

Einen magischen Europapokal-Abend erlebten die Fans des FC Bayern am Dienstag in Bergamo. Als die Münchner bereits nach 67 Minuten mit sechs Toren in Führung lagen, blickte man in der Bayern-Kurve in ungläubige, vor Freude völlig entfesselte Gesichter. Durch den 6:1-Erfolg bei Atalanta brachten sich Aleksandar Pavlović, Michael Olise und Co. in eine optimale Ausgangslage für das Rückspiel in der Allianz Arena. Noch nie zuvor hat der deutsche Rekordmeister ein Gastspiel in einer K.o.-Phase so hoch gewonnen. Das Duell bei Legia Warschau in der ersten Runde des UEFA-Cups 1988 war das bislang einzige Ausscheidungsspiel gewesen, in dem der FCB auswärts sechs Treffer bejubelte – bis die Elf von Vincent Kompany dieses Kunststück am Dienstag in Bergamo wiederholte. Anlass genug, einen Blick auf die höchsten Auswärtserfolge des FC Bayern im Europapokal zu werfen:
1. Oktober 2019: Als Serge Gnabry & Co. London erstarren ließen

Wer sich an die Triple-Saison 2020 zurückerinnert, dem kommen viele magische Königsklassen-Nächte in den Sinn. Natürlich, an erster Stelle steht das Endspiel in Lissabon, in dem die Bayern dank des Goldenen Treffers von Kingsley Coman mit 1:0 über Paris Saint-Germain triumphierten. Auch das denkwürdige 8:2 im Viertelfinale beim FC Barcelona, als der Stern von Alphonso Davies nach dessen legendärem Sololauf endgültig aufging, hat sich fest eingeprägt. Ihre Ambitionen untermauerten die Münchner damals schon in der Gruppenphase, als sie Tottenham Hotspur mit 7:2 aus ihrem gerade neu eröffneten Stadion schossen. Nach zwölf Minuten in Rückstand gelegen, schalteten Joshua Kimmich und Kollegen drei, vier, vielleicht fünf Gänge hoch, drehten die Partie noch vor dem Seitenwechsel und zeigten in Durchgang zwei kein Erbarmen mit den Spurs. Der Mann des Spiels trug die Nummer 22: Serge Gnabry brillierte als Vierfachtorschütze mit sehenswerten Ballannahmen und präzisen Abschlüssen.
25. Februar 2009: Luca Toni & Franck Ribéry lehren Sporting das Fürchten

Dass das Achtelfinale der Champions League traditionell ein gutes Pflaster für den FC Bayern ist, stellten Bastian Schweinsteiger und Co. im Jahr 2009 eindrucksvoll unter Beweis. Dank eines 5:0-Erfolgs bei Sporting Lissabon stießen die Münchner die Tür zur Runde der besten acht Teams weit auf. Insbesondere im zweiten Spielabschnitt münzten die Münchner ihre Möglichkeiten konsequent in Tore um und ließen auf die 1:0-Pausenführung noch vier weitere Treffer folgen. Allen voran den beiden Doppeltorschützen Luca Toni und Franck Ribéry war es zu verdanken, dass der deutsche Rekordmeister mit einer komfortablen Führung ins Rückspiel gehen konnte. Diese Leichtigkeit beflügelte die Münchner so sehr, dass sie Sporting in der Allianz Arena mit 7:1 überrollten. Eine Galavorstellung von Anfang bis Ende.
6. März 2008: Fünf Torschützen und ein skurriler Platzverweis in Anderlecht

Schon ein Jahr zuvor durften die FCB-Fans im Achtelfinale des Europapokals einen 5:0-Auswärtssieg bejubeln. Damals brachte die Mannschaft von Coach Ottmar Hitzfeld in einer einseitigen Partie beim RSC Anderlecht eine überzeugende Vorstellung auf den Rasen. Ja, der FCB profitierte damals auch von einem kuriosen Platzverweis gegen Anderlecht-Verteidiger Marcin Wasilewski, der vor dem Pausenpfiff binnen 120 Sekunden zwei Gelbe Karten gesehen hatte. Nichtsdestotrotz blieben die Bayern in Überzahl voll auf dem Gaspedal und schraubten den Spielstand in Hälfte zwei in die Höhe. In Hamit Altintop, Luca Toni, Lukas Podolski, Miroslav Klose und Franck Ribéry trugen sich am Ende fünf Spieler in die Torschützenliste ein.
26. September 1995: Rehagel-Elf mit nervenstarkem Auftritt in Moskau
Mit einem 5:0-Auswärtssieg bei Lokomotive Moskau legte das Team von Trainer Otto Rehagel den Grundstein für seine Erfolgsgeschichte im UEFA-Cup 1995/96. Der FC Bayern stand nach dem 0:1 im Hinspiel gehörig unter Druck, wäre ein Erstrunden-K.o. doch einer sportlichen Katastrophe gleichgekommen. Weil Jürgen Klinsmann (2), Andreas Herzog und Mehmet Scholl mit ihren Treffern schon in den ersten 45 Minuten den Deckel drauf machten und Thomas Strunz in der Schlussphase das Tor zum Endstand besorgte, wendeten die Münchner das Worst-Case-Szenario am Ende jedoch relativ souverän ab. So furios die Spielzeit des deutschen Rekordmeisters im Europapokal begonnen hatte, so erfolgreich endete sie schließlich mit dem gewonnenen Finale gegen Girondins Bordeaux (2:0, 3:1).
15. September 1976: Fulminante 30 Minuten reichen für Runde zwei

Einen klangvollen Auftakt in den Europapokal legte der FC Bayern auch in der Saison 1976/77 hin. Durch den 5:0-Erfolg bei Køge BK aus Dänemark standen Uli Hoeneß und Co. bereits mit einem Bein in der zweiten Runde; zuhause im Olympiastadion reichte ein knapper 2:1-Sieg leicht fürs Weiterkommen. Nach einer bärenstarken ersten halben Stunde im Hinspiel führten die Münchner durch die Tore von Conny Torstensson und Gerd Müller (je zwei) schon mit 4:0 und nahmen das Tempo nach dem Seitenwechsel raus, ehe Bernd Dürnberger in der zweiten Halbzeit den Endstand erzielte.
17. September 1975: Erstrundensieg in Luxemburg stellt Weichen für Titelgewinn

Schon im Jahr davor hatten die Bayern einen 5:0-Erstrundenerfolg im Europapokal der Landesmeister gefeiert. Rainer Zobel eröffnete den Torreigen bei Jeunesse Esch aus Luxemburg mit einem Doppelpack in Hälfte eins, nach Wiederanpfiff legten Ludwig Schuster und Karl-Heinz Rummenigge (2) nach. Am Ende der Spielzeit triumphierten die Münchner in der damaligen Königsklasse durch das Tor von Franz Roth im Finale in Glasgow gegen die AS Saint-Étienne (1:0).
10. März 2026: Nicolas Jackson und Co. in Bergamo nicht zu stoppen

Unermüdlicher Einsatz gegen den Ball und Spielzüge wie aus einem Guss: Im Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse des FC Bayern bei Atalanta Bergamo griff ein Rad ins andere – und am Ende stand ein 6:1 auf der Anzeigetafel. „Besser geht’s fast nicht“, sagte auch Aleksandar Pavlović nach der Partie. Michael Olise traf mit zwei traumhaften Schlenzern ins lange Eck, auch Serge Gnabry, Nicolas Jackson, Josip Stanišić und Jamal Musiala trugen sich in die Torschützenliste ein. Die Ausgangslage für das Rückspiel in München könnte kaum besser sein – vor heimischem Publikum gilt es nun, den Einzug ins Viertelfinale perfekt zu machen.
26. November 2019: Robert Lewandowski schießt FCB in Belgrad zum Gruppensieg

An diese Auswärtsreise nach Belgrad in der Saison 2019/20 erinnern sich die Fans des deutschen Rekordmeister ebenfalls gerne zurück. Am Ende stand ein 6:0 aus Sicht der Bayern auf dem Spielberichtsbogen, Robert Lewandowski schoss eine Mannschaft mit einem Viererpack am 5. Spieltag beinahe im Alleingang zum Gruppensieg. Leon Goretzka leitete den Kantersieg ein, Corentin Tolisso besorgte den Treffer zum Endstand – es sollte nicht die einzige Machtdemonstration in der erfolgreichsten Spielzeit der Clubgeschichte bleiben.
21. Oktober 2014: Bayerns Sieben-Tore-Gala in Rom

Da gerieten Francesco Totti, Daniele de Rossi und Co. vor den eigenen Fans im Stadio Olimpico ordentlich in die Bredouille. Die Enttäuschung der Roma-Anhänger nach der 1:7-Heimniederlage gegen den FC Bayern war groß. 90 Minuten lang hatte die Giallorossi gegen den deutschen Rekordmeister kein Land gesehen, zur Pause lagen die Italiener bereits mit 0:5 zurück. Arjen Robben (2), Mario Götze, Robert Lewandowski, Thomas Müller, Franck Ribéry und Xherdan Shaqiri sorgten mit ihren Toren für eine Machtdemonstration par excellence. In der Gruppe setzten sich die Münchner letztlich vor den zweitplatzierten Römern an die Tabellenspitze.
Michael Olise stach beim Sieg in Bergamo als Doppeltorschütze heraus:

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