



Leihspielerin im Fokus
Mi | 04.11.2026 | 12:45
Zurück zu den Wurzeln – diesmal in Grün-Weiß: Marie Gmeineders besondere Rückkehr
Anfang September hatte das Weserstadion seinen ganz eigenen Soundtrack: das legendäre Nebelhorn, den Jubel der Ostkurve und nach dem Abpfiff die Bremer Hymne „Lebenslang Grün-Weiß“. Mittendrin: Marie Gmeineder, derzeit von den FC Bayern Frauen an Werder verliehen. Die gerade 18-Jährige spielte im Mittelfeld, in einem Nordderby, das Werder gewann und das ihr wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Höhepunkt ihrer ersten Monate im hohen Norden, ohne Zweifel.
26.814 Menschen waren dabei, darunter Gmeineders Familie. Auch deshalb war es für sie mehr als ein stimmungsvoller Fußballabend: Von ihrem Heimatort Landau in Niederbayern ist es weit bis nach Bremen, Besuche sind daher keine Selbstverständlichkeit. Das nächste Wiedersehen findet an einem anderen Ort statt: am FC Bayern Campus, wo Marie ihre ersten Schritte im Profifußball gemacht hat. Diesmal trägt sie Grün-Weiß statt Rot. Mit Werder kommt sie als Vierter zum Tabellenführer (Freitag ab 18:30 Uhr im Liveticker auf fcbayern.com & in der FC Bayern App). Es ist ein Topspiel – und für sie ein Heimspiel mit vertauschten Vorzeichen.

Kurze Wege, neue Umgebung
Gmeineder, die erst im Juni dieses Jahres einen neuen Vertrag bei den Bayern bis 2028 unterschrieben hat, fühlt sich wohl im hohen Norden. Bremen, sagt sie, sei eine schöne Stadt: nicht zu groß, mit kurzen Wegen – man komme überall schnell hin. Besonders angetan haben es ihr die Überseestadt und die Schlachte, die historische Uferpromenade an der Weser in der Bremer Altstadt: kleine Restaurants am Wasser, Cafés, in denen sie nach dem Training gern ein paar Stunden mit ihren Teamkolleginnen verbringt. Es ist eine Beschreibung, in der sich beinahe ein Gegenentwurf zum Fußballalltag abzeichnet: Auf dem Platz muss meist alles schneller gehen, in der Stadt geht es dagegen entspannter zu.

Es macht unfassbar viel Spaß, Teil dieser Mannschaft zu sein. Auch in Bremen habe ich mich sehr gut eingelebt. Mit Fritzy Kromp haben wir eine sehr erfahrene und engagierte Trainerin, von der ich viel lernen kann.Marie Gmeineder
Dass sie sich rasch eingelebt hat, führt Gmeineder auch auf den Empfang bei Werder zurück. Mannschaft und Staff hätten sie sehr gut aufgenommen; sie habe sich von Anfang an wohlgefühlt. Dass sie vor ihrem Wechsel bereits die ehemalige Münchnerin Sarah Ernst und Maria Penner kannte, habe zusätzlich geholfen. Vor allem Ernst zeigte ihr die Wege und erklärte ihr die Abläufe – eine persönliche Stadtkarte, ergänzt um den nicht unwichtigen Hinweis, wo man wann sein muss.
Eine Leihe als nächster Schritt
Bei Bayern spielte Gmeineder überwiegend für die zweite Mannschaft in der 2. Bundesliga. In der vergangenen Saison kam sie in 25 von 26 möglichen Ligaspielen zum Einsatz und gehörte zu den Leistungsträgerinnen – und das mit gerade einmal 17 Jahren. Dazu kamen erste Einsätze für die erste Mannschaft: im DFB-Pokal und in der Bundesliga. Ihr Debüt in der deutschen Beletage gab sie im April 2026 – ausgerechnet gegen Werder Bremen, wie sollte es anders sein. Auf Platz 11. Ein paar Monate später kehrt sie als Bremerin in den hohen Norden zurück. Man könnte es eine Pointe nennen, wenn es nicht vor allem ein ziemlich guter Karriereplan wäre.

Die Leihe nach Bremen soll Marie das verschaffen, was junge Talente am dringendsten brauchen: Spielzeit, Verantwortung und Erfahrung auf höchstem Niveau. Für eine Saison soll Werder zur Werkstatt für den nächsten Entwicklungsschritt werden. Die Ausgangslage ist vielversprechend: 2025 erhielt sie die Fritz-Walter-Medaille in Bronze, zudem ist sie deutsche U19-Nationalspielerin. Schlechte Aussichten für die kommenden Jahre sehen anders aus.
Von Landau über München nach Bremen
Gmeineders Weg begann in Landau an der Isar, führte 2024 über die SpVgg Grün-Weiß Deggendorf zum FC Bayern – und nun weiter an die Weser. Sie durchlief die deutschen U-Nationalmannschaften von der U15 bis zur U19. Auch das Fachabitur brachte sie parallel zum Fußball unter Dach und Fach. Ihr Lebenslauf liest sich nicht wie ein gerader Sprint, sondern eher wie ein anspruchsvoller Mehrkampf: auf dem Platz, im Klassenzimmer – und möglichst ohne den Anschluss zu verlieren.

In Bremen, sagt Gmeineder, sei die Intensität höher als in der 2. Bundesliga – „mit und gegen den Ball“. Fehler hätten hier eine kurze Halbwertszeit: „Sie werden schneller bestraft, Entscheidungen müssen rascher fallen.“ Die regelmäßigen Einheiten und die Spielzeit helfen ihr, sich an das höhere Tempo zu gewöhnen. „Ich möchte hier alles mitnehmen, jeden Tag besser werden und meinen Zielen näherkommen.“
Gelegenheiten dazu gibt es reichlich: In allen sieben bisherigen Bundesligaspielen kam Gmeineder zum Einsatz, dreimal stand sie in der Startelf. Ihr erstes Spiel von Beginn an bestritt sie gegen den VfL Wolfsburg. Fünf Tage später lief sie im Weserstadion gegen den HSV erneut von Anfang an auf. Das Nordderby war dabei mehr als nur ein weiterer Termin im Spielplan: Gmeineder erlebte Grün-Weiß, seine Anhängerschaft und die besondere Wucht eines Heimabends am Osterdeich aus nächster Nähe.
Werder mit Rückenwind
Werder hat derzeit guten Grund, die Reise nach München mit Selbstvertrauen anzutreten. Die Bremerinnen gewannen gegen Freiburg ein 4:3-Spektakel, bezwangen Hoffenheim im Nachholspiel mit 3:0 und setzten sich am vergangenen Wochenende im Pokal-Achtelfinale nach Verlängerung mit 2:0 in Mainz durch. Drei Siege in kurzer Folge – darunter zwei Ligapartien. Am Freitag wartet nun der Tabellenführer. Die Rollen sind vermeintlich klar, auch weil die Werderanerinnen seit 2018 nicht mehr in der Liga getroffen haben. Der Anlass zum Verstecken aber nicht.

Ein wichtiger Fixpunkt in Gmeineders Bremer Alltag ist Trainerin Fritzy Kromp. Auch sie kommt aus Bayern und war unter anderem beim Bayerischer Fußball-Verband, beim DFB sowie für die Frankfurter Eintracht tätig. „Sie ist sehr erfahren und engagiert. Von ihr kann man viel lernen“, sagt die 18-Jährige. „Sie fordert uns, unterstützt uns aber auch und gibt immer wieder neue Impulse.“ Das helfe ihr, an den eigenen Stärken zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln. Eine gute Trainerin verteilt eben nicht nur Aufgaben. Sie stellt auch die richtigen Fragen und lässt ihre Spielerinnen mit den Antworten nicht allein.
Dass Gmeineder sich in Bremen wohlfühlt, liegt nicht nur an kurzen Wegen und Cafés am Wasser. „Es macht unfassbar viel Spaß, Teil dieser Mannschaft zu sein und jeden Tag mit ihr zu verbringen“, sagt sie. „Auf dem Platz sind wir zusammengewachsen, daneben ebenso.“ Ein einzelne Bezugsperson aus dem Kader möchte sie nicht herausheben: „Jede bringt etwas mit – eine bestimmte Spielweise, eine Entscheidung, eine Haltung oder Erfahrung im Umgang mit dem Team. Ich nehme mit, was mir weiterhilft, und entwickle daraus meinen eigenen Weg.“ Talent, so klingt das, braucht nicht zwingend ein einziges Vorbild.
Rückkehr mit vertauschten Vorzeichen

Wir wollen mutig auftreten und uns nicht verstecken. Wir wollen unsere Qualitäten auf den Platz bringen und in den Zweikämpfen eklig sein. Für mich ist es natürlich ein besonderes Duell, auf das ich mich sehr freue. Es wird schön, all die bekannten Gesichter wiederzusehen.Marie Gmeineder
Am Freitag wartet nunmehr das Duell in München. „Wir wollen mutig auftreten und uns nicht verstecken, unsere Qualitäten auf den Platz bringen und in den Zweikämpfen eklig sein“, sagt Gmeineder. „Bayern soll möglichst gar nicht erst richtig ins Spiel kommen. Dafür wird das Trainerteam einen Matchplan entwickeln.“
Für sie wird es ein Abend zwischen Bremer Gegenwart und Münchner Vergangenheit. Am Campus ist Gmeineder vieles vertraut – und doch ist diesmal alles anders. Hier machte sie einst ihre ersten Schritte. Nun kehrt sie als noch immer äußerst junge Bundesligaspielerin zurück. Die Adresse ist dieselbe, ihre Rolle eine andere. Aus Bremen bringt sie Spielpraxis, neues Selbstvertrauen und die Erfahrung mit, sich auch auf großer Bühne behaupten zu können. Gegen die früheren und zukünftigen Weggefährtinnen wird die Rückkehr damit zum Prüfstein: für eine Spielerin, die nicht mehr nur zeigen will, was in ihr steckt, sondern auch, was der Norden schon aus ihr gemacht hat.
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