

Um ein Haar hätte Borussia Dortmund am vergangenen Samstag sogar noch mehr als einen Punkt aus Leipzig mitnehmen können. „Wir hatten am Ende sogar noch die Chance, das Spiel zu gewinnen“, ärgerte sich BVB-Coach Niko Kovač und meinte damit die Großchance von Julian Brandt, der drei Minuten nach dem Ausgleichstreffer von Fábio Silva in der Nachspielzeit (90.+5 Minute) den Spielstand beinahe komplett auf den Kopf gestellt hätte. Er scheiterte aber an Leipzigs Schlussmann Maarten Vandevoordt. Aber auch wenn ein Sieg drin gewesen wäre, waren die Dortmunder mit dem Punktgewinn am vergangenen Spieltag zufrieden. Nach dem zwischenzeitlichen 0:2 zur Pause hätte ihn den wohl nicht jeder noch zugetraut. „Das, was in der zweiten Halbzeit passiert ist, ist Mentalität. Das ist Klasse, das ist Wiederaufstehen. Deswegen haben wir uns den Punkt auch verdient“, so Kovač weiter.
Konstant und mit Mentalität

Es war nicht das erste Mal in der laufenden Saison, dass sich der BVB mit Willenskraft zurück in eine Partie gekämpft hat. Die Debatte um fehlende Mentalität wird in Dortmund schon lange nicht mehr geführt – auch weil 2025/26 in vier Bundesliga-Spielen ein Treffer in der Nachspielzeit Zähler einbrachte. Unter dem Strich sind die Schwarz-Gelben seit 16 Bundesliga-Spielen unbesiegt und damit ligaweit am längsten. Wie der FC Bayern musste der BVB erst eine Niederlage in der Liga hinnehmen – die aber im direkten Duell am siebten Spieltag (1:2), was vor dem Wiedersehen am Samstag entscheidend zum Acht-Punkte-Rückstand auf den Rekordmeister beiträgt.
Defensivstark trotz Personalsorgen
Nichtsdestotrotz ist Dortmund seit dem 15. Spieltag durchgehend erster Verfolger der Bayern in der Bundesliga. Die neue Konstanz trägt nicht zuletzt die Handschrift von Trainer Niko Kovač. Mit seinem pragmatischen Ansatz verordnete der Kroate dem BVB defensive Stabilität anstelle des teilweise spektakulären Offensivfußballs der letzten Jahre. Nach dem FCB (21) musste Dortmund die wenigsten Gegentore in der laufenden Bundesliga-Saison hinnehmen, ähnlich verhält es sich bei den gegnerischen Torschüssen (FCB: 219/BVB: 241). In Sachen Zu-null-Spiele (elf) und gegnerische Großchancen (22) ist die Borussia sogar führend. Das Ganze gelang trotz großer Personalsorgen in der Innenverteidigung: Abwehrchef Niko Schlotterbeck fehlte zuletzt genauso verletzt wie Kapitän Emre Can und Ex-Bayern-Profi Niklas Süle.

In der defensiven Dreierkette vertraute Kovač daher zuletzt dem erst 18-jährigen Luca Reggiani, der seine Sache in der Champions League gegen Bergamo sowie in der Bundesliga in Leipzig ordentlich machte. Zwar könnte Schlotterbeck rechtzeitig bis Samstag wieder fit werden, dafür muss die Borussia nun einen weiteren Ausfall verkraften: Julian Ryerson sah am vergangenen Wochenende seine fünfte Gelbe Karte in der Saison und muss gegen die Bayern eine Sperre absitzen. Das Fehlen des Schienenspielers dürfte den BVB nicht nur in der Defensive schmerzen, war der Norweger als bester Vorbereiter der Liga (elf Assists) nach Michael Olise (16) zuletzt überlebenswichtig für die Borussia.
In der Luft ist der BVB gefährlich
Auch dank der scharfen Hereingaben von Ryerson ist Dortmund laut offizieller DFL-Zählung Ligaprimus bei Kopfballtoren (elf) sowie Toren nach Ecken (neun) und Flanken aus dem Spiel heraus (zehn). Insgesamt stellt der BVB so nach Bayern (85) den besten Angriff (49) der Liga. Zumal Kovač hier zuletzt im Vergleich zur Abwehr personell wieder aus dem Vollen schöpfen konnte: Angreifer Serhou Guirassy zeigte sich mit fünf Toren in seinen jüngsten vier Liga-Einsätzen in blendender Verfassung und dürfte gesetzt sein. Der Konkurrenzkampf um die weiteren Positionen in der Offensive ist groß und Kovač kann diese mit Karim Adeyemi, Julian Brandt, Maximilian Beier oder Fábio Silva nahezu gleichwertig besetzen. Entscheidend dürfte sein, wer nach dem Playoff-Rückspiel bei Atalanta Bergamo am Mittwoch die nötige Fitness für den Bundesliga-Gipfel hat.

Einen weiteren Trumpf, den die Borussia ins Spiel am Samstag nehmen wird, ist die eigene Heimstärke. Als einziges Team hat Schwarz-Gelb in dieser Bundesliga-Saison noch nicht im eigenen Stadion verloren (neun Siege, zwei Remis), zuletzt gab es sogar sechs Bundesliga-Siege in Folge vor den eigenen Fans. Lediglich achtmal musste BVB-Keeper Gregor Kobel im laufenden Wettbewerb im Westfalenstadion hinter sich greifen. Können die heimstarken Borussen nun also auch dem Tabellenführer ein Bein stellen?
Knackt der FCB die Festung Signal Iduna Park?

„Sie glauben, dass sie gegen uns etwas holen können. Wir glauben das Gleiche. Das ist ein Topspiel“, meinte FCB-Chefcoach Vincent Kompany, der mit seinem Team auch allen Grund hat, selbstbewusst in das Spitzenspiel zu gehen. Die Münchner sind nicht nur saisonübergreifend seit 20 Bundesliga-Gastspielen ungeschlagen, sie verloren auch keines der vergangenen sieben Duelle beim BVB in der Meisterschaft (fünf Siege, zwei Remis). Die letzte FCB-Niederlage dort gab es im November 2018. Ausgerechnet der jetzige BVB-Trainer Niko Kovač dürfte wissen, was damals den Ausschlag zugunsten der Borussia gab – er stand damals noch für den FC Bayern an der Seitenlinie.
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