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Sven Ulreich im pinken FC Bayern-Trikot in einem Testspiel.
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Feuerwehrmann Sven - Keeper Ulreich ist immer da, wenn er beim FC Bayern gebraucht wird

Über neun Jahre zählt Sven Ulreich schon zum Profikader des FC Bayern – meistens aber steht der 37-Jährige gar nicht auf dem Platz. Der Torwart ist die Nummer drei hinter Manuel Neuer und Jonas Urbig – doch wenn diese nicht spielen, muss Ulreich in die Bresche springen. „Wie ein Feuerwehrmann“, sagt er. Gegen Bayer 04 Leverkusen am Samstag wird Ulreich nach 539 Tagen wieder in einem Pflichtspiel für die Münchner zwischen den Pfosten stehen.

Am 21. September 2024 im sonnigen Bremen, da hatte sich Sven Ulreich eigentlich schon auf einen Spieltag wie so häufig in seinen vergangenen fast zehn Jahren beim FC Bayern vorbereitet: „Hotel, schlafen, Spaziergang, Mittagessen – und dann zum Spiel, das ist ja im Grunde immer dasselbe“, verriet der Torhüter, der nur mit einer kurzen Ausnahme (2020/21 spielte er für den Hamburger SV) seit 2015 schon beim FC Bayern ist. Bei der Teambesprechung von Chefcoach Vincent Kompany vor der Begegnung beim SV Werder gab es auch keine Überraschungen für Ulreich: Manuel Neuer sollte wie gewohnt beginnen, Ulreich hinter dem fünffachen Welttorhüter auf der Bank Platz nehmen und sich bereit halten.

Sven Ulreich läuft ins Weserstadion ein.

Erster Einsatz seit 539 Tagen

Feuerwehrmann bei der Arbeit: Sven Ulreich läuft im September 2024 ins Weserstadion ein - sein bislang letztes Pflichtspiel für den FC Bayern.

Erster Einsatz seit 539 Tagen

Sven Ulreich läuft ins Weserstadion ein.
Feuerwehrmann bei der Arbeit: Sven Ulreich läuft im September 2024 ins Weserstadion ein - sein bislang letztes Pflichtspiel für den FC Bayern.

Daher folgte auch in der Kabine für Sven Ulreich das immergleiche Ritual: „Erst den linken Schuh, dann den rechten. Dann den linken Handschuh, dann den rechten Handschuh – das mache ich aber weniger aus Aberglaube, sondern einfach, weil ich es mir so angewöhnt habe.“ Und doch stand nicht Neuer, sondern Sven Ulreich beim Anpfiff für den FC Bayern im Tor – zum 103. Mal bereits in einem Pflichtspiel des deutschen Rekordmeisters.

Manuel Neuer hatte eine leichte Reaktion im Oberschenkel verspürt, das Aufwärmprogramm aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Bereits in der Champions League wenige Tage zuvor war der Stammkeeper zur Pause nach einem Zusammenprall als Vorsichtsmaßnahme in der Kabine geblieben, Sven Ulreich hütete gegen Dinamo Zagreb fortan das Bayern-Tor. Ohne einen einzigen Ballkontakt im Spiel musste der Ersatzmann postwendend mit seiner Mannschaft einen Doppelschlag von Zagreb hinnehmen – bei beiden Treffern wäre wohl aber auch Manuel Neuer machtlos gewesen. „Wenn der Ernstfall eintritt, muss man da sein und eine Topleistung abrufen. Das ist mein Job“, sagt Ulreich. Und weiter: „Das wird manchmal unterschätzt: Wenn man lang auf Bank sitzt und nicht spielt, ist es nicht so leicht, in den Rhythmus zu finden. Ich glaube aber, mir gelingt das trotzdem ganz gut, relativ schnell wieder drin zu sein.“ So war es gegen Zagreb, als Ulreich in der Folge mit einer Glanztat den Ausgleich verhinderte, und eigentlich immer in Ulreichs Zeit beim FC Bayern. „Feuerwehrmann sein – das kann man schon sagen zu meiner Aufgabe“, findet der 37-Jährige.

Sven Ulreich reckt die rechte Faust jubelnd in die Luft.
Grund zum Jubel: Mit Sven Ulreich im Tor feierten die Bayern im Herbst 2024 in fünf Tagen gegen Zagreb und in Bremen.

Der Feuerwehrmann Sven Ulreich war also im September 2024 gegen Werder Bremen plötzlich gefragt. Brenzlig wurde es für den Ersatzmann da aber kein einziges Mal – die Defensive des FC Bayern stand derart gefestigt, dass sich der SV Werder in über 90 Minuten keinen einzigen Schuss aufs Tor erarbeiten konnte. 32 Ballkontakte hatte Ulreich dennoch, lief knapp über fünf Kilometer in diesem Spiel, zählte die Statistik. Der FC Bayern gewann mit 5:0.

„Das Torwartspiel hat sich seit meiner Jugend absolut verändert“, sagt Sven Ulreich. Noch beim VfB Stuttgart, für den er in 220 Profispielen zwischen den Pfosten stand, ging es vor allem ums Bälle halten allein. „In meiner Zeit beim FC Bayern habe ich dann viel im fußballerischen Bereich dazugelernt und mich hier sehr entwickelt.“ Früher, so der Keeper, gab es pro Spiel drei oder vier Rückpässe, „jetzt werden wir Torhüter fest ins Aufbauspiel eingebunden, haben viele Ballkontakte und auch besondere Aufgaben, gerade jetzt auch unter Vincent Kompany“.

Vincent Kompany klatscht in der Allianz Arena.

Kompany setzt auf Ulreich

„Haben volles Vertrauen." Vincent Kompany nimmt die Mannschaft gegen Leverkusen in die Pflicht. | © FC Bayern

Kompany setzt auf Ulreich

Vincent Kompany klatscht in der Allianz Arena.
„Haben volles Vertrauen." Vincent Kompany nimmt die Mannschaft gegen Leverkusen in die Pflicht. | © FC Bayern

Gerade, wenn man dann ins kalte Wasser geworfen wird, muss man sich da erst einmal die Sicherheit holen. Etwas, was für den jungen Sven Ulreich schwieriger war, als für den erfahrenen: „Ich bin viel ruhiger geworden, das macht das Alter und die Erfahrung. Ich habe mich mit meiner Rolle längst angefreundet und wirklich Spaß an der Situation. Es ist nicht mehr so, dass ich jeden Morgen aufwache und denke: Ich muss jetzt irgendwo als Nummer eins spielen. Nein, ich bin happy, so wie es ist.“

Und der FC Bayern ist zufrieden mit ihm. „Er ist eine stabile Persönlichkeit und ein stabiler Torwart, mit viel Erfahrung auch, er hat schon viele Spiele in seiner Karriere gemacht“, sagte Coach Kompany nun am Samstag vor der Auswärtsfahrt nach Leverkusen. „Für ihn gilt das Gleiche wie für Jonas Urbig. Wir erhöhen nicht den Druck auf ihn, weil er jetzt morgen seine Chance bekommt. Ulle hat es im Training immer richtig gemacht, das soll er morgen zeigen, wir haben volles Vertrauen in unsere Jungs. Wir haben mit ihm im Tor schon Spiele gewonnen und das wollen wir morgen auch wieder machen. Es geht nicht um Ulle, sondern um die Mannschaftsleistung“, schloss der Belgier.

Sven Ulreich und Jonas Urbig machen sich warm.

Das Erfolgstrio: Neuer - Urbig - Ulreich

Auch Jonas Urbig profitiert von der Erfahrung von Routinier Sven Ulreich.

Das Erfolgstrio: Neuer - Urbig - Ulreich

Sven Ulreich und Jonas Urbig machen sich warm.
Auch Jonas Urbig profitiert von der Erfahrung von Routinier Sven Ulreich.

Auch Sportvorstand Max Eberl lobte die Nummer 26 im Pressetalk vor dem kommenden Bundesliga-Spiel bei Bayer 04 Leverkusen: „Sven ist eine große Persönlichkeit, er ist schon sehr lange beim FC Bayern, er kennt seine Rolle und die Situation, einzuspringen, wenn jemand verletzt ist.“ Derzeit fehlen den Münchnern Manuel Neuer (Muskelfaserriss) und Jonas Urbig (Gehirnerschütterung), den Ulreich nach dessen Wechsel nach München im Januar 2025 mit offenen Armen beim Rekordmeister empfangen hat. „Er hat es klaglos angenommen, dass in Jonas ein neuer zweiter Torwart dazugekommen ist. Ich höre immer aus der Torhütergruppe, wir großartig die drei miteinander harmonieren, wie großartig sie trainieren und sich fordern und fördern“, so Eberl.

Die Torhüter beim FC Bayern verbindet ein freundschaftliches Verhältnis. Neuer, Urbig und Ulreich unterstützen sich, pushen sich, helfen sich – „und wir machen auch privat gern was zusammen“, verriet Ulreich. Konkurrenzdenken gibt es für den gebürtigen Schorndorfer nicht mehr: „Ich fühle mich superwohl beim FC Bayern. Ich schätze das sehr, was ich hier habe. Wir sind wie eine Familie.“ Eine Familie, bei der er sich jedes Mal aufs Neue freut, als Feuerwehrmann einspringen zu dürfen.

Alle Informationen zum Auswärtsspiel in Leverkusen:

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