



Bundesliga-Eröffnung
Sa., 22.08.2026, 07:50
Die Alte Försterei als erste Prüfung: So behielten die FCB-Frauen bei Union die Oberhand
Die Vorfreude auf diesen Abend war groß. Nach der Sommerpause ist die Google Pixel Frauen-Bundesliga zurück – und mit ihr der wöchentliche Rhythmus in Deutschlands Spitzenklasse. Wie es sich traditionsgemäß gehört, eröffneten die amtierenden Meisterinnen die neue Saison mit dem offiziellen Eröffnungsspiel. Hatte im vergangenen Jahr der Auftakt in der Münchner Allianz Arena für eine neue Zuschauerrekordkulisse im deutschen Vereinsfußball gesorgt, führte der Weg diesmal in die Hauptstadt zum 1. FC Union Berlin. Mit all der Vorfreude hing jedoch auch eine gewisse Anspannung in der Luft. Denn als vierfache Meisterinnen in Folge lasteten von außen hohe Erwartungen auf den FCB-Frauen.
Und wie schon vor 121 Tagen, als sie sich nach einem denkwürdigen Abend zwar vorzeitig zu Meisterinnen krönten, war von keinem einfachen Spiel auszugehen. Ein Blick auf die Tribünen machte bereits vor dem Anpfiff deutlich, worauf sich die Bayern einstellen mussten: Die Stehränge waren dicht gefüllt, erste Fangesänge hallten schon bei der Eröffnungsfeier durchs Stadion, während ein Zusammenspiel aus Flutlicht und roten Werbebannern die Alte Försterei in den Farben beider Vereine schimmern ließ. Ein Gegner, der nicht nur aus elf Spielerinnen auf dem Platz bestand, sondern aus einem eingeschworenen Kollektiv.
Ein ruhender Dosenöffner

Entsprechend dauerte es ein wenig, bis die Bayern ihr Spiel aufziehen konnten. Zwar gehörte der erste Torschuss nach einem abgefangenen Fehlpass vor dem Strafraum Linda Dallmann, im Spielaufbau wirkten die Münchnerinnen aber zunächst eher überlegt und etwas zögerlich. Kurz darauf folgte ein Solo-Konter von Eileen Campbell, bei dem sie das Tor nur knapp verfehlte. Dieser wirkte wie ein Weckruf für beide Seiten und leitete eine teils sehr schnelle und unterhaltsame erste Halbzeit ein. Die Offensivaktionen häuften sich auf beiden Seiten, Union presste beherzt nach vorne und schien in keinem Moment eingeschüchtert. Dadurch entstanden Räume, die die Berlinerinnen jedoch stets mit ihrer bekannten eisernen Defensivtaktik schlossen. Mit eigenen Vorstößen gelangen ihnen stattdessen immer wieder Nadelstiche, wie auch Cheftrainer José Barcala anerkannte: „Sie waren heute ein fantastischer Gegner, sehr aggressiv und haben uns während der gesamten 90 Minuten vor einige Schwierigkeiten gestellt.“ So musste Ena Mahmutovic in der 18. Minute einen flatternden Distanzschuss mit den Fäusten in letzter Not zur Ecke entschärfen.

Der erste Treffer der neuen Saison fiel schließlich in der 26. Minute. Jovana Damnjanović wurde einen Meter vor der Strafraumgrenze zu Fall gebracht und bescherte den Gästen damit eine mehr als vielversprechende Freistoßposition. Und wie schon am vergangenen Wochenende ließ sich die 25-jährige Klara Bühl nicht zweimal bitten: Sie legte sich den Ball zurecht, vermaß die Mauer mit geübtem Auge und zirkelte ihn direkt und präzise in den rechten Winkel. Den Führungstreffer selbst beschrieb die Torschützin später als „Dosenöffner“, mit dem die Mannschaft schließlich besser in die Partie fand und ihr altes Selbstvertrauen entfachte. So sehr sie anschließend die Spielgestaltung übernahmen und den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren ließen, brachten die Offensivbemühungen bis zur Pause nichts mehr ein.
Ein Start nach Maß zum Jubiläum

Nicht nur die Spielerinnen nutzten die Halbzeit, um neue Energie zu tanken. Dasselbe galt nämlich auch für alle anderen im Stadion Anwesenden. Die ohnehin schon lautstarken Ränge fanden nach dem Wiederanpfiff zumindest kurzzeitig zu einer neuen Intensität, was auch Bühl im Nachhinein als positiven Faktor hervorhob: „Es hat richtig Spaß gemacht, vor so vielen Fans zu spielen. Wir haben die Kulisse sehr genossen.“
Doch schon zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff sollte es einen kleinen Dämpfer für die zahlreichen Unionerinnen und Unioner in der Alten Försterei geben. Verantwortlich hierfür war einmal mehr Pernille Harder – wohlgemerkt in ihrem 100. Spiel für die FC Bayern Frauen. Mit der Abgeklärtheit und Finesse einer Stürmerin, die auf mehr als 15 Jahre Profifußball zurückblickt, schaltete sie bei einem ungenauen Rückpass am schnellsten und war als Erste am Ball. Wie selbstverständlich zog die Dänin in Richtung Tor und versenkte den Ball abgeklärt mit einem platzierten Flachschuss im Netz.
Mit längeren Ballbesitzphasen, klareren Abläufen und einer besseren Positionierung übernahmen die FCB-Frauen zunehmend das Kommando und drängten auf die Entscheidung. Nach einer Stunde fiel diese schließlich. Wenn auch weniger glanzvoll, dafür mit Effizienz, drückte Kapitänin Glódís Perla Viggósdóttir den Ball im Fallen irgendwie zwischen Schneider, Janssens, Torhüterin Bösl und dem Pfosten über die Linie. Die Alte Försterei hatte jedoch noch nicht ihren letzten Beitrag geleistet. Auch vom dritten Rückschlag ließen sich die Eisernen nicht abschrecken, warfen noch einmal alles nach vorne, gewannen zeitweise die Oberhand und brachten das Stadion durch den Treffer von Nele Bauereisen nochmal zum Toben. Genau aus dieser Phase nahm Barcala besonders viel Verbesserungspotenzial mit nach München: „Wir sind noch weit davon entfernt, wo wir sein wollen. Aber wir sind uns dessen bewusst und arbeiten in diese Richtung.“
Premiere mit Vorfreude auf mehr

Die erste Antwort auf seine eigene Kritik lieferte der Spanier kurzerhand selbst – mit den Einwechslungen der Neuzugänge Kassandra Potsi und Sophie Proost. Eine Eingewöhnungsphase brauchten beide nicht, stattdessen wirbelten sie sofort los. Mit einem ihrer ersten Ballkontakte suchte Potsi unverzüglich den Weg in die Spitze und erzwang prompt eine Ecke. Proost ging noch einen Schritt weiter. Unbeeindruckt von der lautstarken Unterstützung auf den Rängen suchte die erst 19-jährige Niederländerin im Strafraum aktiv den Zweikampf mit der erfahrenen Steuerwald, tanzte sie mit einer Drehung aus und setzte mit dem Treffer aus eben dieser Drehung bei ihrem Bundesliga-Debüt den Schlusspunkt der Begegnung.

Ein fehlerloser, gewohnt dominanter und selbstverständlicher Sieg, wie er sich im Nachhinein auf dem Papier lesen mag, war es an diesem Abend nicht. Doch vielleicht war genau das der beste Start in die neue Saison: der besondere Rahmen des Eröffnungsspiels, ein Gegner, der den Bayern viel abverlangte, eine drückende Kulisse und Phasen, in denen sich die Mannschaft erst zurechtfinden musste. Der Charakter, den Barcala in seiner Mannschaft sieht und an dem er weiterarbeiten will, blitzte an diesem Abend jedenfalls immer wieder durch: in Bühls unwiederstehlicher Chancenverwertung bei Standards, in Harders Instinkt, in Viggósdóttirs Führungsqualitäten, in Proosts Unbekümmertheit vor dem Tor und im Zusammenhalt aller, die das Trikot mit der Raute tragen.
🗞️ Der Spielbericht zum Auftaktsieg bei Union Berlin:
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