



Nach 1:1 gegen den dreimaligen Champions League-Sieger Barcelona
Sa. | 25.04.26 | 23:30
Mit viel Herz und festem Glauben: Warum der Finaltraum der FCB-Frauen weiter lebt
Franziska Kett kam nach dem Abpfiff noch einmal zurück auf den Rasen der Allianz Arena. Eben noch war sie nach ihrer Roten Karte mit gesenktem Blick vom Platz gegangen, nun warteten ihre Teamkolleginnen der FC Bayern Frauen auf sie. Eine nach der anderen nahm sie in den Arm, legte ihr die Hand auf die Schulter, sprach ihr zu. Es war ein starker Moment nach einem lauten Halbfinal-Abend in der Champions League.
Denn so sehr dieses 1:1 (0:1) gegen den FC Barcelona sportlich Mut machte, so klar war auch: Die Schlussphase hatte einen Dämpfer gesetzt. Kett, zuvor Torschützin des Ausgleichs, sah Rot. Auch Trainer José Barcala wurde in der aufgeheizten Phase des Feldes verwiesen. Es war der große Aufreger dieses Hinspiels - und ist eine Hypothek für das Rückspiel am Sonntag (16:30 Uhr) in Barcelona.

Doch genau deshalb bekam die Szene nach dem Abpfiff auch so viel Gewicht. In der Mitte des Spielfelds schlossen sich die Bayern-Spielerinnen zu einem Kreis zusammen, klatschten sich ab, richteten den Blick aufeinander - wohlwissend, dass noch alles möglich ist. Kurz darauf gingen sie gemeinsam Richtung Kurve. Der Applaus, der ihnen entgegenschlug, war laut, lang und verdient. „Auf geht’s Bayern, kämpfen und siegen!“, schallte es von den Rängen.
31.000 Zuschauer in der Arena
Es war der passende Schlusspunkt eines turbulenten Abends, der nicht nur von Sperren und Hektik erzählte, sondern vor allem von Widerstandskraft und einer Mannschaft, die gegen eine Weltklasse-Mannschaft bestanden hat.
Vor 31.000 Zuschauern, Heim-Rekordkulisse in der „Königsklasse“ für den FCB, wurde aus Respekt vor dem großen Favoriten Schritt für Schritt Überzeugung.

„Absoluter Respekt vor der Leistung unserer Mannschaft“, sagte Direktorin Bianca Rech. „Barcelona ist eine Weltklasse-Mannschaft. Und wie wir gegen diese Mannschaft bestanden haben, ist natürlich beachtenswert.“
Auch Barcala richtete den Blick direkt nach vorn: „Wir müssen jetzt weiter an uns glauben. Ich bin so stolz auf die Spielerinnen, sie setzen jeden Matchplan um, den man ihnen gibt. Wir waren aggressiv und haben schnell umgeschaltet und uns Chancen herausgespielt. Dass wir gegen Barcelona auch leiden müssen, war klar. Aber ich sehe die erfolgreiche Entwicklung.“
Entwicklung deutlich spürbar
Genau diese Entwicklung war an diesem Samstagabend spürbar. Die Kulisse trug die Mannschaft von Beginn an. Was mit gespannter Erwartung begann, kippte schnell in Euphorie. Die Südkurve war da, die Ränge lebten mit jeder Aktion. Und die Spielerinnen reagierten: diszipliniert und bereit, den eigenen Plan konsequent durchzuziehen.

Dieser Plan war zunächst auf Geduld angelegt. Barcelona den Ball überlassen, Räume eng halten, Passwege schließen, Umschaltmomente suchen. Zwei kompakte Viererketten, wenig Platz zwischen den Linien. Dass Ewa Pajor die Gäste bereits in der achten Minute in Führung brachte, hätte ein früher Bruch sein können. Wurde es aber nicht.
Bayern blieb stabil. Keine Hektik, kein Zerfallen, kein Abweichen vom Matchplan. Barcelona hatte viel Ballbesitz, kam aber lange nicht zu der Vielzahl an klaren Chancen, die gegen diese Mannschaft schnell entstehen kann.

„Es war ein anstrengendes Spiel, wir mussten viel verschieben und viel verteidigen“, sagte Klara Bühl. „Aber diese Geduld brauchst du einfach gegen Barcelona. Da darfst du nicht einmal schlafen. Du musst vom Kopf her voll da sein.“
Dass der Plan aufging, lag aber nicht nur an defensiver Disziplin. Es lag auch daran, dass Bayern immer wieder spürte: Nach vorne ist etwas möglich. Linda Dallmann sorgte mit ihren Dribblings für Szenenapplaus, Giulia Gwinn ließ mit einem Hackentrick die Ränge aufrauschen. Vor allem zeigte sich: Wenn Bayern den ersten Pressingmoment überspielte, wurde Barcelona verwundbar. „Wir haben gemerkt, dass sie nicht unschlagbar sind“, bemerkte Gwinn.
Mutiger und druckvoller
Dieser Satz dürfte mit nach Barcelona reisen. Denn kurz vor der Pause, als Bayern mutiger wurde und mehr Druck entwickelte, entstand erstmals dieses Gefühl: Da geht mehr. Nach dem Seitenwechsel stand der FCB höher, attackierte früher, witterte Ballgewinne. Zwar traf Barcelona in der 49. Minute den Pfosten, doch die Richtung war klar: Bayern wollte nicht nur verteidigen, Bayern wollte sich belohnen.

In der 69. Minute passierte genau das. Ein schneller Gegenstoß über links, Pernille Harder mit dem perfekten Blick, Kett mit dem überlegten Abschluss zum 1:1. Die Allianz Arena explodierte. Der Funke sprang endgültig über - vom Rasen auf die Ränge und wieder zurück.
„Wenn der Plan so aufgeht, ist es natürlich extrem cool“, sagte Klara Bühl. „Deswegen ist es auch so ein bisschen aus uns rausgesprudelt.“ Der Ausgleich war mehr als ein Tor. Er war die Bestätigung, dass Bayern mit Struktur und Mut Lösungen gegen Barcelona finden kann.
Dann wurde es turbulent. Nach dem Platzverweis gegen Kett musste Bayern die Schlussphase in Unterzahl überstehen. „Trotz Unterzahl haben wir es bis zum Ende gut verteidigt“, sagte Gwinn.

Barcelona drückte, Bayern verteidigte leidenschaftlich. Torhüterin Ena Mahmutovic wurde mit einer herausragenden Parade in der 88. Minute zum Rückhalt. Und die Arena reagierte, wie sie es den gesamten Abend getan hatte: geschlossen.
„Steht auf, wenn ihr Bayern seid“, hallte es durch das Stadion. Langgezogene „Baaayern“-Rufe trugen die Mannschaft über die letzten Minuten.
Viele Gründe für den festen Glauben
Die Aufgabe im Rückspiel wird groß. Barcelona ist im eigenen Stadion, im Camp Nou, eine Macht. Doch der Abstand fühlte sich an diesem Samstag nicht unüberwindbar an. Der FC Bayern hat Gründe, daran zu glauben. Oder, wie es Gwinn formulierte: „Jetzt heißt es alles oder nichts in Barcelona.“
Der Spielbericht zum Duell gegen den FC Barcelona:

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