Scheuer vor Lyon: „Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut“

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Noch zwei Tage bis zum langerwarteten UWCL-Viertelfinale der FC Bayern Frauen gegen Olympique Lyon (Sa., 20 Uhr, fcbayern.com / Sport1). Vor über neun Monaten entschied das Los, dass die Münchnerinnen auf den Titelverteidiger und Seriensieger der UEFA Women's Champions League treffen sollten. Jetzt herrscht bei Cheftrainer Jens Scheuer und seiner Mannschaft die Vorfreude auf das Final-Turnier in Bilbao und San Sebastián vor.

Sechs Fragen an Jens Scheuer

Herr Scheuer, die Sommervorbereitung verlief unter anderen Vorzeichen als in üblichen Jahren ohne Corona. Mit dem Final-Turnier der Champions League steht gleich zu Beginn ein großes Highlight an. Wie ist es Ihnen in den letzten Wochen ergangen?
„Mit der Vorbereitung auf das Champions-League-Turnier können wir sehr zufrieden sein. Die Sommerpause war sehr kurz, die Mannschaft hatte nur zwei bis zweieinhalb Wochen frei. Das könnte vielleicht gegen Ende der Saison oder vor der Winterpause zu spüren sein, aber für das UWCL-Turnier haben wir eine sehr gute, wenn auch kurze Vorbereitung absolviert. Wichtig ist, dass uns bis auf die Langzeitverletzten Klara Bühl und Carina Schlüter alle Spielerinnen zur Verfügung stehen. Großes Kompliment an dieser Stelle an unsere medizinische Abteilung, dass wir es gemeinsam mit dem Trainerteam geschafft haben, die Belastungssteuerung so zu dosieren, dass jetzt alle Spielerinnen im Kader fit sind."

Wie gut haben sich die Neuverpflichtungen, die bei den Frauen auch in der Champions League antreten dürfen, eingewöhnen können?
„Es ist uns wirklich gelungen, uns nochmal zu verstärken. Gerade im Offensiv-Bereich haben wir nachgelegt und sind jetzt mit Lea Schüller, Viviane Asseyi oder Klara Bühl, die zwar aktuell noch nicht einsatzbereit ist, breit aufgestellt. Wir haben aber auch nochmal Führungspersönlichkeiten gewinnen können, etwa mit Marina Hegering oder Sarah Zadrazil, damit wir als Team noch gefestigter sind und die nächsten Entwicklungsschritte gehen können."

Mit Blick auf den Viertelfinalgegner Olympique Lyon: Wie schätzen Sie deren Vorbereitung ohne zu Ende gespielte Liga, dafür mit längerer Pause und Vorbereitungszeit, ein?
„Unsere Vorbereitungen kann man sicher nicht vergleichen. Mit Pokal-Halbfinale und -Finale hat Lyon zuletzt bereits zwei Pflichtspiele absolviert. Wir konnten dafür die Bundesliga zu Ende spielen. Für wen das jetzt ein Vor- oder Nachteil ist, darüber will ich mir gar keine Gedanken machen. Wir konzentrieren uns so oder so auf uns und haben unsererseits sicher das Bestmögliche getan."

Lyon ist auf dem Papier klarer Favorit und gilt einmal mehr als Anwärter auf den Titel. Wo kann man gegen diese Top-Mannschaft Hebel ansetzen, um sie zu knacken?
„Es ist ein Spiel. Wir haben zuletzt gezeigt, dass auch wir sehr guten Fußball spielen können und unsere Leistung auf den Platz bringen. In einem Spiel sind die Chancen für den vermeintlichen Underdog etwas höher als in zwei Spielen. Das kommt uns entgegen. Klar, Lyon hat die Champions League jetzt vier Mal hintereinander gewonnen, hat Pokal und Meisterschaft regelmäßig für sich entschieden. Lyon ist der Topfavorit. Aber damit können wir gut leben, denn wir haben mehr zu gewinnen als zu verlieren. Für Lyon ist das anders, denn jeder erwartet einen Sieg von der Mannschaft. Das ist unsere Chance. Dass wir unsere Qualitäten haben, das weiß ich und davon bin ich überzeugt. Das hat die Mannschaft in den Vorbereitungsspielen gezeigt. Am Samstag brauchen wir natürlich das nötige Quäntchen Spielglück, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es uns gelingen wird, das Spiel sehr eng zu gestalten."

Eingewöhnung auf eine beeindruckende Atmosphäre: Die Mannschaft beim Training in der Allianz Arena.

Zuletzt haben Sie mit der Mannschaft nochmal in der Allianz Arena trainiert. Was wollten Sie damit erreichen?
„Es ist klasse, dass wir für ein Training in die Arena konnten. Es ist doch etwas anderes, in einem großen Stadion aufzulaufen und das beeindruckende Feeling wirken lassen zu können. In Bilbao wird der Eindruck beim Spiel im San Mamés-Stadion ähnlich sein. Deswegen wollten wir das zur optimalen Vorbereitung nutzen und freuen uns sehr, dass uns das ermöglicht wurde. Jetzt sind wir schon mal etwas eingestimmt, da das Abschlusstraining in Spanien auch nicht im Stadion, sondern auf einem Nebenplatz stattfinden wird."

Wie sehen die letzten Tage vor der Reise nach Bilbao aus?
„Am Dienstagnachmittag stand das Training in der Arena an, Mittwoch und Donnerstag trainieren wir abends, um in einen besseren Rhythmus für den Anpfiff am Samstag um 20:00 Uhr zu kommen. Am Freitagmorgen fliegen wir nach Bilbao, werden nach der Ankunft und dem abschließenden Corona-Test nochmal eine lockere Einheit absolvieren. Am Samstag gibt's ein kleines Warmup. Und dann sind wir bereit für das große Spiel und, ungelogen, ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke und den Mädels geht's genauso."

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