211212_Hilfe-eV_Scheck%C3%BCbergabe_Bayerische_Landesschule_FCB_16-9

Hilfe mit Bayern-Herz

Text vorlesen
icon
Schrift vergrößern
icon

Solidarität gehört zu den Grundwerten unseres Vereins. Das beweist der FC Bayern Hilfe eV Jahr für Jahr. Ein Besuch bei guten Freunden in Harlaching.

Die Bilder im ersten Stock der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte in München sind Kunstwerke, keine Frage: Kreativ, farbenfroh, inspirierend - und sie haben ein Leitmotiv, das unermesslich viel Raum für Träume, für Visionen lässt. Die Schülerinnen und Schüler, die einen Teil des Flurs gestaltet haben, nennen ihre Klasse „Astronautenklasse", ein entsprechendes Plakat ziert ihre Tür. Und ihre Bilder drehen sich allesamt ums Weltall. Die Idee hatte Florian, erzählt der Schüler in seinem FC Bayern-Trikot mit der Nummer acht selbstbewusst. Wie er auf dieses Thema gekommen ist? „Ich habe viel über Neil Armstrong gelesen", erklärt er. „Das war der erste Mensch auf dem Mond - das finde ich cool." Ein gutes Vorbild, das zeigt, dass einem mehr als die Welt offenstehen kann, dass es unendliche Weiten da draußen gibt, die erforscht sein wollen.

211212_Hilfe-eV_Besuch_Bayerische_Landesschule_1_FCB
Im Rahmen des FC Bayern: die Weltraumbilder auf dem Schulflur.

An diesem Tag führt Johannes Nauerz einen besonderen Besucher durch die Schule, die laut dem Direktor weltweit die Erste ihrer Art ist. 1832 wurde die Einrichtung am Rindermarkt gegründet, damit körperlich behinderte Menschen eine Ausbildung bekommen und für sich selbst sorgen können. Seit 1913 hat die Schule ihr Zuhause in der Kurzstraße im Münchner Stadtteil Untergiesing-Harlaching - nur wenige Gehminuten von der Säbener Straße entfernt. Beim Rundgang zeigt Nauerz auf eine Fotoaufnahme in Schwarz-Weiß aus alten Zeiten im Treppenhaus: Das imposante Schulgebäude steht allein auf weiter Flur, das Bild wurde ungefähr von dort aufgenommen, wo sich heute das Vereinsgelände des FC Bayern befindet.

Nachbarschaftshilfe mit den Fußballern von der Säbener Straße

Man hat eine beeindruckende Geschichte vorzuweisen, und ab den 60er Jahren etablierte sich eine Nachbarschaftshilfe mit den Fußballern von der Säbener Straße. Karl Hopfner, den Nauerz heute durchs Gebäude führt, kennt sich aus mit dieser Tradition: „Unsere Spieler sind zu Zeiten des Bundesliga-Aufstiegs immer mal vorbeigekommen, und mit der Zeit entwickelte sich eine Patenschaft, ohne dass sie je festgeschrieben wurde." Als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern Hilfe eV ist Hopfner regelmäßig Gast in der Landesschule, auf der Mädchen und Jungen zwischen drei und 21 Jahren unterrichtet werden. Auch dieses Jahr hat Hopfner kurz vor Weihnachten einen Scheck über 30.000 Euro dabei - Spendengelder, hauptsächlich von Mitgliedern des FC Bayern.

211212_Hilfe-eV_Besuch_Bayerische_Landesschule_3_FCB
Besuch vom FC Bayern: Karl Hopfner in der Landesschule für Körperbehinderte in München

Der Hilfe eV ist 2005 gegründet worden, damals war die Tsunami-Katastrophe in Südostasien der Anlass. Mit ersten Spenden wurden Dörfer in Sri Lanka wiederaufgebaut, und im Laufe der Zeit widmete man sich der generellen Hilfe Notleidender. Im Mittelpunkt der Förderungen steht der Gedanke der Mobilität, denn darum geht es ja auch im Sport: dass Menschen zusammenkommen, dass niemand allein ist. Jeder kann Anträge stellen, sofern er nachweist, sich selbst auch aktiv um eine Lösung zu kümmern. Pro Jahr gehen rund 350 Anschreiben ein, und nicht jedes muss zwingend das übergeord­nete Motiv Mobilität haben - so dogmatisch verfährt man nicht. In diesem Sommer überwies der FC Bayern Hilfe eV zum Beispiel 100.000 Euro an bayerische Hochwasseropfer, und als zu Beginn der Corona-Krise viele Fans auf die Rückerstattung ihrer Tickets für die Allianz Arena verzich­teten, leitete die FC Bayern AG das Geld an den Hilfe eV weiter. Damit wurden dann die bayerischen Regional- und Bayernligisten sowie der Breitensport im Freistaat unterstützt. „Das ist gelebte Solidarität", findet Hopfner.

Das ist gelebte Solidarität.

Karl Hopfner, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern Hilfe eV

Die Landesschule ist beim Hilfe eV seit vielen Jahren die Konstante. Aus Tradition, wegen der Nähe, die man zueinander hat - und weil sie ein Musterbeispiel dafür ist, Menschen mobil zu machen und zusammenzubringen. „Inklusion ist ein chancenloses Thema", sagt Nauerz. Aber die 340 jungen Menschen hier werden gut aufs Leben vorbereitet. Die regelmäßigen Spenden des FC Bayern sind den Pädagogen dabei eine große Hilfe. Das Geld wird auf unterschiedlichste Weise investiert. Dieses Jahr stehen Werkzeuge auf dem Wunschzettel, wie Nauerz auf dem Rundgang erzählt. Im Keller schrauben Mädchen und Jungs mit großem Eifer an Fahrrädern und Rollstühlen, aber die Arbeitsgemeinschaft könnte noch viel mehr reparieren, wenn sie mehr Hämmer, Zangen und Schraubenzieher hätte. Dieser Wunsch wird nun erfüllt. Das ist eine wichtige Hilfe, erzählt Nauerz. „Fahrzeugmechaniker ist für einige hier später durchaus eine Berufsoption."

211212_Hilfe-eV_Besuch_Bayerische_Landesschule_2_FCB
„Die erste ihrer Art“ - die Landesschule für Körperbehinderte in München wird seit Jahren vom FC Bayern Hilfe eV unterstützt.

Ein großes Projekt vor gut fünf Jahren war die Digitalisierung. Auch sie wurde dank der Spenden des Rekordmeisters umgesetzt. 30 Klassenzimmer und sieben Fachräume sind nun mit digitalen Tafeln ausgestattet, die eine erhebliche Erleichterung sind und - glückliche Fügung - nun während Corona zum besonderen Segen wurden. Bei einem Klassenbesuch wird auch Hopfner, der sich gut an den „immensen Aufwand dieser Maßnahme mit all den Kabeln in den Wänden" erinnert, vor die Klasse gerufen: Unter den Augen der Kinder soll nun er entscheiden, ob ein Clown in die Schule gehört oder nicht. „Liebe Buben und Mädchen, da müsst ihr mir helfen", bittet der frühere FCB-Präsident. Ein Clown sei kein Teil des Unterrichts, klären die Schülerinnen und Schüler ihren Gast auf. Mit dem Zeigefinger wischt Hopfner deshalb das Clown-Bild von der Mitte der Tafel in die rot markierte Zone - Dinge, die in der Schule einen vernünftigen Beitrag leisten, würden hingegen in die grüne Zone einsortiert werden. An der Wand des Klassenzimmers hängen Bilder mit dem Gebärdensprachen-Alphabet, zwischen den Fenstern fällt einem ein selbst gemaltes Plakat ins Auge: „Wir bleiben cool" steht da zu lesen, und „Wir sind ein Team". Slogans wie beim FC Bayern.

Praktikanten Alaba und Badstuber

Hopfner besucht die Schule immer wieder mit Spielern, nur während Corona ist das nicht möglich. „Alle sind beeindruckt, was für eine tolle Arbeit hier geleistet wird", sagt der langjährige FCB-Vorstand, „und ich stelle immer wieder fest: Diese Besuche erden einen. Ich kann das jedem nur empfehlen." Nauerz ist froh über den Austausch, der für beide Seiten lehrreich ist: „Die Spieler des FC Bayern werden sich bei ihren Besuchen bewusst, dass in ihrem Leben die körperliche Leistungsfähigkeit ein ungemein zentrales Element ist - damit kommen sie aus einer ganz anderen Welt als unsere Schüler. Es ist toll zu sehen, wie man dann hier zueinanderfindet." David Alaba machte in der Landesschule ein Praktikum, ebenso Mehmet Ekici und Holger Badstuber als Physiotherapeut. Badstuber brachte ein Mannschaftsposter mit, unterschrieben von allen Spielern. Noch heute hängt es an der Wand, dort, wo ein Laufband steht. Wenn die Kinder Geh- und Laufübungen absolvieren, haben sie den FC Bayern so immer im Blick. Neulich erzählte ein Junge während seiner Reha-Einheit dem Therapeuten im Detail, welcher Spieler im Laufe der Zeit wohin gewechselt ist. Er wusste alles genau - und er wusste eine Menge. Von damals sind heute nur noch Thomas Müller und Manuel Neuer im Kader.

211212_Hilfe-eV_Besuch_Bayerische_Landesschule_4_FCB
Nicht nur dank der Geschenke der FCB-Delegation - die Roten sind stets präsent in der Schule.

Natürlich ist der FC Bayern in der Schule immer ein Thema, erzählt Nauerz auf dem Rundgang, während das eine oder andere Kind wie zum Beweis tatsächlich im FCB-Trikot vorbeiflitzt. Marc aus der sechsten Klasse begleitet die Besuchergruppe auf dem Rundgang, er trägt einen roten Pulli des Rekordmeisters. Ludwig schaut mit seinen Kollegen Fernando und Loredan von der Schülerzeitung vorbei, um den Gast vom FCB zu interviewen - er hat extra seinen Hoodie vom SV Waldperlach angezogen, für den er als rechter Verteidiger spielt. Seine Vorbilder? Benjamin Pavard und Niklas Süle, antwortet er. Vom Schulhof draußen hört man Hähne krähen, und das lässt Nauerz schmunzeln. Mit dem FCB-Geld hat man einen eigenen Hühnerstall aufgebaut, erziehungsunterstützend werden klassenweise Betreuungsdienste für die Tiere vergeben, was einen extrem hohen Stellenwert bei den Schülerinnen und Schülern hat, wie der Direktor berichtet. Gestartet ist man mit sechs Hennen - man wollte eigentlich bewusst nur Hennen -, aber dann brüteten sie Eier aus, und plötzlich hatte man eben auch Hähne. Die Population der Tiere hat sich seitdem verdoppelt. Aber auch diese Anekdote beweist, wie produktiv und vielschichtig die Hilfe des FC Bayern Hilfe eV ist.

Hier sieht man: Wir können das Leben der Menschen mit einfachen Mitteln erleichtern.

Karl Hopfner

„Wir können das Leben der Menschen erleichtern", sagt Hopfner am Ende des Rundgangs. „Mit einfachen Mitteln, das sieht man allein hier in der Landesschule." Der Personalaufwand des Hilfe eV ist minimal, die Geschicke leitet er mit seinen Vorstandskollegen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sowie Elke Keller, Assistentin des FCB-Präsidenten. „Daher geht jede Spende zu 100 Prozent an Bedürftige, wir haben keine Abzüge", erzählt Hopfner. „Und natürlich kann man Spenden an den Hilfe eV auch steuerlich geltend machen." Man könne allen nur immer wieder danken, Mitgliedern wie Nicht-Mitgliedern und Fanclubs, die zum Beispiel den Erlös von Weihnachtsfeiern und Ähnlichem zur Verfügung stellen. Digitale Tafeln, Werkzeuge, Hühner und Bilderrahmen werden von solchen Spenden beispielsweise gekauft - Rahmen, in denen aktuell Motive aus dem Universum hängen. Motive, die den Schülerinnen und Schülern der Landesschule zeigen, dass es keine Grenzen gibt. Für niemanden.

Im Sommer sammelte der FC Bayern Hilfe eV bereits 100.000 Euro für die Opfer der Flutkatastrophe.


Themen dieses Artikels

Diesen Artikel teilen