

Wenn der FC Bayern in Bergamo antritt, ist auch in Südtirol die Vorfreude auf das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League groß. Andreas Steinmann vom Fanclub „Weinbeisser Kaltern“ erklärt, was Bayern-Fans in der lombardischen Fußballstadt erwartet - von der besonderen Atmosphäre im Stadion zu seinen Tipps für Stadt, Stadion und Spieltag von Bayernfan zu Bayernfan.
Bayern-Fan Andreas erklärt: Das müsst ihr über euren Trip nach Bergamo wissen

Die Weinberge rund um Kaltern liegen noch im Winterschlaf über dem Kalterer See, darüber ragen die Gipfel der Dolomiten in den Frühlingshimmel. In einem Vereinslokal im Dorf aber geht es längst um etwas anderes: um das Achtelfinale gegen Atalanta Bergamo, das Hinspiel am 10. März (21:00 Uhr) - und natürlich um den FC Bayern. Plötzlich lodert die rot-weiße Leidenschaft.
Hier trifft sich der Fanclub „Weinbeisser Kaltern“, rund 350 Mitglieder stark, vereint durch die gleiche Passion. Seit Jahrzehnten machen sich Bayern-Fans aus dem Südtiroler Weinort regelmäßig auf den Weg zu Spielen des Rekordmeisters - meist über den Brenner nach München.
Mittendrin: Andreas Steinmann. „Die Südtiroler Fußballfan-Landschaft ist im Grunde in zwei Lager geteilt“, sagt er im Gespräch mit fcbayern.com. „Die einen verfolgen die Serie A, die anderen halten schon seit jeher den großen Clubs der Bundesliga die Daumen. Uns liegt die bayerische Mentalität einfach näher.“
Wie aus einer Idee ein Fanclub wurde

Die Geschichte des Fanclubs beginnt im Jahr 2007. Damals waren viele Kalterer Bayern-Fans noch Teil eines Fanclubs in der Landeshauptstadt Bozen. Als sich dieser auflöste, sahen einige Gleichgesinnte ihre Chance. „Der Gedanke eines eigenen Fanclubs in Kaltern schwirrte schon länger in unseren Köpfen herum“, erinnert sich Andreas.
Am 12. Dezember 2007 war es schließlich soweit: Gründungspräsident Manfred Pernthaler, sein damaliger Stellvertreter Tobias Gutmorgeth - heute Präsident des Fanclubs - sowie sechs weitere Bayern-Fans aus Kaltern hoben die „Weinbeisser“ offiziell aus der Taufe. Der Name ist dabei kein Zufall. „Wir haben etwas gesucht, das zu unserer Herkunft passt“, erzählt Andreas. „Und da bei unseren Sitzungen meist ein Glas Kalterer See nicht fehlte, sind wir irgendwann beim Namen Weinbeisser gelandet.“
Bayern-Spieltag auf Südtiroler Art

Wenn der FC Bayern spielt, kommt man in Kaltern zusammen. Im eigenen Vereinslokal verfolgen die Mitglieder jedes Spiel gemeinsam. „Hier wird gefeiert, gelitten und diskutiert“, sagt Andreas. „Und sollte es mal Rückschläge geben, verarbeitet man die in der Gemeinschaft einfach besser.“
Besondere Höhepunkte sind die gemeinsamen Fahrten nach München. Bei Heimspielen starten die Busse oft schon früh am Morgen. Unterwegs gibt es eine Pause an einer Raststätte, später geht es meist noch in die Münchner Innenstadt, bevor der Weg zur Allianz Arena führt. Nach dem Spiel geht es direkt wieder zurück Richtung Heimat. „Bei Auswärtsspielen nehmen wir uns manchmal auch einen Tag länger Zeit.“
Die Tradition der Bayern-Fans in Kaltern reicht dabei weit zurück. Schon in den 1960 und 70er-Jahren fieberten viele Südtiroler mit dem FC Bayern mit. Zu Zeiten des Olympiastadions führten zahlreiche Fahrten über den Brenner nach München, lange bevor es offizielle Fanclubs gab.
Von Beckenbauer bis Pavlović

Auch bei den Lieblingsspielern zeigt sich, wie viele Generationen im Fanclub vertreten sind. Die ältere Generation schwärmt noch heute von Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier. Die Gründungsmitglieder sind mit Lothar Matthäus und Mehmet Scholl aufgewachsen.
Unvergessen bleibt für die Weinbeisser auch ein besonderer Besuch: David Alaba war 2012 bei einer Weihnachtsfeier des Fanclubs in Kaltern zu Gast. Bei den jüngsten Fans stehen heute Spieler wie Jamal Musiala und Harry Kane hoch im Kurs. Besonders beliebt ist aber auch Eigengewächs Aleksandar Pavlović.
Atalanta aus italienischer Sicht
In Italien genießt der FC Bayern seit Jahrzehnten großen Respekt. „Der FCB wird hier als einer der großen Traditionsclubs Europas wahrgenommen“, sagt Andreas. Viele italienische Fans erinnern sich an legendäre Europapokalduelle mit den Münchnern.
Der Gegner aus Bergamo hat sich allerdings ebenfalls einen Namen gemacht. „Atalanta war lange ein klassischer Mittelklasseverein“, erklärt Andreas. „In den letzten Jahren hat sich der Club aber unter den Topteams der Serie A etabliert und regelmäßig international gespielt.“
Die New Balance Arena gilt als eines der stimmungsvollsten Stadien Italiens. „Es ist kompakt, nah am Spielfeld und unglaublich laut“, beschreibt Andreas die Atmosphäre. „Gerade bei europäischen Spielen ist Bergamo elektrisiert.“
Bergamo erleben - Tipps für Bayern-Fans

Wer zum Spiel nach Bergamo reist, sollte die Stadt unbedingt entdecken. Andreas empfiehlt vor allem einen Besuch der Città Alta, der historischen Oberstadt auf dem Hügel. Die mittelalterlichen Gassen, die Aussicht über die lombardische Ebene und die einzigartige Atmosphäre machen sie zum absoluten Highlight.
Kulinarisch steht Bergamo für eine bodenständige Küche aus der Lombardei mit viel Polenta, Butter, Salbei, Käse und kräftigen Aromen. Auch organisatorisch ist die Anreise unkompliziert. Das Stadion liegt etwa 20 bis 25 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum entfernt, vom Bahnhof Bergamo fahren mehrere Busse Richtung Stadion. Der Flughafen Orio al Serio liegt nur etwa 15 Minuten entfernt.
Andreas rät Bayern-Fans dennoch, genügend Zeit einzuplanen. „Mindestens 60 bis 90 Minuten vor dem Spiel da sein“, empfiehlt er. Rund um das Stadion sei es früh sehr voll, die Atmosphäre aber schon lange vor Anpfiff spürbar.
Ein persönlicher Bayern-Moment
Seine eigene Bayern-Geschichte begann vor rund 20 Jahren, mit einer Busfahrt nach München. „Mein Patenonkel hat mich damals mitgenommen“, erzählt Andreas. „Die lange Fahrt, die vielen Fans im Bus und dann dieses große Stadion - das war für mich ein riesiges Abenteuer.“
Ein besonders emotionaler Moment folgte viele Jahre später, 2023 in Kaltern. Dort fand das traditionelle Traumspiel statt, das die Weinbeisser im Namen der Südtiroler Bayern-Fans organisierten. „Nach monatelanger Arbeit plötzlich so nah an unseren Stars zu sein, das war einfach unbezahlbar.“
Was „Mia san mia“ für Andreas bedeutet
Für Andreas steht das berühmte Motto des FC Bayern für mehr als nur Selbstbewusstsein. „Mia san mia bedeutet Zusammenhalt und den festen Glauben an die eigene Stärke“, sagt er. „Egal ob nach einer Niederlage oder vor einem großen Finale.“
Andreas’ Botschaft an reisende Bayern-Fans
Sein Rat an alle, die nach Bergamo reisen: „Genießt diese Europapokalreise bewusst. Schlendert durch die Gassen, probiert das Essen und saugt die Stimmung im Stadion auf.“ Und dann fügt er noch einen Wunsch hinzu: „Europäische Nächte sind etwas Besonderes. Unterstützt die Mannschaft lautstark, bleibt fair - und kommt mit unvergesslichen Erinnerungen zurück.“
Dass er damit natürlich auch einen Bayern-Sieg meint, steht außer Frage.
Wir haben unseren kommenden Gegner etwas genauer unter die Lupe genommen:

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