Luzie Zähringer lächelnd während des Warm-Ups der deutschen Nationalmannschaft.
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Leihspielerin beim Aufsteiger aus Stuttgart

Zwischen FCB, VfB & Nationalelf: Luzie Zähringers beeindruckender Weg nach oben

Aus dem Reisen kommt Luzie Zähringer derzeit kaum heraus. Erst Ungarn mit der deutschen U19, dann die überraschende Nachnominierung für die A-Nationalmannschaft durch Bundestrainer Christian Wück. Von Karlsruhe ging es mit der deutschen Auswahl nach Bremen, nun führt ihr Weg einmal mehr nach München. Am Montagabend (ab 18 Uhr im Liveticker auf fcbayern.com & in der FC Bayern App) trifft die 18-Jährige auf die FCB-Frauen – auf jenen Club, bei dem sie erst im Mai ihren Vertrag bis 2029 verlängert hat und von dem sie für diese Saison an den VfB Stuttgart ausgeliehen ist.

Es sind bewegte Tage für eine junge Spielerin, die sich darin erstaunlich sicher bewegt. Zähringer läuft am Montag nicht im vertrauten Rot des FC Bayern auf, sondern mit dem Brustring des VfB Stuttgart. Vieles andere wird ihr aber bekannt vorkommen: die Wege am Campus, die Trainingsplätze, die Kabinen und die Menschen, die ihren bisherigen Weg begleitet haben. „Ich freue mich riesig auf das Spiel. Ich freue mich, alle wiederzusehen und kurzzeitig nach München zurückzukehren. Dieses Duell ist natürlich etwas ganz Besonderes für mich.“

Bianca Rech, Luzie Zähringer und Francisco De Sá Fardilha bei der Vertragsunterschrift am FC Bayern Campus.
Erst im Mai diesen Jahres verlängerte Luzie Zähringer ihren Vertrag bei den Münchnerinnen bis 2029. | © FC Bayern / Eva Dippold

Es ist die Rückkehr einer Spielerin, deren Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren beinahe im Zeitraffer verlaufen ist. Im Sommer 2024 wechselte Zähringer aus der Jugend des FSV Waiblingen nach München. Ein großer Schritt, der sich schnell auszahlen sollte. Beim FCB wurde sie herangeführt, entwickelte sich schnell, feierte im vergangenen November gar ihr Bundesliga-Debüt. Nun spielt sie leihweise in ihrer Heimatstadt Stuttgart, um regelmäßig auf hohem Niveau zum Einsatz zu kommen. Ihr Aufstieg ging schnell. Aber er kam nicht aus dem Nichts.

Ein Jahr Stuttgart, eine Zukunft in München

Zähringer kam beim FC Bayern in den vergangenen beiden Jahren vor allem für die zweite Mannschaft zum Einsatz. 38 ihrer bislang 43 Pflichtspiele absolvierte sie in der 2. Frauen-Bundesliga. Dort wuchs sie in eine Führungsrolle hinein, übernahm Verantwortung. Seit Juli sammelt sie in jungen Jahren Bundesligaerfahrung: In allen sechs Partien des VfB stand sie in der Startelf. „Für mich ist es wichtig und eine tolle Möglichkeit, dass ich Spielzeit sammeln kann. Ich glaube, nur dadurch kann man sich weiterentwickeln.“

🔍 Wir haben den VfB Stuttgart etwas genauer unter die Lupe genommen: 

Die Leihe ins Schwabenland ist deshalb kein Umweg, sondern ein gezielter Entwicklungsschritt. „Der Schritt von der zweiten in die erste Bundesliga ist noch einmal etwas anderes. Das Spiel ist schneller und intensiver, die Qualität höher. Kleine Fehler werden sofort bestraft“, sagt Zähringer. In Stuttgart soll sie nun genau an diesen Anforderungen wachsen. „Sie ist eine besondere Spielerin“, so  Cheftrainer José Barcala. „Sie hat die Fähigkeit, Pressing durch Dribblings, das Binden von Gegenspielerinnen und kurze Pässe auf die Sechser- oder Zehnerposition zu überspielen.“ Der Verein beobachte ihre Entwicklung sehr genau. Auch die Nominierung für die Nationalmannschaft, sagt Barcala, sei für sie „sehr positiv“: Sie gebe der Spielerin die Möglichkeit, internationale Erfahrung zu sammeln und zugleich das Umfeld der Auswahl kennenzulernen.

Jérôme Reisacher, der sie über zwei Jahre als Cheftrainer der FC Bayern Frauen II begleitet hat, kennt ihre Entwicklung aus nächster Nähe. „Als Trainer bin ich unglaublich stolz auf Luzie. Dass sie den Sprung in die Bundesliga geschafft hat, ist eine großartige Leistung und keineswegs selbstverständlich. Nicht nur ich, sondern auch mein gesamter Staff und der ganze Verein freuen uns sehr für sie. Luzie ist ein außergewöhnliches Talent, das mit großem Ehrgeiz und einem enormen Entwicklungsdrang an sich arbeitet. Wenn sie diesen Fokus beibehält, verletzungsfrei bleibt und weiterhin die Möglichkeit bekommt, regelmäßig zu spielen, bin ich überzeugt, dass ihr noch viele Türen offenstehen. Wie weit sie letztlich kommt, wird sie selbst entscheiden.“ Reisachers Bild von den offenen Türen passt zu Zähringers bisherigem Weg. Sie hat selten lange vor einer Möglichkeit gestanden. Meist hat sie den nächsten Raum bereits betreten, bevor andere bemerkten, wie schnell sie vorankam.

Erfahrungen in der Heimatstadt

Luzie Zähringer im Einsatz für den VfB Stuttgart in Hoffenheim.
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Wir haben einen sehr guten Start hingelegt und viele Punkte gesammelt, die uns im Verlauf der Saison noch helfen können. Jetzt gilt es, daran anzuknüpfen.

Luzie Zähringer über den Saisonstart mit dem VfB

Für Zähringer ist der VfB mehr als nur eine Zwischenstation. Sie wurde in Stuttgart geboren und ist dort aufgewachsen; ihre Familie ist seit jeher großer VfB-Fan – regelmäßigen Stadionbesuche gehören dazu. Das Trikot, das sie nun trägt, ist deshalb nicht bloß Arbeitskleidung. Es verbindet sie mit einer Stadt, in der ihr Fußballweg begann.

Als Aufsteiger schlagen sich die Schwäbinnen bislang beachtlich. Drei Aufstiege in vier Jahren haben den VfB in die Bundesliga geführt, dort steht die Mannschaft nach sechs Spielen mit acht Punkten im Mittelfeld. Stuttgart hat früh gezeigt, dass sie sich im Oberhaus etablieren wollen. „Wir haben einen sehr guten Start hingelegt und viele Punkte gesammelt, die uns im Verlauf der Saison noch helfen können. Jetzt gilt es, daran anzuknüpfen“, sagt Zähringer. Am Montag wartet allerdings der Tabellenführer. Für die Innenverteidigerin wird die Partie damit zum Wiedersehen und zur Bewährungsprobe zugleich. „Wir müssen kompakt stehen, Bayern möglichst wenige Räume geben und die Null so lange wie möglich halten. Gleichzeitig wollen wir nach vorne mutige Akzente setzen. Es wird ein schwieriges Spiel. Wir wissen, dass vieles passen muss, wenn wir sie ärgern wollen.“

Der Anruf, von dem jede träumt

Luzie Zähringer während einer Einheit der Nationalmannschaft in Bremen.
Erstmals im Kreise der A-Nationalmannschaft: Mit gerade einmal 18 Jahren wurde Zähringer jüngst von Bundestrainer Christian Wück für die Länderspiele gegen Australien und Japan nominiert. | © Imago

Die 18-Jährige hat bereits den ersten Südschlager der Frauen-Bundesliga im Blick. Dabei gäbe es genügend Anlass, die ersten Erfahrungen mit der deutschen A-Nationalmannschaft erst einmal zu verarbeiten. Der Anruf des Bundestrainers war ein besonderer Moment – ihren Fokus hat er jedoch nicht verändert. Die Nachricht erreichte sie weder im Stadion noch auf dem Trainingsplatz, sondern bei einem Spaziergang mit Marie Gmeineder. In der vergangenen Saison hatten beide noch für die zweite Mannschaft des FC Bayern gespielt. Nun sind sie in der Bundesliga angekommen – wenn auch an unterschiedlichen Orten: Zähringer in Stuttgart, Gmeineder auf Leihbasis beim SV Werder Bremen im hohen Norden.

„Ich bekam einen Anruf. Mir wurde gesagt, ich solle mich schnell melden, weil es dringend sei. Kurz darauf telefonierte ich mit Christian Wück“, erzählt Zähringer. Das Telefonat kam kurzfristig. Die Entwicklung, die zu diesem geführt hatte, war dagegen lange absehbar. Zähringer durchlief die deutschen U-Nationalmannschaften von der U 15 bis zur U 19. 2025 erhielt sie die Fritz-Walter-Medaille in Gold – als beste deutsche Nachwuchsspielerin ihres Jahrgangs. Langsam war sie also nicht aufgestiegen. Nur der letzte Schritt kam plötzlich.

Luzie Zähringer bejubelt ein Tor der VfB-Frauen.
Luzie Zähringer wurde in der Jugend des FCB ausgebildet. In dieser Saison steht sie leihweise beim VfB unter Vertrag. | © Imago

Kurz darauf führte ihr Weg von Ungarn nach Karlsruhe. Dort traf sie trotz Premiere auf einige vertraute Gesichter. „Bei der Nationalmannschaft habe ich auch Franzi, Klara, Ena und Linda [Anm. d. Red.: Franziska Kett, Klara Bühl, Ena Mahmutovic und Linda Dallmann] wiedergesehen und viel mit ihnen gesprochen. Gerade Franzi und Ena haben mir sehr geholfen, mich schnell einzufinden. Das war schön. Sie haben mir auch sofort geschrieben, als sie erfahren hatten, dass ich nachnominiert worden war.“

Auch wenn es noch nicht zum ersten Einsatz im DFB-Dress kam, bot der Lehrgang Zähringer mehr als ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern. „Die Tage waren sehr wertvoll für mich. Ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe. Ich konnte in den Alltag hineinschnuppern, die Abläufe kennenlernen, neue Mitspielerinnen treffen und den gesamten Staff erleben.“

Zwischen Herkunft & Zukunft

Luzie Zähringer im Zuge des Auswärtsspiels der FCB-Frauen II in Stuttgart.
Im vergangenen Jahr lief Zähringer mit den FCB-Frauen II noch in Stuttgart in der 2. Bundesliga auf. Am Montag gastiert sie mit dem VfB in München. | © Imago

Für die 18-Jährige fügen sich die Stationen ihres Weges immer dichter aneinander: Waiblingen, München, Stuttgart, U19, A-Nationalmannschaft. Dazwischen liegt ein roter Faden: Sie will spielen, lernen, besser werden. Dies wird auch am Montag so sein. Vielleicht wird sie dann für einen Moment vergessen, dass sie zurück ist. Vielleicht wird sie sich erinnern, wo sie angefangen hat. Auf dem Rasen aber wird ihr nichts geschenkt werden – und sie wird nichts verschenken wollen. Zähringer wird den FC Bayern wiedersehen, gleichzeitig aber auch die Chance mit dem VfB suchen. Für die 18-Jährige wird es ein Duell zwischen Herkunft und Zukunft. Dort, auf dem Rasen des FC Bayern Campus, wird sich am Montag zeigen, wie weit sie bereits gekommen ist. Und vielleicht auch, wie weit sie noch kommen kann. 

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