



Die Königlichen analysiert
Mi | 28.10.2026 | 14:00
Mit Senß im Zentrum & Schröder in der Spitze: Real Madrid im Gegnercheck
Weiß ist bei Real Madrid nicht einfach eine Trikotfarbe. Es ist ein Versprechen, ein Erkennungszeichen, eine Bühne für große Ansprüche. Seit Jahrzehnten steht der Name des Clubs für Triumphe und Dramen, für europäische Nächte, in denen Geschichte geschrieben wurde. Am Mittwochabend (ab 18:45 Uhr im Liveticker auf fcbayern.com & in der FC Bayern App) kommt dieses Erbe nach Unterhaching – doch diesmal gehört das Rampenlicht den Frauen. Wenn die Spanierinnen im Sportpark auf die FC Bayern Frauen treffen, begegnen sich zwei große Namen des europ äischen Fußballs erstmals in der UEFA Women’s Champions League.
Vor allem die Männer haben Real Madrid zu einem der klangvollsten Namen des Weltfußballs gemacht. Die Frauenmannschaft wiederum schreibt an einem jüngeren Kapitel dieser Geschichte – mit dem Ziel, sich in Europa zu behaupten und dem berühmten Wappen auf der Brust eigene Erfolge hinzuzufügen. Vor dem dritten Spieltag der Ligaphase stellen wir euch die Spaniernnen etwas ausführlicher vor.
Vom Manifest zur Primera División

Der königliche Frauenfußball begann nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einer Idee, die sich über Jahre hinweg ihren Weg bahnte. Am 1. Juli 2020 nahm die Frauenabteilung von Real Madrid offiziell Gestalt an. Doch ihr eigentlicher Anfang liegt weit zurück – bei Ana Rossell, die früh daran glaubte, dass auch Frauen das weiße Trikot der Königlichen tragen sollten. 1997, gerade einmal 17 Jahre alt, wandte sich Rossell an den damaligen Präsidenten Lorenzo Sanz. Ihr Wunsch war kühn und klar: Real Madrid sollte eine Frauenmannschaft gründen. Doch die Türen, an die sie klopfte, öffneten sich zunächst nur einen Spalt. Auch bei Sanz’ Nachfolgern fand ihr Anliegen wenig Gehör.
Rossell ließ sich davon nicht entmutigen. 2014 nahm sie die Sache selbst in die Hand und gründete in Madrid den Frauenfußballverein CD Tacón. Zwei Jahre später verlieh sie ihrer Forderung gemeinsam mit einem der größten Fanclubs Real Madrids noch einmal Nachdruck: In einem Manifest warben sie für eine eigene Frauenfußballabteilung bei den Königlichen. Der Weg führte weiter – und schließlich nach oben. In der Saison 2018/19 stieg CD Tacón in Spaniens höchste Spielklasse, die Primera División, auf. Am 25. Juni 2019 kündigte Real Madrid an, eine eigene Frauenfußballabteilung gründen zu wollen. Drei Monate später gab die Delegiertenversammlung dem Vorhaben mit deutlicher Mehrheit ihren Segen: 810 von 894 Stimmen entfielen auf die Eingliederung von CD Tacón. So wurde aus einer beharrlich verfolgten Idee schließlich ein Teil der königlichen Fußballgeschichte.
Die ewigen Zweiten

In ihrer ersten Saison trat Real Madrid bereits aus dem Schatten der Neugründung heraus: Die Königlichen beendeten die Spielzeit auf Rang zwei – direkt hinter dem FC Barcelona. Was zunächst wie ein verheißungsvoller Auftakt wirkte, wurde in den folgenden Jahren zur festen Ordnung im spanischen Frauenfußball. Nur 2021/22 musste sich Real mit Platz drei begnügen; ansonsten behauptete die Mannschaft stets den Rang der zweitstärksten Kraft des Landes.
Den Aufstieg möglich machte nicht zuletzt die Bereitschaft des Gesamtvereins, in das junge Projekt zu investieren. Schon zum Start gelang es, Spielerinnen mit großer Erfahrung nach Madrid zu holen: die Schwedinnen Kosovare Asllani und Sofia Jakobsson sowie die Deutsche Babett Peter. In der Saison 2020/21 kamen mit Olga Carmona und Misa Rodríguez zwei vielversprechende spanische Talente hinzu; weitere gestandene Kräfte aus der Primera División verstärkten den Kader. Doch über dem Weg der Madrilenen liegt bis heute ein übermächtiger Schatten: der des FC Barcelona. An den Katalaninnen führte bislang kein Weg vorbei. So wartet Real Madrid weiterhin auf den ersten Titel seiner Vereinsgeschichte.
Wir sprachen vor der Partie mit Melanie Leupolz über das Premierenduell in der Champions League:
Bilanz auf europäischer Ebene
Schon in ihrer zweiten Saison betraten die Königlichen die große europäische Bühne: Real Madrid qualifizierte sich für die UEFA Women’s Champions League und erreichte nach dem zweiten Platz in der Gruppenphase das Viertelfinale. Dort wartete ausgerechnet der FC Barcelona – und beendete die Reise der Blancas. In den folgenden Spielzeiten blieb der Weg durch die Champions League kürzer: Für Real war jeweils bereits in der Gruppenphase Schluss.
2024/25 gelang den Madrilenen die Rückkehr ins Viertelfinale. Doch auch diesmal endete der Traum vom Weiterkommen an einem Gegner, der später den Titel holen sollte: Arsenal. In der vergangenen Saison führte der Weg erneut in die K.-o.-Runde. Als Siebte der Ligaphase qualifizierten sich die Königlichen für das Viertelfinale, wo ihnen einmal mehr der große Rivale aus Barcelona gegenüberstand. Das Wiedersehen geriet zur schmerzhaften Lehrstunde: Mit 2:6 und 0:6 musste sich Real deutlich geschlagen geben. Auch in die laufende Champions-League-Saison starteten die Madrileninnen ohne Sieg, aber mit zwei Punkteteilungen. Gegen Paris Saint-Germain wie gegen Manchester City stand am Ende ein 1:1 zu Buche.
Wiedersehen mit alten Bekannten

Wenn die Bayern-Frauen am Mittwochabend Real Madrid gegenüberstehen, begegnen sie nicht nur einem großen Namen des europäischen Fußballs, sondern auch einigen vertrauten Gesichtern. Gleich drei Spielerinnen im Trikot der Königlichen haben eine Vergangenheit beim FC Bayern: Arianna Caruso, Sara Däbritz und Lineth Beerensteyn. Caruso wechselte erst in diesem Sommer in die spanische Hauptstadt – ein Wiedersehen, das dem Duell eine persönliche Note verleiht. Und die Reihe der bekannten Namen reicht noch weiter. Torhüterin Merle Frohms ist deutschen Fußballfans bestens vertraut, ebenso Elisa Senß, die in diesem Sommer von Eintracht Frankfurt nach Madrid wechselte. Auch Janou Levels schlug den Weg zu den Königlichen ein: Sie kam vom Bundesligisten VfL Wolfsburg. So ist Real Madrid für die Bayern-Frauen am Mittwoch nicht nur Gegner, sondern auch ein Stück vertraute Fußballlandschaft – versammelt im weißen Trikot.
The Ones to watch

Im Team von Cheftrainer Pau Quesada treffen Erfahrung und jugendlicher Elan aufeinander. Eine, die das Gesicht der Königlichen längst mitprägt, ist Athenea del Castillo. Seit 2021 trägt die 25-Jährige das weiße Trikot – und ist inzwischen Rekordspielerin des Vereins. Am liebsten sucht sie auf der Außenbahn den Weg nach vorn, dorthin, wo aus Tempo Gefahr wird. Auch Linda Caicedo verleiht dem Madrider Angriff Glanz. Die 21-jährige Kolumbianerin zählt zu den schillerndsten Figuren des internationalen Frauenfußballs und gilt als eines der größten Talente ihrer Generation.
Frischen Schwung bringt Felicia Schröder, die in diesem Sommer vom schwedischen Klub BK Häcken nach Madrid wechselte. Die erst 19-Jährige hat sich schnell bemerkbar gemacht: In ihren ersten fünf Ligaspielen traf sie bereits sechsmal. Auf die Abwehr der Bayern-Frauen wartet also die Aufgabe, die Madrider Angriffslust früh zu bremsen. Im Zentrum des Spiels zieht Elisa Senß die Fäden. Die deutsche Nationalspielerin bringt Erfahrung ins Mittelfeld – und verbindet die jungen Kräfte der Königlichen mit dem Anspruch, den Real Madrid auf jeder Bühne erhebt.
Eine Begegnung, ein Sieg

Bislang begegneten sich die Münchnerinnen und Real Madrid erst ein einziges Mal – in einem Testspiel. In der Sommervorbereitung auf die Saison 2025/26 empfingen Pernille Harder und ihre Mitspielerinnen die Königlichen am FC Bayern Campus und setzten mit einem souveränen 4:1 ein erstes Ausrufezeichen. Georgia Stanway, Linda Dallmann, Momoko Tanikawa und Natalia Padilla Bidas trugen sich für die Bayern in die Torschützenliste ein. Am Mittwochabend aber beginnt die Begegnung aber bei null. Im Sportpark Unterhaching dürfte der Mannschaft von José Barcala ein anderes Real Madrid gegenüberstehen: eines, das aus der Erinnerung an die Niederlage von damals zusätzliche Entschlossenheit schöpft – und auf der europäischen Bühne seine eigene Geschichte schreiben will.
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