Die Mannschaft nach dem Spiel vor der Kurve.
© FC Bayern

2:2 nach frühem 0:2-Rückstand

Ein Comeback als Fingerzeig: Warum die FCB-Frauen aus dem Real-Duell mehr als nur einen Punkt mitnehmen

Dass dieses Spiel seinen ganz eigenen Glanz mit sich bringen würde, war bereits kurz nach der Auslosung der diesjährigen Ligaphase klar. Die FC Bayern Frauen empfangen Real Madrid – größer geht es im Vereinsfußball namenstechnisch kaum. Dazu war es eine Premiere, denn in einem Pflichtspiel standen sich die beiden Mannschaften bisher noch nie gegenüber. Die Vorfreude auf den Abend war entsprechend groß, und die Vorzeichen standen gut. Keines ihrer bisherigen 16 Gruppenspiele hatten die Münchnerinnen seit jeher zu Hause verloren. Doch nach gerade einmal 22 Minuten stand diese Serie vor dem ersten Riss.

Eiskalte Grüße aus Madrid

Die FC Bayern Frauen gegen Real Madrid.
Die Mannschaft, die Moral bewiesen und sich nach einem 0:2 Rückstand zurückgekämpft hat. | © FC Bayern

Dabei dauerte es nur 27 Sekunden, bis sich die Bayern über Bernadette Amani die erste Ecke erspielten. Diese verpuffte, und sollte direkt einen Vorgeschmack auf das bieten, was von Beginn an Probleme bereitete. Klara Bühl benannte es genau: „Im letzten Drittel waren unsere Pässe häufig zu ungenau, wodurch Real immer wieder zu Kontern kam.” In der siebten Minute folgte ein weiterer dieser angesprochener Konter, und Linda Caicedo zeigte, was sie zu einer der aufregendsten Spielerinnen der Zukunft macht. Ihrem Dribbling zur Grundlinie und der anschließenden Vorlage zur frühen Führung konnte die Münchner Defensive nur wenig entgegensetzen

Zwar kontrollierten die Hausherinnen das Spiel, durch den Treffer der Ex-Bayernspielerin Lineth Beerensteyn stand es nach 22 Minuten dennoch 0:2. „Real war besonders in der Anfangsphase wach, das haben wir ein bisschen verschlafen, auch die Zuordnung beim Freistoß vor dem Tor“, konstatierte Torhüterin Ena Mahmutovic, die beim Kopfball machtlos blieb.

Die Spreu trennt sich vom Weizen

Viel Platz für den Spielaufbau wurden Franziska Kett und Co. oft nicht gelassen. | © FC Bayern

Wo die meisten Mannschaften in sich zusammenfallen würden, den Kopf hängen lassen oder vom Moment zu überwältigt sind und Zeit benötigen, um den Rückschlag zu verkraften, zeigte sich, was eine Spitzenmannschaft ausmacht. Cheftrainer José Barcala war sich bereits sicher, wo seine Mannschaft steht: „Wir sind ein Weltklasse-Team, weil wir heute eine echte Siegermentalität gezeigt haben und wir Weltklassespielerinnen in unseren Reihen haben.“ Eine davon ist Bühl. Auf die Sekunde genau brachte sie in der 30. Minute einen Eckball dermaßen präzise in den Fünfmeterraum, dass Edna Imade, die sich höher in die Luft schraubte als alle Spielerinnen in Rot und Weiß um sie herum, den Ball zu ihrem ersten Champions-League-Tor nahezu nur noch einnicken musste.

Die Highlights der Partie im Video: 

Franziska Kett im Duell mit Athenea.
Champions League
Die Zusammenfassung des Spiels der FCB-Frauen gegen Real
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Spätestens durch diesen Treffer drehte sich das Spiel komplett. Real konnte den Ball kaum noch halten; längere Ballstafetten waren aufgrund der gestiegenen Intensität der Münchnerinnen nicht mehr möglich. Zum Pausenpfiff konnten die Königlichen gerade einmal 125 erfolgreiche Pässe verzeichnen. Bei den Bayern hingegen kamen mit 244 fast doppelt so viele an. Doch trotz der spielerischen Vorteile, der besseren Statistik und des hohen Ballbesitzanteils (63 Prozent zur Halbzeit) fehlte im letzten Drittel die Durchschlagskraft, um daraus die entscheidenden Chancen zu entwickeln.

Ein Tanz mit dem Ballett

Momoko Tanikawa jubelt gegen Real Madrid.
Mit ihrer feinen Technik hat Momoko Tanikawa abermals eine gesamte Abwehrreihe binnen Sekunden ausgespielt. | © FC Bayern

Giulia Gwinn bereitete dieser Makel jedoch keine großen Sorgen. Die verletzte Außenverteidigerin war sich zur Halbzeit sicher: „Es ist egal, wie der Ausgleich fällt. Danach können wir immer noch auf Sieg spielen. Wichtig ist nur, dass er möglichst früh fällt.“ Die Grundlage dafür liegt laut ihr auch in der Arbeitsweise von Barcala: „Er ist immer sehr sachlich, analysiert das Spiel direkt und bereitet uns mit präzisen Punkten immer sehr gut auf die zweite Halbzeit vor.“

Mit beiden Aussagen sollte sie recht behalten, denn die ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff waren Bayern-Offensive pur. Diesmal jedoch mit dem feinen Unterschied, dass die Angriffe in Torschüssen mündeten, statt wie zuvor in weißem Dunst zu verpuffen. Einen dieser Torschüsse brachte Linda Dallmann zunächst zu zentral auf das Tor von Merle Frohms, doch der Abpraller fiel in den Fuß einer Spielerin, die genau weiß, wie sie diesen Tanz zu vollenden hat. Mit einer kleinen Bewegung des Oberkörpers in die eine Richtung und dem feinen Pass vom rechten auf den linken Fuß erspielte sich Momoko Tanikawa, die am Ende der Partie zur Spielerin des Spiels gekürt wurde, binnen eines Sekundenbruchteils die nötige Freiheit, um die perfekte Linie zwischen drei Verteidigerinnen des Weißen Balletts zum Ausgleich zu finden. Und als wäre es vorbestimmt, geschah all dies erneut in der siebten Minute, diesmal im zweiten Spielabschnitt.

Nach dem Ausgleich schien es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bayern das Spiel für sich entscheiden würden. Auf die Ecke nach 27 Sekunden folgten noch sechs weitere, während Real kein einziges Mal zu einem Eckball kam. Am Ende standen 16:7 Torschüsse zu Buche, dazu eine Passquote von 87 Prozent gegenüber 76 Prozent. Und doch blieb das entscheidende Tor aus. Weder Torschützin Imade noch die Ballon-d’Or-Siebte Pernille Harder konnten die zahlreichen Chancen nutzen. Immer wieder fehlten wenige Zentimeter, oder Frohms war in letzter Sekunde zur Stelle. 

Eine Erklärung dafür lieferte Barcala im Anschluss an die Partie: „Das letzte Drittel ist der anspruchsvollste Raum im Fußball, denn dort sind die Gegner eng gestaffelt und die Räume extrem klein. Umso wichtiger sind Präzision, Effizienz und perfektes Zusammenspiel.“ Daran müsse seine Mannschaft weiter arbeiten, fügte er an. So war es sinnbildlich, dass Sophie Proost mit der letzten Offensivaktion der Begegnung am Außenpfosten scheiterte.

Die Stimmen nach dem Spiel:

Womit er zufriedener war, war die immer wieder ersichtliche Stärke seiner Mannschaft, das Geschehen auf dem Platz weiter mitzubestimmen, auch wenn sie das Spiel nicht vollumfänglich kontrollierten. So ließen sie im gesamten zweiten Spielabschnitt gerade einmal einen Distanzschuss der Gäste zu.

Stolz und Selbstvertrauen

 

Damnjanovic, Eriksso, Zadrazil und Viggosdottir klatschen und lachen nach dem Spiel.
Mit den Erkenntnissen aus dem Spiel gehen die FCB-Frauen in die nächsten Wochen, in denen zahlreiche wichtige Partien warten. Schon am Sonntag steht das Pokalduell mit Bayer Leverkusen auf dem Programm. | © FC Bayern

Natürlich war den Spielerinnen nach dem Abpfiff eine gewisse Enttäuschung über das Ergebnis anzusehen. „Wir hätten heute Abend drei Punkte verdient gehabt“, empfand Harder nach dem Abpfiff, und doch überwog bei ihr am Ende der Stolz über das Geleistete: „Trotzdem können wir mit unserem Comeback zufrieden sein.“ Klara Bühl sah es ähnlich: „Wir können stolz darauf sein, wie wir zurückgekommen sind und hätten sogar noch ein drittes Tor verdient gehabt.“ Am Ende stehen fünf Punkte nach drei Spielen in einem Wettbewerb zu Buche, „in dem jeder Punkt zählt“, wie es Franzi Kett treffend formulierte.

Was die Mannschaft mitnehmen kann, ist das Selbstbewusstsein aus der Erkenntnis, dass sie ein Spiel auch nach einem Fehlstart gegen ein europäisches Topteam wieder an sich reißen und dem Gegner seine Stärken nehmen kann. Sie blieb ruhig, spielte stets nach vorne und hatte laut Kett die Stärke, immer wieder zurückzukommen. Rufen sich die Bayern das immer wieder ins Gedächtnis, werden sie in den nächsten Spielen wieder mit drei Zählern für ihre Leistung belohnt.

🗞️ Der Spielbericht zum Sieg in Leverkusen:

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