



Dortmund im Gegnercheck
Do | 29.10.2026 | 11:05
Defensive Stabilität, späte Tore und viel Dynamik: Das macht den BVB gefährlich
Erster gegen den Zweiten – am Samstagabend empfängt der FC Bayern Borussia Dortmund zum absoluten Bundesliga-Topspiel. Beide Mannschaften stehen nach sieben Spieltagen mit jeweils 17 Punkten an der Tabellenspitze, der Rekordmeister führt die Liga lediglich aufgrund der besseren Tordifferenz an. Anstoß in der Allianz Arena ist um 18:30 Uhr.
Der BVB reist mit viel Selbstvertrauen nach München. Nach dem 2:2 gegen Werder Bremen und der 0:1-Niederlage beim FK Bodø/Glimt in der Champions League fanden die Dortmunder zuletzt zurück in die Erfolgsspur: In der Bundesliga setzte sich die Borussia mit 1:0 gegen Eintracht Frankfurt durch, in der Königsklasse folgte ein 2:1-Erfolg bei Sabah FK. Am Dienstagabend machte Dortmund zudem durch ein spektakuläres 3:2 gegen Werder den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals perfekt. Wir stellen Euch die Borussen vor dem Bundesliga-Showdown im Gegnercheck genauer vor.

Dortmund mit starken Ergebnissen
Dortmund mit starken Ergebnissen

Der Saisonstart des BVB war zunächst nahezu makellos. Nach dem verlorenen Franz Beckenbauer Supercup gegen den FC Bayern (1:2) gewann Dortmund die folgenden sechs Pflichtspiele. In der Bundesliga gab es Siege gegen den Hamburger SV, die TSG Hoffenheim, den SC Paderborn und den VfB Stuttgart. Dazu kamen Erfolge gegen den FC Villarreal und den Oberligisten HEBC Hamburg im Pokal.
Nach dem kleinen Durchhänger gegen Werder und bei Bodø reagierte die Mannschaft von Niko Kovač schnell. Im vergangenen Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt dominierte Dortmund vor allem die Schlussphase. Ab der 63. Minute gab der BVB sieben Torschüsse ab, insgesamt lautete das Torschussverhältnis 16:8. Den entscheidenden Treffer erzielte Maximilian Beier in der 80. Minute.
Im Pokal wurde es gegen Werder anschließend dramatisch: Nach einer 2:0-Führung glich der SVW innerhalb von drei Minuten aus, ehe Marcel Sabitzer in der dritten Minute der Nachspielzeit einen direkten Freistoß zum 3:2 verwandelte. Dortmund steht damit weiterhin in allen drei Wettbewerben aussichtsreich da. Allerdings war das Pokalduell bereits das sechste Pflichtspiel innerhalb von 19 Tagen. Für den BVB wird es in München deshalb auch darauf ankommen, trotz der hohen Belastung von Beginn an körperlich und mental auf der Höhe zu sein.
Formstarke Spieler
Einer der auffälligsten Dortmunder in den vergangenen Wochen war Maximilian Beier. Mit seinem späten Treffer gegen Eintracht Frankfurt bestätigte der Offensivspieler seine Entwicklung unter Kovač. Beier kann auf mehreren Positionen eingesetzt werden, sucht häufig den Weg in die Tiefe und sorgt mit seiner Dynamik vor allem im Umschaltspiel für Gefahr.
Im Angriff bleibt Serhou Guirassy die zentrale Figur. Der Nationalspieler aus Guinea verbindet Körperlichkeit mit Abschlussstärke und ist im Strafraum jederzeit gefährlich. In der Champions League zeigte er seine Klasse zuletzt mit zwei Treffern in Baku. Gegen Bayern wird es für die Münchner Defensive entscheidend sein, Guirassy von Zuspielen in gefährlichen Räumen abzuschneiden. Im Tor steht mit Gregor Kobel zudem einer der besten Rückhalte der Liga. Der Schweizer strahlt große Sicherheit aus und übernimmt auch im Spielaufbau Verantwortung. Vor ihm agiert eine Defensive, die in der Bundesliga bislang nur vier Gegentore kassiert hat – Bestwert in Europas Topligen.

Verjüngung im Sommer
Vor der Saison hat Borussia Dortmund seinem Kader ein neues Gesicht gegeben. Die Verantwortlichen setzten verstärkt auf junge Spieler mit Entwicklungspotenzial. Besonders im Fokus standen der griechische Offensivspieler Konstantinos Karetsas, der französische Innenverteidiger Joane Gadou, der Ecuadorianer Justin Lerma und der brasilianische Außenverteidiger Kauã Prates.
In Joey Veerman kam außerdem ein spielstarker Mittelfeldspieler aus den Niederlanden nach Dortmund. Giannis Konstantelias sollte der Offensive zusätzliche Kreativität verleihen, steht dem BVB aktuell allerdings wegen eines Kreuzbandrisses nicht zur Verfügung.
Auf der Abgangsseite verließen unter anderem Karim Adeyemi, Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan den Verein. Auch Yan Couto, Kjell Wätjen, Cole Campbell und Julien Duranville gehören in dieser Saison nicht mehr zum Dortmunder Bundesliga-Aufgebot.
Der Umbruch brachte neue Geschwindigkeit und viel Talent in den Kader. Für Kovač bedeutete er zugleich die Aufgabe, eine veränderte Mannschaft schnell zu einer Einheit zu formen. Bislang ist ihm das gelungen: Dortmund tritt kompakt auf, verteidigt mit großer Intensität und hat mehrere Spieler, die im Eins-gegen-eins oder nach schnellen Kombinationen den Unterschied machen können.
Kovač fordert ein Topspiel auf höchstem Niveau
Niko Kovač kennt den FC Bayern bestens. Der Kroate war von 2018 bis 2019 Cheftrainer des Rekordmeisters und gewann mit den Münchnern die deutsche Meisterschaft sowie den DFB-Pokal. Seit Februar 2025 steht er beim BVB an der Seitenlinie. Nach der erfolgreichen vergangenen Saison verlängerte Dortmund den Vertrag mit dem 55-Jährigen vorzeitig.
Nach dem Pokalsieg gegen Werder machte Kovač deutlich, worauf es gegen den Rekordmeister ankommen wird. Dortmund müsse über längere Phasen die Kontrolle behalten und dürfe sich nicht aus dem Spiel nehmen. Gegen die Bremer hatte seine Mannschaft nach der 2:0-Führung den Zugriff verloren. „Wir waren viel zu offen, die Bremer sind vier-, fünfmal durch die Mitte durchgebrochen. Das haben wir taktisch nicht gut gemacht – aber Ende gut, alles gut“, analysierte der BVB-Coach im ZDF.

Flexible Dreierkette und hohes Tempo
Flexible Dreierkette und hohes Tempo

Kovač lässt den BVB häufig aus einer 3-3-2-2-Grundordnung heraus spielen. Drei Innenverteidiger bilden den ersten Block, davor agieren zentrale Mittelfeldspieler, während sich die Außenverteidiger weit nach vorne orientieren. So entstehen im Ballbesitz variable Staffelungen und mehrere Anspielstationen im Zentrum.
Besonders wichtig sind die Bewegungen zwischen den Linien. Jobe Bellingham, Felix Nmecha, Sabitzer oder Chukwuemeka können immer wieder aus dem Mittelfeld nachstoßen. Guirassy lässt sich situativ fallen, bindet Innenverteidiger und schafft dadurch Räume für die nachrückenden Spieler.
Über die Außenbahnen entwickelt der BVB viel Tempo. Julian Ryerson und Daniel Svensson beziehungsweise seine Konkurrenten suchen den Weg nach vorne, während die Offensivspieler in die Halbräume einrücken. Dortmund kann dadurch schnell die Seite wechseln und nach Ballgewinnen mit wenigen Kontakten in Richtung Tor kommen.
Eine weitere Stärke ist das Umschaltspiel. Nach Ballgewinnen sucht der BVB häufig den direkten Weg in die Tiefe. Beier und Guirassy sind dabei besonders gefährlich, weil sie sowohl in den Fuß als auch in den freien Raum angespielt werden können. Gleichzeitig erhöht Dortmund nach Ballverlusten sofort den Druck.
Der FC Bayern wird deshalb Lösungen gegen die erste Pressinglinie benötigen. Gelingt es den Münchnern, den Dortmunder Druck mit sauberem Passspiel zu überspielen, können sich Räume hinter den aufgerückten Außenverteidigern öffnen. Verliert Bayern den Ball jedoch in der eigenen Hälfte, ist der BVB mit seiner Dynamik sofort zur Stelle.

Starke Defensive und Gefahr in der Schlussphase
Dortmunds bisherige Saison ist vor allem von defensiver Stabilität geprägt. Nur vier Gegentore in sieben Bundesliga-Spielen sind der Bestwert der Liga. Die Dreierkette um Nico Schlotterbeck verteidigt aufmerksam, Gregor Kobel gibt dahinter zusätzliche Sicherheit.
Gleichzeitig zeigt der BVB eine bemerkenswerte Spätstarter-Qualität. Sechs der zwölf Dortmunder Bundesliga-Tore fielen nach der 80. Minute. Gegen Eintracht Frankfurt traf Beier spät zum Sieg, im Pokal schlug Sabitzer in der Nachspielzeit zu. Die Borussia bleibt bis zum Schlusspfiff gefährlich und verfügt über mehrere Spieler, die auch von der Bank Impulse setzen können.
Für den FC Bayern bedeutet das: Konzentration, defensive Absicherung und Konsequenz im Abschluss sind bis zum letzten Moment gefragt.
Der Trend spricht für den FC Bayern
Im Februar 2026 setzte sich der FC Bayern in Dortmund mit 3:2 durch. Zuvor gewann der Rekordmeister das Hinspiel der vergangenen Saison in München mit 2:1. Im April 2025 trennten sich beide Teams in München mit 2:2. Auch den Franz Beckenbauer Supercup im August 2026 entschied der FC Bayern mit 2:1 für sich.
Die Dortmunder warten damit seit schon seit fünf direkten Duellen auf einen Sieg gegen den Rekordmeister. Am Samstag beginnt in der Allianz Arena jedoch ein neues Kapitel dieses Klassikers. Der BVB kommt mit einer starken Defensive, viel Tempo und Selbstvertrauen - der FC Bayern ist gewarnt.
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