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Serge Gnabry mit seinem Kochjubel während des Heimspiels des FC Bayern in der Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin
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Doppelpack gegen Union: Wie Alleskönner Gnabry die Offensive des FC Bayern bereichert

Joshua Kimmich musste nach dem 4:0-Heimsieg des FC Bayern gegen Union Berlin selbst ein bisschen schmunzeln, als er über seinen Teamkollegen sprach. „Zum Glück haben wir den verlängert“, sagte er ins Mikrofon – „direkt ein Doppelpack!“ Gemeint war natürlich Serge Gnabry, der mit zwei Treffern aus der spielfreudigen Münchner Offensive herausragte. „Serge war heute einfach Wahnsinn, überragend“, schwärmte Kimmich über die Nummer sieben. Es war einer dieser Nachmittage in der Allianz Arena, an dem Gnabry eindrucksvoll zeigte, welche Klasse in ihm steckt – und warum seine Vertragsverlängerung bis 2028 für den FC Bayern in der Offensive ein echte Weichenstellung ist.

Erster Bundesliga-Doppelpack seit Mai 2023

Der 29-Jährige erzielte im Duell mit den Eisernen seinen ersten Bundesliga-Doppelpack seit Mai 2023, damals beim 6:0 gegen Schalke. Zum insgesamt 13. Mal traf Gnabry in einem Ligaspiel mehr als einmal – ein statistischer Fingerzeig, den man inmitten der vielen Glanzlichter von Harry Kane, Jamal Musiala, Luis Díaz und Michael Olise leicht übersehen könnte. Gegen Union war es unmöglich, ihn zu übersehen.

Serge Gnabry trifft zum 4:0 während des Heimspiels des FC Bayern in der Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin
Serge Gnabry erzielte im Duell mit Union seine Saisontore neun und zehn für den FC Bayern. | © Getty Images

Der Angreifer, in den letzten beiden Partien nicht in der Startelf, hatte spürbar Frische getankt. „Ich bin in den letzten zwei Spielen nicht gestartet, hatte dadurch wahrscheinlich viel Energie. Ich wollte ein gutes Spiel machen und wieder etwas zeigen. Das ist mir heute zum Glück gelungen“, sagte Gnabry nach der Partie. Es klang sachlich – die Leistung auf dem Platz war es nicht.

Serge Gnabry: Ein Torjäger für alle Lagen

Sein 2:0 kurz vor der Pause war ein typisches Gnabry-Tor: Wach, schnell, entschlossen. Nach einer scharfen Kimmich-Hereingabe von rechts wollte Union-Keeper Frederik Rønnow in höchster Not klären, boxte den Ball aber genau vor die Füße von Gnabry. Der fackelte nicht lange und traf trocken zum 2:0-Halbzeitstand. Der Knoten war geplatzt.

Beim 4:0 zeigte sich dann das andere Element seines Spiels: das blitzartige Reagieren in komplizierten Situationen. Michael Olise tanzte sich an der Strafraumgrenze durch, sein Abschluss wurde geblockt – der Ball prallte zu Gnabry, der ihn wuchtig ins Tor drosch. Danach lief er zur Südkurve, setzte seinen bekannten „Rühr-Jubel“ an und ließ sich feiern. Ein Bild, das Bände sprach: Der Koch im vielleicht edelsten Offensivmenü Europas.

Beim FC Bayern trägt Serge Gnabry eine besondere Rückennummer:

Dass er ausgerechnet gegen Union seinen ersten Bundesliga-Treffer im zehnten Duell erzielte, rundete den Abend ab. Mittlerweile hat Gnabry gegen 17 der 18 aktuellen Erstligisten getroffen – nur der FC St. Pauli fehlt ihm noch in dieser Sammlung.

„Genauso gut wie die anderen“

In einer Offensive, in der die Strahlkraft von Kane, die Eleganz von Musiala, die Wucht von Díaz und die Finesse von Olise oft im Rampenlicht stehen, ist Gnabry für viele nach außen hin eher der Mitläufer im Star-Ensemble. Vincent Kompany sieht das völlig anders. „Es ist eine unserer größten Stärken, dass in der Offensive immer wieder jemand anderes herausragt“, sagte der Cheftrainer. „Heute war es Serge Gnabry. Ich freue mich sehr für Serge, weil er einer der Spieler ist, die häufig unterschätzt werden.“

Auf die Frage, was Gnabry mit Blick auf die prominent besetzte Offensive besonders auszeichnet, wurde Kompany grundsätzlich: „Dass er genauso gut ist. Ich bin immer gerne ein bisschen positiver über Serge Gnabry als alle anderen. Von Talent und Qualität gibt es ganz wenig Unterschied zu den anderen Jungs, die wir vorne haben.“

Leon Goretzka, Serge Gnabry und Konrad Laimer jubeln während des Heimspiels des FC Bayern in der Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin
Durch den 4:0-Heimsieg gegen Union stehen die Bayern in der Bundesliga bereits bei 97 Saisontoren. | © FC Bayern

Der Coach sprach damit einen Punkt an, der in der öffentlichen Wahrnehmung schnell untergeht. Gnabry ist in dieser Saison so etwas wie das formbare Element in Bayerns Angriff. 17-mal agierte er als hängende Spitze, siebenmal als Linksaußen, sechsmal im offensiven Mittelfeld, viermal rechts. Kaum ein anderer Offensivspieler im Kader deckt ein so breites Positionsspektrum auf diesem Niveau ab.

Die Vielseitigkeit als System-Schlüssel

Genau diese Variabilität macht Gnabry für Kompanys Spielidee so wertvoll. Weil die Offensivreihe ständig rotiert, Räume tauscht, Gegenspieler aus der Position bringt, braucht es Spieler, die die Prinzipien und Abläufe unabhängig von der Position verinnerlicht haben. „Je länger wir zusammenspielen, desto besser kennen wir uns“, erklärte Gnabry. „Unter dem Coach, jetzt seit eineinhalb Jahren, sind die Prinzipien immer klarer geworden. Jeder weiß auf seiner Position genau, was verlangt wird. Deshalb funktioniert es auch gut, egal wie wir rotieren.“

Gnabry ist in diesem System nicht nur Lückenfüller, sondern Taktgeber auf mehreren Rollen. Er kann sich zwischen den Linien fallen lassen wie ein Zehner, in die Tiefe starten wie ein Mittelstürmer, nach innen ziehen wie ein inverser Flügel oder klassisch hinterlaufen. In einer Offensive, die zahlenmäßig und qualitativ so dicht besetzt ist, wird Vielseitigkeit zur Währung – und Gnabry zahlt konstant ein.

Serge Gnabry schreit vor Freude und ballt die Fäuste während des Heimspiels des FC Bayern in der Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin
Auch in den kommenden Wochen will Serge Gnabry viele Tore bejubeln. Pünktlich zur heißen Saisonphase befindet sich unsere Nummer sieben in Topform. | © Getty Images

„Er ist manchmal zu oft verletzt und hat deshalb ein bisschen öfter gefehlt, und das hat dann seine Konstanz ein bisschen runtergebracht“, gab Kompany zu. „Aber insgesamt hat er für uns diese Saison immer geleistet, ob im Zentrum oder links oder rechts außen. Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine.“

Zahlen, die für sich sprechen

34 Pflichtspiele, zehn Tore, zehn Vorlagen – Gnabrys Saisonbilanz liest sich gerade in diesem Kontext bemerkenswert. In einer Mannschaft, die bereits bei 97 Saisontoren steht, wirkt ein zweistelliges Tor- und Assistkonto fast normal. Doch genau das ist der Punkt: Gnabry liefert in einer Offensive, die vor Qualität und Optionen strotzt.

„Dass wir jetzt schon bei 97 Toren stehen, ist wirklich krass, das hätte ich so nicht erwartet. Das zeigt einfach, wie gut unsere Offensive ist“, sagte er selbst. Und doch wäre es zu kurz gegriffen, nur von einem Kollektiv zu sprechen. Das Kollektiv lebt davon, dass Spieler wie Gnabry seine Statik flexibel halten.

Während Harry Kane in vorderster Front mit seiner Torquote Maßstäbe setzt, Musiala zwischen den Linien zaubert, Díaz die linke Seite beackert und Olise mit seiner Technik Szenenapplaus sammelt, ist Gnabry die Konstante im Wechselspiel. Er ist der, der sich jeweils dorthin schiebt, wo er den Mitspielern die Bühne freiräumt – und, wie gegen Union, selbst zum Hauptdarsteller wird.

Vertrag bis 2028 verlängert

Dass Kimmich nach dem Spiel die Vertragsverlängerung zum Thema machte, war kein Zufall. Die Laufzeit bis 2028 ist Ausdruck des Vertrauens, dass Gnabry für genau diese Rolle – vielseitig, torgefährlich, erfahren – in den kommenden Jahren gebraucht wird. Er ist keiner, der sich mit einer Nebenrolle zufriedengibt, aber einer, der verstanden hat, dass in diesem Bayern-Kader die Hauptrollen ständig wechseln.

Wenn Kompany davon spricht, dass immer wieder ein anderer in der Offensive herausragt, dann liefert das Union-Spiel das passende Bild dazu. An diesem Nachmittag gehörte die Bühne Serge Gnabry. Mit seinem Doppelpack, seinem leidenschaftlichen Jubel vor der Südkurve und einer Leistung, die weit über zwei Torabschlüsse hinausging, hat er sich ins Gedächtnis gespielt. Und gleichzeitig unterstrichen, was sein Trainer längst weiß: In Bayerns Luxus-Offensive ist Serge Gnabry nicht nur „auch noch da“ – er ist einer der Gründe, warum sie so gut funktioniert.

Der Nachbericht zum Spiel gegen Union Berlin:

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