



Vor dem Showdown in Unterhaching
Mo | 26.10.2026 | 08:30
Melanie Leupolz vor dem CL-Duell gegen Real Madrid: „Bayern kann in Europa eine ganz große Rolle spielen“
FC Bayern München. Real Madrid. Zwei große Namen, zwei besondere Fußballkulturen – und am Mittwochabend ein erstes gemeinsames Kapitel in der UEFA Women’s Champions League (ab 18:45 Uhr im Lveticker auf fcbayern.com & in der FC Bayern App). Melanie Leupolz kennt beide Vereine aus eigener Erfahrung. Als Olympiasiegerin und Europameisterin zählt sie zu den prägenden Spielerinnen des deutschen Frauenfußballs. Zugleich ist sie eine der wenigen, die sowohl für die Roten als auch für das Weiße Ballett aufliefen. Die 32-Jährige, die seit vergangenem Jahr zu den FC Bayern Frauen Legenden zählt, blickt vor dem Duell auf die unterschiedlichen Wege der beiden Teams: auf die über Jahre gewachsene Erfahrung der Münchnerinnen und auf die Energie, den Mut und die Spielfreude der Madrilenen. Außerdem verrät sie, welche Spielerin sie am liebsten noch lange im roten Dress des FCB sehen würde, auf wen die Bayern bei Real besonders achten müssen – und gibt Einblicke in ihre Rolle beim DFB.
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Das Interview mit Melanie Leupolz
Servus, Melly! Dein Karriereende liegt noch nicht lange zurück. Wie geht es dir heute – und wie fühlt sich dein Alltag im Vergleich zu deiner aktiven Zeit an?
Melanie Leupolz: „Sehr gut. Die größte Umstellung war natürlich der Schritt vom Profidasein ins Leben danach: Wann steht man auf, wann trainiert man, wann spielt man, wann regeneriert man? Während meiner aktiven Zeit war jeder Tag genau durchgetaktet. Heute kann ich selbst entscheiden, wann ich Freundinnen treffe oder Geburtstage und Hochzeiten feiere, ohne vorher überlegen zu müssen, ob ein Training oder ein Spiel ansteht. Das genieße ich sehr.

Inzwischen gibt mein zweiter Sohn den Takt vor. Mit einem Neugeborenen lebt man wieder in einer Art Hamsterrad: Windeln wechseln, essen & trinken, Schläfchen – all diese Dinge. Das ist natürlich unheimlich schön, und ich genieße diese Zeit sehr. Gleichzeitig ist es ein völlig anderes Leben. Für mich ist es ein wunderschönes. Ich wollte immer, dass meine Kinder keinen allzu großen Altersabstand haben. Deshalb bin ich sehr glücklich, wie es jetzt ist.“

Der FC Bayern hat sich im Vergleich zu meiner Zeit dort enorm weiterentwickelt – gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren, auch im europäischen Vergleich.Melanie Leupolz über die Entwicklung der FCB-Frauen
Blicken wir auf das Sportliche: Am 28. Oktober treffen Bayern und Real Madrid in der Champions League aufeinander. Du kennst beide Vereine aus eigener Erfahrung. Was erwartest du von diesem Spiel?
„Das wird eine sehr spannende Begegnung. Der FC Bayern hat sich im Vergleich zu meiner Zeit dort enorm weiterentwickelt – gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren, auch im europäischen Vergleich. Die Mannschaft bringt mittlerweile viel Erfahrung mit, spielt seit vielen Jahren auf höchstem Niveau und besitzt die Qualität, in Europa eine ganz große Rolle zu spielen. Diese Entwicklung ist nicht plötzlich passiert, sondern über viele Jahre gewachsen. Wenn ich daran denke, wo sie einmal angefangen hat – in Anführungszeichen – und wo der Club heute steht, ist das wirklich beeindruckend. Bei Real fehlen vielleicht noch ein paar Jahre an Erfahrung. Die Frauenmannschaft gibt es noch nicht so lange, außerdem gab es im Sommer erneut einen größeren Umbruch. Real setzt stark auf junge Spielerinnen und Talente. Gleiches gilt aber auch für Bayern, die sehr viele interessante, junge Spielerinnen in ihren Reihen haben. Es ist schön zu sehen, welche Qualität dort jeweils heranwächst.“
Bayern bringt also viel Erfahrung mit, Real vor allem junge Talente.
„Ja, genau dieser Gegensatz kann das Spiel sehr reizvoll machen. Bayern hat sich die Erfahrung über viele Jahre auf höchstem Niveau erarbeitet. Real verfügt über junge Spielerinnen, die vielleicht noch nicht dieselbe Routine besitzen, dafür aber mit einer gewissen Unbeschwertheit und Spielfreude auftreten können. Es ist eine interessante Mischung: Eine Mannschaft, die solche Herausforderungen bereits häufig erlebt hat, trifft auf ein Team, das mit viel Talent, Energie und Mut dagegenhalten kann.“

Real war deine letzte Station. Du kennst den Kader der Madrileninnen aus deiner Zeit noch gut. Worauf sollte Bayern bei den Königlichen besonders achten?
„Ich habe zwar nicht mehr mit Felicia Schröder zusammengespielt, finde sie als Talent aber sehr beeindruckend. Was sie in dieser Saison zeigt – wie viele Tore sie erzielt und wie schnell und körperlich stark sie ist –, ist bemerkenswert. Sie bringt sehr viel mit, und es macht mir große Freude, ihr zuzuschauen. Ich denke, dass Bayern sie nicht aus dem Auge verlieren sollte. Gerade junge Spielerinnen können durch ihre Unbekümmertheit besonders gefährlich sein. Sie denken nicht ständig darüber nach, was alles auf dem Spiel steht, sondern können mutig und frei auftreten.“

Als Bayern und Real im vergangenen Jahr in der Vorbereitung am Campus gegeneinander gespielt haben, war das schon ein eigenartiges Gefühl. Inzwischen kann ich eine solche Begegnung wirklich aus einer etwas neutraleren Perspektive betrachten. Mit beiden Vereinen verbinde ich sehr viel.Melanie Leupolz über das bevorstehende Duell
Es gibt nur wenige Spielerinnen, die bisher für beide Vereine gespielt haben. Hast du einen Favoriten?
„Ich hatte bei beiden Clubs eine unglaublich schöne Zeit und freue mich vor allem darauf, alte Weggefährtinnen auf dem Platz wiederzusehen. Ich hoffe, dass beide Mannschaften in der Champions League möglichst weit kommen. Als Bayern und Real im vergangenen Jahr in der Vorbereitung am Campus gegeneinander gespielt haben, war das schon ein eigenartiges Gefühl. Inzwischen kann ich eine solche Begegnung wirklich aus einer etwas neutraleren Perspektive betrachten. Mit beiden Vereinen verbinde ich sehr viel.“

Du hast von 2014 bis 2020 in München gespielt, kamst damals in jungem Alter zum FC Bayern. Wenn du an diese Jahre zurückdenkst: Was kommt dir zuerst in den Sinn?
„Natürlich die beiden deutschen Meisterschaften und das Pokalfinale, das wir erreicht haben. Titel bleiben einem besonders in Erinnerung. Mindestens genauso wichtig sind für mich aber die Freundschaften, die in dieser Zeit entstanden sind und bis heute bestehen. Mein Leben sah damals noch ganz anders aus. Ich habe studiert, bin zum Training gefahren und war vergleichsweise jung. Mit Manu Zinsberger und Sarah Däbritz habe ich in einer WG gelebt. Das war eine sehr schöne und besondere Zeit. In München bin ich nach und nach auch immer mehr angekommen. Am Anfang war ich eher schüchtern und musste mich öffnen. Manu und Sarah haben mir dabei sehr geholfen. Mit ihnen hatte ich Menschen an meiner Seite, die mir das Einleben erleichtert haben. München war für mich sportlich und persönlich eine prägende Station, die ich nicht missen möchte.“

Du hast außerdem in England bei Chelsea sowie in Spanien bei Real gespielt. Was sind für dich die größten Unterschiede zwischen der spanischen und der deutschen Liga?
„In Spanien zu spielen, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich kam aus England, wo es häufig körperlicher zugeht – mit langen Bällen und vielen intensiven Zweikämpfen. In Spanien musste ich mich zunächst an den vielen Ballbesitz gewöhnen. Meine Adduktoren haben am Anfang nicht besonders gut mitgemacht. Es waren gefühlt zigtausend Pässe pro Tag (lacht). Gleichzeitig hat mir dieser Fußball große Freude bereitet. Es ging um kurze Zuspiele, darum, den Ball zu behalten und gemeinsam Lösungen zu finden. Den Ballbesitzfußball habe ich wirklich genossen. In Deutschland empfinde ich die Liga vielleicht als einen Tick ausgeglichener – sowohl beim Niveau der Mannschaften als auch bei der Professionalität in der Breite. Gerade in den vergangenen Jahren ist hier sehr viel Positives geschehen.“
Du warst stets eine Spielerin, die im Mittelfeld den Takt vorgegeben und als Leaderin und Kapitänin Verantwortung übernommen hat. Gibt es eine aktuelle Bayern-Spielerin, bei der du Parallelen zu dir selbst siehst?
„Das ist schwierig, ich vergleiche mich ungern mit anderen Spielerinnen. Ich würde mich als Strategin mit einer gewissen Körperlichkeit beschreiben. Vielleicht geht es am ehesten in Richtung Sarah Zadrazil – auch wegen der Position. Abgesehen davon gefallen mir Klara Bühl und ihr Spiel derzeit unheimlich gut. Ihr zuzuschauen, macht mir großen Spaß – ähnlich wie bei Felicia Schröder. Bei Klara kann man immer darauf hoffen, dass etwas passiert. Ich hoffe sehr, dass sie dem FC Bayern und der deutschen Liga noch lange erhalten bleibt.“

Bei Klara kann man immer darauf hoffen, dass etwas passiert. Ich hoffe sehr, dass sie dem FC Bayern und der deutschen Liga noch lange erhalten bleibt.Melanie Leupolz über Bayerns Klara Bühl
Du bist dem Fußball weiterhin verbunden und aktuell beim DFB im Bereich „Player Care & Development“ aktiv. Kannst du uns ein wenig von deiner Rolle erzählen?
„Eigentlich hatte ich vor, meine Elternzeit vollständig zu genießen. Als ich schwanger war, wurde ich jedoch gefragt, ob ich beim DFB im Bereich ‚Player Care & Development‘ mitarbeiten möchte. Da fiel es mir schwer, Nein zu sagen. Deshalb habe ich zunächst stundenweise in Teilzeit angefangen. Die Arbeit hat mir von Beginn an große Freude bereitet – und das tut sie bis heute. Wir unterstützen Spielerinnen bei Themen, die abseits des Platzes wichtig sind, vor allem im gesundheitlichen und persönlichen Bereich. Dazu gehören beispielsweise die mentale Gesundheit und die Frauengesundheit, aber auch Fragen zum zyklusorientierten Training oder zum Umgang mit einer Schwangerschaft im Profifußball.“
Dabei helfen dir auch deine eigenen Erfahrungen.
„In meinen 14 Jahren als aktive Spielerin habe ich vieles miterlebt – sowohl selbst als auch durch meine Mitspielerinnen. Dieses Wissen möchte ich bündeln und an die Spielerinnen weitergeben. Dabei geht es nicht darum, für jedes Problem sofort eine Lösung zu haben. Zunächst sind Zuhören und Orientierung wichtig. Wenn nötig, beziehen wir die passenden Fachleute ein. Aktuell richtet sich das Angebot vor allem an die Nationalspielerinnen im A- und Jugendbereich. Die Spielerinnen sollen sich an mich wenden können, wann immer sie Fragen oder Sorgen haben.“

Mit welchen Anliegen kommen Spielerinnen auf dich zu?
„Eine Karriere im Profifußball ist von vielen Unsicherheiten und Fragen begleitet. Deshalb ist eine neutrale und vertrauensvolle Anlaufstelle sehr wichtig. Wenn sie sich bei mir melden, geht es zunächst darum, dass ihnen jemand zuhört. Die Anliegen können ganz unterschiedlich sein – von mentaler und körperlicher Gesundheit über das persönliche Umfeld bis hin zur Karriereplanung. Ich möchte Ansprechpartnerin für sämtliche Themen sein, die die Spielerinnen beschäftigen. Wenn spezielles Fachwissen oder weitere Unterstützung notwendig ist, helfe ich ihnen dabei, die richtige Anlaufstelle zu finden. Dass das Angebot bereits so gut angenommen wird, freut mich sehr. Es zeigt, wie wichtig diese Möglichkeit ist – auch wenn es in diesem Bereich noch viel Potenzial gibt.“
Vielen Dank für deine Zeit, Melly.
ℹ️ Alle wichtigen Fan-Infos zum Duell gegen die Königlichen:
❓ Das Quiz zum Duell gegen Real Madrid:
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