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Weltmeisterin, Europameisterin, Olympaisiegerin

Abschied am Sonntag: Laudehr will ihre Karriere mit der Meisterschaft beenden

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Nach 18 Jahren im Frauenfußball beendet Simone Laudehr am kommenden Wochenende ihre aktive Karriere. Für die 34-Jährige schließt sich ein Kreis – ihre Reise endet dort, wo für sie im Alter von 17 Jahren alles angefangen hat: beim FC Bayern.

Ruhepol

„Der ist fest in meiner Tasche verankert“, erklärt Simone Laudehr und meint damit ihren Buddha, den sie stets bei sich trägt. Die kleine Statue mit dem Dreizack, die sie einst von einem Berater geschenkt bekommen hatte, leistet ihr als Ruhepol seit Jahren gute Dienste. „Damals, als ich die Figur bekam, habe ich erstmals eine Entwicklung als Spielerin durchgemacht. Ich musste versuchen, nicht immer an mir zu zweifeln, wenn mal was nicht geklappt hat.“ Auf diesem Weg hat ihr dieses kleine Präsent geholfen und tut es selbst heute noch: Auch im Alter von 34 Jahren kann sich die Abwehrspielerin weiterhin auf die beruhigende Wirkung ihres Talismans verlassen: „Ich gucke ihn mir vor dem Spiel immer nochmals kurz an und in der Regel war ich danach entspannter.“

Aber das war nicht die einzige Funktion, die die kleine Skulptur in den vergangenen Jahren einer aufregenden Karriere erfüllen sollte. Sie sollte auch eins – Glück bringen. Wenn man die Laufbahn der Simone Laudehr betrachtet, ist diese Mission definitiv gelungen: Weltmeisterin, Europameisterin, Olympia-Gewinnerin, Champions League-Siegerin, DFB-Pokalsiegerin und, und, und. Die Liste der Erfolge ist im Laufe der Jahre länger und länger geworden. Dass Glück dabei eine Rolle spielt, ist unbestritten. Und dass Talent allein nicht reicht, kann keiner besser bewerten als jemand, der fast alles gewonnen hat: „Man hat es in der eigenen Hand. Um die Beste zu werden, brauchst du die richtige Einstellung. Du musst immer an dir arbeiten. Du musst versuchen, dagegen anzukämpfen, wenn die Mannschaft mal schlecht spielt und dir klar machen: Nein, ich möchte heute eine gute Leistung zeigen. Und zwar nicht für die anderen, sondern für dich. Damit du am Ende der 90 Minuten mit dir zufrieden sein kannst.“ Diese mentale Stärke, die sie im Laufe der Jahre entwickelt hat, habe Laudehr vor allem in ihren jungen Jahren ihrer Profi-Karriere gepusht und sie zu der Persönlichkeit gemacht, die sie heute ist: ein Vorbild mit einer Laufbahn, die nur wenige aufzuweisen haben.

Rückkehr

Als 17-Jährige kam die defensive Mittelfeldspielerin damals zu dem Verein, in dessen Farben sie „als Kind schon ihr ganzes Zimmer tapeziert hatte“: zum FC Bayern. Nach nur einer Saison im roten Trikot verließ sie den Verein in Richtung Duisburg, wo sie acht Jahre ihrer Karriere verbrachte. Nach vier weiteren Jahren beim 1. FCC Frankfurt und vielen internationalen Titeln im Gepäck kehrte sie 2016 schließlich an die Isar zurück. Dort, wo sie am kommenden Wochenende ihre aktive Karriere als Spielerin beenden wird. „Je näher es zum letzten Spiel kommt, desto mehr Wehmut entsteht“, gesteht Bayerns Nummer 21, die in den letzten Wochen ihrer Laufbahn immer wieder den Blick zurück gerichtet hat. Nicht nur ihre Zeit bei Bayern beschäftige sie, sondern auch die Jahre bei Duisburg, in Frankfurt oder auch in der Nationalmannschaft. Momente, die sie mit Stolz erfüllen: „Es ist ein krasses Gefühl, weil ich Fußball spiele, seit ich drei Jahre alt bin. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und habe es geschafft, zu einer der besten Spielerinnen zu werden. Dass es jetzt schon vorbei ist, ist schon traurig.“

13 Jahre nach ihrem Bayern-Debüt kehrte Laudehr nach München zurück.

Zurückstecken

Zwangsläufig stellt sich in so einer Phase immer wieder die Frage: Wieso nicht noch ein Jahr dranhängen? Laudehr schlug diese Option für sich jedoch aus. Schon vor ihrer letzten Vertragsverlängerung vor eineinhalb Jahren war für die Weltmeisterin klar: 2021 ist Schluss. „Damals habe ich mir gedacht, dieses eine Jahr schaffe ich körperlich noch. Ich merke, dass ich länger brauche, mich vom Training zu regenerieren und habe ebenfalls entschieden, dass es an der Zeit ist, den jungen Spielerinnen den Vortritt zu lassen.“ Das war auch von außen zu spüren – vor allem, wenn man den Spielberichtsbogen im Blick hatte. Laudehr räumte in ihrer Abschlusssaison ihren Stammplatz, stellte sich in den Dienst der Mannschaft und überlies den ‚Newcomern‘ den Platz auf dem Feld. „Ich habe gesagt, ich bin immer da: egal, ob es 90, 45, 30 oder auch nur 10 Minuten sind. Das war für mich in diesem Jahr die perfekte Mischung.“

Teamgeist

Ihre letzte Spielzeit als Münchnerin beschreibt sie als eine ihrer schönsten. „Es hat in diesem Jahr einfach alles gestimmt. Wir kommunizieren alles sehr offen und so sind danach wieder viele Dinge aus der Welt. Ich werden den Spaß mit den Mädels vermissen“, beschreibt Laudehr das Miteinander in der bisherigen Saison. „Man merkt einfach, dass jede für jeden kämpft. Egal, ob auf dem Feld oder von der Ersatzbank: Wir sind alle on fire!“

Zusammenhalt: Simone Laudehr jubelt mit Sydney Lohmann.

Alte Wunden

Dieser Teamgeist habe die Mannschaft auch in die Position gebracht, in der sie sich einen Spieltag vor dem Saisonende befindet: Auf dem Weg zum ersten Meistertitel seit 2016. Für Laudehr wäre es der „perfekte Abschluss“ einer einzigartigen Karriere. Denn die Meisterschale bildet die einzig kleine Titellücke, die im Werdegang der gebürtigen Regensburgerin zu finden ist. Sehr oft war sie sehr nah dran – zur Meisterschaft hat es allerdings nicht gereicht. Ganz bitter dabei der Moment im Juni 2014, als ‚Simon‘ mit ihrem damaligen Verein 1. FFC Frankfurt am letzten Spieltag noch den Meistertitel aus der Hand gab. Ein Unentschieden hätte den Frauen vom Main gegen Wolfsburg gereicht, allerdings setzte sich Alexandra Popp eine Minute vor Schluss ausgerechnet gegen Laudehr durch und köpfte die Niedersachen zum Sieg.

Fast wie ein WM-Titel

Für Laudehr „das schlimmste Spiel“ ihrer Karriere, welches sie sich auch in den vergangenen Tagen öfter in den Kopf gerufen hat, aber nicht mehr damit hadert. „Es belastet mich nicht. Es kommt, wie es kommt. Ich bin froh, dass wir nochmals diese Chance bekommen.“ Und die will sie auf jeden Fall nutzen. Nach vielen Spielzeiten als zweite Gewinnerin will die ehemalige Nationalspielerin endlich am Ende der Saison vom Sonnenplatz grüßen. Einen Erfolg, den sie nach fast zwei Jahrzehnten Profi-Fußball ganz oben einstufen würde: „Der WM-Sieg war für mich der schönste Moment, weil ich es geschafft habe, mich als junge Spielerin innerhalb von drei Monaten in die Startelf zu spielen. Aber auf die Meisterschaft arbeite ich hin, seit ich 17 Jahre alt bin. Und wenn du immer zweiter wirst, versuchst du es immer wieder aufs Neue. Dieser Titel würde sich bei mir knapp nach der Weltmeisterschaft einreihen.“

Ein letztes Mal jubeln: Laudehr will ihre Karriere mit der Meisterschaft krönen.

Zufriedenheit

Sollte dieser Fall beim letzten Saisonspiel eintreffen, hätte Laudehr das Karriereende, welches sich jede Sportlerin erträumt. Immer gespielt, alles gewonnen – und was noch viel mehr wert ist: Ein Blick zurück, ohne zu bereuen. Auf die Frage, ob sie im Nachhinein etwas anders gemacht hätte, hat die Defensivakteurin eine klare Antwort: „Nein.“ Die Herausforderung im Ausland hätte für sie zwar noch einen gewissen Reiz dargestellt, dennoch war die Wahl, in Deutschland zu bleiben, für sie die Richtige.

Zukunftspläne

Deutschland beziehungsweise Bayern wird Laudehr auch über ihre Karriere hinaus erhalten bleiben. Mit ihrem Sportmarketingstudium, dem Hochschulzertifikat in Spielanalyse und der Trainerlizenz hat sich die Routinierin in den vergangenen Jahren ein vielfältiges Portfolio aufgebaut. Ihren ersten Job nach ihrem Fußballer-Engagement wird sie in einem ganz anderen Bereich des Fußballs einnehmen. Laudehr wird nach dieser Saison hauptberuflich in der Allianz Arena im FC Bayern Museum mitanpacken. „Mir hat es dort zuletzt in meiner Praktikantenzeit auch schon sehr gut gefallen. Angelehnt an mein Studium werde ich viel im Bereich Marketing, Content, PR und Event arbeiten“, beschreibt die mehrmalige Europameisterin ihre neue Aufgabe. Wann und ob sie dem Rasen wieder näher kommt, steht noch in den Sternen. Als Cheftrainerin möchte sie in naher Zukunft zumindest nicht agieren, da sie sich freut, jetzt am Wochenende „auch mal in Ruhe das Topspiel zu schauen“, ohne sich die Tage mit dem Ballsport um die Ohren zu schlagen: „Einfach mal das Wochenende genießen.“

Das soll auch am kommenden Sonntag die Devise sein, wenn Simone Laudehr zum letzten Mal für den FC Bayern gegen den Ball tritt. Am Ende hoffentlich mit dem lang ersehnten Meistertitel in ihren Händen – und wenn der kleine Buddha dafür höchstpersönlich sorgen muss. 

Beim Saisonfinale sind erstmals wieder mehrere Zuschauer zugelassen:

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