

Jubiläum
Fr., 28.11.25, 16:20
Julius Hirsch Preis des DFB: Preisträger mit Unterstützung des FC Bayern Hilfe eV
Eine Grußbotschaft von Nationalspielerin Giulia Gwinn und eine bewegende Rede von Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Das Jubiläum „20 Jahre Julius Hirsch Preis“ ist in Hamburg feierlich gewürdigt worden - und auch der FC Bayern war als erster Preisträger im Jahr 2005 Teil der Veranstaltung, insgesamt ging die Auszeichnung bisher zwei Mal an den deutschen Rekordmeister und seine Fans (2014 an die „Schickeria“). Im Jubiläumsjahr zählt der FC Mainaustraße eV aus München zu den Preisträgern: Gegründet von Geflüchteten, spielt der Club heute in der A-Klasse des Bayerischen Fußball Verbandes. Einer der Starthelfer der Erfolgsgeschichte war der FC Bayern Hilfe eV, der die Entwicklung 2019 mit einer Spende unterstützte.
Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern: „Glückwunsch an alle Ausgezeichneten – nicht zuletzt an den FC Mainaustraße. Der Julius Hirsch Preis ist ein Signal des DFB gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung. Durch ihn wird die Verantwortung des Sports wachgehalten, gesellschaftliche Werte aktiv vorzuleben – über das Spielfeld hinaus. Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spannungen ist dieser Preis ein Mahnmal, nicht nachzulassen: Der Sport sollte sich positionieren, wenn es um Werte wie Toleranz, Weltoffenheit und Vielfalt geht oder sie gar infrage gestellt werden.“
2005 hatte der FC Bayern den Preis für die Ausrichtung des „Match of Peace“ zwischen seinem U-17-Team und einer israelisch-palästinensischen Auswahl in der Allianz Arena erhalten. Neun Jahre später wurden die Fans der „Schickeria“ wegen ihrer Verdienste um die Würdigung des Lebenswerks des früheren Präsidenten Kurt Landauer ausgezeichnet. Der Preis gedenkt dem Schicksal des Nationalspielers Julius Hirsch, der 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft bei seinem damaligen Verein Karlsruher FV ausgeschlossen und 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.

Der Sport sollte sich positionieren, wenn es um Werte wie Toleranz, Weltoffenheit und Vielfalt geht oder sie gar infrage gestellt werden.Herbert Hainer
Bei der Veranstaltung in Hamburg war der FC Bayern durch die Leitung seiner Initiative „Rot gegen Rassismus“ Benny Folkmann und Andreas Werner vertreten. Folkmann wandte sich an die 350 geladenen Gäste, unter ihnen der ehemalige Profi und Gründer der Initiative „ROOTS against racism“ Otto Addo, die Fußball-Ikone Horst Hrubesch sowie Mitglieder der Familie Hirsch: „Erinnern allein reicht nicht. Hier im Saal müssen wir niemanden überzeugen, aber bei einer stetig zunehmenden Spaltung der Gesellschaft ist es wichtig, dass wir die Menschen an den Stammtischen oder in den Vereinen empowern, ihnen Rechtssicherheit geben, sie argumentationsfest machen, um für die Werte des Sports und unserer Demokratie einstehen zu können.“
Dem FC Bayern ist nicht zuletzt die Erinnerungskultur ein wichtiges Anliegen. Nachdem er beim Institut für Zeitgeschichte eine unabhängige Studie zur Vereinsgeschichte während der Zeit der Nationalsozialisten in Auftrag gegeben hatte, integrierte das FC Bayern Museum die Erkenntnisse, dass es Täter wie Opfer in den Reihen des Vereins gegeben hat. Der Club setzt unterschiedlichste Aktivierungen um; unter anderem beleuchtete er erst im Sommer bei der Klub-WM in den USA das Thema einmal mehr mit seiner Wanderausstellung „Der FC Bayern im Nationalsozialismus: Opfer, Mitläufer, Täter“.
Zudem organisiert „Rot gegen Rassismus“ regelmäßig entsprechende Veranstaltungen. Ein besonderes Augenmerk liegt jedes Jahr auf dem Internationalen Holocaust-Gedenktag Ende Januar, bei dem Mitglieder und Mitarbeitende des FC Bayern sowie der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern gemeinsam Schabbat feiern. Das Leitmotiv der Initiative lautet „Begegnungen“, und diese Veranstaltung ermöglicht den Austausch zwischen Menschen, bei denen es im Alltag eher selten zu Überschneidungen kommt. Ein Höhepunkt war 2025 zudem das Zeitzeugengespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Abba Naor mit Mitarbeitenden an der Säbener Straße.
Präsident Hainer hatte im „DFB Journal“ anlässlich von „20 Jahre Julius Hirsch Preis“ die gesellschaftliche Haltung des FC Bayern unterstrichen. „Was wir brauchen, ist ein positives Narrativ bei der Konfrontation mit demokratiefeindlichen Kräften. Unsere Demokratie garantiert uns seit über 70 Jahren eine Freiheit, wie es sie in Europa vorher nie gab, sowie dauerhaften Frieden – es ist wichtig, sich dafür einzusetzen und jeden kritisch zu hinterfragen, der Werte wie Toleranz und Weltoffenheit anzweifelt. Wer ausgrenzt, verliert – im Sport wie im Leben“, sagte er. „Und daher wiederhole ich im Namen der ganzen FC Bayern-Familie aufs Neue in einer Zeit, in der spaltende Kräfte versuchen, unsere Demokratie zu gefährden: Nie wieder! Nicht heute, nicht morgen – und vor allem nicht mit uns! Was wir als Vereine und Verbände vermitteln können: Zivilcourage beginnt mit Mut – und zwar im Kleinen, nicht im Rampenlicht.“
Neuendorf betonte auf der Veranstaltung, der DFB werde die Erinnerung an Julius Hirsch weitertragen – „auch und gerade in Zeiten wie diesen. Der deutsche Fußball wird nicht nachlassen: Wir sagen Nein, wenn Menschen aus rassistischen und fremdenfeindlichen Gründen ausgegrenzt, beleidigt oder angegriffen werden. Wir sagen Nein zu jeder Form von Diskriminierung. Und wir werden - auch das ist eine Lehre aus unserer Geschichte - uns immer und mit allem Nachdruck gegen Antisemitismus zur Wehr setzen.“
Jedes Jahr ehrt der DFB mit dem Julius Hirsch Preis Organisationen oder Personen, die in besonderer Weise ihre gesellschaftliche Position nutzen, um sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen. Der Preis gedenkt dem Schicksal des deutschen Nationalspielers, der 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft bei seinem damaligen Verein Karlsruher FV ausgeschlossen und 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.
Der FC Bayern Hilfe eV feiert wie der Julius Hirsch Preis in diesem Jahr sein 20. Bestehen. Da die von Karl Hopfner, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge geleitete Institution keinen Verwaltungsapparat unterhält, fließt jeder Cent an Menschen in Not. Nähere Informationen sowie die Spendenadresse findet Ihr auf dieser Seite.

Themen dieses Artikels


