

Gedenktafel für Widerstandskämpfer Willi Buisson
Fr | 16.10.2026 | 17:51
Herbert Hainer: „Vorbild für demokratische Verantwortung und Zivilcourage“
Fußballbegeisterter Demokrat und Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten: Der Lebensweg von Willi Buisson ist ungewöhnlich – und wurde durch die Hinrichtung durch das NS-Regime im September 1940 jäh beendet. Nun wurde an der Gümbelstraße 5 in München eine Gedenktafel enthüllt. Unter den Rednern vor rund 100 geladenen Gästen war FCB-Präsident Herbert Hainer, denn Willi Buisson war von 1926 bis 1929 Mitglied des FC Bayern, spielte im Verein Fußball und war in der Clubführung aktiv.
Als Präsident des FC Bayern sei er „sehr dankbar, heute zu Ihnen sprechen zu können“, begann Hainer seine Rede im Münchner „Löhe Haus“ vor Mitgliedern des Landrats, des Stadtrats, den Organisatoren Marion Goers von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Diana Bäse (Stellvertretende Vorsitzende des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Bund aktiver Demokraten e.V.) sowie Gästen wie dem Historiker und Biographen Dr. Rüdiger Zimmermann, einer Delegation der Kurt-Landauer-Stiftung, Schülerinnen und Schülern der beiden nahegelegenen Gymnasien und Nachfahren Buissons. Eine Gedenktafel erinnere nicht nur an einen Menschen aus der Vergangenheit, sagte der Präsident: „Sie stellt uns auch die Frage: Was können wir für die Zukunft von ihm lernen?“

Willi Buisson sei nicht nur ein aktiver Fußballer des FC Bayern gewesen, skizzierte Hainer, „sondern er organisierte als Vergnügungswart Zusammenhalt. Seine Liebe galt offenbar nicht nur dem Spiel - sondern auch dem Miteinander, das ein Verein ermöglicht, damals wie heute. Damit trifft er das Wesen eines Vereins: Ein Verein lebt von Vertrauen – von der Gewissheit, dazuzugehören: Nicht erst dann, wenn man gewinnt, sondern gerade, wenn man Unterstützung braucht.“ Ein Verein wie der FC Bayern müsse „immer eine Heimat sein – und das für alle Menschen. Er muss vermitteln, was Weltoffenheit, Toleranz, Respekt bedeuten. Willi Buisson war ein Mann mit Werten, die jedes Vereinsleben bereichern – damals wie heute.“
Willi Buisson habe außerdem früh erkannt, „was die Nationalsozialisten anrichten werden“, führte Hainer weiter aus: Nur wenige hätten den Mut aufgebracht, der Entwicklung so entschlossen entgegenzutreten. Hainer zitierte aus Buissons Abschiedsbrief unmittelbar vor der Hinrichtung: „Nun gehe ich konsequent den Gang, der mich getreu meiner Weltanschauung und meiner Überzeugung über Partei, Reichsbanner und Emigration aufs Schafott führt.“ Dieser Satz zeige seine Klarheit und seine Standhaftigkeit, so der FCB-Präsident: „Willi Buisson hätte schweigen oder sich anpassen können. Er entschied sich dagegen. Damit ist er gerade in der heutigen Zeit ein Vorbild für demokratische Verantwortung und Zivilcourage.“ Buisson zeige, „dass Haltung gerade dann wichtig ist, wenn sie gefährlich wird. Er erinnert uns alle daran, dass Ausgrenzung und Unrecht niemals unwidersprochen bleiben dürfen.“
Buissons Geschichte sei zugleich eine Botschaft an den FC Bayern und an alle Sportvereine, meinte Hainer: „Ein Verein ist mehr als der Ort, an dem Spiele gewonnen und verloren werden. Er ist Teil der Gesellschaft. Er kann Menschen ausschließen – oder ihnen Heimat geben. Er kann Vorurteile verstärken – oder Brücken bauen. Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Überzeugung dazugehören können. Wir müssen aufmerksam bleiben, wenn andere abgewertet oder ausgegrenzt werden. Und wir müssen den Mut haben, jederzeit für Menschenwürde und Demokratie einzustehen.“ Unter langem Applaus sagte Hainer, er wiederhole es immer wieder mit Nachdruck: „Der FC Bayern wird nicht mitspielen, wenn demokratiefeindliche Kräfte unsere Gesellschaft spalten. Wer ausgrenzt, verliert – im Sport wie im Leben!“

Die Gedenktafel für Willi Buisson „richtet unseren Blick nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne. Sie fordert uns auf, seine Werte weiterzutragen“, meinte Hainer. „Ich stehe hier als Präsident des FC Bayern und verspreche Ihnen: Die Werte von Willi Buisson werden den FC Bayern immer antreiben. Gerade mit Blick auf die heutige Politik sage ich: Es ist leicht, einfach gegen etwas zu sein. Viel wichtiger ist aber, für etwas gemeinsam einzustehen: Für Menschenwürde, Freiheit, Respekt - und für eine Gemeinschaft, in der jeder Mensch seinen Platz hat.“
Der FC Bayern habe viel unternommen, um seine Vereinsgeschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus aufzuarbeiten, erläuterte Hainer. „Erinnerung darf niemals bequem werden. Sie bewahrt uns, die Vergangenheit zu verklären, zu verharmlosen, zu verbiegen – und sie hilft uns, in der Gegenwart wacher zu sein.“ Im Rahmen seiner Initiative „Rot gegen Rassismus“ organisiere der Club regelmäßig unterschiedliche Projekte, immer unter dem Leitmotiv, Begegnungen zu ermöglichen – wie es einst auch Willi Buisson forcierte: „Wenn wir einander kennenlernen, fällt es schwer, über Menschen in Vorurteilen und Schubladen zu sprechen. Denn wer sich trifft, wer miteinander agiert, miteinander spricht, der versteht sich. So können wir gemeinsam etwas bewegen.“
Willi Buisson wird auch im neu strukturierten FC Bayern Museum in der Allianz Arena auf der Erinnerungswand mit weiteren über 150 Opfern des Nationalsozialisten gewürdigt. Es gibt ein Foto, wie er bei einer Pokalübergabe neben dem früheren Präsidenten Kurt Landauer steht, mit dem Wappen des FC Bayern auf der Brust. Damals wussten beide noch nicht, was die Zukunft bringen würde. Hainers Fazit: „Die Gedenktafel für Willi Buisson bewahrt eine Erinnerung. Unsere gemeinsame Haltung bewahrt sein Vermächtnis.“
Themen dieses Artikels