1. Bundesliga 2019/2020 - Saisonvorschau

FC Bayern steht vor spannender Bundesligasaison!

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"Dem Münchner Schachpublikum steht eine großartige Saison bevor, zu der wir als FC Bayern natürlich so viel wie möglich beitragen wollen.“ Dieses durchaus verpflichtende Zitat aus einem Interview, dass der Autor Ende Juni dem Schachbundesliga e.V, gab, bezog sich zwar nicht ausschließlich auf die Bundesligamannschaft des FC Bayern. Dennoch ist natürlich klar, dass gerade diese Mannschaft in der kommenden Saison im Mittelpunkt des Interesses stehen wird. 

Genau 203 Tage ist der 24. März jetzt her, der Tag, an dem die 1. Mannschaft des FC Bayern in Aue mit einem Sieg gegen den SC Forchheim den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga perfekt machte. 203 Tage, die nicht einfach nur so verflossen sind, sondern die in Sachen Saisonvorbereitung extrem betriebsam waren. Die mit Abstand wichtigste Frage, die sich nach jeder Saison eigentlich immer sofort stellt, ist die Frage, wer denn wohl in der kommenden Saison zur Mannschaft gehören wird und im roten Trikot am Brett sitzt. Die Dringlichkeit dieser Frage ergibt sich nicht zuletzt aus den rasch heranrückenden Fristen für Vereinswechsel. Während das „wer und wohin“ ist Anfang Juli bereits bekannt ist, kennen wir seit Anfang August nun auch die Aufstellungen der 16 Bundesligamannschaften für die kommenden Saison.
Nach dem Aufstieg ist es nicht überraschend, dass auch der FC Bayern für die kommende Saison Anstrengungen unternommen hat, seine Mannschaft bestmöglich zu verstärken, ohne freilich den gesamten Kader auszutauschen. Die Aufstiegsmannschaft sinnvoll zu ergänzen, um eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben, war das Ziel. „Bis zu drei Neuzugänge für die vorderen Bretter“ lautete das Maß, an dem sich die Bemühungen orientierten. Und natürlich ist es besonders erfreulich, dass es tatsächlich gelungen ist, die gewünschten Verstärkungen zu finden.

Da wäre zunächst die neue Nr. 1 im Team, Niclas Huschenbeth, aktueller Deutscher Meister und selbstredend einer der stärksten deutschen Spieler momentan. Für ihn ist das Spitzenbrett in der Bundesliga genau die passende sportliche Herausforderung. Bei der versammelten Weltklasse, die an den vorderen Brettern der Bundesliga zu finden ist, wird es an Gelegenheiten, sich auf höchstem Niveau zu bewähren, nicht mangeln. Von ganz ähnlichem Kaliber ist selbstverständlich auch Sebastian Bogner, den man der Schachöffentlichkeit in Deutschland ebenfalls kaum noch vorzustellen braucht. Mit einer Spielstärke um die 2600 ELO ist er seit Jahren eine feste Größe in der Schachszene. Komplettiert wird das Trio der Neuzugänge von Miguel Santos Ruiz, der mit seinen gerade einmal 21 Jahren zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsspielern seines Heimatlandes Spanien zählt und sich zuletzt immer näher an die 2600 ELO heran schob. Sicherlich ein Ziel, dass er sich für die nähere Zukunft vorgenommen hat und das ihm ohne Weiteres auch zuzutrauen ist. 

Alle weiteren 13 Spieler gehörten auch in der vergangenen Zweitligasaison bereits zur Mannschaft. Da wären zunächst Valentin Dragnev, Nico Georgiadis und Noel Studer, die drei „jungen Großmeister“, die sich untereinander nicht viel nehmen und sich momentan ein gutes Stück über 2500 ELO einsortieren. Dass alle drei jederzeit in der Lage sind, für ein Ausrufezeichen zu sorgen, haben sie schon vielfach bewiesen, zuletzt beispielsweise gerade wieder Noel Studer, der kürzlich seinen zweiten Titel als Schweizer Meister gewann. Alte Hasen, aber noch lange kein altes Eisen sind dagegen Klaus Bischoff und Zoltan Ribli, deren Konstanz und Zuverlässigkeit in den letzten Jahrzehnten genau der Kontrast ist, den eine Mannschaft mit vielen aufstrebenden Nachwuchsspielern braucht. Mit diesen beiden stehen insgesamt 8 Großmeister in der Liste der 1. Mannschaft, soviel wie seit den 90er Jahren nicht mehr.

Aber natürlich zählt nicht nur der Titel, sondern vor allem das Potenzial. Und da haben wir noch einiges. Wie wäre es zum Beispiel mit Linus Johansson, Martin Lokander, Philip Lindgren und Makan Rafiee. Nochmal eine Tranche „junger Wilder“, die jederzeit Normen erspielen können und allesamt mit herausragenden Ergebnissen am Wiederaufstieg beteiligt waren. Selbiges gilt natürlich auch für Alexander Zajogin, dessen 7 aus 9 in der 2. Bundesliga nur deshalb nicht zu einer IM-Norm reichten, weil mal wieder eine formelle Anforderung im Weg stand. War es vor einem Jahr in der Oberliga Bayern noch die fehlende Schiedsrichterqualifikation, so fehlte diesmal der 3. Ausländer. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und so wird auch er versuchen, in der kommenden Saison wieder entsprechend Gas zu geben. Und vergessen wir nicht Michael Fedorovsky, der genau wie Linus Johansson bereits eine Großmeisternorm in der Bundesliga erspielte. Er gehört natürich nach wie vor zu den festen Größen beim FC Bayern, ganz genau wie Stefan Schneider und Peter Meister, die ebenfalls seit vielen Jahren aus der Mannschaft nicht wegzudenken sind.

Alles in allem eine Mannschaft, die - auch wenn sie nominell nach wie vor zu den Außenseitern zählt - sicher alles daran setzen wird, das große Saisonziel, den Klassenerhalt, zu schaffen.

Das Münchener Schachpublikum kann in der kommenden Saison übrigens an zwei der sieben Wettkampfwochenenden live dabei sein. Anfang Februar und Mitte März richtet der FC Bayern seine beiden Heimwochenenden aus. Mitte März fällt dieses sogar zusammen mit dem Heinwochenende der 2. Mannschaft in der 2. Bundesliga Ost. Ein echtes Mega-Event steht dann also in München ins Haus, auf das sich alle Schach-Fans schon jetzt freuen können.

Bis dahin ist es freilich noch ein Stück. Zum Saisonauftakt muss unsere Mannschaft zunächt Ende November nach Augsburg, wo unser Saison-reisepartner BCA Augsburg sein Heimwochenende ausrichtet. Hamburg und Lingen werden dort die Gegner sein. Ferner gastiert der FC Bayern im Saisonverlauf dann noch in Hochenkeim und Baden-Baden, bevor es Ende April zur zentralen Endrunde nach Berlin geht. Hoffentlich dann mit einem "Happy End" in rot! (Wengler)