
Das tat gut. Nach drei Spielen ohne Sieg vor der Länderspielpause, in denen die Leistung zwar größtenteils stimmte, die Ergebnisse jedoch nicht, und drei Partien ohne Treffer von Torjäger Harry Kane war dieser Oktoberabend Balsam für die Seele: das 4:0 gegen die bis dato drittbeste Offensive der Bundesliga, den VfB Stuttgart, und inklusive des ersten lupenreinen Hattricks von Kane im Bayern-Trikot in einer famosen zweiten Halbzeit. Diese rauschende Schlussphase im Südschlager macht Lust auf mehr. Am Dienstag geht es für den Bayern-Tross zum wichtigen Champions League-Auswärtsspiel nach Barcelona an die Mittelmeer-Küste. „Wir haben gewonnen und können den Moment genießen, ehe es gegen Barcelona geht“, so Bayern-Coach Vincent Kompany nach Schlusspfiff.
Die Kane-Show im zweiten Akt

Doch zunächst zurück zum Jubelabend gegen Stuttgart. Fiel die erste Halbzeit doch noch recht ereignisarm aus, überschlugen sich nach dem Seitenwechsel die Ereignisse. In Minute 57 bekam Kane die Kugel von Joshua Kimmich, der gegen seinen Jugendverein sein 400. Pflichtspiel für den FC Bayern absolvierte, im Rückraum zugespielt und traf aus der Distanz zum wichtigen 1:0. Der Jubel des Engländers und seiner Mitspieler stand unter dem Leitspruch „what it means“, wie man in Kanes Heimat wohl sagen würde. Da fiel mächtig Druck vom 31-Jährigen ab, die Freude stand ihm im Gesicht geschrieben. Er ballte die Faust und jubelte in die Richtung von Coach Kompany, der es seinem Goalgetter gleichtat. Das tat gut. „Das erste Tor war sehr wichtig. Das hat das Spiel geöffnet“, sagte Kane. „Ich glaube immer an mich. Es ist das Stürmerschicksal, dass es Diskussionen gibt, wenn man nicht trifft. Ich bin einfach nur glücklich.“
Das erste Tor war sehr wichtig. Das hat das Spiel geöffnet. Ich glaube immer an mich. Es ist das Stürmerschicksal, dass es Diskussionen gibt, wenn man nicht trifft. Ich bin einfach nur glücklich.
Harry Kane
„Er arbeitet viel für die Mannschaft. Das wird oft vergessen“, sagte Sportvorstand Max Eberl. „Die anderen beiden hat er dann nachgelegt, um zu zeigen, was für einen Killerinstinkt er hat.“ Mit acht Toren nach sieben Spielen steht der Mittelstürmer nun wieder in Schlagdistanz zu Bundesliga-Toptorjäger Omar Marmoush (neun).
Es ging munter weiter. Drei Minuten danach bot sich Kane die Großchance zum 2:0, doch Bayern-Leihgabe Alexander Nübel im schwäbischen Kasten parierte stark. Eine Zeigerumdrehung danach war aber auch er im Münchner Sturmlauf machtlos. Nach einem feinen Hackenassist vom umtriebigen Thomas Müller hielten die 75.000 Zuschauenden im Stadion kurz den Atem an und fragten sich: Was ist da gerade passiert? Die Fakten: Es stand plötzlich 2:0 für die Kompany-Elf. Die Zwischentöne: Standing Ovations für Harry Kane! Wie er in dieser Szene den Ball gegen mehrere Gegenspieler behauptete, ihn kurz anlupfte und dann vollstreckte, war schlichtweg weltklasse. „Harry hat in den letzten Spielen hart gearbeitet für die Mannschaft. Wir spielen zu null, nicht weil er drei Tore schießt, sondern weil er mitverteidigt“, betonte Kompany, der darauf anspielte, dass sich Kane auch gegen den letztjährigen Vizemeister häufig fallen ließ und nicht nur im vorderen Drittel omnipräsent war.



