


Mit einer magischen Europapokal-Nacht im Rücken geht’s für den FC Bayern vom Bernabéu direkt ans Millerntor: Nach dem 2:1-Auswärtssieg bei Real Madrid am Dienstagabend wartet am Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker und kostenfreien Webradio auf fcbayern.com und in der FC Bayern App) das Bundesliga-Topspiel beim FC St. Pauli – mitten zwischen den beiden Viertelfinal-Duellen in der Champions League, aber ohne Raum für Nachlässigkeiten. Der Rekordmeister jagt weiter Tor- und Punktebestmarken, während die Kiezkicker im Kampf um den Klassenerhalt jeden Zähler brauchen.
Die besten Bilder vom Abschlusstraining am Freitag:
Die Ausgangslage des FC Bayern
Vincent Kompany feiert am Freitag zwar seinen 40. Geburtstag, aber Zeit für große Partys bleibt nicht – der Coach bleibt im Wettbewerbsmodus: „Kurze Antwort: Nein, ich kann nicht groß feiern. (…) Vom Gefühl ist das Beste, was man sich wünschen kann, drei Punkte.“ Den historischen Erfolg in Madrid genießt das Team zwar, hakt ihn aber schnell ab.
Rekordjagd im hohen Norden
Auch national ist die Mannschaft in Rekordlaune. Beim denkwürdigen 3:2 in Freiburg drehte der FC Bayern einen 0:2-Rückstand ab der 80. Minute noch in einen Sieg – erst zum dritten Mal in der Bundesliga-Historie gelang einem Team so ein Comeback in dieser späten Phase. Dabei geriet Tom Bischof besonders ins Rampenlicht: Im 34. Pflichtspiel für den FC Bayern erzielte der 20-Jährige seine ersten beiden Treffer im FCB-Trikot und drehte mit zwei Distanztoren die Partie quasi im Alleingang. Sechs seiner sieben Bundesliga-Tore insgesamt erzielte der Ex-Hoffenheimer von außerhalb des Strafraums, nur Harry Kane traf seit Beginn der Vorsaison häufiger aus der Distanz. Bischof ist zudem der erste Bayern-Spieler, der in einem Bundesliga-Spiel seit Beginn der detaillierten Datenerfassung zwei Distanztreffer markierte.
Auch Michael Olise bleibt ein Schlüsselfaktor: In Freiburg legte er als Joker seinen 18. Assist dieser Bundesliga-Saison auf – so viele Vorlagen hatte nach 28 Spieltagen noch kein Spieler seit Beginn der Datenerfassung. Insgesamt steht Olise bei 29 direkten Torbeteiligungen, nur Harry Kane wird im Bayern-Kader aktuell noch von besseren Zahlen getragen. Mit der nächsten Aktion könnte Olise die 30er-Marke knacken – ein weiterer Meilenstein in einer ohnehin überragenden Saison.
Die Fakten zum Spiel beim FC St. Pauli:
Mit 100 Saisontoren nach 28 Spieltagen knackten die Münchner zudem die Dreistelligkeit so früh wie kein Team zuvor, nur ein Treffer fehlt noch auf den historischen Bundesliga-Rekord von 101 Toren. Mit 73 Zählern spielt der FC Bayern zugleich seine drittbeste Bundesliga-Saison und ist saisonübergreifend seit 23 Bundesliga-Auswärtsspielen ungeschlagen – ein weiterer Beleg für die außergewöhnliche Stabilität in der Fremde.
Zwischen Millerntor und Allianz Arena muss Kompany dennoch einen Spagat meistern: Voller Fokus auf St. Pauli – und gleichzeitig der Blick auf das Rückspiel gegen Real Madrid am Mittwoch. „Wir sind am 10. April nur an diesem Punkt, weil die ganze Mannschaft beteiligt war. Wenn wir ein, zwei Wechsel machen, dann haben wir das schon die ganze Saison so gemacht“, erklärt der Coach.
Die wichtigsten Aussagen aus dem Pressetalk vor dem Spiel gibt es hier zum Nachlesen:
Der Gegner FC St. Pauli
Ganz andere Vorzeichen am Millerntor: St. Pauli steckt tief im Tabellenkeller, hält sich aber aktuell auf dem Relegationsrang. Mit 25 Punkten nach 28 Partien spielen die Kiezkicker ihre drittschwächste Bundesliga-Saison, dazu kommt die schwächste Offensive der Liga mit nur 25 Toren. Auch die Topspiel-Bilanz ist ausbaufähig: Es ist erst das sechste Samstagabend-Topspiel der Vereinsgeschichte, bislang gelang St. Pauli noch kein Sieg (ein Remis, vier Niederlagen). Zuletzt nahmen die Hamburger dennoch einen Punkt an der Alten Försterei mit und gaben – wie schon beim 1:2 gegen Freiburg – erneut eine Führung aus der Hand.
Für die Gastgeber beginnt mit den letzten sechs Saisonspielen zudem die entscheidende Phase im Kampf um den Klassenerhalt. Vor dem Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern liegen die Kiezkicker auf Rang 16, zwei Punkte hinter dem 1. FC Köln (Platz 15) und vier vor dem VfL Wolfsburg (Platz 17). Die Ausgangslage ist eng, die Abstände sind gering, jeder Spieltag kann die Kräfteverhältnisse im Tabellenkeller verschieben.
Hinzu kommt: Der Trend spricht aktuell nicht gerade für die Mannschaft von Alexander Blessin. Seit fünf Partien wartet St. Pauli auf einen Sieg, in dieser Phase gelang es zu selten, Leistung und Ertrag in Einklang zu bringen. Nun kommt mit dem Tabellenführer aus München der nominell schwerste Gegner der verbleibenden Spiele ans Millerntor – wohl kaum der Gegner, den man sich in dieser Situation wünschen würde. Gleichzeitig ist die Partie eingebettet in ein Programm, das enorme Brisanz für den Tabellenkeller birgt: Nach dem Duell mit den Bayern geht es noch gegen die direkten Konkurrenten aus Köln, Heidenheim, Mainz und Wolfsburg. Gerade in diesen Spielen wird sich entscheiden, ob St. Pauli die Klasse hält.
Und doch gibt es Gründe, mit einem gewissen Selbstvertrauen in das Spiel gegen den Rekordmeister zu gehen. Der Blick zurück auf das Hinrundenduell (3:1) dürfte die Braun-Weißen ermutigen: Damals stemmte sich St. Pauli mit großer Leidenschaft und hohem Aufwand gegen den Favoriten, verteidigte mutig, suchte immer wieder den Weg nach vorne und hielt die Partie lange offen. Über weite Strecken sah es so aus, als könnten die Kiezkicker tatsächlich etwas Zählbares aus der Allianz Arena mit in den hohen Norden nehmen. Erst in der Nachspielzeit entschieden Luis Díaz und Nicolas Jackson mit ihren späten Treffern die Begegnung zugunsten der Münchner.
In der Analyse werfen wir einen Blick auf den kommenden Gegner:
Das Personal für FC St. Pauli vs. FC Bayern
Beim Personal bleibt Vincent Kompany pragmatisch. Zu Harry Kane sagt der Chefcoach: „Harry war nach dem Spiel gut, er hat ein bisschen über der Schmerzgrenze gespürt – aber am nächsten Tag gab’s keine Reaktion. Also wird es wieder hoffentlich ganz normal jetzt.“ Im Tor wird kurzfristig entschieden: „Wenn Manu kein Problem spürt, macht er einfach weiter, er muss seinen Flow behalten. Aber falls etwas ist, dann werden wir immer vernünftig entscheiden, wir haben mit Urbig ein ganz großes Talent.“ Über Manuel Neuer findet Kompany nur lobende Worte: „Manu muss nur einen Satz sagen und das bringt eine Ordnung ins Team sofort. Daher ist seine Rolle als Führungsspieler für mich genauso wichtig wie auf dem Platz.“
Ersatzkeeper Sven Ulreich begann diese Woche mit ersten Laufeinheiten nach einem Muskelbündelriss, ebenfalls fallen Lennart Karl und Maycon Cardozo (beide Muskelfaserriss), David Santos (Oberschenkel) und Wisdom Mike (Hüftverletzung) aus.
Bei St. Pauli muss Coach Alexander Blessin auf den gesperrten Jackson Irvine verzichten, Ricky-Jade Jones und Simon Spari (beide Syndesmoseriss), Manolis Saliakas (Aufbautraining), James Sands (Sprunggelenk) fehlen ebenso sicher, Eric Smith (Wadenprobleme) ist noch fraglich.
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Das sagen die Trainer
Wir haben viel Respekt vor St. Pauli. Wenn man die letzten Spiele sieht, war es immer unglaublich schwer. Sie verteidigen sehr kompakt und gut. Es ist manchmal schwer zu verstehen, warum sie da unten stehen.
Vincent Kompany
Ich freue mich wahnsinnig auf das Spiel. Sie sind aktuell eine der besten Mannschaften der Welt. Sich mit ihnen zu messen, ist etwas Schönes. Man hat wenig zu verlieren, wir wollen aber alles reinschmeißen.
Alexander Blessin (Trainer, FC St. Pauli)
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