2. Frauen-Bundesliga Süd - Runden 7 und 8

Frauen gewinnen die Schlußrunden

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Nachdem der reguläre Mannschaftsführer Holger Werner durch den Besuch einer Hochzeit verhindert war, hatte ich das Vergnügen, unsere 1. Frauenmannschaft nach Freiburg zu begleiten. Da Fahrt, Hotel und Abendessen bereits mustergültig vorbereitet waren, blieben mir lediglich die angenehmen Aufgaben übrig, wie z. B. das Unterschreiben der gewonnenen Kämpfe. Die 4 Mannschaftspunkte und die 8,5 Brettpunkte (aus 12 möglichen) führten uns am Saisonende noch auf einen respektablen 2. Tabellenplatz.

Anreise und Vorbereitung

Schon am Freitag Nachmittag ging es mit 7 Spielerinnen und einem Betreuer auf in das sehenswerte Freiburg. Bereits während der Anreise im Zug gab es die ersten Vorbereitungen auf die Schachkämpfe. Anschließend, beim gemeinsamen Abendessen, übten sich unsere zwei Nesthäkchen im Brechen der Abwehr hartnäckiger Gegner: Die Panzer kleiner und großer Krustentiere wurden erfolgreich geknackt um an die verwundbaren Stellen heranzukommen. Dermaßen kampferprobt ließen die beiden ihren Gegnerinnen kaum eine Chance und räumten bis auf ein Remis alles ab!

6. Saisonspieltag am Samstag gegen SK 1980 Gernsheim

Im ersten Wettkampf wurden wir unserer Favoritenrolle gerecht und erzielten mit 3 Siegen und 3 Unentschieden einen klaren Sieg. Betrachtet man die Partien im Detail, dann waren die Gernsheimer mit den 3 Unentschieden sogar noch sehr gut davon gekommen.

Somit war das Pflichtprogramm erledigt und wir konnten am Sonntag den entscheidenden Kampf um Platz 2 angehen.

7. Saisonspieltag am Sonntag gegen SK Freiburg-Zähringen

Die Spielstärken der 2 Mannschaften waren etwa gleich, so dass ein spannender Wettkampf zu erwarten war. Der Auftakt war noch ruhig mit zwei Remisen von Anita und Marianne. Aber dann konnte Marharyta („Margarita“) in einer über weite Strecken ausgeglichenen Partie ihre nominell überlegene Gegnerin aufs Glatteis locken und ihr eine Figur abnehmen.

Die Spannung wurde aufrecht erhalten, weil Milka nach einer ehrgeizigen Eröffnung zwar einen Bauern gewann und vorteilhaft stand, jedoch noch einen Königsangriff abzuwehren hatte. Ein Fehlgriff und das Match stand wieder ausgeglichen: 2:2.

Der Sieg von Svenja brachte uns nach einem Spiel auf Messers Schneide wieder auf die Gewinnerstraße. Nun durfte Gabi in der letzten Partie "lediglich" nicht mehr verlieren. Sie hatte zwar inzwischen eine Mehrqualität, ihr etwas geschwächter Königsflügel wurde aber von einem starken Läufer unangenehm beäugt. Letztlich wurden die Klippen umschifft und der letzte Punkt zum 4:2 Endstand eingefahren. Ein toller Erfolg!

Heimfahrt und Ausblick

Die sieben Kämpferinnen hatten immer noch nicht genug vom Schach, so dass auf der Rückreise im Zug munter weiter analysiert wurde. Alle waren traurig, dass die Saison schon vorbei war.

Für das nächste Jahr ist das Ziel natürlich jetzt schon klar:  Diesmal 1. Platz und Wiederaufsaufstieg in die 1. Liga! (Text und Bilder: Christoph Renner)

Entscheidende Partiestellungen aus den zwei Wettkämpfen

WIM Dr. Silvia Paddok  -  Marharyta Khrapko

Gerade wurde - zwar planmäßig aber leider zu gefräßig - der Bauer auf a6 mit Le2xa6 verspeist. Das bekam der weißen WIM nach Tf8-b8 überhaupt nicht, sie verlor den Läufer und bald auch die Partie.

Jutta Ries  -  WIM Nellya Vidonyak

In einem komplizierten Mittelspiel hatte Nelly ihre Gegnerin nach und nach überspielt und schließlich einen Bauern erobert.
Hier vollstreckte sie mittels:  36. … Sd5-f4+  37. Kg2-f3 e3-e2!  38. Sa3-c2 Tg7xg3  39. Kf3xg3 Sf4-d3  was eine Figur und die Partie gewinnt.

WFM Dr. Anita Stangl  gegen  Tabea Wilke

Eigentlich weiß man ja, dass man Anita niemals einen Springer auf f5 erlauben darf! Das musste bereits ihre Gegnerin im Spieltag davor leidvoll erfahren. Hier stehen gleich zwei solche Gäule bereit und so ist es bei dem exponierten schwarzen König kein Wunder, dass große Gefahr droht.

Anita macht nun mit dem wunderschönen  Tc1xc7!!  die Lichter aus.

Manon Müller  gegen  WIM Milka Ankerst

Mittels  26. … e5  (gewinnt nach einem Turmrückzug durch e5-e4 eine Figur) zwingt Milka ihre Gegnerin dazu, ihren Turm zu deplatzieren mit:  27. Td4-h4  Dh6-f6  (droht wieder e4!)  28. g2-g3.

Weiß steht nun sehr gefährdet und konnte den Turm nur mit Hilfe eines Bauernopfers wieder ins Spiel bringen und mit viel Glück remisieren.

Svenja Butenandt  gegen  Madeleine Schardt

Schwarz spielte soeben leichtfertig  7. … d7-d6?  wohl um mit Sbd7 die Entwicklung zu vollenden.
Doch nun folgte:   8. Dc2-a4+! Sb8-c6  9. d4-d5  und der Springer auf c6 ist verloren.

Wer glaubt, das Motiv "Da4 nebst d4-d5" könne man nicht übersehen: Kein geringerer als WM Capablanca verlor so auf ganz ähnliche Weise in Karlsbad 1929 gegen Sämisch eine Figur!

Prof. Dr. Tanja Schilling  -  WFM Marianne Spiel

Hier tauschte Schwarz die Damen und die Partie endete bald darauf Remis. Es gab hier jedoch die versteckte Möglichkeit:  18. … Te8xe3!!  19. Df5xd7  (19. Df5xf6? Te3xe1+ gewinnt einfach eine Figur)  19. … Te3xf3!  20. g2xf3  h6-h5!!

Nun kann Weiß nicht mehr die Dame auf g4 dazwischen stellen und Schwarz gewinnt wegen der Drohungen gegen den weißen König (vor allem Df6-g6-g2).

Gabriele Renner  -  Teresa Künle

Der angegriffene Springer sollte auf eines der drei möglichen Felder ziehen mit ordentlicher Stellung. Der Bauer f5 ist dagegen tabu wegen Le2-g4 mit Qualitätsgewinn.

Die Schwarze wollte aber erst noch mit dem einen Turm ein Tempo gewinnen:  31. ... Td7-e7?, worauf nun allerdings  32. De3-b6  den anderen - nun ungedeckten - Turm angriff und eine Qualität verloren ging.