neben den Männern sind diese Saison auch die Frauen des FC Bayern Meister geworden:

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